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Das Cash-Problem von Stöðvarfjörður

Der Stöðvarfjörður liegt im äussersten Südosten Islands, südlich von Egilsstaðir. 200 Menschen leben noch in diesem Fjord. Die frühere Fischfabrik ist in ein Kreativzentrum umgewandelt worden, wo Workshops für Kunsthandwerk und Musik stattfinden, im Salthús bieten Künstler ihr Handwerk und ihre Kunstwerke zum Verkauf an. Und erst kürzlich fand ein Bluesfestival statt, zu dem Musiker aus ganz Island anreisten.

Will man in Stöðvarfjörður Geld ausgeben, kann man sich schnell in einer dummen Lage befinden: es gibt nämlich keinen Geldautomaten mehr, seit die im Staatsbesitz befindliche Landsbanki beschloss, den örtlichen Geldautomaten abzumontieren. Bargeld gibts im Shop an einem Kartengerät, jedoch nur zu den Öffnungszeiten des Geschäftes, und nicht für alle Geldkarten. American Express beispielsweise wird von dem Gerät nicht bedient.

Ein Tourist musste so leider vom Kauf zweier handgestrickter Wollpullover absehen, weil das Gerät seine Kreditkarte nicht akzeptierte und er keine Möglichkeit hatte, an Bargeld zu kommen, berichtet RÚV. Ásta Snædís Guðmundsdóttir, die Inhaberin des örtlichen Ladens, die auch das Kartengerät betreibt, klagt, oft würden Kunden kommen, die die falsche Kreditkarte hätten und bei ihr kein Geld bekommen könnten. Überdies liege die Höchstausgabesumme bei 30.000 ISK, was jenem Touristen nicht geholfen hätte, denn die Pullover sollten 48.000 ISK kosten.

“Am Ende schlägt sich das auf die Künstler und Handwerker nieder, die sich viel Mühe gegeben haben, die Sache hier am Laufen zu halten,” sagt Ásdís. Wenn Besucher nämlich mangels verfügbarem Bargeld keine Käufe tätigen können. Aber auch Einheimische bräuchten durchaus schon mal Bargeld, für Geburtstage und ähnliche Gelegenheiten.
Die Künstlerin Una Sigurðardóttir hatte während des Bluesfestivals kritisiert, der Geldautomat müsse sich gar nicht rentieren, vielmehr trage die staatseigene Landsbanki als Bank aller Isländer die gesellschaftliche Verantwortung, den Geldautomaten zu betreiben. “Wann ist man eine zu kleine und zu unbedeutende Gemeinschaft geworden, dass es nicht länger möglich ist, einen Geldautomaten zu halten?” fragt die Künstlerin RÚV gegenüber. Es gebe schon keine Post, und eine Selbstbedienungsfiliale lohne sich auch nicht.

Landbanki hingegen argumentierte in einer der Automatenentfernung folgenden Erklärung, der Geldautomat sei zu selten benutzt worden. dann sei er kaputtgegangen, und man habe nach einer anderen Möglichkeit gesucht, die Leute mit Bargeld zu versorgen.
Auch auf den Inseln Hrísey, einer beliebten Ferieninsel im Norden, und auf Suðureyri sind die Bankdienste aus Kostengründen komplett eingestellt worden.

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