Windräder gegen Widerstand der Anwohner errichtet

Im südisländischen Örtchen Þykkvabær haben Bauarbeiten für die Errichtung zweier neuer Windräder begonnen, die sich dort ab September drehen sollen, berichtet Vísir. Sie entstehen auf den Fundamenten der beiden Windräder, die im letzten Jahr gesprengt worden waren. Eine Bürgerbefragung hatte ergeben, dass 60% der Einwohner von Þykkvabær gegen neue Windräder sind.

Alte Windräder nach Insolvenz gesprengt
Die beiden alten Räder hatten wegen Bränden beseitigt werden müssen, und das obwohl sie kaum in Betrieb gewesen waren. Es hatte mehrerer Sprengversuche bedurft, bis das zweite Rad im September auch endlich zu Boden fiel. Das Unternehmen Biokraft, dass die Räder errichtet hatte, hatte Insolvenz angemeldet.
Die Fundamente der Räder waren jedoch übriggeblieben, und der Aufkäufer der insolventen Biokraft, Háblær, befestigt diese Betonsockel nun, um neue Windräder darauf zu errichten. Háblær-Geschäftsführer Ásgeir Margeirsson gab an, die neuen Räder seien sechs Meter niedriger als die alten, hätten aber gleichgrosse Rotorblätter und erzeugten damit 50% mehr Strom oder 1,8 MW.

Zwei von drei Anwohnern dagegen
Die Gemeindeverwaltung Rangárþing ytra hatte im Mai eine Bürgerbefragung durchgeführt, bei der sich herausstellte, dass 60% der Bewohner von Þykkvabær gegen die neuen Windräder waren. Diese Befragung hat jedoch für die Kommune weder beratenden noch verbindlichen Charakter, so Gemeinderatsvorstand Eggert Valur Guðmundsson.
“Wir werden auf dieses Ergebnis natürlich Rücksicht nehmen. Das scheint ja so zu sein, dass zwei von drei Anwohner dagegen sind,” sagt Eggert. Die Leute fänden, dass die Windmühlen zu nahe am Ort stünden und Lärmbelästigung verursachten. Er habe sich damit aber noch nicht wirklich befasst, so der Gemeinderatsvorstand von Rangárþing ytra.
Ob daraus etwas wird, ist fraglich, und auch, wie die Kommune eigentlich Rücksicht auf die Anwohner nehmen will, wo sie doch bereits Baugenehmigungen für die neuen Windräder erteilt hat.  Eine Verwaltungsbeschwerde liege zwar vor, sei aber unbearbeitet, weil die Planungsbehörde entschieden habe, dass für neue Windräder kein Umweltgutachten notwendig sei.
“Das wird interessant zu sehen, was dabei herauskommt. Aber mit Stand heute wird das auf der Grundlage des geltenden Bebauungsplans wohl durchgeführt,” so der Gemeinderatsvorstand.

Gemeinden sollten über Windparks entscheiden, nicht das Parlament

Landvernd's map showing all the sites that have been proposed for wind energy projects around Iceland. The Icelandic energy and utility federation says that there's no plan to erect wind turbines on all these sites simultaneously. Map via Landvernd.

Eine Entscheidung darüber, ob Windparks in einer Gemeinde errichtet werden, soll bei den lokalen Behörden liegen, und nicht etwa beim Parlament, sagt Samorka, der Verband der Energie und Stromversorger in Island, berichtet RÚV.
Derzeit versucht eine parlamentarische Arbeitsgruppe, Feedback von Versorgern und regionalen Behörden im ganzen Land zu dem Thema zu bekommen.
Samorka möchte Windparks in Regionen errichten, wo Windrichtung und umgebende Landschaft für solche Projekte günstig erscheinen, und wo es eine bereits existierende Infrastrukur gibt, aber vorausgesetzt, dass die Gemeinschaft die Windräder unterstützt und dass keine unter Naturschutz stehenden Gebiete geschädigt werden.
“Das ist eine Entscheidung zu einer zeitweiligen Nutzung in einer bestimmten Region, und natürlich sind es die Anwohner und ihre gewählten Vertreter, die am besten entscheiden können, welche Auswirkungen es geben wird und ob [die zu errichtenden Windräder] gebaut werden sollen,” sagte Samorka-Direktor Finnur Beck.
Der Bürgermeister des Bezirks Fljótsdalshérað im Osten Islands war kürzlich zitiert worden, dass er mit Samorka darin übereinstimme, dass Entscheidungen zu dem Thema von den jeweiligen Gemeinden gefällt werden sollten.

