Reykjanes: Jederzeit ist ein zusätzlicher Lavastrom möglich

Volcanic eruption on Reykjanes peninsula

Islands Zivilschutz ist darauf vorbereitet, dass sich jederzeit ein weiterer Vulkanausbruch auf der Halbinsel Reykjanes ereignen kann. Die Magmaansammlung und der Druck haben Werte erreicht, die zuvor eine Magmaintrusion ermöglicht hatten und in einem Ausbruch geendet waren, berichtet RÚV. Víðir Reynisson, der Leiter des Zivilschutzes, erklärte, man lebe nun in einer Zeit grosser Wachsamkeit.

Bereitschaft und Wachsamkeit erhöht
Die Bereitschaft der Einsatzkräfte ist aufgrund der Gefahr eines Vulkanausbruchs erhöht, unter dem Svartsengi-Gebiet haben sich nämlich wieder sechs Millionen Kubikmeter Magma angesammelt. Auch der Druck ist gestiegen. Diese Werte liegen nahe an der Untergrenze, von der angenommen wird, dass sie zu einem Ausbruch führt.
Benedikt Ófeigsson, Experte für Naturkatastrophen beim isländischen Wetterdienst, sagte am Mittag, dass in der Nähe der noch aktiven Eruption ein neuer Ausbruch beginnen könnte. Auch die Wetterbehörde hatte heute auf ihrer Webseite geschrieben, die Wahrscheinlichkeit eines weiteren Magma-Ausbruchs nehme in den kommenden Tagen oder Wochen zu, obwohl der Ausbruch noch andauere. Die ganze Lage sei noch ungewisser als zuvor.
Immer noch handle es sich um eine Fortsetzung der Ereignisse vom letzten Oktober, als sich Magma ansammelte und an die Oberfläche gelangte. Dieses Spiel hat sich ein paar mal wiederholt, jetzt allerdings hat sich das Blatt gewendet, denn aus dem Krater sprudelt es immer noch, während der nächste Ausbruch schon bevorsteht.

Verschiedene Szenarien für einen Ausbruch
Nach Angaben der Vulkangruppe Südisland gibt es mehrere Szenarien:
– die Magma kann in die Kraterreihe Sundhnjúksgígaröð laufen, wie die letzten sechs Male
– durch die Magmaintrusion können sich neue Spalten zwischen den Bergen Stóra-Skógfell und Hagafells öffnen, oder der bestehende Krater vergrössert sich, mit vermehrter Lavaförderung in kurzer Zeit und ohne Vorwarnung.
– wenn die Magmaintrusion damit endet, dass sich an einem anderen Ort eine Spalte öffnet, dann darf mit Erdbeben, Verwerfungen und Druckveränderungen in den Bohrlöchern des Kraftwerks gerechnet werden.
– statt einer Intrusion kann Magma sich auch in den bestehenden Ausbruch einbringen, der dann wieder stärker wird, bis ein neues Gleichgewicht zwischen nachfliessender Magma und ausströmender Lava erreicht ist.

Arbeit an Schutzwällen läuft Tag und Nacht
Die Einsatzkräfte sind daher alarmiert und auf alles vorbereitet, zumal sich die letzten Ausbrüche ohne lange Vorwarnzeiten ereigneten. Víðir erklärt, es spiele keine Rolle, ob ein möglicher Ausbruch am gleichen Ort passiere, oder anderswo, man sei vorbereitet und jederzeit in der Lage, Evakuierungen und andere Schutzmassnahmen vorzunehmen.
Die Schutzwälle rund um den Küstenort Grindavík würden sich neusten Modellen zufolge auch weiterhin bewähren und einen Lavastrom ablenken. Immer noch wird an ihnen gebaut, rund um die Uhr und sieben Tage die Woche, um Lücken auszubessern und Wälle zu verlängern.

