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Islands einzige Kaninchenzüchterin

Birgit Kositzke ist eine Frau, die weiss was sie will. Im Jahr 2007 zog sie nach Island, um sich hier in landwirtschaftlichem Umfeld eine Zukunft aufzubauen. Doch waren es nicht Pferde oder Milchkühe, sondern Kaninchen zur Fleischgewinnung, denen ihr Interesse galt.

Mit vier Kaninchen begann vor vier Jahren ihre kleine Zucht, die Tiere kamen aus dem Dalatunga im Osten Islands. “Mein erster Bock hiess Daddy Cool,” erinnert sie sich. So ganz neu war die Idee nicht, die isländische Landbevölkerung hatte immer schon Kaninchen als Nutztiere gehalten, das Konzept an sich hatte sich jedoch nie durchgesetzt, nicht zuletzt weil die Kaninchenzucht ziemlich arbeitsaufwendig ist.

Birgit kannte sich mit Kaninchen aus. Ihre Zucht wuchs, und im Jahr 2013 konnte sie von ihrem ersten Stall in Tjarnakot bei Hvammstangi nach Syðri-Kárastaðir im Hrútafjörður umziehen.

Wie schon zuvor in Tjarnakot entstanden hier sämtliche Ställe in Eigenproduktion. “Kaninchen sind Gruppentiere und brauchen nicht nur absolute Sauberkeit, sondern auch ausreichend Platz, um zu gedeihen” erklärt Birgit. Die Kaninchenjungen werden zu gegebener Zeit von ihren Müttern getrennt und wachsen dann in Altersgruppen zusammen auf.

In Syðra-Kárastaðir weht ein guter Geist, ganz gleich welchen Stall man öffnet, überall sitzen zufriedene, gepflegte und gesunde Zuchttiere.

Die Ställe sind gross und luftig, die Scheune lichtdurchflutet, ein hoher Hygienestandard sorgt dafür, dass es kaum riecht. Die Wurfkästen der Zibben sind mit ebenso grosser Umsicht gebaut wie die Ställe der älteren Tiere, die mehr Bewegungsmöglichkeit brauchen.

Birgits Zucht umfasst heute 400 Tiere, darunter 98 Zibben und 8 Zuchtböcke. Sie betreibt ihr kleines Ein-Personen-Unternehmen mit grossem persönlichen Engagement, nicht zuletzt, als es darum ging, die Schlachtgenehmigung zu erhalten. Das in Deutschland vor allem zu Weihnachten beliebte Kaninchenfleisch war auf dem isländischen Markt nahezu unbekannt, es galt, seine Vorzüge in der Öffentlichkeit bekannt zu machen und einen Schlachthof dafür zu gewinnen, die Schlachtgenehmigung einzuholen.

Zwei Jahre hatte sie darauf warten müssen, im vergangenen Winter war es dann endlich soweit. Seit Januar schlachtet sie zwischen 60 und 90 Tiere pro Monat und verkauft das Fleisch an Spitzenrestaurants wie Kolabraut in der Harpa, Coconet, Berg in Vík oder Sjávarborg in Nordisland. Dazu ist im neulich eröffneten Delikatessengeschäft Matarbúrið in Reykjavík Kaninchenfleisch nun im Angebot. Ziel ist, im kommenden Sommer 150 Tiere pro Monat anbieten zu können.
Auch das Fell ihrer Tiere wird im Land selbst genutzt, die Gerberei Loðskinn in Sauðarkrókur übernimmt Gerbung und Vermarktung der weichen Felle.

Doch Kundenaquise ist schwierig, wenn man alleine arbeitet und an die tägliche Versorgung der Tiere gebunden ist. Nebenjobs im Krankenhaus helfen Birgit, die lauen Zeiten zu überbrücken.

Einen zusätzlichen Schlag hatte der Kleinunternehmerin im vergangenen Sommer auch ein Streik im öffentlichen Dienst versetzt, als wochenlang die Tierärzte in den Schlachthöfen ihre Arbeit niederlegten.

Für das kommende Jahr hat sie sich nun ein Ultimatum gesetzt. Nach fünf Jahren endlosem Kampf gegen Widrigkeiten aller Art soll sich das Unternehmen amortisieren, sonst muss sie ihren Traum von der Selbstständigkeit endgültig begraben. Zu diesem Zweck wurde bei Karolina Fund eine Spendenaktion gestartet. Weitere Informationen zur Aktion sowie zu den Vorzügen von Kaninchenfleisch finden Sie hier.

Auf der Webseite kanina.is gibt es Informationen zum Unternehmen.

Hier finden Sie einen Videoclip über Birgit Kosizke.

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