Besorgnis über drohende Landschaftsverschandelung
Es gibt grosse Besorgnis darüber, dass bald eine Windparkindustrie die Horizonte der Insel beherrschen könnte, denn geplant sind solche Anlagen in beinahe jedem Küstenwinkel Islands. Die isländische Naturschutzorganisation Landvernd hatte die Windräder als “Angriff auf Islands Natur” bezeichnet und angesichts der Pläne ein Karte der geplanten Projekte erstellt, auf der zu sehen ist, wie Island am Ende aussehen könnte. Zur Zeit liegen mindestens 40 Projekte auf dem Tisch. Investoren und Konzerne kommen fast alle aus dem Ausland.
Finnur sagt, längst nicht alle der vorgeschlagenen Projekte würden auch gebaut, es seien nur die Optionen aufgezeigt worden, als die nationale Energiebehörde nach Vorschlägen verlangt hatte.

Auf die Frage, on Samorka die Windparks “überall” errichten wolle, dementierte Finnur sehr schnell.
“Nein, und es ist gut dass danach gefragt wird,” sagt er, “ Es hatte einen langen Zeitraum gegeben [für die Einreichung von Vorschlägen] und dies führte zu einer Reihe von Ideen über potenielle Windenergieprojekte. Aber diese Standorte müssen erst mal geprüft werden, und es bleibt eine Menge Arbeit an vielen dieser Orte, und ich habe keinen Grund zur Annahme – oder es ist eigentlich ausgeschlossen – dass an all diesen Orten Windräder aufgestellt werden, die im derzeitigen Rahmenprogramm als mögliche Standorte genannt wurden.”

3. und 4. Energiepaket
Island hatte im Jahr 1992 den EU-Vertrag zur Zusammenarbeit unterzeichnet, und seither insgesamt drei EU-Energierahmenverträge. Die Unterzeichnung des letzten, Energiepaket 3, war in der Bevölkerung bereits kritsiert worden, viele Menschen befürchteten, dass dies den Weg in ähnlich rapide steigende Strompreise wie in Norwegen bereiten würde.
Mit Unterzeichnung des vierten Energiepaketes würde Island am EU-Energiemarkt aktiv teilnehmen und grüne Energie auf den Kontinent liefern, wo man sich vertraglich verpflichtet hat, 40 % erneuerbare Energie zu nutzen, um das Pariser Abkommen erfüllen zu können. Eine Infrastruktur für solche Lieferungen – Seekabel auf den Kontinent u.ä. – ist noch nicht vorhanden. Kritiker sehen einen Ausverkauf voraus, sowie massiv steigende Strompreise für die Inselbewohner.
Bislang ist das 4. Energiepaket im Parlament noch nicht zur Sprache gekommen.

 

Windräder sollen in Island Strom für Grossbritannien produzieren

Ein ausländischer Investor will südöstlich von Island Meereswindparks mit einem Produktionsvolumen von 10 Gigawatt errichten, berichtet mbl.is. Die dort produzierte Windenergie soll dann per Seekabel nach Grossbritannien transportiert werden. Zu den Risiken von Windparks im Meer und ihren Auswirkungen auf die Meeresfauna gibt es in Island bislang keine Forschungen.

