Schafzüchter erhalten 48% mehr Geld für ihre Rohwolle

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Der Vorstand des isländischen Wollverarbeitungsunternehmens Ístex hat die Ankaufpreise von Schafswolle um mehr als 48% angehoben. Das ist die grösste Preisanhebung seit 15 Jahren, berichtet das Bændablaðið.
Ístex war im Jahr 1991 gegründet worden, um die isländische Wollindustrie weiterzuführen, die 1896 in Mosfellsbær ihren Anfang genommen hatte. Ístex kauft die Rohwolle direkt von den Schafzüchtern und verarbeitet etwa 99% der gesamten isländischen Wolle. 80% des Unternehmens befinden sich im Besitz isländischer Landwirte. Nun also werden die Preise erhöht, die die Bauer für die Rohwolle ihrer Schafe erhalten, und zwar um 48% für alle Verarbeitungsklassen, also von der weissen Spitzenwolle über gescheckte Vliese bis hin zur kurzfaserigen Wolle aus der Frühjahrsschur und der Wolle von freilaufenden Schafen, die vor dem Auftrieb geschoren wird.

In einem Interview gab Ístex-Chef Sigurður Sævar Gunnarsson an, der Löwenanteil der Preisanhebung sei auf die Spitzenklasse der Wolle gefallen.
“Einer der Gründe für diese Preisanhebung ist die gute Stellung von Ístex in den ersten Monaten des Jahres, und auch in den letzten Quartalen. Wir hatten seit 2019 schwierige 18 Monate, als der Verkauf von Wolldecken stark zurückging, hinzu kamen generell niedrige Wollpreise.” erklärte Sigurður.

Wolle im Aufwind
Als Ístex im Frühjahr 2021 mit Abendschichten in der Strickgarnproduktion begann, kam Fahrt in das Geschäft. Die Produktion konnte effizienter betrieben werden, Maschinen waren besser ausgelastet, die Preise für Strckgarn stiegen. Die letzten zwei Jahre brachten viel Arbeit für die Angestellten, aber die Bemühungen zahlten sich aus, freut sich Sigurður.
In den ersten sechs Monaten lagen die Verkäufe um 200 Mio ISK (1,3 Mio EUR) höher als im Vorjahr. Für einige Wollklassen hat es bessere Preise als erwartet gegeben, und die Aussichten für dieses Jahr sehen daher gut aus. Auf der anderen Seite sei man sich bewusst dass es nur einen Maschinenschaden brauche, um wieder in einem schwierigen Jahr zu landen. Im Ausland sehe die Lage anders aus, dort lägen die Wollpreise immer noch sehr niedrig.

Ein Grund für Anhebung der Preise in der niedrigsten Kategorie ist sicher darin zu suchen dass die Frühjahrswolle, aus der kein Garn gesponnen werden kann, nicht mehr exportiert, sondern im eigenen Land für die Herstellung von Decken, Steppdecken und Kopfkissen verwendet wird. Die verkaufen sich überraschend gut. Aber man habe auch den Schafzüchtern entgegenkommen wollen, die in manchen Landesteilen lange auf die Abholung der Wolle hatten warten müssen, weil es in der Fabrik in Blönduós Maschinenprobleme gegeben hatte.

“Wir von Ístex möchten den Bauern für ihre Geduld danken und uns für die Unannehmlichkeiten während dieser schwierigen Zeit entschuldigen.”
Ein weiteres Argument für die Anhebung der Preise war die bessere Qualität des Rohstoffes, weil die Vliesteile bei der Schafschur besser sortiert werden, statt wie viel zu oft in früheren Jahren, einfach alles in einer Tüte zu landen.
Die neuste Zuwachs bei Ístex wird eine auf isländische Wolle abgestimmte neue Spinnmaschine sein, die man im Herbst aus Italien erwartet.

Nachfrage nach Strickwolle explodiert, Preise für Rohwolle aber nicht

Noch nie zuvor ist die Nachfrage nach Handarbeitsgarn aus isländischer Schafswolle so hoch gewesen, nicht zuletzt, weil viele Landsleute während der Pandemie die Stricknadeln für sich entdeckten.
Gunnar Þórarinsson, der Geschäftsleiter von Ístex und Schafzüchter auf Þóroddstaðir im Hrutafjörður, sagt, in den 30 Jahren seiner Berufskarriere bei Ístex sei nicht soviel Garn produziert und verkauft worden wie im vergangenen Jahr.

