Streik könnte 70.000 Beschäftigte betreffen Skip to content

Streik könnte 70.000 Beschäftigte betreffen

Immer mehr Gewerkschaften in Island planen Streiks, dazu zählen die VR Handelsgewerkschaft, die Handelsvereinigung Islands LÍV, Flóabandalag, die Dachorganisation der südwestisländischen Gewerkschaften, sowie die Gewerkschaft der Krankenschwestern.

Wenn sie alle einen Streik beschließen, könnte das die weitreichenste Streikwelle seit Jahrzehnten in Island werden.

Dem statistischen Amt zufolge gibt es derzeit 176.000 Beschäftigte auf dem isländischen Markt. Wenn die Gehaltsverhandlungen ergebnislos ausgehen und die Mehrheit der Gewerkschaftsmitglieder bei der Urabstimmung für Streiks stimmen, bedeutet das, dass 40 Prozent aller Werktätigen in Island Anfang Juni streiken.

Gestern um Mitternacht hatte ein 48-stündiger Streik bei den Beschäftigten der Gewerkschaft SGS begonnen, welcher etwa 10.000 Arbeitnehmer in 2000 Unternehmen ausserhalb der Hauptstadtregion betraf, berichtet mbl.is.

Die Verhandlungen zwischen der SGS und Business Iceland (SA), einer Dienstleistungsorganisation für das isländische Geschäftsleben, endete vorgestern ergebnislos.

SA hat eine 23,5 prozentige Erhöhung des Grundgehaltes geboten, wobei die niedrigste Gehaltsstufe in den kommenden drei Jahren pro Monat um 47.000 ISK (318 EUR) steigen sollte.

Dies widerspricht der Forderung von SGS, dass das Angebot von SA eine Erhöhung von 28.000 ISK bei den niedrigsten Monatsgehältern umfassen sollte. SGS fordert dass der Mindestlohn bei 300.000 ISK (2032 EUR) pro Monat liegen soll.

Das online Magazin Eyjan berichtet, SA habe den Piloten im vergangenen Dezember eine Gehaltserhöhung von 310.000 ISK angeboten.

Auswirkungen des Streiks bei der SGS werden zwei Tage lang in der Milchinduistrie, Fischverarbeitung und bei anderen Nahrungsmittelkonzernen zu spüren sein, außerdem sind der Tourismus, der öffentliche Nahverkehr und das Baugewerbe betroffen.

Ein Streik unter den Gewerkschaftsmitgliedern der akademischen BHM läuft derzeit ebenfalls auf unbefristete Zeit. Die am längsten Streikenden haben ihren 30. Streiktag hinter sich. Dazu gehören auch medizinische Angestellte, berichtet visir.is.

Im Streik befinden sich Röntgenassistenten und Biomediziner, in den Krankenhäusern können weder Röntegnaufnahmen noch Spezialuntersuchungen durchgeführt werden, was unter anderem Krebspatienten betrifft. Auch die Hebammen streiken, hier gibt es in einzelnen Fällen, wie etwa für Kaiserschnitte, Ausnahmeregelungen.

Die Juristen in der Reykjavíker Verwaltung streiken, was zur Folge hat, dass derzeit weder Grundstücksgeschäfte notariell beglaubigt noch Hypotheken bearbeitet werden können. Ehen können weder geschlossen noch geschieden werden.

Weitere Auswirkungen durch den BHM-Streik betreffen das Schlachtgewerbe und den Import von Frischfleisch. Die Tierärzte, die in den Schlachthöfen Hygienezertifikate ausstellen, streiken ebenfalls. Für die kommende Woche muss mit ersten Engpässen bei Fleischprodukten gerechnet werden.

Der Vorsitzende des Tarifverhandlungsteams der BHM, Páll Halldórsson, sagte ruv.is, dass die Mitglieder der BHM die 3,5 prozentige Lohnerhöhung, die der Staat angeboten hatte, nicht akzeptieren.

„Die Vereinbarungen, die kürzlich getroffen wurden, waren langfristiger Natur und beinhalteten etwas um die 10 Prozent pro Jahr, das ist natürlich etwas, worauf wir hinarbeiten.“

Im Januar hatten die Ärzte eine staatliche Gehaltserhöhung von 20 Prozent und mehr akzeptiert, nachdem die Ärztegewerkschaft zum ersten Mal in der isländischen Medizingeschichte gestreikt hatte.

Ohne auf Details einzugehen verlangt die BHM, dass Ausbildung honoriert werden müsse. Páll ist der Ansicht, dass der Staat Möglichkeiten hat, eine substantielle Gehaltserhöhung zu finanzieren.

Premierminister Sigmundur Davið Gunnlaugsson antwortete auf die Frage der Vorsitzenden der Linksgrünen im Parlament, Katrín Jakobsdóttir, nach den Streiks, dass der Staat „kein Brennholz auf das Inflationsfeuer legen würde“, berichtet mbl.is.

Sigmundur befand, dass die von der BHM geforderte Lohnerhöhung das Rad der Inflation außer Kontrolle geraten lasse.

Der Flughafenbetreiber Isavia hat auf seiner Webseite eine Liste (in isländischer Sprache) möglicher streikbedingter Störungen im Flugverkehr und bei touristischen Dienstleistungsgewerben veröffentlicht, die ab dem 29. Mai unter anderem Busfahrpläne, Hotels und check-in service betreffen können.

Wenn die Tarifverhandlungen weiterhin ergebnislos bleiben, könnten auch die Flugpläne vom 31. Mai um Mitternacht auf den 1. Juni und nach dem 6. Juni betroffen sein. Isavia fordert die Fluggäste auf, die Entwicklungen zu verfolgen und ihre Fluggesellschaften für weitere Informationen zu kontaktieren.

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