Satiremagazin nimmt sich Island vor Skip to content

Satiremagazin nimmt sich Island vor

Wie entsteht eigentlich ein Vulkanausbruch? Zumindest für die jüngsten Eruptionen in Island hat der deutsche Künstler Rainer Ehrt eine zufriedenstellende Antwort gefunden.

Seite drei der neuesten Ausgabe der Satire-Zeitschrift Eulenspiegel ziert ein ganzseitiges Gemälde des Karikaturisten. Nach dem Betrachten des Bildes sieht der Leser vieles klarer.

Die Akteure der Karikatur muten an wie eine noch recht junge Grýla (mit blonden Zöpfen) mit ihrem Mann Leppalúdi (mit Wikingerhelm, fehlendem Zahn und spitzen Elfenohren), die Eltern der dreizehn Weihnachtskerle (nicht im Bild).

Grýla rührt in einem grossen Kessel, den Leppalúdi mit bündelweise Geldscheinen anheizt, die er darunter verbrennt.

So also funktioniert das, so entsteht der Rauch, die Aschewolke. Sogar ein im Absturz befindliches Flugzeug fehlt nicht auf der wissenschaftlich zweifellos unangreifbaren Darstellung.

Im Himmel der Zeichnung schwebt das Gedicht „schurkenstaat island“, beigesteuert von Lyriker Ingo Neumayer. Nach Björk und den Banken, die sich verspekuliert haben („deutsche rentner sind am boden“), fordert er in der dritten Strophe gar Islands finale Auslöschung: „und nun das: eure geysire / schwängern unsre luft mit dreck / nato, zöger nicht! marschiere! / mach die schurkeninsel weg!“

Darf ein Dichter, auf der sicherlich verzweifelten Suche nach einem schnöden Reim, aus Vulkanen einfach Geysire machen? Sicher, „Vulkane“ reimt sich nicht auf „marschiere“, doch rechtfertigt das Sprachproblem des Autors tatsächlich eine Verfälschung der Geowissenschaften?

Schliesslich hätte Neumayer der Illustration Ehrts zweierlei entnehmen können: Zum einen, dass ein Vulkan keineswegs wie ein Geysir aussieht, zum anderen, wie ein echter Vulkan funktioniert, nämlich per Anheizen mit Geldscheinen.

Weiss er denn nicht, wie ein Geysir funktioniert? Die in unregelmässigen Abständen aufsteigende Fontäne ist nichts anderes als der Blas von Walen, die unter dem Geysir hindurch schwimmen. Diese Tatsache ist wissenschaftlich fundiert, schliesslich verkauft fast jeder Andenken-Laden Islands lehrreiche Postkarten, die dies bildhaft illustrieren.

Mein Rat an den Reimer: „und nun das: eure geysire“ könnte ersetzt werden durch „eure Vulkane, mindestens viere“. Damit wären zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen: Einerseits wäre der Wissenschaft Genüge getan, andererseits wäre klar: Da gibt es noch mehr Vulkane, da geht sicher noch einiges in Sachen künftiger Aschewolken.

Von Gabriele Schneider.

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