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Vom Lämmer-unterschieben

Auf den meisten Höfen in Island hat die Lämmerzeit begonnen, in den Ställen halten Geburtsboxen Einzug und die Landwirte bereiten sich auf Nachtschichten vor. Auch wenn Schafe in der Regel alles selbermachen, so muss man doch immer wieder helfend eingreifen.

Eins der Probleme, die jeden Schafhalter treffen können, ist das des mutterlosen Lammes. Im schlimmsten Fall stirbt die Mutter bei der Geburt, aber oft hat sie auch nicht genug Milch, eine verschlossene Zitze, oder ist mit drei oder sogar vier Lämmern überfordert.

Solche Lämmer werden gerne anderen Schafmüttern untergeschoben, oft solchen, die ihr Lamm verloren haben.

Hjörtur E. Kjerulf vom Hof Hrafnkelstaðir im Fljótsdalur ist das gerade passiert. “Ein Lamm starb unter der Geburt, und ich will der Mutter ein anderes Lamm unterschieben. Ich nehme die Haut des verendeten Lammes und binde sie dem lebenden Lamm um. Das ist eine der gängigsten Methoden, ein Lamm unterzuschieben,” erklärt Hjörtur RÚV gegenüber.

Die Mutter des Lammes, welches den Pelz bekommt, hat nicht genug Milch für ihre beiden Lämmer, und das jüngere von beiden wurde nicht satt.

“Wenn man das nicht unterschieben würde, müsste man die Flasche geben, und man hätte den ganzen Sommer über ein Flaschenlamm. Das ist viel Theater. Nun aber leiht das tote Lamm dem lebenden Lamm seine Haut, und dieses findet eine Mutter mit genug Milch.” Hjörtur hat bereits das Fell abgezogen und bindet dem Lämmchen nun seinen Mantel um.

Bauern würden die unterschiedlichsten Methoden anwenden, um Lämmer unterzuschieben, sagt er. Fruchtwasser ist eine weitere verbreitete Methode. Da wird das unterzuschiebende Lamm im Fruchtwasser der betreffenden Aue gebadet, die leckt das Lamm sauber und glaubt, es sei ihr eigenes.

Im Landhandel gibt es auch ein “Adoptionsspray” zu kaufen, welches man auf den Rücken des Lammes und auf die Nase der Aue sprüht. Aber Hjörtur findet das keine gute Lösung. “Das kostet nur Geld, und irgendwas Giftiges ist auch in diesen Flaschen. Die Fellmethode ist dagegen völlig natürlich.”

Wie im Film zu sehen ist, beriecht die Aue das Lamm im Lämmerpelz ausgiebig. “Es geht darum, dass die Aue den Geruch von ihrem Lamm auf dem Lamm findet, das man unterschieben will. Sie muss glauben, es sei ihr eigenes, damit sie ihm das Trinken erlaubt. Aber das scheint ja gut zu klappen,” freut sich der Schafzüchter.

Das Lamm hat tatsächlich zu saugen begonnen, und wackelt mit dem Schwänzchen, irgendwo unter der Haut des Lammes, welches nicht überlebte.

Im Link findet man den Film zur Geschichte.

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