Britisches Betrugsdezernat prüft Rolle der Deutschen Bank Skip to content

Britisches Betrugsdezernat prüft Rolle der Deutschen Bank

By Iceland Review

Wie die online-Ausgabe der britischen Tageszeitung Guardian berichtete, ermittelt das britische Betrugsdezernat SFO in enger Zusammenarbeit mit den isländischen Ermittlungsbehörden gegen die bankrott gegangene isländische Bank Kaupthing und nimmt dabei auch die Rolle der Deutschen Bank unter die Lupe.

Der Hauptsitz von Kaupthing, jetzt Arion Bank, in Reykjavík. Copyright: Icelandic Photo Agency.

In den Wochen und Monaten vor dem Zusammenbruch der isländischen Banken im Oktober 2008 soll mit mindestens 500 Millionen Euro Kaupthings-Geldern gehandelt worden sein, um Kreditderivate zu manipulieren. Dabei ging es um so genannte Credit Default Swaps (CDS), das sind Versicherungen gegen Kreditausfälle, mit denen spekulativ gehandelt wird.

Im vergangenen Monat sind mehrere Verantwortliche von Kaupthing verhaftet worden, die unter der Anklage der Marktmanipulation stehen. Sigurdur Einarsson, der ehemalige Vorstandsvorsitzende von Kaupthing hat sich geweigert, zur Befragung nach Island zurückzukehren und wird per Haftbefehl gesucht.

Einarsson hatte kurz nach dem Bankenzusammenbruch in einem Brief an seine Freunde geschrieben:

„Auf einen Vorschlag der Deutschen Bank hin wurde entschieden, auszutesten was passieren würde, wenn die Bank selbst Credit Defauld Swaps kaufen würde. Das war jedoch keine einfache Sache, da die Bank selbst keine Credit Defauld Swaps kaufen kann. Daher bemühten wir uns Kunden zu gewinnen, zu denen wir grosses Vertrauen und langjährige Geschäftsbeziehungen und Bindungen hatten, damit sie im Auftrag der Bank diese Transaktionen durchführten.“

Die Transaktionen seien einzig im Interesse der Bank und im Einklang mit den gesetzlichen Bestimmungen erfolgt. Die Bankmanager hätten gehofft, dies würde das Vertrauen in die Solvenz der Bank wiederherstellen.

Das britische Betrugsdezernat untersucht auch die Rolle der Deutschen Bank, die Kaupthing 2008 beraten hat. Es soll ermittelt werden, ob die Deutsche Bank oder ihre Angestellten ordnungswidrig gehandelt haben, indem sie den Handel durchsetzten.

Die Deutsche Bank hat schon im vergangenen Jahr bestritten, der Handel sei ihre Idee gewesen. Ein Sprecher der Deutschen Bank sagte jetzt laut Guardian: „Wir arbeiten mit den Behörden zusammen, um die Fakten in diesem Fall zu ermitteln“. Die Bank lehnte es ab, zu den Beschuldigungen im Detail Stellung zu nehmen.

Die Deutsche Bank ist als der grösste Anspruchsberechtigte am Vermögen der zusammengebrochenen Kaupthing-Bank aufgetreten und stellt Forderungen von fast 900 Milliarden ISK für nahezu 50 verschiedene Ansprüche. Die Masse der Summe soll sich auf Ansprüche beziehen, die die Deutsche Bank als Treuhänder für Dritte getätigt hat.

Der isländischen Sonder-Untersuchungskommission liegen Emails der Deutschen Bank an Kaupthing vor, die beweisen, dass die Deutsche Bank Kaupthing in der ersten Jahreshälfte 2008 geraten hat, wie der Preis der CDS beeinflusst werden könnte.

In ihrem über zweitausend Seiten umfassenden Krisenbericht, der im April veröffentlicht wurde, berichtet die Kommission weiter:

„Im Herbst 2008 … lieh Kaupthing ihren wichtigsten Kunden rundgerechnet 500 Millionen Euro, um Credit Default Swaps auf Kaupthing selbst zu kaufen. Die Kunden selbst trugen kein Risiko, aber hätten einen bedeutenden Gewinn gemacht, wenn die Bank den Schwierigkeiten … getrotzt hätte.“

Abschliessend heisst es dazu:

„Durch den Verkauf dieser CDS bezahlte die Bank gewissermassen ihre längerfristigen Schulden. Der Käufer dieser Credit Default Swaps war andererseits die deutsche Bank Deutsche Bank oder ihre ausländischen Kunden. Wieder einmal hat eine isländische Bank einer ausländischen Bank aus der isländischen Risikozone herausgeholfen und die Schulden und das Risiko wurden repatriiert.“

Klicken Sie hier, um mehr über Kauphting und die Deutsche Bank zu lesen, und hier und hier, um Informationen über den Krisenbericht der isländischen Sonder-Untersuchungskommission zu erhalten.

Übersetzung/Zusammenstellung: Bernhild Vögel.

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