Foto weckt Erinnerungen an Weltkriegs-Geheimnis Skip to content

Foto weckt Erinnerungen an Weltkriegs-Geheimnis

Ein Foto, das in Morgunblaðið veröffentlicht wurde, hat Spekulationen über eine alte Geschichte wiederbelebt. Es geht dabei um einen Flugzeugabsturz über dem Gletscher Eyjafjallajökull im Zweiten Weltkrieg.

Auf dem Bild sieht man acht Männer mit Pferden und Schlitten. Das Foto wurde am 30. September 1944 aufgenommen. Von den drei abgelichteten Isländern lebt heute nur noch einer: Guðjón Ólafsson ist mittlerweile 93 Jahre alt.

George Valdimar Tiedemann, ein amerikanischer Fotograf mit isländischen Wurzeln, schickte das Foto an Morgunblaðið, weil er wissen wollte, ob jemand die darauf abgebildeten Männer erkennt. Auf der Rückseite hat jemand die Namen Behrend, Botcher und Harris geschrieben.

Der Grund für die Expedition, deren Teilnehmer auf dem Bild festgehalten wurden, war der Absturz eines amerikanischen B-17G-Kampfflugzeugs über dem Gletscher zwei Wochen zuvor.

Die Besatzung, die aus zehn Männern bestand, überlebte den Absturz, verließ das Wrack aber zwei Tage lang nicht, da niemand wusste, in welche Richtung sie sich bewegen sollten. Dann sahen sie Lichter aus Fljótshlíð und liefen den ganzen Weg dorthin, an die 30 Kilometer weit. Unterwegs überquerten sie sogar den Gletscherfluss Markarfljót.

Ganz kurz, nachdem das Bild in Morgunblaðið veröffentlicht wurde, erkannten einige Leser darauf Guðjón Ólafsson und gaben der Zeitung seine Kontaktdaten, die Zeitung wiederum nahm Kontakt zu Guðjón auf.

1944 war Guðjón 22 Jahre alt. Er erinnert sich gut an die damalige Mission im Auftrag der Amerikaner. Er verstand kein Englisch, dachte aber, sie würden das Wrack finden, was nicht schwierig sein würde, denn einige Männer hatten es ein paar Tage zuvor gesichtet. „Doch wir konnten nicht sicher wein, denn die Streitkräfte waren immer so geheimniskrämerisch.“

Die Gruppe fand das Wrack nicht, kam aber zum Gipfel des Gletschers. Dort wurden die drei Isländer misstrauisch: Sollte es in Wirklichkeit nur darum gehen, Leichen einzusammeln? „Es gab da dieses Gerücht, dass ein kleines Zweisitzer-Flugzeug abgestürzt wäre, als es nach dem vermissten Flugzeug suchte. Das wurde allerdings nie bestätigt.“

Die Gruppe ließ die Pferde am Rand des Gletschers zurück und zog die Schlitten fortan selbst. „Unser Ziel war der Gipfel des Gletschers“, erinnert sich Guðjón. „Urplötzlich legte sich Nebel über den Gletscher, und die Soldaten wiesen uns an, stehenzubleiben und umzukehren. Also erreichten wir nie das Wrack.“

Auf dem Weg zurück fand die Gruppe ein paar Fetzen von Fallschirmen, die von den Überlebenden zusammengebunden worden waren, damit sie an der felsigen Seite des Gletschers herunterklettern konnten.

Guðjón ist mit dem Erfolg seiner Expedition zufrieden. „Wir waren alle wohlauf, als wir zurückkamen, nur haben wir eben unser Ziel nicht gefunden.“ Einige Bauern holten später ein paar Teile der B-17G. Jahre später gab der Gletscher das Wrack wieder frei. „Ich weiß bis heute nicht, ob das kleinere Flugzeug je gefunden wurde. Aber es gab eben so viele Geheimnisse während des Kriegs.“

Eine erste Expedition zum Wrack fand bereits drei Tage vorher statt. In ihrem Verlauf gab es einen Schneesturm. Die drei Männer gaben vorzeitig auf. Es handelte sich um G.F. Behrend, den Leiter der Expedition, Jón Kjartansson, ein Isländer, der dann auch bei der Expedition mit Guðjón dabei war, und einen amerikanischer Soldaten.

Das Wrack war zu diesem Zeitpunkt, mit Ausnahme des Hecks, bereits vom Schnee zugedeckt. Den Männern gelang es, ins Flugzeug einzudringen und einige Gegenstände mitzunehmen, vor allem private Sachen der Besatzungsmitglieder.

Der Isländer Árni Alfreðsson aus Stóra-Mörk, einem Hof nahe Eyjafjöll, der Militärdokumente ausgewertet hat, denkt, der eigentliche Zweck der Expeditionen sei gewesen, das Bombenvisier NORDEN zu zerstören, ein damals streng gehütetes Militärgeheimnis.

„Es war wichtig, dass die Deutschen kein intaktes bekommen würden. Die Besatzung hatte wahrscheinlich keine Möglichkeit, es zu zerstören, sie mussten an ihr eigenes Überleben denken.“

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