Island ist über das Massaker in Norwegen schockiert Skip to content

Island ist über das Massaker in Norwegen schockiert

Als am Freitagnachmittag die ersten Nachrichten über eine Explosion in Oslo, Norwegen, eintrafen, fragten sich die meisten Menschen in Island: War es eine Bombe oder eine andere Art von Explosion? Eine Bombe in Norwegen – das klang unwahrscheinlich. Wer würde das freundliche und friedliche Norwegen angreifen? Manche erinnerten an die Unterstützung Norwegens im Kampf gegen die Tyrannei in Libyen und Afghanistan. Dennoch, es schien unwahrscheinlich, dass irgendjemand Norwegen angreifen könnte.

Dann wurden mehr Einzelheiten über die Explosion bekannt und es gab ein paar sehr vage Berichte über einen Angriff auf Utoya, einer nahe Oslo gelegenen Insel. Das Ausmass war nicht klar, bis die Abendnachrichten meldeten, sieben Menschen seien bei der Bombenexplosion in Oslo gestorben und neun oder zehn weitere seien von einem bewaffneten Mann auf der Insel getötet worden.

Viele Isländer haben Zugang zu drei norwegischen TV-Kanälen. Alle drei berichteten ununterbrochen über die Greueltaten. Ein grimmiger Premierminister, Jens Stoltenberg, sagte der Nation, auch wenn die Ereignisse schrecklich seien – Terror dürfe nicht um sich greifen. Die Ereignisse waren in gewisser Weise näher an Stoltenberg dran als an anderen, weil die Bombe in Oslo vor seinem Bürogebäude platziert war und er am Samstag auf dem sozialdemokratischen Jugendcamp auf der Insel zu einer Grussansprache erwartet wurde.

Eine seiner Vorgängerinnen, die ehemalige Premierministerin und sozialdemokratische Parteivorsitzende Gro Harlem Brundtland, hatte die Jugendgruppe besucht, kurz bevor die Schüsse fielen. Der mutmassliche Angreifer hatte Frau Brundtland im Internet als „Landesmörderin“ (Landsmorder) bezeichnet, einem Wortspiel mit „Landesmutter“ (Landsmoder), wie Frau Brundtland oft liebevoll bezeichnet worden war.

Norwegen gehört zu den Ländern, die Island am nächsten stehen, sowohl geografisch wie emotional. Island wurde im 9. Jahrhundert von Norwegen aus besiedelt und gehörte 550 Jahre lang, von 1262 bis 1814, dem Königreich an. Viele Isländer arbeiten in Norwegen und mehr Menschen sind nach der Wirtschaftskrise von 2008 nach Norwegen ausgewandert als in andere Länder. Gerade kürzlich, im zweiten Quartal 2011, zogen 380 Menschen von Island nach Norwegen, die meisten um dort zu arbeiten oder einen Job zu suchen. Daher fürchteten viele Familien um das Leben ihrer Freunde oder Angehörigen, während die Nachrichten eintrafen.

Bislang wurde nicht bekannt, dass Isländer unter den Toten oder Vermissten sind.

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Als die isländische Nation heute Morgen erwachte, stellte sich heraus, dass die Ereignisse viel schrecklicher waren als gestern gedacht. Die Zahl der Todesopfer stieg fast bis auf hundert Ermordete und viele Verwundete. Horrorberichte erscheinen. Nicht nur, dass eine freundliche Nation eine Wunde erlitt, die Jahre brauchen wird um zu verheilen; Norwegen ist wie eine Vergrösserung von Island. So etwas schien in Norwegen ebenso undenkbar wie es in Island undenkbar zu sein scheint.

Oder zu sein schien.

Die Premierministerin von Island und der Bischof von Island haben offiziell kondoliert. Alle Isländer fühlen tieftraurig mit dem nordischen Nachbarland, einer Nation, die ein naher öffentlicher und privater Freund Islands ist.

Benedikt Jóhannesson, Herausgeber der Iceland Review

Übersetzung: bv

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