Zuchtlachs: 2023 brachte Invasion in isländische Flüsse, Wildbestand gefährdet

Biologist Jóhannes Sturlaugsson inspects the salmon.

Noch nie zuvor hat das isländische Marineforschungsinstitut soviele Zuchtlachse aus isländischen Flüssen zur genetischen Überprüfung erhalten wie im letzten Jahr, berichtet RÚV. Ein Sprecher des isländischen Sportangelverbandes sagt, die Frage dränge sich auf, ob man zukünftig nicht alle gefangenen Wildlachse wieder in die Flüsse entlässt, um eine Gegenwehr zu den Zuchtlachsen aufzubauen.
Leo Alexander Guðmundsson, ein Meeresbiologe beim Marineforschungsinstitut, erklärte bei einer Sitzung zum Thema Süsswasserfische am Morgen, dass es im vergangenen Jahr zu einer erhebliche Mutation durch die entkommenen Zuchtlachse gekommen sei.

416 Zuchtlachse in 59 Flüssen
Im vergangenen Jahr sind dem Institut 442 Lachse überbracht worden, bei denen der Verdacht bestand, dass es sich um Zuchtexemplare handeln könnte. Sie waren in insgesamt 59 isländischen Flüssen gefangen worden. Bei der genetischen Überprüfung dieser Fische stellte sich heraus, das 416 von ihnen tatsächlich Zuchtlachse aus Fischzuchtanlagen im Meer waren. Der grösste Teil von ihnen war geschlechtsreif. Vor dem Jahr 2023 hatte das Institut maximal bis zu 64 Zuchtfische pro Jahr genetisch identifiziert. Auf dem Foto ist der Biologe Jóhannes Sturlaugsson zu sehen, der im letzten Jahr nächtelang Zuchtlachse aus Flüssen in den Westfjorden gezogen hat, wie in der Dokumentation Laxaþjóð zu sehen ist.

Widerstand gegen Fischinvasion aufbauen
Der Landesverband der Sportangler zeigt sich über diese Nachricht äusserst besorgt. Der Verbandsvorsitzende Jón Helgi Björnsson gab an, wenn auch weiterhin damit gerechnet werden müsse dass man derart viele Zuchtlachse aus den Flüssen ziehe, dränge sich die Frage auf, ob man nicht vielleicht sämtliche gefangenen Wildlachse, die im Land gefangen werden, wieder in die Flüsse zurückwirft.
„Man dürfte den Wildlachs einfach nicht töten, um seine Widerstandsfähigkeit gegenüber dieser Invasion von Zuchtlachsen zu erhöhen,“ meint Jón.

Gegrillter Wildlachs bald Vergangenheit?
Die sogenannte Catch&Release Angelmethode, bei der der Fisch nach dem Fang gleich wieder ins Wasser zurückgesetzt wird, ist bei vielen Sportanglern üblich und in manchen Flüssen sogar Pflicht. In Island wird der grösste Teil der Wildlachse wieder freigelassen. Damit ist es gelungen, die Angelbelastung der Flüsse zu verringern. Jón Helgi sagt, C&R werde zukünftig noch wichtiger als zuvor.
„Das was für uns bislang völlig normal war, dass man sich bei starken Beständen auch ein bischen was zum Essen fischt, das könnte wohl bald der Vergangenheit angehören. Einfach weil wenn wir auch weiterhin mit derart grossen ungewollten Lachsfluchten rechnen müssen, dann braucht der wilde Lachs jeden einzigen Fisch seines Bestandes.“

Immer noch liegt der neue Rahmengesetzentwurf zur kommerziellen Fischzucht dem Parlament zur Debatte vor. Nach dem Amtswechsel im Ministerium für Fischerei und Landwirtschaft war auch der Passus zu Strafen bei Fischflucht aus Meereszuchtanlagen geändert worden. Ursprünglich hatte der Gesetzentwurf einen Verlust der Zuchtquote vorgesehen, an seine Stelle sind nun Geldstrafen getreten, die Rede ist von je nach Region bis zu einer Million ISK (6650 EUR) pro entkommenem Zuchtfisch. Icelandreview hatte berichtet.
Anfang Mai waren junge Zuchtfische aus einer landgestützen Zuchtanlage ins Meer entkommen. Hier lesen Sie auch mehr über unfruchtbare, sogenannte triploide Zuchtlachse.