Die Mehrproduktion lag bei 150 Tonnen Garn, eine grosse Menge, die das Unternehmen mit Überstunden am Abend, veränderten Herstellungsabläufen und anderen Massnahmen stemmte, berichtet das Bændablaðið. In Island selbst stieg der Verkauf von Strickgarn um 30 Prozent, der Umsatz schoss durch den Verkauf im In- und Ausland innerhalb eines Jahres um 48 Prozent in die Höhe, weil mehr produziert wurde und auch die Ladenpreise stiegen.
Und der Strickermarkt giert weiter nach isländischem Garn. Gunnar zufolge will das Unternehmen jetzt Maschinen erneuern und mehr Leute einstellen, um die Nachfrage befriedigen zu können, dennoch könnte es in den kommenden Monaten zu Engpässen kommen. An den Lieferanten liege das jedoch nicht, es gebe schliesslich genug Schafe im Land. Sollte allerdings der Schafbestand zurückgehen, bei gleichzeitig steigender Nachfrage nach Wollerzeugnissen, dann könnte sich das Blatt innerhalb weniger Jahre wenden, meint Gunnar.

Streitpunkt Wollpreis
Ein Streitpunkt beim Thema Schafwolle ist immer wieder der Preis für das Kilo Wolle. Kann oder will man seine Schafe nicht selbst scheren, muss ein professioneller Scherer kommen, und dann reicht der Erlös der Wolle meist so gerade, um den Scherer zu bezahlen. Schafe müssen jedoch geschoren werden, weil die neue Wollschicht von alleine nachwächst und die alte überflüssig wird. Das Islandschaf gehört zu den Primitivrassen und hat damit die genetische Veranlagung, sein altes Vlies abzustreifen, doch gelingt dies oft nur teilweise, und bei sommerlichen Temperaturen benötigt ein Schaf auch im Hochland kein Winterkleid mehr. Ein ungeschorener Pelz hingegen bildet idealen Nährboden für Parasiten und Ungeziefer und kann Hautkrankheiten, aber auch Unwohlsein durch Hitzestau verursachen.

Im vergangenen Herbst zahlte Ístex für das Kilo weisse Lammwolle der besten Qualität 515 Kronen (3,60 EUR), für schwarze, graue und braune Wolle gab es 370 Kronen pro Kilo (2,60 EUR). Für die Wolle von im Spätwinter/Frühjahr geschorenen Schafen gibt es von 20 Kronen (nachgewachsene Wolle und Ganzjahresfell) bis gar nichts (alle bunten Farben). Für die Wolle von gefleckten Schafen gibt es kein Geld. Schafswolle wird zusätzlich mit etwa 40 Prozent vom Staat subventioniert, auch die Sorten, für die Ístex nichts zahlt.  Die Preisgestaltung des Unternehmens sorgt für Unmut bei den Bauern, die meist selbst Aktien an Ístex halten.
Gunnar begründet die geringen Preisanstiege damit, dass es in 2019 einen Rückgang im Tourismus gegeben habe, damit sei auch die Nachfrage nach Industriegarn und Wolldecken gefallen. Auf diese Krise folgte COVID-19 und der Markt brach fast zusammen. Auch der Wollpreis ging in den Keller, so Gunnar. Im Jahr 2020 habe das Unternehmen schwere Verluste einfahren müssen. Doch nun strickt ja alle Welt und oft genug sind die Wollregale leer, weil der Nachschub fehlt.
So bleibt zu hoffen, dass das Unternehmen nach der Preisanpassung im vergangenen Herbst und der Entwicklung neuer Waren rosigeren Zeiten entgegensieht und den Schafzüchtern bessere Preise für ihren Rohstoff zahlen kann.

