Wenn die Getreidemühle Kornax am Reykjavíker Hafen demnächst ihre Tore schliesst, müssen sämtliche Mehlsorten importiert werden. Betreiber der Mühle ist der Landgrosshandel Lífland. Direktor Arnar Þórisson sagte mbl.is, die Immobilie sei nur gepachtet. Die Hafenverwaltung habe den Pachtvertrag nicht verlängern wollen, nach Angaben von Hafendirektor Gunnar Tryggvasson wird das Gebäude abgerissen. Daraufhin habe Lífland auf einem Unternehmensgrundstück in Grundartangi eine neue Mühle bauen wollen, doch hatte es von der Gesundheitsbehörde Westisland keine Genehmigung für eine Lebensmittelproduktion im Schwerindustriepark gegeben.
Regeländerungen kommen zu spät
„Wir haben daraufhin beim Ministerium für Lebensmittel, Landwirtschaft und Fischerei um eine Ausnahmegenehmigung ersucht, weil unsere Produktion im geschlossenen System abläuft und damit von Umweltfaktoren unabhängig ist,“ erklärte Arnar. Vom Ministerium kam als Antwort, dass in Bälde mit Änderungen aufgrund von EES-Verordnungen zu rechnen sei. Solange könne man aber nicht warten, so Arnar, daher werde die Mühle geschlossen.
Kornax sollte klagen
Wirtschaftsministerin Hanna Katrín Friðriksson bezeichnete es als sehr besorgniserregend, dass es keine Mehlproduktion in Island mehr geben werde. Die Regierung wolle alles daransetzen, dass die Mehlherstellung in Island weitergehen könne. Sie wies darauf hin, dass Kornax das Recht habe, juristisch gegen die Entscheidung der Gesundheitsbehörde vorzugehen.
„Wenn die inländische Mehlproduktion eingestellt wird, hat dies Auswirkungen auf die Lebensmittelsicherheit, da importiertes Mehl eine kürzere Haltbarkeitsdauer hat als inländisches Mehl, daher unterstütze ich diesbezügliche Bedenken,“ sagte Hanna Katrín.
Regierung für Mühlenerhalt
Man prüfe derzeit im Ministerium, warum die Gesundheitsbehörden die Genehmigung versagt habe. Das Ministerium sei am Genehmigungsprozess nicht beteiligt. Wenn die Lebensmittelaufsichtsbehörde (MAST) zur Lizenzausgabe berechtigt gewesen wäre, dann hätte Kornax eine Produktionsgenehmigung erhalten, schreibt mbl.is.
Durch eine Klage seitens Kornax würde jedoch ein Prozess in Gang gesetzt, wo das Ministerium einsteigen könne. Man wolle natürlich alles tun, um die Mehlproduktion im Land zu halten, sagte die Ministerin.
Ernährungssicherheit gefährdet
Der Agrarwissenschaftler Helgi Eyleifur Þorvaldsson hatte gestern darauf hingewiesen, dass eine Schliessung der Mühle die Ernährungssicherheit Islands gefährde. „In den nordischen Ländern geht man von einem Lebensmittelsicherheitsvorrat von sechs bis 12 Monaten aus. In Island hat es immer nur Vorräte für drei bis vier Monate gegeben. Wenn die Kornax-Mühle schliesst, dann gibt es nur noch Vorräte für einen Monat. Niemand wird dann mehr Weizenvorräte halten, wenn die Importe nur noch in Säcken erfolgen, also erhöht dies nicht unbedingt die Ernährungssicherheit,“ sagte Helgi.
Die Kornaxmühle ist seit 1986 in Betrieb. Die Kosten für eine neue Mühle belaufen sich auf bis zu drei Mrd ISK.
Kornkooperative fehlt
In einem Fachartikel hatte Helgi 2022 geschrieben, das meiste in Island angebaute Getreide werde als Tierfutter in der Landwirtschaft verwendet. Für die Lebensmittelproduktion fehle es an einer Kooperative, die Getreide im grossen Stil aufkaufe und lagere, ähnlich wie es für Milch und Fleisch gehandhabt wird. Die Landwirte hätten daher keine Sicherheit, ob sie ihre Erträge auch verkauft bekommen. Island benötige dringend eine solche Kooperative, um die Ernährungssicherheit des Landes zu gewährleisten, schreiben die Autoren in ihrem Artikel.
In Island werden Gerste, Hafer, sowie in geringerem Umfang Roggen und Weizen angebaut, wobei letzterer aus Qualitätsgründen nicht zum Brotbacken verwendet werden kann. Weizen und Gerste sind auch in Bioqualität erhältlich.