Lachszucht: 450.000 tote Lachse nach besonders kaltem Winter

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Rund 300.000 Zuchtlachse sind im März diesen Jahres in Meereszuchtgehegen des Lachskonzerns Arnarlax in den Westfjorden verendet. Unter anderem werden Wintergeschwüre für das Massensterben verantwortlich gemacht. Im gesamten Land verendeten im letzten Monat etwa 450.000 Zuchtlachse, das ist doppelt soviel wie im gleichen Zeitraum des letzten Jahres und etwas weniger als im Jahr 2022, berichtet Heimildin.

Qualvoller Tod in eisigem Wasser
Wintergeschwüre entstehen in besonders kalten Wintern mit entsprechend niedrigen Meerestemperaturen, die sich negativ auf den Zuchtlachs auswirken. Von den 450.000 verendeten Zuchtfischen im Land hatten sich zwei Drittel im Besitz des Arnarlax Konzerns befunden. Die meisten toten Lachse (290.000) verendeten im März im Arnarfjörður. Ende Februar schwammen 18 Millionen Zuchtlachse in den Meeresgehegen rund um die Insel, 2,5 Prozent des Gesamtbestandes sind im letzten Monat verendet.
Diese Zahlen stammen aus einer Mailantwort der Veterinäraufsichtsbehörde (MAST) an Heimildin. Der Behörde ist es nicht gestattet, die Verluste nach Unternehmen aufzuteilen. Allerdings sei das Massensterben besonders gross bei Arnarlax gewesen. „Hauptgrund des Verlustes sind Moritella viscosa, Parvicapsulose und Tenacibaculum.“
Moritella verursacht Wintergeschwüre und ist verursacht besonders schwere Schäden in der isländischen Fischzucht, weil das Meer hier so kalt ist. Parvicapsulose ist eine Parasitenerkrankung, die hierzulande zum ersten Mal im Jahr 2019 diagnostiziert wurde. Die Bakterie Tenacibaculum verursacht Geschwüre an den Flossen und führt zum Tod des Fisches.

Sensible Daten nicht kommentiert
Die Fischzuchtstatistiken bei MAST sind wegen eines Systemfehlers derzeit deaktiviert, daher hatte Heimildin die Informationen per Email direkt von der Behörde erhalten. Arnarlax Direktor Björn Hembre wollte sich auf Anfrage des Magazins nicht äussern, weil es sich um wirtschaftlich sensible Daten handle. Sein Unternehmen werde den Schaden im Vierteljahresbericht Mitte Mai behandeln, liess er wissen.

Bemerkenswert sei, so schreibt Heimildin, dass diese Zahlen verendeter Zuchtlachs in isländischen Meeresgehegen zwar hoch seien, doch trotz des bakteriellen Hintergrunds seien sie nicht ungewöhnlich hoch. Im März 2022 seien rund 470.000 Zuchtlachse in Meeresgehegen verendet, damals hatte sich der Gesamtbestand auf 15 Millionen Zuchtfische belaufen. Der Anteil verendeter Zuchtfische hatte demnach bei 3,1 Prozent gelegen.

Lachszucht: Gehegering bei Sturm an Land getrieben

Bíldudalur Arnarfjörður

Der Aussenring eines Lachszuchtbeckens ist am vergangenen Wochenende im Patreksfjörður erst aufs Meer hinaus geflogen und dann bei Raknadalshlíð an Land getrieben worden. Einem vorbeifahrenden Autofahrer gelang ein Foto des angeschwemmten Ringes. Heimildin recherchierte, dass der Lachszuchtkonzern Arnarlax Eigentümer des Ungetüms ist.
Arnarlax betreibt am Flughafen von Patreksfjörður eine Anlage zur Reinigung der Seegehegeringe, das sind die Teile der Zuchtbecken, die auf der Meeresoberfläche sichtbar sind. An ihnen befestigt hängt das Netz mit den Lachsen im Wasser.
Arnarlax-Geschäftsführer Björn Hembre schickte auf die Nachfrage des Magazins eine SMS. „Es handelt sich um ein leeres Zuchtbecken, mit dem es Probleme beim Transport gab.“ Man habe den Ring nun sicher befestigt. Weder Personen- noch Sachschaden sei entstanden.