Mbl.is berichtet, dass norwegische Fischereiunternehmen in Norwegen Einwände gegen solche Projekte erhoben haben, und auch das norwegische Marineforschungsinstitut hat sich gegen die Errichtung von Windrädern in Laichgebieten ausgesprochen.
Beim isländischen Marineforschungsinstitut ist der Aktenordner zum Thema Lärmbelästigung für die Meerestiere allerdings leer, vielmehr verweist man dort auf Studien der Norweger und darauf, dass viele der Auswirkungen ja eher lokal zu finden seien.
Man sei der Ansicht, dass Windparks im Meer keine negativen Auswirkungen auf Fischbestände oder Merresäugetiere hätten, weil es darauf ankomme, wo der Windpark errichtet werde, wie gross das Bauprojekt ausfalle und welche Fischbestände man in dem Zusammenhang betrachte. In einigen Fälle sei es auch zu positiven Auswirkungen gekommen, wenn nämlich von Menschenhand geschaffene Strukturen Lebensräume für Arten schaffen, die man für optimal halten würde.
In einer Antwort von Hafro auf die Anfrage von mbl.is heisst es, dass Entscheidungen über den Bau von Windparks im Meer jedoch die Störungen und Auswirkungen berücksichtigen müssten, die solche Projekte verursachen können. Besonderes Augenmerk müsse den Migrationsrouten von Vögeln, Walen und Fischen geschenkt werden, sowie den Lebensräumen von Meereslebewesen und den Laichplätzen kommerziell genutzter Fischbestände.
Einem Aufbau von Windparks in isländischen Gewässern sollte daher eine Prüfung darüber vorausgehen, welche Auswirkungen sie auf Umwelt und Lebewesen haben würden, also ein Umweltgutachten, aber das sei ja für alle Bauvorhaben in dieser Grössenordnung notwendig.

Bislang interessieren sich noch nicht viele Unternehmen für die Errichtung von Windparks im Meer rund um Island. In diesem Fall handelt es sich um das Unternehmen Hecate Independant Power (HIP), die im Besitz der amerikanischen Hecate LLC und der britischen Independant Power Corporation (PLC) steht.

Sollte aus den Plänen etwas werden, dann will HIP zunächst mit der Errichtung von je 85 Windrädern in zwei Parks etwa 40 Kilometer vor der Südküste Islands beginnen und dort 2000 Megawatt produzieren. Der Strom fliesst per Seekabel nach Grossbritannien. Das Gesamtproduktionsvolumen des Projektes soll am Ende dann 10 Gigawatt betragen.

Zwei kleine Windräder starten Energiewende auf Grímsey

Mit Zustimmung des Planungsrates in Akureyri werden in diesem Sommer zwei Windräder auf der Insel Grímsey aufgestellt. Dieses Versuchsprojekt ist ein erster Schritt in die Energiewende der Insel und hin zu echtem grünem Strom. Zur Zeit wird Grímseys gesamte Stromversorgung mit Dieselaggregaten gefahren. Eine Umstellung auf eine umweltfreundlichere Versorgung ist jedoch schon lange im Gespräch, nicht zuletzt weil der Dieselstrom hohe Kosten mit sich bringt.

Kleine robuste Windräder
Zunächst sollen zwei Windräder errichtet werden, ihre Zahl könnte sich dann auf sechs erhöhen. Die beiden Windräder befinden sich bereits in Akureyri, wo letzte Genehmigungen erteilt werden müssen. Es handelt sich um 12 Meter hohe Räder, die an Orten mit ähnlich harschen Witterungsbedingungen wie Grímsey bereits zum Einsatz kommen, wie etwa in Alaska oder Schottland. Das Projekt ist komplett rückbaubar.
Die beiden Windräder liefern etwa 10 Prozent des Energiebedarfs der Inselbewohner. Am Ende des Testlaufs soll im Idealfall jedoch die Verwendung des fossilen Brennstoffs zur Stromerzeugung auf der Insel ganz wegfallen.

Guðmundur Haukur Sigurðarson, der Geschäftsführer des Projektnehmers Vistorka erklärt, man habe sich ein Jahr gegeben, um nicht nur die Auswirkungen des Inselwetters auf die Windräder zu testen, sondern auch zu beobachten, was in der Vogelwelt passieren wird.
Insgesamt sollen maximal sechs Windräder auf Grímsey stehen, um die Energiewende für die Insel zu vollziehen.
“Das ist kompliziert, das ist gefährlich, dass ist teuer, daher wollen wir das eher langsam angehen. Wenn das beim ersten Test nicht funktioniert, ist es gut, nicht zuviel investiert zu haben,” sagt Guðmundur

