Im Industriegebiet von Eskifjörður kurz vor dem Tunneleingang zum Norðfjarðargöng soll ein Pyrolysewerk mit zwei Produktionsreihen entstehen, berichtet austurfrétt. Jede Produktionslinie soll am Ende 500 kW Energie produzieren, die den Küstenort Eskifjörður mit Heizwärme versorgen könnte.
Neuland Pflanzenkohle
Versuche mit Pflanzenkohle in Island sind noch relativ neu, haben aber bislang schon gute Resultate gezeigt. In der Pyrolysetechnologie wird Holz verkohlt und in bis zu 95% reinen Kohlenstoff verwandelt. Auch Methan und Wasserstoff entstehen bei dem chemischen Prozess, diese sollen in einen zusammengelegten Anlage verbrannt werden, sodass keiner der Stoffe in die Atmosphäre entweicht.
Einar Birgir Kristjánsson, der Geschäftsführer des ausführenden Unternehmens Tandraberg, geht zunächst von einer Produktionslinie aus. Die soll aus 4000 Tonnen Schnittholz aus der Region 1000 Tonnen Pflanzenkohle pro Jahr produzieren. In einer zweiten Phase soll dann nur Abfallholz verarbeitet werden, das nicht anderweitig genutzt werden kann.
Wärmelieferant für “kalte” Gebiete
Die Gemeinde Fjarðarbyggð zeigt grosses Interesse an dem Projekt und hatte daher mit Tandraberg im Sommer eine Absichtserklärung unterzeichnet. Die Herstellung von Pflanzenkohle könnte Einar zufolge nämlich für die zukünftige Fernwärmversorgung der Stadt Eskifjörður entscheidend werden.
Längst nicht alle Regionen in Island können auf geothermales Wasser zurückgreifen, in diesen sogenannten “kalten Gebieten” werden Gebäude und Brauchwasser immer noch mit Strom beheizt. Der erhöhte Stromverbrauch der betroffenen Bürger wird subventioniert, um sie aufgrund ihres Wohnortes nicht zu benachteiligen.
„Die Heisswasserversorgung in Eskifjörður sieht nämlich so aus, dass das Bohrloch höchstwahrscheinlich nicht nachhaltig ist. Durch die Einspeicherung der bei der Pyrolyse voraussichtlich entstehenden Energie in die Wärmeversorgung wird die Lebensdauer des Bohrlochs für die Bewohner verlängert.“ erklärt Einar. Der Standort für das Werk wurde aus diesem Grund auch in der Nähe des Bohrlochs gewählt.
Bioöl als Nebenprodukt
Ein weiteres Abfallprodukt aus der Pyrolyse ist Holzöl, das brennbar ist und als Bioöl genau wie Biodiesel als vollkommen CO2-neutral gilt. Die Pflanzenkohle selbst findet breiten Nutzen, wie etwa als Bodenverbesserer, als Zusatzstoff für Tierfutter, sowie in Beton und Asphalt, um den Kohlenstoffgehalt solcher Materialien zu reduzieren.
Das Unternehmen Tandraberg betreibt eine Fischfabrik in Eskifjörður, ausserdem einen Containerdienst, sowie eine Holzpalettenfabrik in Neskaupstaðir.