Herumfliegendes Gerät kann Infektionsträger sein
Heimildin verweist auf ähnliche herumtreibende Gehegeringe aus der chilenischen Lachszucht, die im Jahr 2007 ein unrühmliches Ende fand, nachdem dort die ansteckende Blutarmut der Lachse (ISA) dazu führte, dass 60% aller Zuchtbetriebe geschlossen werden mussten. Die ansteckende Erkrankung führt zu innerlichen Blutungen und zum Tod des Fisches. Sie überträgt sich durch kranken Fisch und durch Gerätschaften aus infizierten Anlagen. Im Jahr 2022 waren in den isländischen Ostfjorden mehr als eine Million Zuchtlachs gekeult worden, nachdem dort gleich an mehreren Stelle ISA ausgebrochen war.

Lachszuchtgesetz unter Beschuss
Um Lachszucht ging es auch heute im isländischen Parlament, wo Fischereiministerin Bjarkey Olsen Gunnarsdóttir ihr umstrittenes Gesetz zur Fischzucht verteidigte. Kritiker aus allen Reihen der Opposition warfen ihr vor, Islands Fjorde an ausländische Milliardäre zu verschenken und den heimischen Wildlachs wissentlich zu opfern.
Das neue Gesetz sieht unter anderem eine dauerhafte Lizenzbewilligung (statt vorher auf 16 Jahre begrenzt) vor, ausserdem wird einem Unternehmen bei einem Betriebsunfall nicht mehr die Quote gekürzt, sondern ein kleines Bussgeld in Rechnung gestellt.

 

Zuchtlachs: Polizei ermittelt wegen entkommener Fische in den Westfjorden

aquaculture farm iceland

Die Lebensmittel- und Veterinaraufsichtsbehörde MAST hat im Fall der mutmasslichen Fischflucht beim Lachszuchtkonzern Arctic Sea Farm eine polizeiliche Ermittlung angefordert. Dem Unternehmen wird ein Verstoss gegen die Fischzuchtbestimmungen zur Last gelegt.
Konkret geht es um aus dem offenen Meeresgehege entwichene Zuchtlachse im Kvígindisdalur im Patreksfjörður, nachdem dort im Sommer zwei Löcher in den Netzen festgestellt worden waren. Angler hatten in bekannten Lachsflüssen im Westen und Norden Dutzende von Zuchtlachsen an der Angel gehabt. Eine Zählung im Meeresgehege ergab, dass dort von 73.000 Zuchtlachsen 3500 Exemplare fehlten.
“Gemäss Art. 22 des Fischzuchtgesetzes drohen Vorstandsmitgliedern und Geschäftsführern des Lizenzinhabers Geldstrafen oder eine Haft von bis zu zwei Jahren, wenn es sich um einen schweren Verstoss handelt, wenn Zuchtfische aus einer Zuchtanlage entweichen, wo die Ausrüstung für die Fischfarm aufgrund vorsätzlicher oder fahrlässiger Handlungen oder Unterlassungen zu wünschen übrig lässt,“ heisst es in einer Mitteilung von MAST.
Die Polizeidirektion in den Westfjorden ermittelt in der Angelegenheit, MAST zufolge erteilt das Büro derzeit keine weiteren Informationen.

Taucher durchkämmen Flüsse
Derweil befinden sich im Fluss Ísafjarðará zwei norwegische Taucher, die dort nach Zuchtlachsen suchen und sie per Harpune töten. RÚV berichtet, die Taucher seien von einem norwegischen Unternehmen geschickt worden. In Norwegen durchkämme man jedes Jahr mehr als 100 Flüsse auf diese Weise, um sie von Zuchtlachsen zu reinigen. Die Problematik von entwichenen Zuchtlachsen in die Wildnis, die von den vor allem norwegischen Lachszuchtkonzernen in Island lange vehement bestritten worden war, ist im Mutterland der Konzerne also wohl bekannt.
MAST hatte im Sommer zahlreiche aus westfirdischen Flüssen geangelte Lachse genetisch bestimmt und in den allermeisten Fällen Zuchtlachse gefunden.

