Einer der beiden Gründer des Unternehmens, welches die tragische Eishöhlentour veranstaltet hat, bei der am vergangenen Sonntag ein Tourist ums Leben kam und ein zweiter schwer verletzt wurde, ist vom isländischen Verband der Bergführer (AIMG) ausgeschlossen worden. Er war für den Verband als Ausbilder und Schriftführer tätig gewesen.
Sommerbesuche nicht sicher
In einer Mitteilung des Verbandes heisst es: „Im Licht der Ereignisse vom letztren Sonntag hat der AIMG sich am Montag den 26. August um 12 Uhr zu einer Sitzung getroffen. Es wurde die Entscheidung getroffen, dass der AIMG-Schriftführer Mike Reid den Vorstand verlässt und auch seinen Posten als AIMG Ausbilder niederlegt.“
Bei dem Vorfall war eine Eiswand am Breiðamerkurjökull eingestürzt und hatte zwei Personen unter sich begraben. Eine schwangere Frau hatte noch rechtzeitig gerettet werden können, ihr Lebensgefährte kam unter den Trümmern ums Leben. Die Tour war vom Unternehmen Ice Pic Journeys organisiert und geleitet worden.
Kurz nach dem Unfall hatte Jóhannes Þór Skúlason vom isländischen Tourismusverband in einem Interview angegeben, dass die meisten Unternehmen solche Eishöhlentouren während der Sommermonate aus Sicherheitsgründen nicht veranstalten, selbst wenn manche Eishöhlen ganzjährig sicher seien.
Gut ausgebildeter Guide
Der von seinen Ämtern entlassene Mike Reid hatte in Schulungsunterlagen festgehalten, dass in den Höhlen plötzliche Sturzfluten entstehen könnten, und dass es daher gefährlich sei, die Eishöhlen im Sommer zu besuchen.
Vísir zitiert inzwischen gelöschten Webseiteninhalt, wonach der hervorragend ausgebildete Gletscherguide Reid es langweilig fand, dass man die Höhlen im Sommer nicht besuchen könne. Ice Pic Journey bewarb in in seiner Marketingkampagne den isländischen Gletscher als „Spielplatz“.
Nicht gemeldeter Unfall
Jóhannes Þór zufolge werde man als nächstes die generelle Frage diskutieren, ob Eishöhlen im Sommer zugänglich gemacht werden sollen oder nicht. Der Nationalpark Vatnajökull habe allerdings ganzjährige Lizenzen an Tourunternehmen herausgegeben, die über mehrere Jahre gelten. Eishöhlenbesuche gehören dazu.
Jóhannes Þór forderte Einigkeit in der Angelegenheit. Alle müssten daran teilnehmen, die Regierung, der Nationalpark, die privaten Unternehmen, um zu verhindern dass solch ein tragischer Unfall wiederholt.
Dazu besteht offenbar dringender Anlass, denn nur neun Tage vor dem tödlichen Unfall hatte es einen Zwischenfall in der Höhle gegeben, bei dem ein Tourist von einem heraubstürzenden Eistrümmer getroffen wurde und kurzzeitig das Bewusstsein verlor. Steinunn Höld Harðardóttir, eine Rangerin im Nationalpark Vatnajökull, gab Vísir gegenüber an, die Unfallmeldung sei beim Nationalpark nicht angekommen, sie habe davon aus der Presse erfahren.
Neue Besuchsregeln in Arbeit
Aktuell ist erst mal Schluss mit Eishöhlentouren, die Nationalparkleitung hat sämtliche Lizenzen suspendiert. Die Regierung hat eine Arbeitsgruppe einberufen, die untersuchen soll warum die Tour von Sonntag trotz Warnhinweise stattgefunden hat.
Premierminister Bjarni Benediktsson hatte kommentiert: „Auf den ersten Blick scheint es, als hätten wir einen angemessenen Regulierungsrahmen für Versicherungen, Bildung, Sicherheitsmaßnahmen und ähnliches. Der Nationalpark erteilt die Genehmigungen, und ich finde es besorgniserregend, dass die Genehmigungen zu einem Zeitpunkt erteilt wurden, als die Risikobewertung ergab, dass die Situation nicht ohne Gefahren ist.”
Mit neuen Regeln in Bezug auf Sommerbesuche in Eishöhlen darf in naher Zukunft gerechnet werden.