Mini Mills bedienen Privatkunden
Immerhin gibt es inzwischen auch kleine aber feine Konkurrenz im Lande. Nicht nur die vielen Handspinner, die sich gegen gutes Geld besonders schöne Vliese zu sichern wissen und daraus Garne aller Art herstellen oder der Wollmarkt Þingborg bei Selfoss, der handverlesene Vliese schonend zu Garn verarbeiten lässt, auch zwei Mini Mills produzieren inzwischen Handarbeitsgarne von Vliesen aus dem eigenen Schafbestand oder im Kundenauftrag. Und so mancher Schafzüchter entscheidet sich inzwischen, seine Wolle bei den Wollmühlen Gilshagi im Norden des Landes oder Uppspuni im Süden verarbeiten zu lassen und das Garn selbst zu vermarkten.

Bernies Handschuhe wecken Strickerehrgeiz

Kaum ein Bild ist derzeit in der Netzwelt so allgegenwärtig wie das von Senator Bernie Sanders auf seinem schwarzen Plastikstuhl während der Amtseinführung von US-Präsident Joe Biden in der vergangenen Woche.  Besonderes Interesse vor allem in Island weckten seine auffälligen Wollfäustlinge mit klassischem Islandpullimuster.

Es stellte sich heraus, dass es sich bei Bernies Handschuhen nicht etwa um neue Strickware handelte, sondern um ein Recyclingdesign aus der Werkstatt einer befreundeten Lehrerin, die ihm die Fäustlinge geschenkt hatte. Sie zerschneidet alte Pullover und setzt sie neu zusammen. In diesem Fall bestand die Oberseite der Fäustlinge aus der Schulterpasse eines ausrangierten Islandpullovers in Naturfarben. Margrét Dóróthea Sigfúsdóttir, die Schulleiterin der Hausfrauenschule in Reykjavík, ist sich ganz sicher, dass es sich um originales Muster aus Island handelt. Sie erzählt auch, dass in früheren Zeiten in Island gar nicht gestrickt wurde, sondern man nähte alle Kleidungsstücke – auch die Handschuhe.

Die Handwerksgruppen in den sozialen Medien liessen nicht locker, schon einen Tag nach Bidens Amtseinführung gab es passend zu den zahllosen Memes von Bernie mit seinen Handschuhen an Islands schönsten Orten auch erste Mutmassungen, um welches traditionelle Muster es sich handeln könnte, wenig später folgten dann die ersten Strickanleitungen. Inzwischen kann man “Bernies” in Island auch von Handarbeitsfrauen wie etwa auf obigem Bild ganz traditionell gefertigt erwerben.
Wer es allerdings ganz genau halten will, sollte natürlich einen alten Islandpullover für das wärmende Accessoire im Bernie-Stil recyceln.

Icelandic Tweed kehrt nach 50 Jahren in die Mode zurück

Die verarbeitete Wolle von isländischen Schafen erlebt dieser Tage auch COVID-bedingt ein Revival, das Stricken ist so populär wie lange nicht mehr, und auch Meterware aus isländischer Wolle ist wieder aktuell.
Der Reykjavíker Herrenausstatter Kormákur&Skjöldur hatte im vergangenen Frühjahr eine neue Kollektion aus isländischem Webstoff vorgestellt. Jackett, Weste und Schirmmütze aus “Icelandic Tweed” sind inzwischen feste Bestandteile der Tuchschneiderei, zum ersten Mal seit etwa 50 Jahren wieder, berichtet das Bændablaðið.

Gunnar Hilmarsson, Chefdesigner in der Schneiderei, der sich auch um die Produktion der Tuchware kümmert, freut sich darüber, dass die Maschinen nun so richtig surren. “Wir stellen Kleidungsstücke und Accessoires her, aber wir verkaufen auch Meterware, vor allem für Polstermöbel.” erklärt er.

Die Wolle kommt von Schafzüchtern aus dem ganzen Land, gesponnen wird sie in der Grossspinnerei Ístex, dann wird sie zum Weben nach Österreich geschickt. Gunnar zufolge fehlt es in Island leider an Gerät und Erfahrung im Weben von Meterware, sonst wäre es möglich, das Tuch von Anfang bis Ende im Land herzustellen. Die Schneiderei ist mit Exponaten auch in der Ausstellung 100% ull vertreten, welche im isländischen Designmuseum zu sehen ist (zu Zeit nur im Video).

