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Eva Joly: England ist mitverantwortlich

Eva Joly, Islands Sonderberaterin und Ermittlerin im isländischen Finanzskandal hat den englischen Premierminister George Brown in einem Beitrag für den Daily Telegraph scharf angegriffen.

Foto von Páll Stefánsson.

Die Verantwortlichen in Grossbritannien und auch in den Niederlanden hätten die Filialen der isländischen Banken Kaupthing, Glitnir and Landsbanki mit offenen Armen aufgenommen, obwohl sie zumindest teilweise über die damit verbundenen Risiken informiert gewesen seien.

Nun forderten die beiden Länder, dass Island astronomische Summen zurückzahle: an England über 2,7 Milliarden Euro, an die Niederlande mehr als 1,3 Milliarden zuzüglich 5,5 Prozent Zinsen.

Selbstverständlich hätten die isländischen Institutionen grossen Anteil an dem Finanzskandal. „Aber“, betont Eva Joly, „der britische Premierminister Brown hat unrecht, wenn er sagt, er und seine Regierung seien dafür nicht verantwortlich. Erstens hat er eine moralische Verantwortung, denn er war ein Hauptbefürworter dieses Modells, das nun den Bach hinuntergegangen ist. Zweitens kann er nicht behaupten, dass Grossbritannien weder Mittel noch Legitimation gehabt habe, um die Icesave-Aktivitäten zu überwachen.“

Niemand könne ernsthaft glauben, eine Handvoll Leute aus Reykjavík sei in der Lage, Bankgeschäfte im Finanzzentrum London zu kontrollieren. Nach den europäischen Bestimmungen sollten Staaten, die ausländische Bankfilialen zulassen, sicherstellen, dass sie derselben Kontrolle wie in ihren Heimatländern unterliegen.

Island mit einer Bevölkerung von 320.000 Menschen könne diese Schulden nicht zurückzahlen. Wenn es kein radikales Umdenken gäbe, würden England und der Internationale Währungsfond aus Island wieder ein armes Land machen, dessen erwerbsfähige Bevölkerung gezwungen ist auszuwandern.

Die Alternative könne darin bestehen, dass die Länder der EU ihre Mitverantwortung anerkennen, die Regulierung der Finanzmärkte verbessern und für den Teil der Schulden aufkommen, der auf ihre mangelnden Banküberwachung zurückzuführen ist.

Sie könnten Island bei den Untersuchungen und der Analyse der Krisenursachen helfen und anfangen, über Massnahmen gegen transnationale Wirtschaftsverbrechen zu diskutieren. Auch der Internationale Währungsfond müsse überdenken, zu welchen Konditionen er Kredite vergibt.

Eva Joly schloss ihren Beitrag mit den Worten:

„Sich in dieser Debatte zu engagieren, erfordert viel Zeit und Energie und ein grosses Mass an Umsicht. Doch es gibt Mittel und Wege für einen wirklichen Fortschritt. Eine Katastrophe wie die in Island könnte schliesslich eine bedeutsame internationale Antwort finden, anstatt der unverantwortlichen und zynischen Druckmittel, die man derzeit vorfindet.“

Klicken Sie hier, um mehr über die Arbeit von Eva Joly zu erfahren.

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