Keine weiteren Lizenzen
Gestern hatte die isländische Regierung angekündigt, vorerst keine weiteren Lizenzen für meeresgestützte Lachszucht auszugeben, nachdem die Industrie in den vergangenen Jahren stark angewachsen war. Der Exportwert von Zuchtlachs hatte im Jahr 2014 bei 1,4 Mrd ISK gelegen, letztes Jahr waren er auf 40,5 Mrd ISK gestiegen. Gleichzeitig ist der Export von Zuchtlachs um das 26-fache gestiegen, von 1.460 Tonnen auf 38.840 Tonnen.
Grösster Kunde für den industriell hergestellten Speisefisch aus isländischen Gewässern war im letzten Jahr die USA mit einem Gegenwert von rund 9,4 Mrd ISK. Auf Platz zwei folgten die Niederlande mit 7,3 Mrd ISK, gefolgt von Polen, Dänemark, Frankreich und Grossbritannien.
Die Zahl der Beschäftigten in der Lachszuht hat sich in Island von 309 Personen im Jahr 2014 auf 685 im Jahr 2022 erhöht.

Rechnungshof monierte das Fehlen von Kontrolle
In einem Bericht des nationalen Rechnungshofes zu Jahresbeginn waren Verwaltung und Kontrolle in der Lachszucht als schwach und fehlerhaft moniert worden. Geänderte Bestimmungen seien nicht befolgt worden, dafür sei die Branche unkontrolliert gewachsen, und der Aufbau von meeresgestützen Zuchtbecken sei beinahe diskussionslos und ohne Reaktion der Politik vonstatten gegangen. Unternehmen hätten Zuchtgewässer langfristig gratis zur Verfügung gestellt bekommen, und Zuchtbecken seien zu dicht an Schifffahrtsrouten und entlang von Telekommunikations- und Stromkabeln aufgesetzt worden.
In den Westfjorden verfügen die Lachskonzerne über Lizenzen für die Zucht von 53.000 Tonnen Lachs, in den Ostfjorden sind es 43.800 Tonnen.

Seuchen und Fischsterben
Auch Krankheiten tauchten in den letzten Jahren auf, nachdem der isländishe Zuchtlachs lange als ausgesprochen gesund und parasitenfrei vermarktet worden war. Im letzten Jahr hatten im Berufjörður und im Reyðarfjörður alle Lachse in den Becken geschlachtet werden müssen, weil sich dort die infektiöse Fischanämie ISA ausgebreitet hatte. An dieser Virusinfektion erkrankte Fische sind für den menschlichen Verzehr nicht geeignet. MAST hatte seinerzeit behauptet, an ISA leidender Zuchtfisch sei durchaus essbar. Das Virus kann im Meerwasser überleben und sich auf andere Bestände übertragen.
Der Fachtierarzt für Fischkrankheiten bei MAST, Gísli Jónsson, gab an, in Norwegen seien aus den Abfällen Düngemittel hergestellt worden.
Im Februar 2020 waren in den Westfjorden 500 Tonnen Lachs verendet, vermutlich starben die Fische wetterbedingt.

Die Fischereiministerin plant einen Gesetzentwurf, der die Lachszucht gründlich auf den Prüfstand stellt. Schon im vergangenen Winter waren deswegen zahlreiche Anträge auf Produktionsstätten im Osten des Landes auf Eis gelegt worden. Im piktoresken Fährhafen Seyðisfjörður hatte sich ein Grossteil der lokalen Bevölkerung gegen Lachszuchtanlangen im Fjord ausgesprochen.

 

Entkommene Zuchtlachse in mehreren Flüssen, Angelverband sieht Umweltkatastrophe

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Die Veterinär- und Lebensmittelaufsichtsbehörde MAST hat bei Zählungen herausgefunden, dass die Diskrepanz zwischen der ursprünglichen Anzahl von Zuchtlachsen in den offenen Meeresgehegen von Arctic Seafarm und geschlachteten Fischen bis zu 3.462 Tiere betragen könnte. Dies ist die Zahl an Fischen, die möglicherweise aus den Gehegen in die Natur entkommen sind, berichtet RÚV.