Für die Zukunft wünscht man sich weitere umweltfreundliche Energielieferanten, um die Insulaner mit Strom zu versorgen. Ein Versuch, Biodiesel zu verbrennen, hat gute Erfolge gebracht. “Wir planen auch den Aufbau von Solarzellen, die genausoviel Energie erzeugen sollen wie die Windräder. Das wird dann so eine Art Wettbewerb,” meint Guðmundur. “In dem Zusammenhang möchten wir auch eine kleine Icewind-Turbine aufzustellen, die in Reykjavík produziert wird, sowie Batterien aus fahruntüchtigen Elektroautos.”

Vögel haben wenig zu befürchten
Stimmen, die negative Auswirkungen auf das Vogelleben befüchten, gibt es relativ wenige. Man habe, so sagt Guðmundur, den Naturschutz in die Planungen miteinbezogen, als die Standorte der Windräder beschlossen wurden. Sie werden an einem Ort aufgebaut, wo sich ohnehin nicht viele Vögel aufhalten. Dort stehen bereits hohe Telekomunikationsmaste. Die Windräder sind klein und werden dicht nebeneinander gesetzt, damit soll verhindert werden, dass sich Vögel zwischen ihnen verirren.
Aber eins der Ziele sei ja eben die Prüfung, welche Auswirkungen solche Räder auf die Fauna hätten und wie sie sich als Energielieferanten bewährten.

 

Windenergie will gut vorbereitet sein

“Wir stehen an der Schwelle zu grossen Veränderungen,” sagte die Projektleiterin des vierten Energierahmenplans, Gúðrun Pétursdótttir in einem Gespräch im Radiosender Rás 1 zum Thema Windenergie. “Die, die den Wind nutzen wollen, klopfen an die Tür und wir müssen schnell reagieren und kategorisieren, wo ein Wille ist, Windräder hinzusetzen – niemand will Fehler machen, die sich negativ auf die Naturschönheit des Landes auswirken.”

An der Gesprächsrunde um Windenergie hatten neben der Projektleitung auch Vertreter des Umweltministeriums teilgenommen.

Isländische Gemeinden vermelden grosses Interesse an der Windenergie und verlangen klare Vorgaben der Regierung.

“Der Gast steht auf der Treppe, er hat an der Tür geklingelt und wir haben nicht mal das Abendessen gekocht, wir müssen zusehen, dass wir in die Schürze kommen und unsere Arbeit tun, weil wir keinen Fehler machen wollen. Wir wollen nicht die möglicherweise wichtigste Resource zerstören, über die Island verfügt, nämlich die Naturschönheit,” sagte Gúðrun.

Es sei klar, dass die Technisierung voranschreite. Windräder erwirtschaften immer mehr Energie, je höher sie werden, inzwischen erreichten sie eine Höhe von 200 Metern an Land. Man müsse das Land unter Berücksichtigung der Windräder aufteilen, da sie eine beträchtliche Sichtbeeinträchtigung darstellten.

Im Gespräch wurde eine Methode der Schotten vorgestellt, die ihr Land in drei Kategorien unterteilt haben: eine rote Kategorie, in der keine Windräder gewünscht sind, wie etwa in Nationalparks, eine gelbe Kategorie, wo besondere Rücksicht genommen werden muss, etwa auf Orte, die unter besonderem Schutz stehen, und eine grüne Kategorie, wo eine Genehmigung zur Errichtung von Windrädern erteilt wird, alles natürlich nach einer normalen Genehmigungsprozedur, in welcher Umwelteinflüsse, Lärmbelästigung und Sichtbeeinträchtigung berücksichtig werden.

Gúðrun mahnte an, dass die Arbeit an einem Organisationsplan in Bezug auf die Windräder beschleunigt werden müsse. “Das gibt den ausführenden Organen einen viel besseren Rahmen und vereinfacht alles. Viel eher, als wenn die Leute, die man an ein Projekt setzt, dann auf einmal merken – ‘oh, nein, anders. Müssten wir das nicht eher in der roten Kategorie haben?’. Wir müssen das vorher sagen.”