Sterbliche Überreste von Skálholt-Bischöfen unter dem Mikroskop Skip to content
Photo: Dagmar Trodler.

Sterbliche Überreste von Skálholt-Bischöfen unter dem Mikroskop

Mehr als 250 Jahre alte Knochen, Haare und andere irdische Überreste einer kleinwüchsigen Bischofsgemahlin sind heute im isländischen Nationalmuseum einer kleinen Holzkiste entnommen worden, berichtet RÚV. Die Überreste weiterer fünf Bischöfe, ihrer Gemahlinnen und Kinder warten ebenfalls darauf, mit modernen Methoden der Osteologie untersucht zu werden, um ein Licht auf Gesundheit und gesellschaftliche Veränderungen jener Zeit zu werfen.

Die Bischofsknochen sind damit zum zweiten Mal ans Tageslicht gekommen. Entdeckt worden waren sie in den Jahren 1954 bis 1958, als am Bischofssitz Skálholt in Südisland ausgedehnte archäologische Grabungen durchgeführt wurden. Damals entdeckte man die Särge mehrerer Bischöfe, ihrer Gemahlinnen und Kinder. Die sterblichen Überrechte wurden nach Reykjavík gebracht und untersucht. Danach schreinerte man kleine Holzkisten für die sterblichen Überreste und brachte sie im Jahr 1963 in das Gewölbe unter der neuen Kirche. Das Grab der Bischofsfamilien erhielt auch einen neuen Grabstein. Der Regisseur Ósvaldur Knudsen hatte die Ausgrabung damals in einer Filmdokumentation festgehalten.

Am 8. Juni ging es für die Bischofsfamilien nun ein zweites Mal nach Reykjavík, wo sie im Gebäude des Nationalmuseums in Hafnarfjörður untersucht werden. Die Leiterin der Aufbewahrungskammer, Freyja Hlíðkvist Ó Sesseljudóttir, erklärt, dass alles natürliche Material zunächst unter Quarantäne bleiben muss, damit weder Bakterien noch Schimmel übertragen werden können.
Die erste Kiste wurde dann heute geöffnet. In ihr befinden sich die sterblichen Überreste von Guðríður Gísladóttir, der Gemahlin von Bischof Finnur Jónsson und ihren Enkeln. Guðríður starb im Jahr 1766.

Screenshot RÚV, Skálholt bones

Der Weihbischof von Skálholt, Kristján Björnsson, befand sich vor Ort und sprach ein Gebet aus der Feder von Psalmendichter Hallgrímur Pétursson, bevor die Kiste geöffnet wurde.
Um die Untersuchung kümmert sich der Osteologe Joe Wallce Walser, der erst kürzlich über die Auswirkungen der Vulkanausbrüche auf die Gesundheit der Isländer durch die Jahrhunderte promoviert hat.
“Wir versuchen, Antwort auf Fragen zur gesellschaftlichen Stellung und zur Gesundheit in Verbindung mit den Veränderungen zu finden, die zu Lebzeiten dieser Verstorbenen im Gange waren,” erklärte Joe. “Man geht davon aus, dass Mangelernährung in jener Zeit weit verbreitet war, aber wir schauen dabei auf die sogenannte Oberschicht, was bedeutet, dass die möglicherweise eine bessere Ernährung genossen als die Allgemeinheit.”

In der Kiste befanden sich unter anderem Kieferknochen und Zähne. Die Zähne sind grünverfärbt. Ein Grund dafür könnte sein, dass Bischofsgattin Guðríður mit Schmuck aus Kupfer begraben wurde, worauf sich Grünspan an den Zähnen bildete. Das Kupfer hat auch dafür gesorgt, dass sich Gewebe länger hält, daher ist die Haut noch relativ gut erhalten.

Screenshot RÚV, Skálholt bones

Die Wissenschaftler müssen Handschuhe und Mund-Nasenschutz tragen, wenn sie mit den Überresten umgehen, keine einfache Sache an einem heissen Tag wie dem heutigen. Auch der Vulkanausbruch auf der Halbinsel Reykjanes ist nicht weit entfernt, eine weitere Bedrohumg für die alten Knochen.
“Das geht dann so, dass Schwefelverschmutzung aufwirbelt, wie inzwischen jeder weiss. Alte Überreste sind dafür noch empfindlicher als Menschen, daher wollen wir von dem Ausbruchsmaterial so wenig wie möglich im Haus haben und halten alle Fenster geschlossen,” erklärt Freyja.

Der Weihbischof zeigt sich zufrieden mit dem Gang der Dinge.
“Das passiert hier alles mit grossen Respekt um die sterblichen Überreste herum. Und einer von denen [den Bischöfen in den Kisten], Þórður Þorláksson, von dem glaubt man, dass er ein Pionier der Wissenschaften und Künste war, und warum sollten wir da nicht die Wissenschaft mit solchen Forschungen unterstützen.”

Neben dem Sarg von Guðríður und ihren Enkeln befinden sich zur Zeit auch die Bischöfe Þórðar Þorláksson, Jón Vidalín, Jón Árnason, Finnur Jónsson und Hannes Finnsson im Nationalmuseum. Bei den Bischofsfrauen, deren Identität man kennt, handelt es sich um Sigríður Vídalín, Guðríður und Þórunn Ólafsdóttir. Ausserdem vermutet man die Überreste von Guðríður Gísladóttir, der Ehefrau von Þórður Þorláksson, ihr Sohne und Guðríðurs Vater und Amtmann der Gemeinde, Gísli Magnússon.
Geplant ist, dass die Bischöfe und ihr Gefolge erst in einem Jahr wieder nach Skálholt zurückkehren.

 

Sign up for our weekly newsletter

Get news from Iceland, photos, and in-depth stories delivered to your inbox every week!

* indicates required

Subscribe to Iceland Review

In-depth stories and high-quality photography showcasing life in Iceland!

Share article

Facebook
Twitter

Recommended Posts