Rechenexempel für geflüchtete Lachse
Im Kvígindisdal in Patreksfjörður sind Lachse aus einem Gehege geschlachtet worden, wo vor über einer Woche zwei Löcher im Netz gefunden worden waren. Zählungen zufolge könnten dort bis zu 3.462 Zuchtlachse entkommen sein.
Dies geht aus der Mitteilung von MAST hervor. Während des Zeitraums, in dem das Loch vermutlich entstanden ist, befanden sich 83.672 Fische in dem Gehege. Berücksichtigt man die Ausgangszahl der Jungfische, die zuvor erfassten Rückwürfe und die Zahl der bereits aus dem Gehege geschlachteten Fische, beträgt die Differenz zwischen der Zahl der ursprünglich im Gehege befindlichen Fische und der Zahl der geschlachteten Fische 2,6 Prozent. Damit befinden sich 3.462 Zuchtlachse nicht mehr im Meeresgehege, sondern voraussichtlich auf dem Weg in die Flüsse. Nach Angaben von MAST ist allerdings mit einer Schwankung von zwei bis vier Prozent zu rechnen.

Warten auf genetische Ergebnisse
Die offenen Zuchtbecken gehören der Firma Arctic Seafarm. MAST untersucht die Angelegenheit – die Flucht der Lachse und den Grund, warum Löcher im Netz entstanden sind. Momentan wartet man auf die genetische Analyse gefangener Lachse mit Zuchtmerkmalen, um deren Herkunft bestätigen zu können.
Schon zuvor waren Berichte von möglichen Zuchtlachsen in Flüssen im Westen und Nordwesten eingegangen, nachdem in Patreksfjörður ein Loch entdeckt wurde.
Die Fischereibehörde sucht derzeit Lachse in den Flüsssen Ósá im Patreksfjörður und Mjólká im Arnarfjörður. In der Ósá waren Zuchtlachse gesehen worden, und es liegen auch Berichte vor, dass in der Mjólká Zuchtlachse unterwegs sind. Fischereibehörde und das Marineforschungsinstitut arbeiten in der Sache eng zusammen und überwachen die Fortschritte genau.

Guðni Magnús Eiríksson, der Direktor der Abteilung für Lachs- und Forellenfische sagte in den Mittagsnachrichten, dass man Proben aus mehr als einem Fluss erhalten habe. Ausserdem wisse man bereits dass Zuchtlachse gesehen und gefangen worden seien, einige seien auch in Wildkameras zu sehen gewesen.
Gunnar Örn Petersen, Geschäftsführer des nationalen Angeldachverbandes sagt, bei seinem Verband seien in den letzten Tagen Berichte über Zuchtlachse in mindestens acht Lachsflüssen im Nordwesten eingegangen. Dies sei die Umweltkatastrophe, vor der seit Jahren gewarnt werde.

 

Ausgedehnte Hybridisierung zwischen Wildlachs und Zuchtlachs

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Eine neue Studie des Marineforschungsinstitutes weist darauf hin dass die Hybridisierung zwischen wilden Fischen und Zuchtfischen weitreichender sein könnte als ursprünglich angenommen.
Die Studie mit dem Titel Hybridization between wild Icelandic salmon and farmed salmon of Norwegian origin, untersuchte Wildlachslaich aus 89 Flüssen in Island, wobei der Fokus auf Flüssen lag, die sich in der Nähe von Fischzuchtbetrieben befinden. Insgesamt 6348 Laichproben wurden untersucht.

Immer mehr Zuchtlachse entkommen
Die industrielle Fischzucht hat sich in den letzten Jahren zu einem lukrativen Geschäft in Island entwickelt, nicht zuletzt dank der stetig steigenden Nachfrage nach der beliebten Fischart. Im Jahr 2015 wurden noch um die 8000 Tonnen Zuchtlachs in offenen Meeresgehegen produziert, in 2022 war die Zahl auf 45.000 Tonnen gestiegen.

Hagstofa

Aktuelle Untersuchungen haben ebenfalls gezeigt dass eine erhebliche Zahl an Zuchtfischen aus ihren Gehegen entkommen ist. Die Regelmässigkeit und die Grösse dieser Vorfälle geben Raum für Befüchtungen, Parasiten und Krankheiten könnten sich unter den Wildlachsen ausbreiten, allem voran aber geht es um die Hybridisierung der beiden vollkommen verschiedenen Fischarten.
“Die Hybridisierung von Zuchtlachs mit wilden Beständen kann die lokale genetische Zusammensetzung verändern, zu Veränderungen in den lebenshistorischen Charakteristiken führen und möglicherweise sogar zum Rückgang einer Population.” heisst es in der Studie.