Kratertouristen begeben sich in Lebensgefahr
Auch die Evakuierungspläne für die Blaue Lagune stehen, und mehr als einmal ist das Touristenbad wegen Gasgefahr geräumt worden. Mehr Sorgen macht Víðir sich allerdings um Touristen, die zum Krater wandern wollen.

Alle, die sich von Grindavík aus auf den Weg machen, wandern einem möglichen Lavastrom entgegen, falls der Ausbruch losgeht. Und dann kann Lava erschreckend schnell unterwegs sein. Der Zivilschutz warnt daher eindringlich davor, den Krater und das Lavafeld aufzusuchen.

Grindavík: Sirenen, Räumung wegen Schwefelgas, und neuer Versuch morgen

Grindavík earthquakes Reykjanes

Auch heute erhielten die Bewohner von Grindavík zwischen 12 und 16 Uhr Gelegenheit, Wertgegenstände aus ihren Häusern zu holen. Ähnlich wie gestern verlief die Aktion strassenzugweise, war auf fünf Minuten pro Haus begrenzt und galt für alle, die es gestern nicht in den Ort geschafft hatten. Ein Stadtviertel galt als so gefährdet, dass die Bewohner nur in Fahrzeugen der Rettungsteams an ihre Häuser gebracht werden konnten.

Um 15 Uhr heulten dann die Sirenen der Einsatzkräfte und die Polizei organisierte eine sofortige Räumung des Ortes. Neue Messgeräte des isländischen Wetterdienstes auf dem Berg Húsafjall östlich der Stadt hatten erhöhte Schwefeldioxidwerte angezeigt. Nach Angaben des diensthabenden Vulkanologen kann sich ein solches Gas lösen, wenn die Magma dicht unter der Oberfläche liegt. Vom Zivilschutz hiess es, die Räumung habe aus Sicherheitsgründen stattgefunden, und nicht, weil unmittelbare Gefahr drohte. Morgen früh soll die Lage erneut geprüft werden, und alle, die heute nicht in den Ort kamen, sollen zu ihren Häusern gebracht werden. Die Polizei von Suðurnes liess wissen, dass der Ort nach nur 95 Sekunden geräumt war, eine erfreulich kurze Zeit.

Graben verbreitert sich zusehends
Schäden an Gebäuden und im Boden sind immens und werden immer mehr. Kristín Jónsdóttir, die Bereichsleiterin für Erdbebenüberwachung beim Wetterdienst, warnte die Leute vor unsichtbaren Spalten. „Wir sehen immer noch Bewegung und ein Auseinanderdriften in diesem Graben.“ sagte sie und bekräftigte, ein Ausbruch sei auch weiterhin wahrscheinlich. Oberhalb des Magmaintrusionsganges habe sich der Graben gebildet, ein breiter Streifen, in dem selbst sich wieder zahlreiche Spalten geöffnet haben, die sich ebenfalls stetig verbreitern. Das ganze Gebiet sei hochgefährlich.Zivilschutzleiter Víðir Reynisson verglich die Lage mit dem Gang über eine Gletscherzunge, wo sich unter dem Eis überall Spalten verbergen. Der Zivilschutz hatte heute davor gewarnt, sich der Region generell zu nähern. Der Experte für Plattentektonik beim Wetterdienst, Benedikt Gunnar Ófeigsson, bezeichnete die Vorgänge als viel grösser als alles was man in den vergangenen Jahren auf der Halbinsel erlebt habe.

Erdbeben am Magmagang
Seit Mitternacht sind am Magmagang 700 Erdbeben aufgezeichnet worden, das stärkste am Hagafell lag bei M3,1. Die meisten Beben ereignen sich am Magmagang, in einer Tiefe von 3 bis 5 Kilometern. Vom Wetterdienst hiess es, Messungen zeigten eine anhaltende Verformung des Gebietes. Das decke sich mit der Tatsache dass weiterhin Magma in den Intrusionsgang fließe. Auch weiterhin wird er in einer Tiefe von 800 Metern vermutet, der Zufluss beträgt etwa 75 Kubikmeter pro Sekunde.
Eine Menge neuer Spalten ist auch auf dem Berg Þorbjörn entdeckt worden. Dort befindet sich ein wichtiger Telekommunikationssendemast. Das danebenstehende Servicegebäude hat schwere Schäden erlitten, die Geräte sind jedoch unversehrt.

