13 Kartoffeln im Schuh Skip to content

13 Kartoffeln im Schuh

Ein isländischer Junge hatte sich Hurdaskellir, den türenknallenden Weihnachtstroll, zum Vorbild genommen. Das Haus zitterte und die Leute wurden schier verrückt, so heftig schlug er die Türen zu. Er wollte keine Süssigkeiten, sondern eine Kartoffel im Schuh. Nein, nicht nur eine – er wollte alle!

gluggagaegir_dt

Glugagaegir auf isländischer Milchtüte. Foto von Dagmar Trodler.

Und tatsächlich: Von allen 13 Weihnachtskerlen bekam er eine Kartoffel. Die pflanze er im Frühjahr in die Erde und hatte im Herbst zwanzigmal so viele. 260 Kartoffeln! Damit hätte er es bewenden lassen können, aber er verzichtete auch in der folgenden Weihnachtszeit auf Lakritze und Karamell. 5460 Kartoffeln!

Diese Rechnung, die Andri Snaer Magnason in seinem Hurdaskellir-Gedicht von 2007 aufmacht, endet beim Wirtschaftsimperium eines modernen Wikingers, zu dem sich der jugendliche Kartoffelsammler schliesslich mausert.

Wie der Nikolaus gehören die 13 Jólasveinar zur Spezies der Erziehungshelfer, die den Kinder gewisse Regeln des menschlichen Zusammenlebens vor Augen führen sollen. Doch da gibt es einen grossen Unterschied. Der Nikolaus ist ein heiliger Mann, dessen edle Gesinnung ausser Frage steht.

Die Weihnachtstrolle dagegen sind keine Autoritätspersonen, sondern ungehobelte, freche Bengel. Alles was man nicht darf, das tun sie ungestraft.

Der Quarkgierschlund Skyrgámur nascht vom Skyr, Wurstklauer Bjúgnakraekir und Fleischkraller Ketkrókur stibitzen Wintervorräte. Hurdaskellir muss keinerlei Rücksicht nehmen und Gluggagaegir (Fensterglotzer) und Gáttathefur (Türschlitzschnüffler) dürfen ihre Neugier und ihren Spioniergeist ungehindert ausleben.

All diese Streiche machen die Jólasveinar so sehr viel attraktiver als den Nikolaus oder Weihnachtsmann. Und sie erfüllen ihre Erziehungsaufgabe nicht mit erhobenem Zeigefinger, sondern so nebenbei, wenn sie nach getanem Unfug Süssigkeiten oder Kartoffeln verteilen.

Sind sie deshalb weniger erfolgreich? Sind sie schuld, wenn irgendwelche Möchtegernwikinger ihre schmelzenden Gletschertresore als besonders eissicher (englisch: icesave) anpreisen und Dumme finden, die das glauben?

Nein, die Jólaveinar können nichts dafür, wenn jemand sie missversteht und nachahmt. Auch dort, wo der Nikolaus regiert, gedeihen Kartoffelsammler und Eisbankiers, nur ihr Vorbild ist Dagobert Duck.

Gestern war der zehnte Weihnachtstroll Gluggagaegir an der Reihe und mahnte mich allen Lesern mitzuteilen, welch vergnüglichen Film über die Jólasveinar sie nicht verpassen sollen. „Gryla und ihre Söhne“ heisst er und ZDF-NEO bringt ihn am Weihnachtstag, 25.12.2010, morgens um 8:25 Uhr.

Also ausnahmsweise mal Frühstücksfernsehen für die Kleinen. Und mitglotzen! Es lohnt sich.

Klicken Sie hier, dann gelangen Sie zum zweiten Teil des diesjährigen Jólasveinar-Berichtes.

Bernhild Vögel

Sign up for our weekly newsletter

Get news from Iceland, photos, and in-depth stories delivered to your inbox every week!

* indicates required

Subscribe to Iceland Review

In-depth stories and high-quality photography showcasing life in Iceland!

Share article

Facebook
Twitter