Borna-Antikörper in Island gefunden Skip to content

Borna-Antikörper in Island gefunden

In zwei Ställen in Nordisland sind im Jahr 2011 Antikörper gegen das Bornavirus im Serum von getesteten Pferden gefunden worden, berichtet mbl.is. “Wir wussten nicht, daß diese Krankheit hier in Island existiert,” sagte Vilhjálmur Svansson, Tierarzt des pathologischen Instituts Keldur der Universität Islands.

bornavirusDas Bornavirus im Computermodell. Foto: wikimedia

Die Bornakrankheit ist eine nicht-eitrige Meningoencephalomyelitis, ausgelöst durch das Bornavirus. In Deutschland tritt Borna regional gehäuft vor allem im Süden und Osten des Landes auf. Nach einer Inkubationszeit von möglicherweise zwei bis fünf Monaten zeigt das erkrankte Pferd Symptome, die im 18. Jh bereits zum ersten Mal detailliert beschrieben wurden:

“Das Pferd ist anfänglich traurig und versaget sein Futter, es lässt den Kopf und die Ohren hängen, hat Hitze und Schleim im Maul, trübe und wässrige Augen, wanket im Gehen hin und her, als ob es schwindlich wäre (…), drücket den Kopf gegen die Mauer, endlich fället es in convulsive Bewegungen, woran es meistens das Leben lässet” (von Sind, 1766).

Im 18.Jh heißt sie die “hitzige Kopfkrankheit” oder “Genickkrampf”, um 1885 erhält sie nach einem verheerenden Seuchenzug in Sachsen ihren Namen nach der Stadt Borna.

Die Infektion erfolgt vor allem über die Riechorgane, genaue Übertragungswege sind bis heute ungeklärt. Nicht behandelt führt sie in den meisten Fällen zum Tod. Eine Übertragung auf den Menschen wurde lange diskutiert, konnte aber wissenschaftlich nicht bewiesen werden.

Bekannt ist die Krankheit in allen Nutztieren – Pferden, Rindern, Schafen, aber auch in Nagetieren und Vögeln. Für Australien gibt es keine Hinweise auf Borna, und auch in Island hatte man nicht mit einem Vorkommen des Bornavirus gerechnet.

In einer wissenschaftlichen Studie, die in der Zeitschrift Acta Veterinaria Scandinavia veröffentlicht steht, haben die isländischen Tierärzte Sigríður Björnsdóttir und Vilhjálmur Svansson zusammen mit skandinavischen Kollegen den obigen Fall von erkrankten Pferden in Nordisland beschrieben.

Das erste erkrankte Pferd, ein 21-Jahre alter Wallach, hatte, nachdem sich sein Zustand der Somnolenz, Fressunlust und Ataxie etwas gebessert hatte, wegen Lähmungserscheinungen im Becken eingeschläfert werden müssen.

Fünf weitere Pferde zeigten Symptome von Depression, Ataxie und Fressunlust, erkrankten jedoch erst nach 14 Tagen. Alle Pferde wurden mit der gleichen Therapie behandelt (Kombination aus Cortison und Antibiotikapräparaten). Drei der fünf Pferde erlebten eine lange Rekonvaleszenzzeit, zwei erholten sich rascher. Ein weiteres erkranktes Pferd hatte sechs Monate später euthanasiert werden müssen, jedoch wegen anderer Vorbefunde.

Das achte Pferd war zehn Tage nach Erkrankung des ersten Pferdes in den Stall gekommen und zeigte keinerlei Krankheitssymptome. Dieses Pferd blieb auch als einziges im Stall seronegativ, also frei von Antikörpern. Pferde, die im Folgejahr 2012 in den Stall kamen, entwickelten keine Antikörper.

In einem weiteren Stall in der Region, zu dem jedoch kein Kontakt bestand, wurden zwei weitere Pferde positiv auf Borna-Antikörper getestet, ohne Krankheitssymptome zu zeigen.

Ungeklärt ist, wie das Bornavirus nach Island gelangen konnte, da die Importbedingungen für Lebendtiere sehr streng gehandhabt werden. Eine Möglichkeit, so der Bericht, bestehe darin, daß Zugvögel das Virus mitgebracht haben. Vögel sind als Wirte für das Bornavirus bekannt, die Vogelvirusform (avian borna virus) sei jedoch für Pferde nicht gefährlich, heißt es bei isibless.is.

Etwa 60 Zugvogelarten sind regelmäßige Gäste auf der Durchreise in Island, darunter etwa die Kanadagans. Pferde in Regionen, in denen sich viele Zugvögel aufhalten, müssten danach statistisch einen höheren Antikörperbefund aufweisen als Pferde in Regionen, wo es kaum Zugvögel gibt.

Trotz des positiven Antikörperbefunds kann die Borna-Krankheit nicht zweifelsfrei bewiesen werden, da die euthanasierten Pferde nicht obduziert worden sind und die aufgetretenen Symptome sich nicht in allen Fällen typisch darstellten. Schafe sind auf Nachfrage in Island nicht auf Borna untersucht worden. In jedem Fall bestehe hier weiterer Forschungsbedarf, heißt es in dem Bericht.

Sigríður Björnsdóttir betonte isibless.is gegenüber, daß der Vorfall in Nordisland vor drei Jahren isoliert aufgetreten sei. Man könne nicht davon sprechen, daß die Krankheit in Island unterwegs sei. Wenn sie jedoch auftauche, könne man angemessen reagieren.

DT

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