Kalender für Schaf- und Pferdeabtrieb ist online Skip to content

Kalender für Schaf- und Pferdeabtrieb ist online

By Iceland Review

Sehnsüchtig wurde er erwartet, nun ist er online, der Kalender für die jährlichen Schaf- und Pferdeabtriebe.

Geordnet sind die Veranstaltungen nach Bezirken, die Pferdeabtriebe (stóðréttir) befinden sich ganz unten.

Die gesamte Liste finden Sie hier.

In Island werden die Schafe über die Sommermonate nach alter Tradition ins Hochland gebracht. Anfang bis Mitte Juni sind die Hochlandweiden je nach Bewuchs für die Beweidung freigegeben, dann transportieren die Bauern Mutterschafe mit Lämmern auf Traktoranhängern in die Berge, wo sie die kommenden Monate frei umherstreifen können. Schafe sind eher Einzelgänger, manchmal bleiben Mutter und Tochter oder Freundinnen mit ihren Lämmern zusammen, viel öfter findet man sie jedoch als Dreiergruppe (Mutterschaf mit zwei Lämmern).

Die Bezirke haben alle ihre Grenzen und sind bis ins Hochland eingezäunt. Aus Seuchenschutzgründen müssen Schafe, die Bezirksgrenzen überwunden haben und in einem anderen Bezirk zu Tal getrieben wurden, unverzüglich geschlachtet werden. Sie dürfen den Sammelpferch nicht mehr verlassen, auch wenn ihre Ohrmarke zweifelsfrei den Besitzer identifiziert.

Mitte September machen sich Reiter und Läufer (göngumenn) auf den Weg in die Berge, um die Schafe nach Hause zu treiben. Ein sogenannter Bergkönig (fjallkongur) organisiert die Aktion, teilt Leute ein und ist verantwortlich dafür, dass alle Schafe aus dem Hochland nach Hause kommen.

Zunehmend werden Reiter von Quadfahrern ersetzt, eine Praxis, die von manchen Schafbauern kritisch gesehen wird, weil das Quad (anders als Pferd und Mensch) niemals müde wird und sie befürchten, dass die Tiere unangemessen, d.h. zu hart und zu schnell getrieben werden.

Entgegen der Vorstellung vieler ist die Schafsuche kein wildes Jagen zu Pferd, sondern eher Suchen, Klettern und aufpassen, dass man weder sich selbst noch die Tiere in Gefahr bringt. Der Schaftreiber muss in guter körperlicher Verfassung sein, mit dem Umgang von Schaf und Pferd sehr vertraut und vor allem eine ausgezeichnete Ortskenntnis haben, denn im Hochland ist er oft alleine unterwegs und sollte jeden einzelnen Berg mit Namen kennen, um Treffpunkte nicht zu verpassen und den Weg zur Gruppe zurück zu finden. Als Reiter ist er meist mit Handpferd unterwegs.

Die Suchergruppe im Hochland besteht aus eher wenigen (sechs bis neun) Bauern, die einander gut kennen und aufeinander eingespielt sind, denn das Wetter hier oben ist unvorhersehbar und Nebelbänke oder Schneetreiben entwicken sich innerhalb von wenigen Minuten, sodass es schnell gefährlich werden kann.

Der längste Schafabtrieb in Island findet im Gnúpverjahreppur in Südisland statt, hier sind die Sucher neun Tage bis ins Gebiet östlich des Hofsjökull unterwegs, wo sich die Bezirksgrenze am Arnafell hinn Mikla nördlich des Þjórsárver befindet. Von hier aus geht es dann neun Tage wieder zurück ins Tal der Þjórsá. Das Gnúpverjahreppur wartet noch mit einer weiteren echten Besonderheit auf: hier gibt es die einzige Bergkönigin in Island, die ihren verantwortungsvollen Job seit bereits 12 Jahren mit Bravour meistert.

Unten im Tal treffen alle Gruppen zusammen, dann beginnt der lange Marsch zum Sammelpferch, eine für Menschen und Tiere anstrengende Wanderung, denn Schafe sind eigentlich nicht für Langstrecken gemacht. Das Tempo ist daher den Schafen angepasst, alle Stunde wird Pause eingelegt. Die Verpflegungseinheit führt immer einen Anhänger mit, um müde oder kranke Tiere transportieren zu können.

Am Sammelpferch werden alle Schafe in den Pferch getrieben und von den Bauern und häufig deren Kindern anhand der Ohrmarken sortiert und in die Teilpferche der einzelnen Höfe gebracht. Von hier aus geht es am Abend dann zu Fuss nach Hause.

Um sicherzugehen dass man alle Schafe gefunden hat, wird ein oder zwei Wochen nach dem grossen Termin eine zweite Suche im Umland veranstaltet, die jedoch ausschliesslich zu Fuss stattfindet. Dennoch schaffen es einige Schafe immer wieder, allen Sammelversuchen zu entgehen und tauchen erst mit dem ersten Schnee auf, um sich am Heimatstall die Heuration zu sichern.

Die Pferdeabtriebe verlaufen nach dem selben Muster, allerdings gibt es in Island nur noch zwei Bezirke im Norden des Landes, wo Pferde auf Hochlandweiden frei umherlaufen dürfen. Alle anderen Bezirke haben diese Praxis aus Verbissgründen abgeschafft, hier müssen die Pferde auf eingezäunten Weiden bleiben.

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