Vom Ablegen und der Würde des Pferdes (1) Skip to content

Vom Ablegen und der Würde des Pferdes (1)

(Teil 1)

Helga Thoroddsen, Reitlehrerin, Ausbilderin und Dozentin an der Pferdeuniversität Hólar hat einem Teil des umstrittenen Demonstrationskurs von Iben Andersen beigewohnt und bezeichnet die Inhalte des dreistündigen Kurses als “keine Neuerung, im besten Fall altmodisch und unnötig, im schlimmsten Fall als gefährlich für Mensch und Pferd”. In ihrem offenen Brief schreibt sie, dies sei kein persönlicher Angriff, es gehe einzig um die Methode, die Iben gewählt habe und für die sie auch einstehe.

Sie wolle auch die Ansichten diverser Trainer und Trainerinnen keineswegs schlechtreden, sie sehe dennoch den Bedarf, ein Für und Wider der Methode abzuwägen. “Es gibt anderes und besseres,” meint Helga.

helga-pistillVertrauen und Freiheit. Foto: Thingeyrar.is

Sie sieht eine Verantwortung, dem Tun anderer nachzuspüren, bisweilen sei dies sogar unvermeidlich. Es gebe jedoch auch die Verantwortung zu schweigen. “Aber wird Schweigen nicht mit Zustimmung gleichgesetzt? Dieser Brief wurde vor allem geschrieben, um eine Lanze für unsere Schützlinge, die Pferde, zu brechen.” Sie findet, mit dem Schweigen und der Stille über den Kurs und mit dem Weiterempfehlen der umstrittenen Methode stimme man einer uralten Zähmungsmethode zu, die die meisten längst auf den Haufen der Geschichte geworfen hätten. “Warum kramt man sie wieder raus hier in Island? Island ist das Ursprungsland des Islandpferdes, darum müssen wir sehr verantwortungsvoll mit den Botschaften umgehen, die wir in die Welt hinaussenden, sowohl was Zucht, Behandlung und Training angeht.”

Man kann den Weg nicht abkürzen.

Die Ansicht, daß Ibens Methode ein Weg sei, das Jungpferdetraining schneller und billiger zu machen, sei wiederholt zu hören, schreibt Helga. Das rechtfertige das Anwenden der Methode für diese Leute. Immer schon hätten Pferdebesitzer und Trainer nach Methoden gegiert, die Ausbildungszeit zu verkürzen, weil Training teuer sei und nicht jeder bereit sei, die nötige Zeit dafür zu investieren. Wenn man jedoch Fachleuten zuhöre, käme man schnell darauf, daß es gar nicht wünschenswert sei, sich den Weg zu verkürzen, denn auf die ein oder andere Art, früher oder später, müsse man dafür bezahlen.

Jungpferdetraining als Spiel für Mensch und Pferd

Trainingsmethoden, die darauf abzielen, daß sich das Pferd ergibt, wenn der Reiter sich in den Sattel schwingt, haben in der Regel Spannung zur Folge, geistig oder körperlich.” Das Pferd arbeite nicht mit den richtigen Voraussetzungen unter dem Reiter, und sein Körper bekomme nicht die Gelegenheit, auf die richtige Weise stark zu werden. “Alle Pferde brauchen ein bestimmtes Grundtraining, um ein geistiges und körperliches Gleichgewicht aufzubauen, ganz gleich, für welche Aufgabe sie ausgebildet werden. Das Islandpferd ist da keine Ausnahme,” betont die Ausbilderin.

Ein Pferd mit fünf Grundgangarten benötige möglicherweise sogar mehr Zeit für sein körperliches Gleichgewicht. Zudem sei das Islandpferd kleiner, es sei daher rein physisch gesehen einfacher, das genetische Potential des Pferdes zu benutzen.

Besitzer und Trainer müssten der Tatsache ins Auge sehen, daß Ausbildung ihre Zeit braucht. Eine gute Grundlage mache sich bezahlt und belohne mit gutem Gleichgewicht und einem zufriedenen Pferd.

“Es ist viel teurer, ein gutes Pferd mit Schnelltraining und grobem Reiten zu ruinieren, als sich im Jungpferdetraining genügend Zeit zu geben,” schreibt Helga. Zum Glück gebe es jedoch viele gutausgebildete Pferde. Und es gebe überhaupt keinen Grund, den Pferden, die nicht ins Schema passen, ein Bein hochzubinden, damit sie gleich in den ersten Trainingstagen aufgeben.

Training mit den Voraussetzungen des Pferdes
“Es ist wichtig, daß Pferd an Dinge zu gewöhnen – aber es nicht egal, wie man das macht.”

Zum Glück habe sich in der Methodik viel getan. Heute wolle man das Pferd lieber zur Mitarbeit unter seinen Voraussetzungen motivieren. Das erreiche man am besten, indem man dem Pferd ein zuverlässiger Führer ist.

“Und der beste Führer ist nun mal der, der mit gutem Beispiel vorangeht. Der Vertrauen und Respekt ohne Gewaltanwendung oder Anmaßung aufbaut. Ein Führer, dem das Pferd gerne folgt, weil es ihm vertraut und weil er weise Entscheidungen trifft, ist konsequent und vertrauenswürdig.” Führer, die mit Druck und Anmaßung arbeiten, mögen die Zügel in der Hand halten, doch werde das Verhalten des Pferdes mehr von Angst als von Vertrauen geprägt. Ein von sich aus williges Pferd sei ein viel angemehmerer Partner als eins, das zur Zusammenarbeit gezwungen wurde. Pferde machen da in der Regel nur mit, weil es keine Alternative gibt, meint die Hólar-Ausbilderin.

Sie fragt sich, wieso man Gegenwehr, Spannung und Angst erzeugen muss, wenn es auch anders geht. Gutes Training bedeutet viel eher, daß der Mensch seine Vorstellungen verständlich kommunizieren und so das Pferd positiv gestimmt zur Mitarbeit einladen kann. “Sollte es im Training nicht darum gehen, daß das Pferd gerne tut, was von ihm verlangt wird?”

Hier geht es weiter.

Den Text im Original können Sie hier nachlesen.

DT

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