Auffanglager konnten schliessen
Am Abend berichtet mbl.is, dass alle Auffangstationen des Roten Kreuzes geschlossen und abgebaut worden sind. Das bedeutet dass alle Evakuierten irgendwo untergekommen sind. Beim Roten Kreuz hatte es gehiessen, dass dies einer der grössten Einsätze der letzten Jahre gewesen sei. Die Hilfsbereitsschaft im ganzen Land darf als überwältigend bezeichnet werden. Haus- und Wohnungsbesitzer hatten sich beim Roten Kreuz und in Facebookgruppen melden können, wenn sie Wohnraum zur Verfügung stellen wollten. Viele boten ihn kostenlos an, um Familien ein Dach über dem Kopf zu bieten. Auch Haustiere konnten erfolgreich vermittelt werden, wenn es nicht möglich war, sie in die neue Behausung mitzunehmen. Ausserdem hatte das Reykjavíker Katzenhaus zusätzliche Kapazitäten zur Verfügung gestellt.

Grindavíks Bewohner zum Thema Vulkanausbruch informiert

Grindavík - Þorbjörn

In der Region rund um den Berg Þorbjörn, wo die Erde in den letzten Tagen kräftig gebebt hatte, ist es ruhig geworden. Benedikt Ófeigsson, ein Geologe der Erdbebenabteilung beim Wetterdienst, sagt, die Landhebung im Raum Grindsvík gehe im gleichen Tempo vor sich wie in den vergangenen Tagen. Das Land dort hatte sich innerhalb einer Woche um drei Zentimeter angehoben, doch gibt es keine Hinweise auf unterirdische Magmabewegungen, berichtet RÚV.

Nein, wir sehen keine Hinweise darauf. Das ist nur eine Ausdehnung an genau dem selben Ort wie die ganze Zeit, und es gibt keine Veränderungen. Wir schauen da auf einen kontinuierlichen Prozess.”

Möglicherweise nicht die erste Landhebung

Auch wenn die Anhebung des Landes auf eine Magmaansammlung in der Region deutet, so heisst das nach Ausage der Geologin Þóra Björg Andrésdóttir nicht, dass es bald einen Ausbruch gibt. “Der letzte Ausbruch in dieser Region hat sich um [das Jahr] 1200 ereignet. Man sagt, dass dies alle 800 bis 1000 Jahre passiert, und wir haben die Grenze erreicht. Auf der anderen Seite wissen wir nicht, ob es solche grossen Veränderungen in Bezug auf Anhebung des Landes schon zuvor gegeben hat, weil die Messtechnologie relativ neu ist. Wir haben das bisher nicht überwacht. Es könnte durchaus sein, dass das viele Male in den letzten hundert Jahren passiert ist.”

Massnahmenkatalog für Bürger vorgestellt

Gestern Nachmittag hatte in Grindavík eine Informationsveranstaltung für die Einwohner stattgefunden, über 1000 Leute waren gekommen. Zusätzlich war die Veranstaltung live übertragen worden. Wissenschaftler und Behördenvertreter präsentierten die Entwicklungen auf verständliche Weise und stellten Evakuierungspläne für den Ernstfall vor. Jeder Einzelne wurde aufgefordert, mit seinem persönlichen Umfeld einen Plan auszuarbeiten, für den Fall, dass es zu einer Evakuierung kommt. Es sei auch die Zeit gekommen, dichter zusammenzurücken und sich umeinander zu kümmern, vor allem was Kinder und Jugendliche betrifft.

