Fakten aus dem Energie-Ablasshandel Skip to content
Strandir wilderness
Photo: Strandir wilderness.

Fakten aus dem Energie-Ablasshandel

Immer weniger Strom in Island wird durch erneuerbare Energie hergestellt. Daten der isländischen Energiebehörde zufolge liegt der Satz inzwischen bei nur noch 11 Prozent. Hingegen werden 34 Prozent der Energie durch Atomkraft produziert, und 55 Prozent durch Kohle, Öl und Gas.

Zustandegekommen sind diese eigenartigen Zahlen, nachdem Herkunftszertifikate im Rahmen des internationalen Emissionshandels ins Ausland verkauft wurden, berichtet das Bændablaðið in seiner neusten Ausgabe.

Ein grosser Widerspruch ist in diesen Zahlen zu finden, denn gleichzeitig gibt die Energiebehörde an, dass 99,99 Prozent des Stroms in Island aus erneuerbarer Energie hergestellt wird. Erklärt wird der Widerspruch durch den Verkauf von Herkunfts- und Sauberkeitszertifikaten isländischer Energieunternehmen an ausländische Firmen, die “schmutzige” Energie benutzen, um ihre Produkte herzustellen.

Im Gegenzug müssen isländische Energieunternehmen die Verschmutzung die aus der Produktion ausländischer Unternehmen in die Atmosphäre geblasen wird, bei sich gutschreiben. Und das alles, ohne dass irgendwelche Energie die Insel verlassen hat und ohne dass ein nennenswerter Import von CO2 oder Atommüll stattgefunden hat, schreibt das Bændablaðið.

Weisses Energiemäntelchen aus Island

Schon im Jahr 2014 hatte der damalige Vorsitzende des isländischen Gartenbauverbandes auf diese eigenartige Seite der Energierechnung hingewiesen. Im Folgejahr waren die Verkäufe von Herkunftszertifikaten deutlich zurückgegangen, nachdem Parlamentarier und Minister angekündigt hatten, sich der Sache anzunehmen. Doch Worten waren keine Taten gefolgt, und das Pendel war wieder zurückgeschwungen.

In einer Erklärung des Energieunternehmens Landsvirkjun zum Thema Sauberkeitszertifikate waren ausländische Kunden darauf hingewiesen worden, dass sie das Zertifikat dazu nutzen können, allerlei Umweltzertifikate zu erhalten und ihre Waren solcherart dekoriert zu einem höheren Preis vermarkten können als zuvor. Und dies, obwohl sie weiterhin schmutzige Energie in ihrer Produktion einsetzen. Dem ahnungslosen Kunden gegenüber wird kein Wort über die Ethik solcher Geschäfte verloren, vielmehr glaubt der Kunde, er zahle den höheren Preis für Produkte eines Unternehmens, welches eine umweltfreundliche Herstellung betreibt.

Ablasshandel schwärzt die grüne Energiewirtschaft

Die Herkunftszertifikate werden im Rahmen des Emissionshandels seit dem Jahr 2011 von isländischen Energieunternehmen verkauft. Den Daten der Energiebehörde ist zu entnehmen, dass in jenem Jahr 89 Prozent des Stroms in Island aus erneuerbaren Energien bestand. Nur fünf Prozent wurden (auf dem Papier) mit Atomenergie hergestellt, und sechs Prozent mit fossilen Brennstoffen.

Im Jahr 2018 war der Anteil des sauberen isländischen Stroms auf 11 Prozent des Gesamtenergieverkaufs gesunken. Weitere 34 Prozent wurden (auf dem Papier) durch radioaktives Uran erzeugt, und 55 Prozent kamen aus fossilen Brennstoffen wie Kohle, Öl und Gas. Vom sauberen Energieland Island bleibt da (auf dem Papier) nicht viel übrig.

Es ist durchaus wahrscheinlich, dass der Anteil des aus erneuerbarer Energie hergestellten Stroms in diesem Jahr auf dem Papier auf unter 10 Prozent gesunken ist. Hier spielt bedingt durch die grosse Debatte um die Erderwärmung die Nachfrage nach Ablassbriefen auf dem Energiemarkt eine Rolle. Alle wollen demonstrieren, dass sie zumindest auf dem Papier keine Treibhausgase verursachende Energie zur Herstellung nutzen, auch wenn sie das de facto tun.

Island wird zum Umweltverschmutzer auf dem Papier

Im Gegenzug zum Verkauf der Herkunftszertifikate isländischer Stromversorger schreiben Isländer sich auf dem Papier nun die Verantwortung für die Umweltverschmutzung ausländischer Hersteller, die sich mit sauberen Zertifikaten “made in Iceland” eingedeckt haben, in ihre Bücher.

Aus den Daten der Energiebehörde geht hervor, dass durch die 34 Prozent aus Atomenergie hergestellter Energie für Island 0,94 Milligramm radioaktive Müll pro Kilowattstunde “gut”geschrieben werden. Für das Jahr 2018 sind das 19 Tonnen radioaktiver Müll.

Die 55 Prozent Energie, die mithilfe von fossilen Brennstoffen erzeugt wird, hinterlässt 443,13 Gramm Kohlendioxid pro Kilowattstunde Strom. Unterm Strich hat das grüne Enegieland Island durch diesen modernen Ablasshandel im vergangenen Jahr 8,8 Millionen Tonnen CO2 in die Atmosphäre entlassen.

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