Isländischer Tweed ist in den vier Naturgrundfarben erhältlich, braunrot, weiss, grau und schwarz. Aus diesen vier Farben wird eine Auswahl an Mustern geschaffen, von denen jedes seine eigene Liniengebung hat.

 

 

Lammwolle macht isländisches Garn jetzt weicher

Ein traditioneller Islandpullover ist der Traum vieler Islandfans, doch so manchem ist die die isländische Wolle viel zu kratzig. Daran soll sich nun grundlegend was ändern, ist aus den Werkshallen der Wollbranche zu hören.  Die Wollfabrik Ístex hat in Zusammenarbeit mit dem Strickwarenhersteller Varma ein Entwicklungsprojekt auf den Weg gebracht, an dessen Ende ein kuschelweiches Wollprodukt herauskommen soll, berichtet das Magazin Landinn.

Es sei ja nun bekannt, dass die Islandwolle kratze, sagt auch Varma Geschäftsführer Páll Kr. Pállsson, und vielleicht sei man da früher auch unempfindlicher gewesen, aber nun wolle man etwas daran ändern, um die isländische Wolle auf den Stand zu bringen, dass sie den Kundengeschmack treffe. Dazu wurden sämtliche Verfahren in der Wollverarbeitung auf den Prüfstand gesetzt.

Schwachstellen in der Verarbeitung finden
Die Schafswolle wird nach der Schur gesammelt und zu Ístex nach Blönduós gebracht. Die grosse Waschanlage im Norden des Landes befindet sich im Aktienbesitz der Schafbauern. Hier wird die Wolle nicht nur nach Qualität und Farbe sortiert. Für die spätere Garnqualität spielt die beinahe grösste Rolle, ob die Wolle vom erwachsenen Schaf oder vom Lamm stammt. Idealerweise schert man Lämmer im Herbst nach ihrer Rückkehr von der Sommerweide. Die Tiere sind dann etwa sechs Monate alt. Lammwolle hat einen geringeren Durchmesser und ist dadurch feiner und weicher.

Wie Páll im Film erklärt, habe man sich aufgemacht, Schwachstellen bei der Schafschur zu finden, und Probleme beim Sortieren, Zerkleinern und Waschen in der Waschanlage in Blönduós aufzudecken. Auch das Mischungsverhältnis von gröberer Schafswolle zugunsten weicherer Lammwolle ist in dem Prozess verändert worden. Schliesslich wurden auch Hilfsstoffe und die gesamte Verarbeitung unter die Lupe genommen, bevor am Ende nun ein ungewohnt weiches Garn in der Ístex-Spinnerei in Mosfellsbær entstanden ist, welches bei Varma zu Meterware und Textilien verarbeitet wird.
Die neue Lammwolle sieht nicht viel anders aus als vorher, doch Wolldesignerin Sigrún Halla Unnarsdóttir findet, das verstrickte Endergebnis sei viel weicher als vorher. Nach Pálls Einschätzung könne man ausländische Fasern immer mehr durch Islandwolle ersetzen, auch wenn sie natürlich nicht mit feinster italienischer Merinowolle zu vergleichen sei. Er hält die neue Lammwolle jedoch durchaus für wettbewerbsfähig.

Textilbranche ist gefragt
Zu Blütezeiten um das Jahr 1986 waren 2000 Menschen in der isländischen Wollindustrie tätig, und 60 Textildesigner entwarfen Mode aus der Wolle. Heute gibt es nur noch etwa 100 Beschäftigte in der Branche, und gerade mal eine Handvoll vollberuflicher Designer ist am Werk. Doch nun, so führt Páll weiter aus, habe man ein Garn und moderne Produktionsmethoden, mit denen beinahe alles möglich sei. Es liege an der Textilbranche, etwas daraus zu machen.

Die Schneiderinnen bei Varma jedenfalls zeigen sich begeistert von der neuen weichen Lammwolle, Und auch Gunni Hilmarsson, einer der beiden Schneider des Herrenausstatters Kormákur og Skjöldur, ist schon gespannt, wie sich die neue Wolle macht, wenn die Skipullover des Unternehmens demnächst in Island hergestellt werden.

Im Film kann man mitverfolgen, wie Schafswolle in Island zu Garn verarbeitet wird.