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Gründer des Phallusmuseums geht in Rente

By Iceland Review

Wer den Gründer des Isländischen Phallusmuseums, das sich derzeit noch in Húsavík, Nordisland befindet, inmitten seiner Sammlungsstücke erleben will, sollte das Museum noch in diesem Jahr besuchen. Denn der siebzigjährige Sigurdur Hjartarson hat beschlossen, sich zum Jahresende aus dem Unternehmen zurückzuziehen.

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Das Museum.

Dass ihm das schwerfällt, ist offensichtlich. Penisse zu sammeln ist schliesslich seit 37 Jahren die Leidenschaft des ehemaligen Geschichts- und Spanischlehrers, der auch mehrere Bücher verfasst und übersetzt hat. 1997 eröffnete er das Penismuseum in Reykjavík, zog aber nach seiner Pensionierung im Jahre 2004 mit seiner Sammlung nach Húsavík.

Ausgestellt sind männliche Geschlechtsteile von 55 Walen, 36 Robben und Walrossen sowie von 119 Landsäugetieren. Die Meeressäuger dominieren mit 24 Arten gegenüber 20 isländischen Landbewohnern und einem gelegentlichen Besucher, dem Eisbären.

Im April dieses Jahres kam ein weiteres Exponat hinzu. Obwohl es mehrere Männer gibt (darunter auch ein Deutscher), die das Museum testamentarisch berücksichtigt haben, musste Hjartarson lange auf das erste Exemplar der menschlichen Spezies warten.

Es hat viel Medienspektakel hervorgerufen, obwohl es meines Erachtens nicht besonders ansehnlich ist. Kein Wunder, denn der Spender wurde 95 Jahre alt. Aber nun ist Hjartarsons Sammlung isländischer Mammalia-Penisse komplett.

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Sigurdur Hjartarson.

Die ausländische Abteilung umfasst 27 Arten und die folkloristische Abteilung zählt 23 Exemplare von 19 Arten. „Viele Ausländer verstehen nicht, warum ich Penisse von übernatürlichen Wesen ausstelle“, erzählt mir Sigurdur Hjartarson.

„Wenn sie mich fragen, ob ich an Elfen glaube, sage ich immer ja. Sie fragen dann für gewöhnlich, ob ich schon mal einen Elf gesehen habe. Da stelle ich die Gegenfrage: Ob sie an Gott glauben und ob sie ihn schon einmal gesehen haben.“ Elfen, Trolle, Seeungeheuer und andere übernatürliche Wesen gehörten einfach zu Island, findet Hjartarson.

Er ist auch mit Wolfgang Müller, dem Künstler und selbsternannten Elfenbotschafter („Neues von der Elfenfront“), befreundet, der ihn jedes Jahr in seinem Museum besucht.

Die Exponate für seine Sammlung bekommt Hjartarson in der Regel geschenkt und präpariert sie selbst. Ob getrocknet oder eingelegt, ob klein oder gross – nach einiger Zeit ermüdet das Betrachten von so viel Männlichkeit – da bieten die Abteilungen Kunst und Humor eine willkommene Abwechslung.

Sie sind auf dem Informationszettel nicht eigens verzeichnet, bereichern die Sammlung aber ungemein. Vor dem Museum erhebt sich die Skulptur eines dänischen Künstlers – eine Schmähstange in Penisform, derbe Kritik an der Potenzpille Viagra.

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Mein Lieblingsobjekt – abgesehen vom zarten Elfgehänge im Wasserglas – ist der vierhörnige Widder im Eingangsbereich. Schafe mit drei oder vier Hörnern sind in Island keine Seltenheit, dieses Exemplar aber ist wohl einmalig.

Im Kassenbereich verkauft Sigurdur Hjartarson kleine tönerne Penisse, die eine seiner Töchter modelliert. Er selbst bereichert die Souvenirabteilung mit allerlei Selbstgeschnitztem; von der Enkelgeneration wird speziell dekoriertes Laufabraud, das traditionelle Weihnachtsgebäck, beigesteuert.

Ab nächstem Jahr wird sein Sohn Hjörtur Gísli Sigurdsson das Museum übernehmen. Er hat schon angekündigt, es wieder nach Reykjavík verlegen zu wollen. Das ist schade, denn dann muss man einen weiten Weg zurücklegen, um neben den Walpenissen auch die kompletten Tiere im Húsavíker Walmuseum zu Gesicht zu bekommen. Und Húsavík ist um eine Attraktion ärmer.

Bernhild Vögel

Hier erfahren Sie mehr zum menschlichen Exponat und hier finden Sie eine wissenschaftliche Abhandlung (auf Englisch) über Neoliberalismus und das Phallusmuseum.

Auf der mehrsprachigen Webpage des Museums finden Sie auch die Öffnungszeiten.

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