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Jahresrückblick auf Geysire, Vulkane und Tiere

Das Jahr 2011 hatte es in Island schwer, seinen explosiven Vorgänger zu toppen. Der „unaussprechliche“ Eyjafjallajökull, der im Frühjahr 2010 den europäischen Flugverkehr lahmgelegt hatte, grummelte Anfang Januar noch etwas, schlief dann aber ein. Am 21. Mai brach überraschend der Vulkan Grímsvötn aus, der sich unter der großen Eiskappe des Vatnajökull versteckt.

Er verstreute eine Woche lang erhebliche Mengen an Asche, die sich jedoch nicht als größeres Flughindernis erwiesen. Während Grímsvötn den Süden einschwärzte, rieselte im Norden weißer Schnee auf das erste Frühlingsgrün. Eis und heiß liegen in Island bekanntlich nahe beieinander.

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Renhirsch in Ostisland. Foto: bv

Anfang Juli rumorte die unberechenbare Hekla, doch ihre seismographisch verzeichnete Aktivität erwies sich als geschicktes Ablenkungsmanöver. Denn einen Tag nach der Hekla-Entwarnung, am 9. Juli, ergoss sich aus dem Mýrdalsjökull, unter dem die Vulkanschwester Katla lauert, ein Gletscherlauf und zerstörte zum Verdruss aller rundum reisenden Touristen die Ringstraßenbrücke – ein Schaden, der in atemberaubend kurzer Zeit behoben wurde.

Seitdem aber wird es unter dem Mýrdalsjökull nicht mehr ruhig. Im Bauch der Katla rumort es ständig. Die alte Dame bebt, mal mehr, mal weniger. Sie ist überfällig, sagen die Isländer und warten geduldig auf einen richtigen Ausbruch. Ob er morgen oder in zehn Jahren erfolgen wird, weiß niemand.

Der kühle Frühsommer erschwerte die Lage der Seevögel, deren Nahrungsangebot in den letzten Jahren kontinuierlich zurückgegangen ist. Die Nist- und Brutsituation war besonders für die Dreizehenmöven, Küstenseeschwalben und Papageientaucher schlecht bis dramatisch. Auf den Westmännerinseln wurde erstmals die traditionelle Jagd auf Papageientaucher verboten. Auch die Zahl der Schneehühner, die in Island besonders als Weihnachtsbraten geschätzt werden, ging weiter zurück. Nur die Seeadler fanden genügend Nahrung und zogen ihre Brut erfolgreich auf.

Anfang Mai musste wieder ein pelziger Tourist aus Grönland sein Leben lassen; es ist der vierte Eisbär innerhalb von vier Jahren, der auf Island erschossen wurde. Viele fordern einen anderen Umgang mit den unter Artenschutz stehenden Bären und der Reykjavíker Bürgermeister Jón Gnarr hat ihnen Asyl im städtischen „Zoo“, der im Wesentlichen ein Haustiergarten ist, angeboten.

Im Februar berichteten wir über den Tod des Nackthundes Lúkas, der 2007 für beträchtliche Schlagzeilen gesorgt hatte. Ein junger Mann in Akureyri wurde damals verdächtigt, ihn entführt und zu Tode gemartert zu haben. Doch nach einigen Wochen war der Hund quicklebendig wieder aufgetaucht. Er starb kurz nachdem der junge Mann den Prozess gegen seine Verleumder gewonnen hatte.

Einen wahrhaft tierischen Auftritt im Rathaus von Akureyri hatte im Dezember der Hahn Hrólfur, als er gegen das geplante Haltungsverbot von Hühnern im Stadtgebiet demonstrierte. Der Bürgermeister räumte ein, Hrólfur habe sich dabei mustergültig ruhig verhalten.

Auf jeden Einwohner Islands kommen eineinhalb Schafe, daher handeln die meisten Tiernachrichten von verfrüht geborenen oder blau eingefärbten Lämmern, verirrten Schafen oder dem alljährlichen Widdergrabscher-Wettbewerb.

Der Grund dafür, dass dieses Jahr viele Rentiere elend verendeten, sind defekte Zäune oder alte Zaundrähte, in denen sich die Tiere mit ihren Geweihen verhakten. Das Ostisländische Institut für Naturkunde appellierte an die Bauern, die Todesfallen zu entfernen, und die unermüdlichen Helfer der Rettungsorganisation ICE-SAR konnten einige der Tiere retten.

Der Geysir findet sich nur des Reimes wegen in der Überschrift, es ist vom ihm nichts Besonderes zu vermelden. Jedoch haben sich wie jedes Jahr auch 2011 wieder Touristen an heißen Quellen und Schlammtöpfen verbrüht.

Schlimmer enden in der Regel unbedachte Ausflüge in die Kälte. Im vergangenen Winter wurde ein deutscher Bergsteiger im Gebiet des Eyjafjallajökull nach 24 Stunden von einem 150-köpfigen Rettungsteam lebend aufgefunden. Für einen 25jährigen schwedischen Touristen endete ein Ausflug auf eine Gletscherzunge des Mýrdalsjökull tödlich. An der mehrtägigen Suche waren insgesamt etwa 500 freiwillige Helfer beteiligt.

Das sind nur zwei Beispiele von mehreren. 140 Touristen sind seit dem Jahr 2000 in Island ums Leben gekommen. Wer gut informiert ist, bedächtig Auto fährt, sich sorgfältig ausrüstet, die eigenen Fähigkeiten nicht überschätzt und die Natur achtet und sie nicht bezwingen will, wird sich vollkommen sicher durch Island bewegen.

Wir wünschen uns für das neue Jahr, möglichst wenig über vermeidbare Katastrophen und Tragödien berichten zu müssen.

Übrigens: Durch den Verkauf von Feuerwerkskörpern für Silvester finanzieren sich die isländischen Rettungsdienste, deren freiwillige Helfer oftmals ihr eigenes Leben riskieren, um fremdes zu retten.

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Bitte beachten Sie auch den Rückblick „Sagenhaftes Jahr 2011“, in dem es um Kultur, Politik und Verbrechen geht.

Einen Überblick über Berichte und Besprechungen zum Sagenhaften Bücherjahr finden Sie als herunterladbares PDF in der Rubrik „Kulturblick“ oder auf der deutschen Startseite rechts unten.

Bernhild Vögel

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