Alle Personen, die sich in der Region aufhalten, werden im Ernstfall von der Notrufhotline 112 mit einer sms kontaktiert, und sind angehalten, die Anweisungen darin zu befolgen.

Bürgermeister Fannar Jónsson äusserte sich RÚV gegenüber zufrieden mit der Veranstaltung, sie habe ihren Zweck erfüllt. “Die Redner haben ihre Sache gut gemacht, und die Bewohner stellten wohlüberlegte Fragen. Ich habe gehört, dass die Leute zufrieden waren.”

Leben in einem vulkanischen Land

Der Geophysiker Magnús Tumi Guðmundsson, einer der Redner in Grindavík, erklärte, ein Ausbruch sei nicht sehr wahrscheinlich, auch wenn sich da Magma ausserhalb der Stadt sammle. “Der Grund für diese Vorbereitungsstufe ist, dass wir es nicht darauf ankommen lassen können. Wir müssen bereit sein, wir leben in Island und das ist ein vulkanisches Land.”

Selbst wenn es zu einem Ausbruch komme, würde es sich mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht um einen explosiven Ausbruch handeln, sondern eher um langsam fliessende Lava. Damit hätten die Bewohner der Region genügend Zeit, sich in Sicherheit zu bringen.

Die isländische Strassenmeisterei hat die Aufgabe, die grösseren Fluchtwege aus Grindavík schnee- und eisfrei zu halten, damit eine Evakuierung im Ernstfall nicht am Glatteis scheitert.

Beim Zivilschutz und dem Energieversorger HS Orka sind Überlegungen im Gange, wie man einen möglichen Lavafluss umleiten könnte, damit Bauwerke und Strassen nicht beschädigt werden.

Ungewissheitsstufe wegen möglicher Magmaansammlung, Code gelb für Flugverkehr

Der isländische Zivilschutz hat die Ungewissheitsstufe wegen einer möglichen Magmaansammlung unter dem Berg Þorbjörn auf der Halbinsel Reykjanes ausgerufen. Dort hatte sich erst vor einigen Tagen eine Erdbebenserie ereignet. In den vergangenen Tagen wurde ausserdem eine Anhebung des Landes gemessen.

Die Bewohner des Ortes Grindavík sind für morgen zu einer Versammlung geladen, wo sie über die Lage informiert werden. Für den Flugverkehr gilt der gelbe Warncode in dem Gebiet, berichtet RÚV.

In einer Bekanntmachung des Experten für Naturkatastrophen beim isländischen Wetteramt heisst es, dass sich das Land mit drei bis vier Millimetern pro Tag ungewöhnlich schnell hebt. An der höchsten Stelle hat es sich um zwei Zentimeter angehoben. Die Hebung ist wahrscheinlich ein Hinweis auf die Magmasammlung in einiger Kilometer Tiefe. Das Zentrum scheint unter der Halbinsel Reykjanes zu liegen, westlich des Berges Þorbjörn.

Wenn die Landhebung in der Tat auf einer Ansammlung von Magma beruht, ist diese noch relativ gering. Man schätzt grob, dass das Volumen in der Grössenordnung von einer Million Kubikmetern liegt. Zu dem Ergebnis sind Wissenschaftler gekommen, die sich heute in der Vulkanabteilung des Wetteramtes getroffen hatten.

Die Bewegungen der Erdkruste auf der Halbinsel Reykjanes werden seit etwa drei Jahrzehnten genau gemessen. In diesem Zeitraum ist keine derartige Landhebung ermittelt worden. Das Geschehen gilt daher für die Region als ungewöhnlich, wenn man die Messwerte vergangener Jahrzehnte als Vergleichsgrundlage heranzieht.

Die Erdbebenserie der letzten Tage konnte auf der Halbinsel Reykjanes und bis nach Borgarnes deutlich gespürt werden. Die kräftigsten Beben ereigneten sich am 22. Januar mit einer Stärke von 3,7 und 3,6. In den letzten Tagen haben die Beben an Stärke eingebüsst. Solche Bebenserien gelten als für die Region normal, daher können diese einzeln für sich nicht als ungewöhnlich bezeichnet werden.

