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Indianer als Vorfahren?

Möglicherweise sind amerikanische Ureinwohner in Begleitung der Wikinger, die 500 Jahre vor Kolumbus Amerika entdeckten, nach Island gekommen. Genealogische und anthropologische Forschungen stützen diese Theorie, denn viele Isländer tragen Gene, die für amerikanische Ureinwohner charakteristisch sind.

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DeCODE. Themenfoto: Páll Stefánsson.

Die These wird in der Magisterarbeit von Sigrídur Sunna Ebenesersdóttir vorgestellt, die an der Universität Island (HÍ) Anthropologie studiert. Die Arbeit entstand im Auftrag von deCODE Genetics, berichtete Fréttabladid.

Die Schlussfolgerungen haben beträchtliche Aufmerksamkeit hervorgerufen und die Zeitungen Guardian und Telegraph berichteten darüber, nachdem ein ausführlicher Artikel über die Studie in einer amerikanischen anthropologischen Fachzeitschrift erschienen war. Auch das renommierte Magazin National Geographic bekundete sein Interesse.

Agnar Helgason, Anthropologe bei deCODE und an der HÍ, der Tutor von Ebenesersdóttir, hatte in einer 2000 veröffentlichten Untersuchung nachgewiesen, dass die meisten Frauen, die sich in Island ansiedelten, von den britischen Inseln stammten, während die Mehrzahl der Männer Siedler aus Skandinavien waren.

Während der Arbeit an der Studie wurden ein paar mitochondriale DNA-Typen identifiziert, die nicht in Europa vorkommen. Ebenesersdóttirs Untersuchungen zeigen, dass der Genotyp aus Amerika stammt und nicht von den Inuits in Grönland, die einen unterschiedlichen Genotyp haben.

Helgason sagte, es sei möglich, diese genetischen Erbbilder mütterlicherseits viele Generationen zurückzuverfolgen. Auf diese Weise ist es möglich, Aussagen über die Zusammensetzung der Siedlergruppen in Island zu treffen.

„Nach den genealogischen Datenbank von deCODE findet sich dieser Genotyp in 350 lebenden Personen. Sie alle stammen von vier Frauen ab, die in Südisland gelebt haben. Diese Frauen sind alle vor 1700 geboren und ihr Stammbaum kann auf eine Frau zurückgeführt werden, die lange vor 1500 gelebt hat“, erklärte Helgason.

Die Studie unterstützt die Theorie, dass eine nordamerikanische Vorfahrin dieser 350 Isländerinnen um das Jahr 1000 mit den Wikingern nach Island gelangte.

Isländische mittelalterliche Handschriften berichten, dass Leif Eriksson, „der Glückliche“, im Jahr 1000 nach Neufundland und Labrador segelte, die Kolonie Vinland gründete und sich dort zeitweilig mit seiner Mannschaft ansiedelte.

In den folgenden 500 Jahren – bevor Kolumbus in Amerika eintraf und die europäische Besiedlung der Neuen Welt begann – wurden nach Quellenlage keine weiteren Reisen mehr zwischen Island und Amerika unternommen.

Helgason betonte, es sei eine Theorie, die nur durch weitere Forschungen untermauert oder widerlegt werden könne. „Dazu müssten wir den exakt gleichen Genotyp irgendwo auf der Welt finden. Aber das ändert nichts an der Tatsache, dass diese Theorie die wahrscheinlichste ist, die wir auf Grund der Datenbasis haben.“

Übersetzung: Bernhild Vögel.

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