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Future of Hope – in Frankfurt und Hamburg

future-of-hopeDie beiden Briten Heather Millard und Henry Bateman wussten wenig über Island, als sie im März 2009, ein halbes Jahr nach dem Bankenzusammenbruch, zu einer fünftägigen Erkundungstour nach Reykjavík aufbrachen, neugierig und mit einem vagen Filmprojekt im Hinterkopf. Sie wussten nur, sie wollten keinen der üblichen Islandfilme machen.

Dokumentarfilme über Island laufen stereotyp ab, befand die Produzentin Heather Millard, „porträtiert wird da ein Land von Fischern, die sich in Banker verwandelt haben, eine von Mythologie besessene Nation und ein fantastisches Touristenziel mit Geysir, Gullfoss und Blauer Lagune, aber wenig mehr.“

Die Gespräche, die sie mit Isländern geführt hatten, inspirierten sie stattdessen zu einer „Filmrecherche über Nachhaltigkeit und wie Island als ein internationales Vorbild wirken und weiterkommen kann“, sagte Henry Bateman, der als Kameramann, Regisseur und Produzent unter anderem für BBC und CNN gearbeitet hat, vergangenes Jahr zur Iceland Review.

Mit anderen Worten: Heather und Henry wollten erkunden, wie die Isländer die Krise nutzen, um – im Kleinen wie im Grossen – neue Wege zu beschreiten und kreative und umweltverträgliche Lösungen zu finden.

Fasziniert von Island und den Isländern liessen die beiden in ihrer Heimat alles stehen und liegen, kamen im Juni 2009 nach Island zurück und blieben bis heute.

„Future of Hope“, das Filmprojekt der beiden Briten und ihrer isländischen Mitarbeiter fand in Island grosse Beachtung. Sie drehten überall im Land, auf einem Biohof, im Gewächshaus und im Supermarkt, in der Universität wie in einem Restaurant, sie interviewten Bauern, Wissenschaftler und Schriftsteller und hielten Eindrücke der atemberaubenden Landschaft fest.

Sie waren dabei, als Reykjavíker gegen den Verkauf des Energieversorgers an einen ausländischen Konzern protestieren, dokumentierten die Aufbruchstimmung bei der Nationalversammlung und erlebten mit, wie sich ein altes Kohlekraftwerk in eine Ideenschmiede verwandelt.

70 Stunden Filmmaterial kamen zustande, doch dann waren die eigenen Mittel und die Zuschüsse aus dem isländischen Filmfond aufgebraucht. Um den Schnitt und die Fertigstellung des Filmes finanzieren zu können, beschritten sie unkonventionelle Wege und sammelten Geld über kickstarter.com.

Eine zentrale Interviewpartnerin im Film ist Kristín Vala Ragnarsdóttir, Dekanin der Fakultät für Ingenieur- und Naturwissenschaften an der Universität Island, die intensiv zum Thema Nachhaltigkeit lehrt und forscht. Ihre Statements geben dem Film die Richtung: „Wir müssen nachhaltige Gemeinwesen auf der ganzen Welt entwickeln und Island könnte Modell dafür sein.“

Trotz aller Aufbruchstimmung ist die Zukunft der Hoffnung für viele Menschen in Island ungewiss, das zeigt die Geschichte von Bogi, den die Schulden in eine nahezu aussichtslose Lage getrieben haben und der dennoch darauf besteht: „Die Krise ist das Beste, was Island passieren konnte.“

So unterschiedlich die Denkansätze der Interviewten sind – der Film vermittelt, dass es noch andere Werte als Wirtschaftswachstum gibt. Gerade Island mit seinen grossen Energieressourcen und seiner sensiblen Natur muss mit Respekt behandelt werden, darauf verweist auch Islands ehemalige Staatspräsidentin Vigdís Finnbogadóttir: „Es gibt andere Möglichkeiten, als Aluminiumfabriken im ganzen Land zu errichten.“

„Future of Hope“ hatte im Mai dieses Jahres im Deutschen Architekturmuseum in Frankfurt deutsche Premiere. Der Film wird dort heute im Rahmen der Ausstellungseröffnung „Island und Architektur?“ noch einmal gezeigt.

Auf dem Filmfest Hamburg läuft „Future of Hope“ am Mittwoch, 5.10., um 19 Uhr im Passage Studio, Mönckebergstrasse 17 und am Samstag, 08.10., um 20 Uhr im Abaton Klein, Allende-Platz 3.

Alle Personen im Film sprechen Englisch, hin und wieder gibt es englische Untertitel, wenn der isländische Akzent zu stark durchbricht. Die gerade fertig gestellte DVD-Fassung bietet auch deutsche Untertitel.

Hier können Sie den Trailer von „Future of Hope“ ansehen und hier finden Sie die Informationen zum Filmfest Hamburg.

Bernhild Vögel

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