Westfjorde viel stärker hybridisiert
Für die Studie waren zwischen den Jahren 2014 bis 2019 Proben auf genetische Vermischung untersucht worden. Insgesamt 133 Hybriden der ersten Generation, also eine Kreuzung zwischen Wildlachs und Zuchtlachs, waren in 17 Flüssen gefunden worden, oder 2,1% aller Proben in 18% aller Flüsse. Ältere Hybridisierung wurden in 141 Fischen in 26 Flüssen gefunden (2,2% der Proben in 29% der Flüsse)
Hybriden der ersten Generation treten häufiger in den Westfjorden als in den Ostfjorden auf, was daran liegen mag, dass die Fischzucht in den Ostfjorden erst später begonnen hat und weniger ausgedehnt ist.
Die genetische Vermischung wurde generell in einer Entfernung von weniger als 50 Kilometer von den Zuchtanlagen gefunden, aber manche Hybriden wurden auch bis zu 250 Kilometer weit weg gefunden.
“Diese extensive Studie bestätigt die Wichtigkeit weiterer Forschung. Wir müssen den Austausch von hybridisierten Generationen untersuchen, ihr Ausmass und die Gründe für die Streuung älterer Hybriden,” sagte Guðni Guðbergsson vom Marineforschungsinstitut.
Hier gibt es die gesamte Studie.

 

Meisterköche formieren sich gegen Zuchtlachs aus dem Meer

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Eine Gruppe bekannter Meisterköche hat Konsumenten dazu aufgerufen, Lachs aus industrieller Zucht in offenen Meeresgehegen zu meiden, berichtet Vísir.
Die isländische Umweltschutzorganisationen IWF und der Schutzfonds für Wildlachs (NASF) haben eine Webseite geschaffen, auf der man Restaurants findet, die den Zuchtlachs von ihrer Speisekarte gestrichen haben. Hinter der Aktion steht der Outdoorausrüster Patagonia, mit im Boot befinden sich Köche wie Erla Þóra Bergmann Pálmadóttir, Hákon Már Örvarsson, Róbert Ólafsson, Sigurður Lárus Hall, Þráinn Freyr Vigfússon, Snædís Xyza Mae Ocampo, Sturla Birgisson und Hrefna Sætran.

“Wir haben eine neue Internetseite aufgesetzt, wo Schritt für Schritt die schädliche Auswirkung der Lachszuchtindustrie auf Umwelt und Tierwelt erläutert wird,” sagt IWF-Sprecher Jón Kaldal Vísir gegenüber. “In der Gruppe befinden sich viele der berühmtesten Köche des Landes, erfahrene Wetteiferer aus dem Bocuse d’Or Kochwettbewerb und Köche aus dem Nationalteam der Meisterköche. Ihnen allen gemeinsam ist, dass sie sich für die Umwelt und das Ökosystem stark gemacht haben, indem sie keinen Lachs aus offener Meeresgehegezucht anbieten.“

Ein blaues Schild soll darauf hinweisen, dass der Betrieb nur Lachs aus nachhaltiger Produktion anbietet. Jón fordert Konsumenten auf, danach zu fragen, woher der Anbieter seinen Fisch bezieht. Die Restaurants in der Liste böten stattdessen Lachs aus landgestützten Zuchtanlagen an, wo sichergestellt sei, dass die Abwässer gereinigt würden, bevor sie in die Umwelt entlassen werden, und wo weder Zuchtfisch noch Parasiten oder Krankheitserreger ins Meer gelangen.
Umfragen zufolge sehen immer mehr Isländer die meeresgestützte Lachszucht in offenen Gehegen kritisch bzw lehnen sie ab.

