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Saga-Lesefest in Corvey

Die Vorstellung, die isländischen Sagas seien eine Art germanische Sagen und spielten in grauer Vorzeit, ist in Deutschland noch weit verbreitet. Doch im „Sagenhaften Island“-Jahr 2011, in dem Island Ehrengast der Frankfurter Buchmesse ist, passiert viel, damit die Sagas, Islands wichtigster Beitrag zur Weltliteratur, über die Kreise von Islandfreunden und Skandinavistik-Seminaren hinaus bekannt werden.

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Die Isländersagas wurden im 13. bis 14. Jahrhundert von anonymen isländischen Verfassern aufgezeichnet, einer Zeit, in der der isländische Freistaat in blutigen Machtkämpfen zwischen den mächtigsten Clans des Landes zerfiel und unter die Herrschaft der norwegischen Krone geriet.

Diese einzigartigen mittelalterlichen Erzählungen spielen hauptsächlich in der so genannten Sagazeit (930 bis 1030) und handeln von Liebe und Eifersucht, Macht und Verrat, Freundschaft und Versöhnung.

Die Sagaschreiber beschworen mit ihren Geschichten eine verlorene Vergangenheit herauf, die Zeit ihrer Vorfahren, die es verstanden hatten, in Island ein bäuerliches Gemeinwesen ohne hierarchische Strukturen, ohne König oder Oberhäuptling zu errichten.

Die Siedler, die im späten 9. Jahrhundert meist aus Norwegen nach Island ausgewandert waren, griffen auf die bewährten Strukturen aller Stammesgesellschaften zurück, Versammlungen zum Zwecke der Meinungsfindung und Rechtsprechung abzuhalten, schufen aber mit dem Althing, der Versammlung aller auf Island lebenden freien und volljährigen Männer, das erste Parlament der Welt.

„Brich nie einen Vergleich“ ist daher ein passendes Motto für das Saga-Lesefest, das vom 15. bis 18. September 2011 in Corvey stattfindet.

Das Zitat stammt aus der Saga von Brennu-Njáll: Der rechtskundige Njáll hat für seinen Freund Gunnar einen Vergleich vor dem Althing ausgehandelt, den dieser nicht einhält und damit eine Kette blutiger Fehden auslöst. Eigenwillige Frauen spielen in dieser wie auch vielen anderen Sagas eine wichtige Rolle.

Einige Sagas beleuchten noch die Kulte der vorchristlichen Zeit, so die Saga über den Goden Hrafnkell, der sein Pferd dem Gott Freyr gewidmet hatte. Der Hofplatz des Helden und andere Handlungsorte aus der Saga sind noch heute in Ostisland sichtbar und lassen fast vergessen, dass sich in den Sagas historische Überlieferung mit gestalteter Fiktion vermischt.

Die romantischste Saga, die Saga von den Leuten aus dem Laxárdal, in deren Mittelpunkt eine tragische Liebesgeschichte steht, spielt – wie auch die Saga von Brennu-Njáll und viele andere – in der Zeit des Übergangs vom Heidentum zum Christentum.

Die Geschichte von Corvey, dem 816 gegründeten Benediktinerkloster an der Weser, ist eng verbunden mit der christlichen Mission unter den skandinavischen Wikingern. Daher ist Corvey ein durchaus passender Ort, die isländischen Sagas vorzustellen.

Vorzustellen und zu feiern ist vor allem die schon lange überfällige Neuübersetzung der Isländersagas, die in wenigen Tagen in einer fünfbändigen Ausgabe im Fischer Verlag erscheinen wird. Auf dem Programm in Corvey stehen informative Vorträge und inszenierte Lesungen mit musikalischer Begleitung.

Das Lesefest gestalten Autoren wie Einar Kárason und Sjón, Schauspieler wie Boris Aljinovic, Andrea Sawatzki und André Eisermann, Wissenschaftler wie Klaus Böldl und Kurt Schier sowie Übersetzer wie Betty Wahl und Kristof Magnusson.

Der isländische Multiinstrumentalist Ólafur Arnalds, die norwegische Sängerin Anna Maria Friman, der deutsche Perkussionist Frank Köllges und andere umrahmen die Lesungen musikalisch. Die Organisation des Festes liegt beim Literaturbüro Ostwestfalen-Lippe in Detmold in Zusammenarbeit mit „Sagenhaftes Island“ und dem Fischer Verlag.

Es gibt Dauerkarten für das gesamte Fest sowie Tageskarten (allerdings keine Karten für Einzelveranstaltungen).

Hier finden Sie das Programm und weitere Informationen zum Saga-Lesefest.

Bernhild Vögel

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