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Verirrter Eisbär ist tot

Nachdem sie den streunenden Eisbären, der in der Nähe des Fjordes Thistilfjördur in Ostisland aufgetaucht war, am frühen Nachmittag kurz aus den Augen verloren hatten, verfolgten Polizei und drei Jäger das Tier zum verlassenen Bauernhof Ósland und erschossen ihn. Dies ereignete sich vorgestern um 16 Uhr.

Die meisten Eisbären, die nach Island kommen, stammen aus Grönland. Foto: Páll Stefánsson.

Ósland befindet sich ein paar Kilometer östlich des Bauernhofs Saevarland, wo der Eisbär zuerst gesehen wurde. „Er war ziemlich klein, und ich dachte, dass er schrecklich zerzaust aussah”, sagte Svanhvít Geirsdóttir von Saevarland gegenüber Morgunbladid.

„Der Bär gab keinen Laut von sich, da wo er stand neben dem Schafsstall. Doch er befand sich gerade einmal zehn Meter von mir entfernt, also flüchtete ich ins Haus – ich wollte ihm nicht Auge in Auge gegenüberstehen. Man weiss nie, wie diese Tiere reagieren, und sie sind schnelle Läufer”, sagte Geirsdóttir.

Vom Fenster aus beobachtete Geirsdóttir dann, wie der Eisbär in einem alten Rhabarberbeet, das neben dem Schafstall liegt, einen Purzelbaum machte. „Er ist bestimmt gegen den Zaun gestossen. Er stolperte herum – das war aber kein Spielen.” Geirsdóttir rief die Polizei und versteckte sich auf dem Dachboden.

Die Polizei zog von Anfang an keine andere Möglichkeit in Betracht, als das Tier zu töten. 2008 wurde versucht, einen lebenden Eisbären einzufangen, allerdings ohne Erfolg.

Daraufhin gründete das Umweltministerium eine Sonderkommission, die festlegen sollte, wie künftig reagiert werden solle, wenn ein Eisbär in Island strandet.

Die Kommission kam zum Schluss, dass gestrandete Eisbären erschossen werden sollten und führte dafür drei Gründe an: Eisbären sind gefährlich, Eisbären sind nicht vom Aussterben bedroht und es ist zu teuer, Eisbären zu retten, wie Hjalti Gudmundsson von der Umweltagentur Islands und Mitglied der Sonderkommission, gegenüber dem RÚV-Nachrichtenmagazin Kastljós, erklärte.

Ein Rettungsversuch könne nur unter den günstigsten Bedingungen stattfinden, begründete die Kommission. Menschen dürften dabei nicht gefährdet werden, die Sicht müsse gut sein und es müsste garantiert sein, dass das Tier nicht ins Meer entwischen könne. In Thistilfjördur sei dies alles nicht der Fall gewesen.

Der getötete Eisbär war ein so junges Tier, dass die Polizei befürchtet, ein anderer, erwachsener Bär könnte sich noch irgendwo in der Gegend aufhalten. Die Küstenwache hat deshalb damit begonnen, die Küstenlinie im Nordosten des Landes aus der Luft abzusuchen. Die Menschen, die in der Gegend wohnen, wurden aufgefordert, vorsichtig zu sein. Allerdings wurde kein anderer Bär gefunden.

Laut Morgunbladid führt die Weltnaturschutzunion (IUCN) Eisbären als anfällige Art. Globale Erwärmung und Umweltverschmutzung seien die grössten Bedrohungen für deren Existenz.

Aber die Art wird nicht als gefährdet eingestuft, es gibt eine jährliche Abschussquote von etwa 800 Tieren. Es existieren 19 Eisbär-Bestände weltweit, hauptsächlich in Kanada, aber unter anderem auch in Grönland und Sibirien. Insgesamt gibt es wohl 22.000 Eisbären.

Die Eisbären, die in Island anlanden, stammen normalerweise aus Grönland. Sie kommen auf driftenden Eisschollen, können aber auch lange Strecken schwimmen.

Der Biologe Thórir Haraldsson sagte RÚV, dass durch eine Klimaerwärmung und fortschreitende Schmelze von Eisbergen in den arktischen Regionen mehr Eisbären in Island erwartet würden, als in den vergangenen Jahrzehnten.

Mindestens 500 Eisbären wurden seit der Besiedelung im neunten Jahrhundert in Island gesichtet. Im 19. Jahrhundert gab es enorm viele Sichtungen, manchmal waren es zehn Bären in einem Jahr, schreibt Morgunbladid. Im letzten Jahrhundert wurden es aber immer weniger.

Übersetzung: Gabriele Schneider.

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