Kontroverse um Kraftwerksbau am Mývatn Skip to content

Kontroverse um Kraftwerksbau am Mývatn

Am Mývatn sind die Bulldozer angerückt und haben bereits Planierarbeiten für das vom staatlichen Energieunternehmen Landsvirkjun geplante Geothermalkraftwerk durchgeführt. Dabei steht die endgültige Baugenehmigung noch aus.

bjflag3_a_einarssonDas Baugelände am Bjarnarflag. Foto: Árni Einarsson.

Der Biologe Árni Einarsson Mývatn-Naturforschungszentrum RAMY schrieb gestern an Iceland Review Online / deutsch:

„Ich besuchte den Mývatn letzten Freitag und besichtigte den geplanten Bauplatz des Kraftwerkes am Bjarnarflag. Ich stellte erstaunt fest, dass dort bereits Baumaßnahmen im großen Stil stattfinden. Das war eine völlige Überraschung, denn zwei Tage zuvor wurde ich über einen Brief des stellvertretenden Direktors von Landsvirkjun informiert (datiert vom 3.10.2012), in dem es heißt, der Steuerungsausschuss der Gesellschaft habe noch nicht entschieden, ob Bjarnaflag oder Þeistareykir angegangen werden solle.“

Die isländischen Medien berichteten am Wochenende ausführlich über Proteste gegen den Baubeginn und die darüber entbrannte Kontroverse.

Der Vorstand des unabhängigen Umweltverbandes Landvernd forderte Landsvirkjun auf, die Arbeiten sofort einzustellen, berichtet ruv.is.

Der Geschäftsführer von Landsvirkjun Hörður Arnarson betonte gegenüber dem staatlichen Rundfunk RÚV, es handele sich lediglich um vorbereitende Maßnahmen für Straßen und Arbeitsbaracken.

bjflag1_a_einarssonArbeiten auf dem Baugelände am Bjarnarflag. Foto: Árni Einarsson.

Auch die Vorsitzende des Gemeinderates Skútustaðahreppur Guðrún María Valgeirsdóttir wies in einem Interview die Forderung auf Baustopp zurück, da diese Arbeiten bereits letztes Jahr von der Gemeinde genehmigt worden seien. Sie erklärte, der Umweltverband Landsvernd habe seinerzeit keine Einwände gegen das Umweltverträglichkeitsgutachten für das Projekt eingelegt. “Sie können nicht jetzt ankommen und ‘böser Wolf’ rufen.”

Landvernd fordert ein neues Umweltgutachten mit der Begründung, das vorliegende sei zehn Jahre alt und berücksichtige nicht die neueren Erkenntnisse über Umweltprobleme für Wasser und Luft, die durch solche Großkraftwerke entstehen.

Der bekannte Umweltschützer und Journalist Omar Ragnarsson erinnert anlässlich der Debatte in seinem Blog an Staudammpläne aus dem Jahr 1970, die am Fluss Laxá und dem Mývatn unwiderbringliche Schäden verursacht hätten. Erst der lautlaute Protest – Anwohner sprengten demonstrativ einen kleinen Damm – hatte damals das Bauvorhaben gestoppt.

bjflag_panrama8_a_einarssonDas planierte Gelände mit Blick Richtung Ringstraße. Foto: Árni Einarsson.

Wie bereits mehrfach berichtet, plant Landsvirkjun ein 45-Megawatt-Kraftwerk vier Kilometer vom See Mývatn entfernt, das in einer zweiten Baustufe auf 90 Megawatt aufgerüstet werden soll. Als Abnehmer haben sich mehrere ausländische Unternehmen beworben, die auf dem Gelände Bakki bei Húsavík energieintensive Siliziummetallfabriken betreiben wollen.

Darunter ist das Duisburger Unternehmen PCC SE. In einer Pressemitteilung vom 27. September heißt es: „Aktuell größtes Investitionsvorhaben ist der geplante Bau einer Siliziummetall-Produktionsanlage auf Island. Hier soll ab 2015 ein Teil des Quarzits aus der polnischen PCC-Mine weiterverarbeitet werden. Dieses Großprojekt durchläuft derzeit den Genehmigungsprozess.“

Zum 1. Oktober emittierte die PCC SE Inhaber-Teilschuldverschreibungen zu Festzinssätzen von 5 und 7,25 Prozent – mit dem Risiko des Totalverlustes für den Anleger.

bv

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