Blutstuten: Polizei hat Ermittlungen eingestellt Skip to content
Photo: Dagmar Trodler.

Blutstuten: Polizei hat Ermittlungen eingestellt

Die Ermittlungen im Fall der möglichen Misshandlungen von Stuten bei der kommerziellen Blutgewinnung sind eingestellt worden, weil aus dem Ausland kein ausreichendes Beweismaterial vorgelegt worden ist. Die Polizei hatte in der Vergangenheit mehrfach versucht, weitere Daten von der Tierschutzorganisation zu erhalten, die den Fall ans Licht gebracht hatte, doch diese Daten sind nie geliefert worden, berichtet mbl.is.
Der südisländische Polizeidienststellenleiter Sveinn Kristján Rún­ars­son gab auf Anfrage von mbl.is an, die Organisation habe sich hinter deutschem Recht versteckt, wonach sie keine weiteren Daten liefern müssten. Der Fall sei in Island bereits Ende Januar zu den Akten gelegt worden. Ein Jahr lang habe man ermittelt und versucht, weiteres Material zu erhalten, jedoch ohne Erfolg.

Umstrittene Praktiken
Der Tierschutzbund Zürich (AWB/TSB) hatte im November 2021 ein Video veröffentlicht, wo per versteckter Kamera die Misshandlung von Stuten bei der kommerziellen Blutgewinnung in Island dokumentiert worden war. Unter anderem ist im Video zu sehen, wie Stuten geschlagen und getreten werden, sowohl beim Einsperren in den Fangstand, beim Fesseln und bei der Blutgewinnung selbst durch einen Veterinär. Die Stuten werden mit einem Gurt über den Rücken fixiert, damit sie nicht steigen, und ihr Kopf wird am Pfosten festgebunden, damit sie sich beim Einstich der dicken Kanüle nicht bewegen. Auch zu sehen ist im Video, wie gefesselte Stuten im Fangstand in Panik verfallen und zu steigen versuchen. Den tragenden Stuten mit Saugfohlen bei Fuss werden im Sommer jede Woche bis zu acht Litern Blut entnommen, diese hohe Menge war von ausländischen Tierärzten als tierschutzrelevant kritisiert worden.

Ermittlungen versackten
Die Veterinäraufsichtsbehörde MAST hatte die Sache untersucht und angegeben, sie sehr ernst zu nehmen. Versuche, das ungeschnittene Videomaterial von den Tierschützern zu erhalten, schlugen jedoch fehl. MAST gab an, die Tierschutzorganisation habe sich geweigert, das ungeschnittene Material zu übersenden, sie habe nur Informationen dazu übermittelt, wann das Material aufgenommen worden war.
MAST hatte ermitteln können, wo sich die Vorfälle ereignet hatten und wer daran beteiligt war.
“Bei den Ermittlungen verlangte die Behörde nach Erklärungen und einer Stellungnahme der Leute, die in dem Video zu sehen sind. Wie bereits erwähnt, hatte die Behörde keinen Zugang zu ungeschnittenem Bildmaterial, was ihre Möglichkeiten einschränkt, den Ernst der Verstösse zu bewerten, daher kann die Behörde den Fall nicht vollständig untersuchen.” hatte es in einer Mitteilung im Januar 2022 gehiessen, als die Angelegenheit an die Polizei weitergereicht wurde.
Im Februar 2022 hatte Medienberichten zufolge Blutbetriebe ihren Vertrag mit dem blutverarbeitenden Pharmaunternehmen Ísketa ehf. gekündigt. Die Ísteka extrahiert aus dem Stutenblut das Hormon PMSG, welches im Ausland zur Zyklusregulierung vor allem in der industriellen Schweinezucht benutzt wird.

Neue Bestimmungen für weitere drei Jahre
MAST zufolge liegt die Verantwortung der Blutgewinnung bei Ísteka, und die Blutgewinnung wird durch unternehmenseigene Veterinäre durchgeführt.
Im vergangenen Jahr hatte die Ministerin für Landwirtschaft, Fischerei und Lebensmittel neue und strengere Bestimmungen für die kommerzielle Blutgewinnung eingeführt und die Blutwirtschaft für weitere drei Jahre genehmigt.
Auf dem Tisch der Ministerin liegt seit Ende Mai auch ein Schreiben der EFTA-Regulierungsbehörde ESA, wonach in der kommerziellen Blutgewinnung ein Verstoss gegen europäisches Recht vorliegt, denn in Europa fallen Blutstuten unter die Richtlinie zum Schutz von für wissenschaftliche Zwecke verwendete Tiere. Die isländische Regierung vertritt jedoch den Standpunkt, dass die Blutstuten keine Versuchstiere sind, weil das aus ihnen gewonnene Blut ein landwirtschaftliches Produkt darstelle, daher falle die Blutstutenhaltung auch nicht unter die genannte Bestimmung. Das Mahnschreiben der ESA war eingegangen, nachdem bei der EFTA im April letzten Jahres eine von 17 isländischen Verbänden formulierte Klage eingegangen war. Islands Regierung hat zwei Monate Zeit, auf den Brief zu reagieren.
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