Streit um die Aluminiumschmelze Helguvík Skip to content

Streit um die Aluminiumschmelze Helguvík

Islands Premierministerin Jóhanna Sigurdardóttir erklärte am vergangenen Wochenende, Hindernisse bezüglich des Projektes Southwest Line, das in Verbindung mit der Aluminiumschmelze Helguvík steht, würden beseitigt werden.

Premierministerin Jóhanna Sigurdardóttir. Foto: Geir Ólafsson.

Durch diese Äusserung gerät die Umweltministerin Svandís Svavarsdóttir unter Druck, die Ende September die Entscheidung der Nationalen Planungsbehörde, ein umfassendes Umweltgutachten sei nicht notwendig, ausser Kraft gesetzt und ein Gutachten für sämtliche Planungen im Zusammenhang mit der Aluminiumschmelze Helguvík in Auftrag gegeben hatte, berichtet Morgunbladid.

Das umstrittene Aluminiumwerk bei Helguvík wird von Century Aluminium gebaut, einer Gesellschaft, die ihren Sitz in Monterey im US-Staat Kalifornien hat. Century Aluminium erwarb 2004 das Unternehmen Nordurál und sein Aluminiumwerk in Grundartangi im Hvalfjördur und erweiterte dessen Produktionskapazitäten.

Century Aluminium ist 1995 von dem im schweizerischen Kanton Zug ansässigen Unternehmen Glencore gegründet worden. Glencore, einer der weltweit grössten Rohstoffhändler, ist aus dem Imperium des spektakulären US-Steuerflüchtlings Marc Rich hervorgegangen.

2008 wurde Glencore, das auch in der Produktion und Verarbeitung von Rohstoffen tätig ist, der Negativpreis „Public Eye Swiss Award“ verliehen. Public Eye ist ein Projekt von Nichtregierungsorganisationen aus aller Welt und wird von den Schweizer Organisationen Erklärung von Bern und Greenpeace koordiniert.

Zur Begründung der Preisverleihung an Glencore wurden neben skrupellosen Abbaumethoden in kolumbianischen Kohleminen die undurchsichtigen Geschäftspraktiken von Glencore genannt: „Obwohl das Unternehmen jährlich mehr Dollar als Nestlé umsetzt, bleibt Glencore der unbekannte Riese der Schweizer Wirtschaft.“

Das inzwischen börsennotierte Unternehmen Century Aluminium ist mit seinem ehemaligen Mutterkonzern weiterhin eng verbunden: Glencore ist der grösste Anteilseigner und beliefert den Aluminiumhersteller mit Aluminiumoxid.

Im Juni 2008 begann Nordurál – Century Aluminium nach dreijähriger Planungsphase mit dem Bau der Aluminiumschmelze bei Helguvík auf der Reykjanes-Halbinsel. Seit dem Ausbruch der internationalen Finanzkrise, die auch zu einem drastischen Fall der Aluminiumpreise führte, gehen die Arbeiten bei Helguvík nur schleppend voran.

Wie aus dem 3. Quartalsbericht 2009 von Century Aluminium hervorgeht, hat die Gesellschaft in den ersten neun Monaten 2009 einen Nettoverlust von 181,6 Millionen US-Dollar erlitten und versucht nun, Kosten und Risiken zu minimieren.

Zu den Aktivitäten in Island heisst es in dem Bericht: „Nordurál hält einen mässigen Aktivitätsgrad bei seinem Grüne-Wiese-Projekt nahe Helguvík aufrecht und arbeitet an Plänen für eine mögliche Wiederaufnahme grösserer Bauaktivitäten, inclusive eines Finanzierungsprogrammes.“

Vergangene Woche kündigte der Finanzchef von Century Aluminium auf einer Investorenkonferenz an, die Bauarbeiten bei Helguvík würden im nächsten Frühjahr wieder voll aufgenommen, berichtet Reuters.

Es seien bereits 100 Millionen US-Dollar investiert, aber die Fertigstellung werde einen sechsmal so hohen Betrag erfordern. Die Gesellschaft sei auf der Suche nach Finanzierungsmitteln und Investoren. Der Produktionsbeginn sei für Anfang 2012 vorgesehen und das Werk solle eine Kapazität von 360.000 Tonnen Aluminium erreichen.

Das in der Planungsphase allein für die Aluminiumschmelze erstellte Umweltgutachten war auf eine Produktionskapazität von 250.000 Tonnen ausgelegt gewesen. Ein umfassendes Gutachten, wie jetzt von der Umweltministerin gefordert, müsste Probleme von Stromerzeugung und Energietransport mit einbeziehen.

Umweltschützer warnen vor der Gefahr, dass durch den Betrieb mehrerer neuer Geothermalkraftwerke auf der Reykjanes-Halbinsel die Geothermalfelder austrocknen. Aber selbst die gesamte aus der Erdwärme von Reykjarnes gewonnene Energie scheint nicht ausreichen, um den Strombedarf der Schmelze zu decken.

Die Umweltministerin hatte bereits im Sommer erklärt, dass 625 Megawatt für die Produktion von 365.000 Tonnen Aluminium in dieser Region nicht existieren.

Auch Ólafur G. Flóvenz, der Geschäftsführer von Iceland Geosurvey, bestätigte nun, dass eine solche von der Schmelze Helguvík benötigte Energiemenge in den nächsten Jahren nicht bereitgestellt werden könne.

Der Bürgermeister von Reykjanesbaer, Árni Sigfússon, erklärte dazu: „Es ist die Entscheidung von Century Aluminium, ob sie eine Schmelze bauen wollen ohne vorher zu wissen, ob sie die nötige Energie dafür bekommen können.“

Übersetzt, zusammengefasst und ergänzt von Bernhild Vögel.

Sign up for our weekly newsletter

Get news from Iceland, photos, and in-depth stories delivered to your inbox every week!

Subscribe to Iceland Review

In-depth stories and high-quality photography showcasing life in Iceland!

Share article

Facebook
Twitter

Recommended Posts