Dass eine Landhebung zusammen mit einer Bebenserie gemessen wird, gibt Anlass dazu, das Geschehen in der Region besonders genau zu überwachen,” heisst es in der Bekanntmachung des Wetteramtes.

Auch wenn man zum jetztigen Zeitpunkt nicht sagen kann, wie sich die Lage dort entwickelt, wurden dennoch mögliche Szenarien aufgesetzt:

Wenn die Landhebung durch Magmaansammlung verursacht wurde:

  • Die Magmasammlung hört ohne weiteres Geschehen wieder auf.
  • Die Magmasammlung geht am gleichen Ort und mit der gleichen Geschwindigkeit weiter, ohne dass etwas Grösseres passiert.
  • Die Magmasammlung geht weiter und führt zu einer Magmaintrusion.
  • Die Magmasammlung geht weiter und führt zu einer Magmaintrusion mit Ausbruch (Lavafluss aus einer Spalte)
  • Die Magmasammlung verursacht Bebentätigkeit mit grösseren Erdbeben in dem Gebiet.

Wenn die Landhebung nicht auf Magmaansammlung zurückzuführen ist:

  • Die Landhebung könnte weitere seismische Aktivität verursachen oder damit in Verbindun stehen, auch möglicherweise grössere Bebenereignisse.

Weitere Messgeräte sind in der Region installiert worden. Die durch den Zivilschutz verkündete Ungewissheitsstufe erleichtert es Behörden und Einsatzkräften, in einem möglichen Ernstfall schneller und effektiver kooperieren zu können.

Islands Erdbebenkarte findet man hier.

update

Den Bewohnern in Grindavík soll morgen der Entwurf für einen Evakuierungsplan vorgelegt werden, damit alle für einen Ernstfall vorbereitet sind. Der Plan enthält Informationen zu Dienstleistungen, Fluchtwegen und weitergehende Massnahmen.

Alle Bewohner in den Gebiet erhalten im Ernstfall eine sms auf ihr Mobiltelefon, alle ausländischen Mitbürger erhalten die sms in ihrer Muttersprache. Im Raum Grindavík leben gemeldete 3500 Personen, in Svartsengi und an der Blauen Lagune befinden sich zu Stosszeiten noch mal an die 1200 Personen.

Die ganz in der Nähe liegende Blaue Lagune hält ihren Betrieb unverändert aufrecht. Nach Ausagen von Direktor Grímur Sæmundsson gebe es einen Notfallplan und alle Mitarbeiter seien vorgewarnt. Man stehe in engem Kontakt zu den Einsatzkräften und sei sich bewusst, dass die Lagune sich in einem aktiven Erdbebengebiet befinde.

800 freiwillige Retter im Einsatz

Der grosse Adventsturm hat im ganzen Land eine schier unglaubliche Zahl an freiwilligen Helfern über mehrere Tage hin beschäftigt.

Insgesamt waren einer Zählung des isländischen Zivilschutzes zufolge in den vergangenen Tagen etwa 800 freiwillige Helfer ausgerückt. Alleine 224 Helfer waren im Sölvadalur im Einsatz gewesen, um nach dem in den Fluss gefallenen Mann zu suchen. Die Zählung war gestern Nachmittag an die Medien verschickt worden, möglicherweise liegt die Gesamtzahl noch höher.

Hilfsmannschaften sind aus allen umliegenden Regionen, sowie aus dem Südwesten und Westen nach Norden berufen worden. Etwa 80 Mitglieder der Rettungsorganisation Landsbjörg hatten Einsätze in Húnavatnssýssla gefahren, und 75 im Skagafjörður, schreibt RÚV. Im Nordosten waren 223 freiwillige Retter an Einsätzen im und nach dem Orkan beteiligt.

