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Ein-Mann Wiederaufforstungsprojekt auf der Mosfellsheiði

By Dagmar Trodler

Planting trees
Photo: Sigfús Sigmundsson. Atli Jósefsson planting birch and willow on Mosfellsheiði.

Tausende Jahre vor der Besiedelung Islands waren der grösste Teil der Insel in Küstennähe und auch Teile des Hochlandes von Birkenwäldern bedeckt. Während Bruchstücke der alten Wälder immer noch existieren und sich mit der Klimaerwärmung, sowie dank Schutzmassnahmen vor dem Verbiss durch Schafe ausgebreitet haben, ist der Rest des Landes eigentlich eher für seine Baumlosigkeit bekannt.
Nach einem Apell der UN zu Schutz und Wiederbelebung von Ökosystemen auf der ganzen Welt hat der Biologe Atli Jósefsson die Sache in seine Hände genommen und versucht nun, zumindest einem kleinen Teil des Landes die alte Vegetation widerzugeben.

Steine und nackter Erdboden kein ursprünglicher Zustand
Die Heide Mosfellsheiði ist das, was Isländer unter einer typischen Landschaft verstehen. Beerenbedeckte Mooshügel, dazwischen steinige Gebiete mit nacktem Erdreich. Bis ins 18. Jahrhundert hinein hatte es hier jedoch noch ursprüngliche Birkenwälder gegeben. Und um einer weiteren Bodenerosion zuvorzukommen, sind heute weite Bereiche der Region abgezäunt. Genau hier will Atli seine Ein-Mann-Mission stattfinden lassen.
Der Biologielehrer am Gymnasium Hamrahlíð hat jahrelang Physiologie an der Universität gelehrt. Von Aufforstung oder Waldwirtschaft versteht er nicht viel, aber Islands Natur hat ihn schon immer fasziniert. Und über die durch jahrhundertelange Misswirtschaft heruntergekommenen Bezirke rund um die Hauptstadt habe er schon oft geklagt, sagte er unlängst dem Bændablaðið gegenüber. “Die meisten Hauptstadtbewohner halten die steinige und moosige Mosfellsheiði mit ihren nackten Erdflächen für den normalen Zustand der dortigen Vegetation. Ich glaube, wir sind es uns selber schuldig, einen Teil der früheren Landqualität zurückzugewinnen und seine Biodiversität wiederherzustellen. Da die Behörden nicht genug in der Region getan haben, hab ich mich entschieden, meine eigene Mission zu beginnen, so klein sie auch sein mag, in der Hoffnung, dass es andere inspiriert.”

Aufforstung ist Erfolgskonzept
Für eine gelungene Wiederherstellung der Natur gibt es durchaus Beispiele, eins davon ist die Þorsmörk, die im 19. Jahrhundert gerodet wurde und danach stark erodierte. Um 1920 herum entschied man, die Rodungen zu verbieten und die Schafe auszuzäunen, und seitdem gibt es dort wieder Gebüsch und üppige Birkenwälder, wie in den ganz alten Zeiten.
Ein anderes Beispiel ist der Wald Hafnarskógur am Fuss des Hafnarfjall vor dem Borgarfjörður. Dieser Wald gilt als eine der Stellen, die schon zur Zeit der Besiedlung bewaldet war, und möglicherweise sogar seit der letzten Eiszeit. Wissenschaftler haben herausgefunden, dass der Boden des Hafnarskógur eins der karbonhaltigsten Erdreiche in ganz Island ist, was darauf hindeutet, dass die Aufforstung mit Birkenwäldern Karbon langfristig binden könnte.

Atli möchte den Südwestteil der Mosfellsheiði, Elliðakotsheiði, mit Birken aufforsten. Das Land gehört zur schaffreien Zone der Hauptstadt, und die Landbesitzer haben ihm erlaubt, die ursprüngliche Vegetation wiederherzustellen. Nur einheimische Bäume sollen hier dann wachsen, wie die Moorbirke, Brockenweide, und die Wollige Weide, ausserdem Grassamen für die erodierten Flächen zwischen den Gesteinsbrocken.
Das Projekt begann mit Vorbereitungen in 2020, im letzten Frühjahr gab er sich ans Pflanzen, zehn Schuhkartons mit Birkensamen, 1000 Weidensetzlinge und 500 Birkensetzlinge. In diesem Jahr sollen noch mal 1000 Birken hinzukommen. Die Setzlinge pflanzte er in Gruppen zusammen, sodass sie nach einem Jahrzehnt die Aussamung selbst übernehmen können. Das hat schon bei den grossflächigen Wiederaufforstungen rund um den Vulkan Hekla gut funktioniert, wo man Erosion mit Birken bekämpfte.
“Nach allem was wir wissen, ist der Birkenwald das natürliche Endstadium von Vegetation im isländischen Tiefland. Zum Ende der letzten Eiszeit befand sich Island an einem Anfangspunkt der Vegetation, und das Ergebnis von tausenden Jahren isolierter Entwicklung war ein Land, welches von Birkenwäldern bedeckt war.” Bis der Mensch auf die Insel kam.
Natürlich gibt es keinen Erfolgsgarant, aber es ist durchaus möglich, dass die Birkenwälder von selber wiederkommen, wenn man sie für ein paar Jahrzehnte sich selbst überlässt. “Ich helfe nur, das ein bisschen zu beschleunigen,” meint Atli.

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