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Über Bakterien und Sorgfalt

Die Schmiedeepisode der letzten Woche hat allerlei Presse nach sich gezogen.

Unter anderem hatte der Schmied selber, Stephen O’Grady, sich für seine Unwissenheit entschuldigt und beteuert, daß sein Handwerkzeug desinfiziert bzw. neu gewesen sei berichtet eidfaxi.is.

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Er benutze Werkzeug, welches nicht in Island erhältlich sei. Überdies reise er in der ganzen Welt umher und wisse über Seuchenschutzmaßnahmen Bescheid.

Nun hat sich auch der Vorsitzende des Landsamband Hestamanna, Haraldur Þórarinsson, mit einem nachdenklichen offenen Brief zu Wort gemeldet, der bei hestafrettir und in anderen Pferdemedien abgedruckt steht.

Er weist darauf hin, daß es nur drei Jahre her sei, daß das Landsmót Hestamanna wegen des ansteckenden Pferdehustens hatte abgesagt werden müssen. Die Seuche habe der Pferdegemeinschaft großen finanziellen Schaden zugefügt, von dem so mancher sich noch nicht erholt habe.

Man frage sich ernsthaft, wie es nach all den Diskussionen und Erkenntnissen passieren konnte, daß ein Schmied mit seinem Werkzeug nach Island komme und hier Pferde beschlage. Er sei durch alle Kontrollen gekommen, ohne bemerkt zu werden oder Informationen bekommen zu haben, daß die Einfuhr des Werkzeuges verboten sei. Auch der Kunde scheine ihn nicht gesondert darüber informiert zu haben, welche Seuchenschutzregeln hierzulande gelten.

Am schlimmsten aber findet Haraldur, daß sowohl Pferdebesitzer als auch Journalist ihm beim Beschlagen zugeschaut hätten.

Wäre der Besuch des Schmiedes nicht in den Nachrichten verbreitet worden, hätte kein Hahn überhaupt danach gekräht. Für Haraldur stellt sich die Frage, ob der ansteckende Husten von vor drei Jahren auf ähnliche Weise ins Land gekommen ist.

Die Reiter müssten sich ernsthaft überlegen, wie es weitergehen soll, nun, da ans Licht gekommen sei, daß das derzeit gültige Seuchenschutzsystem offenbar nicht funktioniert, obwohl die Veterinäraufsichtsbehörde MAST seit dem Hustenjahr 2010 verstärkt auf Seuchenschutzmaßnahmen pocht.

Müssten Gesetze geschaffen werden, daß Fluggesellschaften und Schifffahrtsgesellschaften nur noch Passagiere befördern dürfen, wenn sie ihrer Informationspflicht über den Seuchenschutz Genüge getan hätten? Müssten sie per Gesetz gar zur Verantwortung gezogen werden können?

Eine weitere Möglichkeit sieht Haraldur darin, alle Seuchenschutzmaßnahmen einfach fallen zu lassen und mit der Schutzimpfung zu beginnen, die Pferdebesitzern jährlich Kosten von mehreren hundert Millionen Kronen verursachen würde, ohne eine Garantie gewährleisten zu können.

“Hat die Gemeinschaft der Reiter soviel Geld, um Respektlosigkeit dem Pferd gegenüber finanzieren zu können? Vergessen die Leute wirklich so schnell?”

Dieser Diskussion müsse man sich stellen und eine bessere Lösung finden, als derzeit zur Verfügung stehe, schreibt Haraldur.

Im Dezember findet eine Sitzung des Landssamband Hestamanna (LH) statt, wo man sich dem Thema gesondert widmen will, schreibt das Morgunblaðið vom 30.11.13.

Im Jahr 2010 hatte ein ansteckender Pferdehusten das wirtschaftliche Leben im isländischen Pferdebereich weitgehend lahmgelegt. Auf nahezu allen Gestüten husteten Pferde, viele fieberten und sonderten grünlichen Schleim ab. Eine Anzahl von Fohlen starb, und der Export von Pferden kam völlig zum Erliegen. Das Landsmót Hestamanna wurde abgesagt.

Als Erreger der Hustenseuche galt das Bakterium Streptococcus zooepidemicus.

smitandi_hostiDer Pferdehusten von 2010 legte ein ganzes Pferdeland lahm. Foto: Dagmar Trodler

Die Seuchenforscher Dr. Andrew Waller und Dr. Richard Newton des Animal Health Trust Labors in Newmarket in England hatten im Jahr 2011 einen neuen Stamm des Bakteriums, St 209, als Erreger des Pferdehustens identifizieren können. Da der isländische Pferdebestand bislang mit S. zooepidemicus nicht in Berührung gekommen war, konnte die im Ausland durchaus vorkommende Atemwegserkrankung sich ungehindert ausbreiten, heißt es in einem Artikel des Pathologischen Instituts Keldur der Universität Islands aus dem Jahr 2011.

Für Finnland sind drei Fälle wissenschaftlich belegt, wo eine Infektion mit S. zooepidemicus vom Pferd auf den Menschen überging.

Bei ihrem Vortrag in 2011 hatten die beiden Seuchenforscher Waller und Newton auf die verheerenden Auswirkungen hingewiesen, die etwa ein eingeschleppter Druseerreger (Streptococcus equi) im isländischen Pferdebestand haben könnte.

Druse ist in kontinentalen Pferdebeständen wohlbekannt. Sie ist hochgradig ansteckend und trifft vor allem Pferde bis zum fünften Lebensjahr. Ein infiziertes Pferd ist bereits während der Inkubationszeit (=”noch” nicht sichtbar erkrankt) Überträger der Krankheit und damit eine große Gefahr für Herdenmitglieder. Auch nach überstandener Krankheit kann der Druseerreger noch eine zeitlang weitergegeben werden.

Als Auslöser für den ansteckenden Husten von 2010 gilt die Einfuhr von nicht desinfiziertem benutztem Reitzubehör und Reitkleidung. Seit dieser Zeit ist die Einfuhr von benutzter Pferdeausrüstung (Sattel, Zaumzeug, Gebisse etc) und Ledergegenständen verboten, synthetische Reitkleidung muss mit Virkon desinfiziert und bei der Einreise beim Zoll vorgezeigt werden.

DT

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