Insgesamt haben im ganzen Land mehr als 1000 Einsätze stattgefunden. Vor Beginn des Unwetters hatte Landsbjörg Schneemobile und schweres Gerät an Schlüsselpositionen des Nordwesten und der Region Strandir geschickt, weil man davon ausging, dass diese Regionen am schwersten betroffen sei würden.

Der Studie zufolge ist auch die Notfallhotline 112 heissgelaufen. Am Dienstag waren 750 Anrufe dort eingegangen, am Mittwoch 680 Anrufe.

Die nationale Rettungsorganisation Landsbjörg besteht ausschliesslich aus freiwilligen Helfern, die für ihre Einsätze von den Arbeitgebern freigestellt werden. Manche Arbeitgeber zahlen den Lohn während des Einsatzes fort, Pflicht ist dies jedoch nicht.  Die Rettungseinsätze, ob bei Schneesturm im Winter oder im Sommer im Hochland, werden nicht vom Staat bezahlt oder bezuschusst. Landsbjörg finanziert sich ausschliesslich über Spendengelder, Spendenaktionen, und den Verkauf von Feuerwerkskörpern vor Silvester. Gegründet wurde die Organisaton zu Beginn des 20. Jahrhunderts im Süden des Landes, um in Seenot geratene Seeleute effektiver retten zu können. Das Training heutiger Mitglieder ist umfassend und geniesst auch international einen guten Ruf. Isländische Landsbjörg-Retter gehörten zu den ersten, die nach dem Erdbeben in Haiti auf die Karibikinsel geschickt wurden, um nach Verschütteten zu suchen.

 

Erdbebenschwarm bei Kópasker

Der Erdbebenschwarm in nordisländischen Tjörnesbrotabelti, der seit vergangenem Samstag nicht abreisst, hat sich von der Stärke her etwas beruhigt, wie es bei der Erdbebenüberwachungsabteilung des isländischen Wetteramtes heisst.

Der Zivilschutz hatte am Samstagmittag die Ungewissheitswarnstufe ausgerufen, sie ist immer noch in Kraft. Morgen wollen Experten, Zivilschützer und Polizeivertreter im Wetteramt zusammentreffen, um sich abzustimmen, berichtet RÚV.

Gestern abend trug sich das bislang schwerste Beben mit einer Stärke von 4,2 zu. Das Beben konnte in Kópasker und auf den umliegenden Höfen gut wahrgenommen werden. Die meisten Erdbeben haben ihre Ursprung etwa sechs bis acht Kilometer südwestlich von Kópasker.

Die ausgerufene Ungewissheitswarnstufe bedeutet, dass der Zivilschutz mehr Kontrollbefugnis erhält, um die Sicherheit der Bevölkerung zu gewährleisten. Gleichzeitig wird dadurch auch die Zusammenarbeit mit anderen Behörden sowie der Informationsfluss erleichtert.

Zivilschutz und Polizei in Nordisland raten allen, die in einem bekannten Erdbebengebiet wohnen, ihr Zuhause und den Arbeitsplatz auf Sicherheitsdefizite zu überprüfen. Auf der Internetseite des Zivilschutzes findet man entsprechende Hinweise, wie man im Fall eines schweren Bebens Schäden und Verletzungen so gering wie möglich halten kann.

Auf der Webseite des Wetteramtes steht zu lesen, dass einem solchen Bebenschwarm auch ein sehr schweres Beben folgen kann. In den meisten Fällen verebbt die Bebentätigkeit jedoch langsam.

Kopasker hat in der Vergangenheit mehrere schwere Bebenschwärme und Erdbeben erlebt. Am 14. Januar 1976 zerstörten Beben der Stärke 5,5 bis 6 die meisten Häuser im Ort, Frauen, Kinder und alte Menschen mussten daraufhin evakuiert werden. Ähnliche Erdbebenschwärme traten auch im Mai 1997, im April 2007, im April 2009 und im Oktober 2014 auf.