 

Immer mehr Isländer sind gegen Lachszucht in Meeresgehegen

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Um die 61 Prozent aller Isländer stehen der Lachszucht in offenen Meeresgehegen negativ gegenüber. Das ist das Ergebnis einer neuen Umfrage, die die Interessensgruppe zum Schutz der Lachse hat durchführen lassen, berichtet Vísir. Nur 14 Prozent der Befragten sprach sich für die Lachszucht im Meer aus.
Auf die Frage, ob die Lachszucht in offenen Meeresgehegen verboten werden sollte, sprachen sich von den 79% der abgegebenen Antworten 52% für ein Verbot aus.
Die Befragung war in allen Landesteilen zwischen dem 16. und 27. Februar durchgeführt worden. Per Zufallsprinzip ausgewählt worden waren 1822 Personen, 956 Personen nahmen an der Befragung schlussendlich teil.

Das ist eine starke Veränderung seit der letzten Befragung im Herbst 2021. Damals hatten sich noch ca,. 28% für die Lachszucht in offenen Becken ausgesprochen und ca. 35% waren dagegen. Auch die Anzahl der Personen ohne Meinung ist geschrumpft, von 38,4% im Februar 2021 auf 24,7% bei der jetztigen Befragung.

Regierung gefordert, auf den Volkswillen zu hören
Der Fonds zum Schutz des Wildlachsbestandes (NASF), der isländische Naturschutzfonds (IWF), der Landesverband der Angelvereine und Laxinn Lifi fordern gemeinsam die isländische Regierung auf, auf den Willen des Volkes zu hören und sich von der umweltbelastenden und schädlichen Industrie der offenen Meeresgehege abzuwenden.
“Die Erfahrung anderer Länder zeigt, dass die Umweltauswirkungen der Fischzucht in offenen Meeresgehegen untragbar ist, und dass eine Ausrottung des Wildlachsbestandes und der Ökosysteme für den Reibach der Lachszuchtkonzerne mit nichts zu gerechtfertigen ist,” heisst es in einer Mitteilung der Verbände.

“Der gerade veröffentlichte Bericht der Steuerprüfung zeigt, dass Regelwerk und Aufsicht der Industrie nicht funktionieren und dass die Lobbyisten der Industrie unnatürlich grossen Einfluss auf die Gesetzgebung gehabt haben. Die Industrie darf sich selber beaufsichtigen, und es hat schon ausgesprochen schwerwiegende Umweltunfälle gegeben. Allem voran ist da der Vorfall bei Arnarlax zu nennen, wo 88.000 geschlechtsreife norwegische Zuchtlachse aus einem Meeresgehege in das isländische Ökosystem entkommen sind.”
Alle Pläne zur Ausweitung der Industrie seien ein echter Angriff auf die Natur des Landes, und auf den Wildlachs, gegen den Willen eines grösseren Teils der Bevölkerung.
Der grösste Teil der in Island aktiven Lachszuchtkonzerne befindet sich in ausländischer Hand.

 

Lachslausbefall im Dýrafjörður

Bíldudalur Arnarfjörður

Die Lachslaus, ein Parasit, der bei Zuchtlachsen wirtschaftliche Schäen verursacht, hat sich in den vergangenen Monaten in den Meerwasserkäfigen der Westfjorde weiter ausgebreitet. Zählungen nach wurden im November im Durchschnitt 1,41 weibliche Läuse auf Käfiglachsen in Island gefunden. Die Zahl dürfte allerdings weitaus höher liegen, schreibt mbl.is, weil die Laus in den Ostfjorden offenbar nicht zu finden ist.
Für die einzelnene Landesteile liegen keine Novemberzahlen vor, aber in den Westfjorden wurden im Oktober 0,94 weibliche Läuse gezählt. Der Grenzwert in vielen Ländern liegt bei 1,5 bis 3 erwachsenen Läusen pro Fisch.

Wenn man allerdings die einzelnen Fjorde zahlenmässig untersucht, sieht die Sache schon wieder anders aus. Im Dýrafjörður fanden sich im Oktober nämlich 3,95 weibliche Läuse pro Fisch.
In einem Brief an die Gemeinde Ísafjarðarbær vom 12. Oktober kündigte Arctic Fish an, dass man die Zuchtlachse im Hvanna­dalur (Tálknafjörður), im Kvíg­ind­is­dalur (Pat­reks­fjörður) und im Hvestu­dalur (Arnar­f­jörður) mit Emamectin Benzoate, auch “Slice” genannt, gegen Läuse behandeln müsse. Die Behandlung sei am 21. November beendet.

