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Reaktionen auf Studie zum Walfang

Die massive Kritik an der neusten Studie des Wirtschaftsinstitutes zum Walfang rufe förmlich danach, dass die darin gezogenen Schlussfolgerungen geprüft werden müssten, sagte die isländische Premierministerin Katrín Jakobsdóttir RÚV gegenüber.

Sie stellt sich damit hinter ihren Umweltminister, der sich sehr darüber gewundert hatte, dass Naturschutzverbände in der Studie mit Terrororganisationen gleichgesetzt wurden.

Ich fand es natürlich auch äusserst seltsam, in dieser Studie eine solche Debatte um die Naturschutzverbände zu lesen. Sie werden mit Terrororganisationen verglichen, und es geht darum, dass man spezielle Gesetze einführen müsse, um Island vor solchen Organisationen zu schützen. Ich finde das ein sehr bizarres Szenario vom Wirtschaftsinstitut der Universität Islands in Bezug auf die Naturschutzverbände, die ihren Standpunkt zum Walfang klargemacht haben, und das hilft der Diskussion überhaupt nicht.”sagte die Premierministerin.

Umweltminister Guðmundur Ingi Guðbrandsson kündigte an, das Kapitel der Studie, welches sich mit dem Ökosystem des Meeres befasst, genauer prüfen zu wollen. Er bezieht sich auf die Schlussfolgerung, dass ein ausgeweiteter Walfang zu mehr Fischen im Meer führen würde, dass es also einen Zusammenhang zwischen Walfang und Fischbestand gebe. Selbst wenn es diesen Zusammenhang gebe, so der Minister, werde da keine Rücksicht auf die Folgekosten genommen, die sich durch eine verstärkte Jagd auf Wale ergäben, wie etwa die Reputation Islands.

In der Studie hatte es gehiessen, das eine Verringerung des Walbestandes um 40 Prozent den Fischbestand so in die Höhe ziehe, dass der Fischfang den Isländern viele Milliarden Kronen in die Kasse spülen würde, weil Wale das sieben- bis zehnfache an Dorsch und Kapelin fressen wie die isländische Flotte fange. Guðmundur Þorðarsson vom Marineforschungsinstitut hatte dies gegenüber RÚV jedoch relativiert und unter anderem angemerkt, dass Wale nicht nur die angestrebte Beute des Menschen fressen, sondern auch an ganz anderen Stellen auf Futtersuche gingen als der Mensch. Der unter Naturschutz stehende Buckelwal etwa fresse durchaus Kapelin, der Finnwal, der in Island erlegt wird, jage jedoch eher das Futter anderer Meeresbewohner. Den Dorsch schätze vor allem der Minkwal als Beute, doch der sei nach Norden abgewandert, und sein Bestand habe sich ohnehin verringert. 

Auch die Premierministerin sieht erhöhten Klärungsbedarf hinter der Behauptung, dass sich der Fischbestand erhöhe, wenn man mehr Wale erlege.

Da gibt es natürlich eine gewisse Kritik an der Studie, und vor allem an gewissen Schlussfolgerungen, die aus biologischen und ökologischen Tatsachen gezogen wurden,” sagte Katrín Jakobsdóttir.

In der Studie, die im Auftrag von Fischereiminister Kristján Þór Júlíusson durchgeführt worden war, hiess es, dass der Walfang volkswirtschaftlich vorteilhaft sei und mehr abwerfe als der Erlös von Walboebachtungsunternehmen. Des weiteren hiess es in der Studie, dass der Walfang keine negativen Auswirkungen auf den Tourismus in Island habe, und das, obwohl in den 80ger und 90ger Jahren Organisationen wie Greenpeace oder Sea Shepard zum Teil handgreiflich gegen den isländischen Walfang aktiv gewesen sind.

Der Fischereiminister hatte am Donnerstagabend angegeben, eine Entscheidung über die Fortsetzung des Walfangs in der kommenden Saison baue unter anderem auf den Ergebnissen dieser Studie.

In der kommenden Woche will sich der parlamentarische Beschäftigungsausschuss treffen, um die Studie zu besprechen. Der Autor der Studie, sowie Experten des Marineforschungsinstitutes sind ebenfalls zu dem Treffen geladen.

Die Ausschussvorsitzende und Linksgrüne Lilja Rafney Magnúsdóttir wollte RÚV gegenüber keinen Kommentar zur Studie abgeben. Ihre Partei hatte sich im vergangenen Oktober dafür ausgesprochen, dass der Walfang gestoppt wird.

In einer Diskussionsrunde des TV-Magazins Kastljós bezeichnete die Vorsitzende des Verbands der Walbeobachtungsunternehmen den Vergleich mit Terrororganisationen als herabsetzend. Sie bezeichnete die Studie als einseitig, tendentiös und propagandistisch und kritisierte, dass niemand mit ihr in Bezug auf die Studie Kontakt aufgenommen habe.

Der Autor der Studie, Oddgeir Ágúst Ottesen, gab an, mit Beschäftigten der Walbeobachtungsunternehmen gesprochen zu haben.

Der Einzige, der sich über die Studie des Wirtschaftsinstitutes zufrieden äusserte, ist Kristján Loftsson, Eigentümer von Hvalur ehf., des einzigen Walfangunternehmens in Island, der sämtliche ausgegebenen Walfangquoten alleine ausschöpfen und seinen Fang gewinnbringend vermarkten kann. “Das ist das, was ich erwartet habe,” sagte Loftsson gegenüber RÚV, “ich hätte mich gewundert, wenn etwas anderes herausgekommen wäre.”

Er glaubt sogar, dass man der Studie zufolge nun nicht nur mehr Wale, sondern auch mehr Arten jagen kann. Auch der Export nach Japan liefe gut, das einzige was die Geschäfte störe, seien die wiederholten Untersuchungen auf Schwermetalle im Walfleisch, die die japanischen Behörden durchführten.

In der vergangenen Saison hatte die ausgegebene Walfangquote 160 Finnwale vorgesehen. Kristján Loftssons Unternehmen Hvalur ehf. hatte 146 Finnwale erlegt, darunter mehrere seltene Kreuzungen aus Finnwal und Blauwal.

Bilder dieser getöteten Wale, sowie von aus dem Mutterleib gezogene ungeborene Kälber waren durch die Meeresschutzorganisation Hard to Port erstmals an die Öffentlichkeit geraten.

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