Das Ministerium für Infrastruktur und Verkehrswesen hat eine Arbeitsgruppe damit beauftragt, die Möglichkeit eines Tunnels zwischen den Westmännerinseln und dem Festland zu prüfen. Ergebnisse dieser Studie sind heute vorgestellt worden.
Bessere Anbindung für die Bewohner
Zum ersten Mal war im Jahr 1955 die Möglichkeit einer Landverbindung zwischen Insel und Festland genannt worden, damals ging es noch um eine Brücke, aus der nie etwas wurde. In 2023 war eine Arbeitsgruppe unter der Leitung der Expertin für Naturkatastrophen, Kristin Jónsdóttir, eingesetzt worden, um Kosten und notwendige Vorarbeiten zu erörtern.
Ein solcher Tunnel würde die Bewohner der Insel Heimaey weitaus besser mit dem Festland verbinden, etwa in Bezug auf den Zugang zu Gesundheitswesen, Arbeitsmarkt, Flügen und Dienstleistungen, aber möglicherweise auch Wachstumspotential für den Tourismus darstellen. Zudem könnte der Tunnel Platz für die Wasser-, Strom-, und Telekommunikationsleitungen bieten und so für mehr Betriebssicherheit auf der kleinen Insel sorgen.
Nutzungs- und Mietgebühren
Zur Zeit muss jeder Reisewillige etwa 90 Minuten auf die Fähre warten, wenn sie denn fährt. Oft genug fährt sie nicht, weil das Wetter einen Strich durch die Rechnung macht, oder der Schiffsmotor, oder der versandete Hafen.
Ein Tunnel würde natürlich nicht umsonst zur Verfügung stehen. Trotz der Gebühr schätzt die Arbeitsgruppe, dass rund 10% aller Besucher des Südlandes auch einen Abstecher auf die Westmännerinseln machen würden, wenn sie einen Tunnel benutzen könnten.
Gebühren würden auch die Energie- und Wasserversorger für die Leitungsplätze zahlen. Die Instandhaltungskosten für die zur Zeit ausgelastete Fähre würden möglicherweise sinken, und auch für den 18 Kilometer langen Tunnel rechnet man mit eher geringen Instandhaltungskosten, weil das Verkehrsaufkommen auf dieser Strecke nicht hoch ist. Die Arbeitsgruppe schätzte das Betriebsergebnis eines solchen Tunnels über 50 Jahre gesehen höher als die Kosten.
Tunnel im Vulkansystem
Allerdings müsste intensive Vorarbeit geleistet werden, denn die Westmännerinseln sind Teil eines Vulkansystems, und auf dem Meeresgrund befinden sich alte Schloten, Verwerfungen, geothermale Gebiete, loses Gestein und viel Unbekanntes, das erst einmal erforscht werden muss. Ein Tunnel sollte mindestens 220 Meter tief im Meeresboden zu liegen kommen.
Zur Erforschung der Erd- und Gesteinsschichten sind Kernbohrungen in 300 Meter Tiefe in Landeyjar und in Heimaey nötig, um Schichten und Verwerfungen identifizieren und kartieren zu können. Die Forschungsarbeiten, die von einem Spezialschiff aus durchgeführt werden, dürften drei bis vier Jahre in Anspruch nehmen und rund 500 Mio ISK kosten.
Vor den Forschungsarbeiten müssen durchführende und juristisch verantwortliche Parteien gefunden und festgelegt und die Finanzierung des Mammutprojektes geklärt werden.