Eine solche Therapie bedürfe der Genehmigung durch die Veterinäraufsichtsbehörde MAST, schreibt Arctic Fish. Der Ausschuss für Fischkrankheiten prüfe den Befall in Bezug auf Umweltaspekte, Beckengrösse, Ausmass des Läusebefalls und zu erwartende Befallsentwicklung im Gebiet.
Zu Jahresbeginn hatte das isländische Umweltamt bekanntgegeben, den Umwelteinfluss der Antiparasitika prüfen zu wollen, darunter auch das Medikament Slice.

 

Arnarlax muss 120 Mio. ISK wegen entkommenem Zuchtfisch zahlen

aquaculture farm iceland

Die Veterinär- und Lebensmittelaufsichtsbehörde MAST hat dem Fischzuchtunternehmen Arnarlax die Zahlung einer Strafgebühr von 120 Millionen ISK auferlegt, weil das Unternehmen ein Loch im Netz eines Zuchtbeckens im Arnarfjörður nicht gemeldet hatte. Solche Betriebsunfälle sind meldepflichtig. Bei der Lachsschlachtung im Oktober stellte sich heraus, dass sich viel weniger Fische im Becken befanden als gedacht. Das Unternehmen hatte keine Erklärung für den Verbleib der fehlenden 82.000 Fische liefern können, die offenbar aus dem Becken entkommen waren, berichtet RÚV.

Höchste Strafe in der Fischerei
Mehr als die Hälfte aller Lachse, die die Fischereibehörde in diesem Jahr im Fluss Mjólká im Arnarfjörður aus dem Wasser gezogen hatte, stammte aus dem zerlöcherten Zuchtbecken.
Bei den 120 Mio ISK handelt es sich um die höchste Strafe, die MAST je verhängt hat, und auch um die erste für einen Verstoss gegen das Gesetz zur Aquazucht. Dort ist eine Höchststrafe von 150 Millionen ISK vorgesehen.
In einer schriftlichen Antwort auf Anfrage von RÚV bedauert Unternehmensleiter Kjartan Ólafsson den Betriebsunfall. Zwei Dinge hätten oberste Priorität in seinem Unternehmen: dass die Mitarbeiter heil nach Hause kommen, und dass keine Fische aus den Becken entkommen. Die Voraussetzungen für die Strafe hält er jedoch für falsch und kündigte an, vor Gericht zu ziehen,

MAST vermutet wissentliche Verheimlichung
Das Loch im Zuchtbecken war Ende August 2021 gemeldet worden, jedoch nicht, dass dort bereits Lachse entkommen waren. Einer Untersuchung von MAST zufolge muss das Unternehmen mindestens zwei Monate lang von dem Loch gewusst haben, und auch davon, dass Lachse entkommen waren, denn ab Juni waren deutliche Abweichungen in der Futtermenge für dieses Becken festgestellt worden.
MAST-Direktorin Hrönn Jörundsdóttir gab an, ihre Behörde betrachte den Vorfall als sehr ernst. Die Verantwortung liege beim Unternehmen, derartige Vorfälle zu kontrollieren. „Man traut ihnen zu, Fischzucht auf verantwortungsvolle Weise zu betreiben, und wir glauben, dass dort wissentlich Fahrlässigkeit am Werk gewesen ist“.  Ob auch die Meldung des Unfalls wissentlich ausgeblieben ist, dazu wollte Hrönn sich nicht äussern.

Zuchtlachs ist Gefahr für Wildlachs
Das Entkommen von Zuchtfischen in die freie Wildbahn hat schwere Auswirkungen auf die Fauna, denn es besteht die Gefahr dass diese Fische in die Lachsflüsse hochschwimmen und sich mit Wildlachsen paaren. Damit wird das Erbgut des wilden Bestandes nachhaltig verändert.
Wie schon erwähnt, waren im August in den Westfjorden ungewöhnlich viele Zuchtlachse geangelt worden, die aus dem zerlöchertem Becken stammten. Die Fischereibehörde hatte die Hälfte der aus der Mjólká gezogenen Lachse auf den Unfall bei Arnarlax zurückverfolgen können.