Heute morgen gegen 6.00 Uhr ereignete sich im Vulkan Bárðarbunga an der Nordkante des Vatnajökullmassivs eine Erdbebenserie. Unter den rund 130 Beben wurden die stärksten mit M4,9 und M5,1 gemessen. Rund 17 Beben lagen über M3. Der isländische Zivilschutz hat die Ungewissheitsstufe für die Region verhängt, für den Flugverkehr gilt Code gelb, berichtet RÚV.
Gegen 9.00 Uhr verebbte die Bebentätigkeit. Unklar ist bislang, ob dies nur eine Verschnaufpause ist, oder ob die Bebenschwärme wieder stärker werden.
Bebentätigkeit nahm 2024 zu
Die Bebenserie war die stärkste seit dem letzten Vulkanausbruch in der Bárðarbunga im Jahr 2014. Damals hatte sich Magma durch einen unterirdischen Gang nach Norden geschoben und war im 200 Jahre alten Lavafeld Holuhraun an die Erdoberfläche gedrungen. Seit Ende des Holuhraunausbruchs in 2015 sammelt sich erneut Magma und der Vulkan dehnt sich aus. Die Erdbebentätigkeit passt in dieses Bild, sie hatte in den letzten Jahren zugenommen. Allein im Jahr 2024 hatte es vier Beben der Stärke M5 gegeben. Auch bei den Verwerfungen entsteht ein höheres Tempo, weil Magma aus grosser Tiefe in die Kammer unter dem Vulkan einströmt.
In einer Mitteilung der Wetterbehörde wird Bárðarbunga als besonders bezeichnet, weil es sich um einen ungewöhnlich grossen Vulkan handelt, der zum grössten Teil von einer 800 Meter dicken Eisschicht bedeckt ist.
Drei Ausbruchsszenarien
Für einen Ausbruch gibt es daher mehrere Szenarien. Es könnte sich erneut ein Magmatunnel von der Caldera weg bilden, und Lava könnte an anderer Stelle an die Erdoberfläche treten, wie etwa in der Holuhraun 2014 oder in der Gjálp 1996. Wenn die Magma auf direktem Weg durch den Krater nach oben steigt, besteht bedingt durch die Eisschmelze die Gefahr eines Ascheausbruch mit explosivem Ausgang, sowie eines Gletscherlaufs unter den Eismassen des Vatnajökull. Bei einem Gletscherlauf können der Fluss Þjórsá mit seinen zahlreichen Talsperren, sowie im Norden die Jökulsá á Fjöllum betroffen sein. Der Zivilschutz hat RÚV zufolge Unternehmen in den in Frage kommenden Gebieten aufgefordert, die Sicherheitspläne zu überprüfen.
In Húsavík im Nordosten Islands soll in den kommenden Tage eine Leitstelle für Einsatzkräfte eröffnet werden. Die Polizeidirektion Nordisland hat in Absprache mit dem Zivilschutz einen Krisenplan aktiviert, der allen Einsatzkräfte übermittelt worden ist.
Grösste Magmaproduktion im ganzen Land
Am Abend sagte der Geophysiker Freysteinn Sigmundsson, auch wenn die Erdbeben nachgelassen hätten, bestehe kein Grund zur Entspannung. Auch weiterhin sei steigender Druck im Vulkan zu verzeichnen. Berechnungen seines Kollegen Magnus Tumi Guðmundsson zufolge finde in der Bárðabunga die stärkste Landhebung statt, die man in Island je erlebt habe.
„Wir erwarten dass auch weiterhin Magma an die Wurzeln dieses Vulkans strömt. Deshalb muss man vorsichtig sein.“ Unter diesem Vulkan befinde sich möglicherweise die grösste Magmaproduktion in ganz Island. Auch ein kleiner Ausbruch unter dem Gletscher könne starke Auswirkungen haben, ob nun als Gletscherlauf oder als Ascheausbruch. Am wahrscheinlichsten sei Magma unterirdisch von der Caldera aus unterwegs, bevor sie an die Erdoberfläche gelange. Der Magmatunnel könne in viele Richtungen führen. Die Beben von heute Morgen seien Hinweise darauf, dass Magma sich einen Weg durch die Erdkruste bahne.
Die Abteilungsleiterin für Vulkane und Erdbeben, Kristín Jónsdóttir, erklärt, die Bebenserie vom Morgen sei Teil eines Prozesses, der bereits seit 10 Jahren, seit dem letzten Ausbruch, im Gange sei – seit Magma sich wieder ansammle.


