Erster Gerichtsprozess in Island wegen Menschenhandel Skip to content

Erster Gerichtsprozess in Island wegen Menschenhandel

By Iceland Review

Das erste Gerichtsverfahren Islands aufgrund Menschenhandels hat am Dienstag begonnen. Die Angeklagte, eine Isländische Staatsbürgerin, die ursprünglich aus Äquatorialguinea stammt, wird auch des organisierten Drogenschmuggels und der Förderung von Prostitution beschuldigt.

Das Gerichtshaus in Reykjavík.

Der Frau wird Menschenhandel, Bedrohung und Versklavung vorgeworfen, sie soll ein Mädchen zur Einreise nach Island überredet und sie dann zur Prostitution gezwungen haben, wie ruv.is berichtet.

Die Angeklagte wird beschuldigt, dem Mädchen unter der Drohung, sie zu verletzen oder zu töten, wenn sie nicht tun würde, was von ihr verlangt wird, Kleidung und Papiere abgenommen zu haben.

Der Frau wird weiterhin zur Last gelegt, 2008 und 2009 Gewinne aus der Prostitution weiterer Frauen abgeschöpft zu haben, indem sie einer ganzen Reihe von Männern ermöglichte, Sex mit ihnen zu haben. Die Männer bezahlten jeweils ISK 20.000 und 25.000 (EUR 100-126, USD 161-201).

Die sexuellen Handlungen erfolgten angeblich in zwei Wohnungen in Hafnarfjördur und zweien in Reykjavík, letztere in der Hverfisgata und im Raudarárstígur, also sozusagen neben dem Polizeirevier.

Ein isländischer Mann ist der Mittäterschaft in den genannten Fällen angeklagt. Ihm wird vorgeworfen, Geld für das Bewerben der Prostituierten im Internet erhalten zu haben sowie dafür, die Opfer zu fotografieren.

Der Frau wird zusätzlich vorgeworfen, die Einfuhr von 400 Gramm Kokain organisiert zu haben, die im April dieses Jahres per Drogenkurier ins Land kamen. Sie sieht sich auch mit dem Vorwurf konfrontiert, einen Polizeibeamten in den Rücken gebissen zu haben, während er sie im Februar auf dem Internationalen Flughafen Keflavík durchsuchte.

Auf Antrag der ausländischen Frauen, die die Angeklagte zur Prostitution gezwungen haben soll, findet das Gerichtsverfahren hinter verschlossenen Türen statt.

In einem weiteren Fall von Menschenhandel arbeitet die Polizei in Sudurnes derzeit daran, einen Verbrecherring zu sprengen, und hat bereits einige Personen verhaftet sowie Hausdurchsuchungen durchgeführt, wie Morgunbladid berichtet.

Die Ermittlungen in diesem Fall begannen nach der Einreise einer litauischen Frau. Sie ersuchte die Polizei um Hilfe, da sie befürchtete, zur Prostitution gezwungen zu werden.

Fünf litauische Männer befinden sich momentan in dieser Sache in Untersuchungshaft, am Dienstag wurden zudem drei Isländer und zwei Isländerinnen verhaftet. „Niemand von ihnen hat bisher gestanden”, sagte die stellvertretende Polizei-Chefin Alda Hrönn Jóhannsdóttir gegenüber visir.is.

Jóhannsdóttir sagte, die Untersuchung weite sich immer mehr aus. „Wir untersuchen alles, was mit dem mutmasslichen Menschenhandel und sonstiger organisierter krimineller Aktivitäten in Zusammenhang stehen könnte, sowie alle Kommunikationsarten der Menschen, die wir in Gewahrsam haben.”

Übersetzt von Gabriele Schneider.

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