Umweltdrama am Mývatn Skip to content

Umweltdrama am Mývatn

Wenn die Kanalisation am nordisländischen See Mývatn nicht verbessert wird, könnte es dazu kommen, dass die Hotels am See geschlossen werden müssen, sagte Jón Ingi Cæsarsson, der Vorsitzende des Gesundheitsausschusses Norðurlanda eystra RÚV gegenüber. Der Staat müsse dringend eingreifen und Gelder zum Schutz des Sees und zufliessender Gewässer bereitstellen.

Der Gemeinderat im Skútustaðahreppur hatte gestern abend im Interview mit RÚV das Projekt als zu gross für die kleine Gemeinde bezeichnet.

Die Verschmutzung des Mývatn durch Abwassereinleitungen hat auf eine lange Geschichte. Die einst zu tausenden verhandenen Marimokugeln, die weltweit sonst nur noch in Japan vorkommen, sind vollkommen aus dem See verschwunden. Ornithologen berichteten, dass Entenjunge zu Hunderten sterben oder Eier gar nicht erst ausgebrütet werden, weil die Elterntiere kein Futter finden.

Im Jahr 1997 brach die Forellenpopulation zusammen. Bislang ist unklar, ob dies eine natürliche Ursache hatte oder ob Einleitungen des Kieselbergwerkes dafür verantwortlich gemacht werden können.

Im Jahr 2012 färbte sich das Wasser in der Grjótagjá, einer beliebten Badehöhle in Seenähe, milchweiss. Árni Einarsson, auf das Ökosystem des Mývatn spezialisierter Biologe, führte die Verfärbung auf Bohrlöcher des Kraftwerks Bjarnaflagur oder auf Auswirkungen durch die Badelagune Jarðböðin zurück. Im vergangenen Sommer hatten sich auch grosse Teile des Mývatns weiss verfärbt, ohne dass der Öffentlichkeit eine Ursache präsentiert werden konnte.

Seit dem Jahr 2004 liegt ein Öltank auf dem Grund des Sees. Er war im Zusammenhang mit Arbeiten des Kieselwerks gesunken. Weder ist bekannt, wieviel Öl sich noch im Tank befindet, noch wieviel Öl ausgetreten ist. Im Juni 2014 wurde offiziell beschlossen, den Öltank dort zu belassen, da es das Ökosystem zu sehr störe, ihn aus 120 Zentimeter Tiefe im Seeboden auszugraben.

In diesem Winter schliesslich fanden über Wochen Filmaufnahmen auf der Eisfläche des Mývatn statt. Für die “Fast&Furious”Produktion gab es Autorennen auf dem Eis und ein Fahrzeugnachbau wurde im Wasser versenkt. Ungeplant versanken auch ein Traktor und ein Bagger, die die Eisfläche präprieren sollten. Ein Vertreter der Umweltagentur hatte die Filmaufnahmen vor Ort überwacht und befunden, dass alle Vorkommnisse im Rahmen des Erlaubten vonstatten gegangen seien. Wasserverschmutzungen seien nicht zu verzeichnen gewesen.

Der Vorsitzendes des Arbeitsausschusses im Parlament, Jón Gunnarsson, hatte jüngst die Regierung aufgefordert, den Zustand des Mývatns wie eine Naturkatastrophe zu behandeln.

Yngvi Ragnar Kristjánsson, der Vorsteher der betroffenen Gemeinde sagt, er habe von Umweltministerium und Finanzausschuss Verständnis signalisiert bekommen, aber nichts weiter gehört.

Mývatn wie sein Zufluss Laxá stehen auf der roten Liste der Umweltagentur für Gebiete, die schwer belastet sind und ganz besondere Aufmerksamkeit benötigen.

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