Gemeinden sollten über Windparks entscheiden, nicht das Parlament

Landvernd's map showing all the sites that have been proposed for wind energy projects around Iceland. The Icelandic energy and utility federation says that there's no plan to erect wind turbines on all these sites simultaneously. Map via Landvernd.

Eine Entscheidung darüber, ob Windparks in einer Gemeinde errichtet werden, soll bei den lokalen Behörden liegen, und nicht etwa beim Parlament, sagt Samorka, der Verband der Energie und Stromversorger in Island, berichtet RÚV.
Derzeit versucht eine parlamentarische Arbeitsgruppe, Feedback von Versorgern und regionalen Behörden im ganzen Land zu dem Thema zu bekommen.
Samorka möchte Windparks in Regionen errichten, wo Windrichtung und umgebende Landschaft für solche Projekte günstig erscheinen, und wo es eine bereits existierende Infrastrukur gibt, aber vorausgesetzt, dass die Gemeinschaft die Windräder unterstützt und dass keine unter Naturschutz stehenden Gebiete geschädigt werden.
“Das ist eine Entscheidung zu einer zeitweiligen Nutzung in einer bestimmten Region, und natürlich sind es die Anwohner und ihre gewählten Vertreter, die am besten entscheiden können, welche Auswirkungen es geben wird und ob [die zu errichtenden Windräder] gebaut werden sollen,” sagte Samorka-Direktor Finnur Beck.
Der Bürgermeister des Bezirks Fljótsdalshérað im Osten Islands war kürzlich zitiert worden, dass er mit Samorka darin übereinstimme, dass Entscheidungen zu dem Thema von den jeweiligen Gemeinden gefällt werden sollten.

Besorgnis über drohende Landschaftsverschandelung
Es gibt grosse Besorgnis darüber, dass bald eine Windparkindustrie die Horizonte der Insel beherrschen könnte, denn geplant sind solche Anlagen in beinahe jedem Küstenwinkel Islands. Die isländische Naturschutzorganisation Landvernd hatte die Windräder als “Angriff auf Islands Natur” bezeichnet und angesichts der Pläne ein Karte der geplanten Projekte erstellt, auf der zu sehen ist, wie Island am Ende aussehen könnte. Zur Zeit liegen mindestens 40 Projekte auf dem Tisch. Investoren und Konzerne kommen fast alle aus dem Ausland.
Finnur sagt, längst nicht alle der vorgeschlagenen Projekte würden auch gebaut, es seien nur die Optionen aufgezeigt worden, als die nationale Energiebehörde nach Vorschlägen verlangt hatte.

Auf die Frage, on Samorka die Windparks “überall” errichten wolle, dementierte Finnur sehr schnell.
“Nein, und es ist gut dass danach gefragt wird,” sagt er, “ Es hatte einen langen Zeitraum gegeben [für die Einreichung von Vorschlägen] und dies führte zu einer Reihe von Ideen über potenielle Windenergieprojekte. Aber diese Standorte müssen erst mal geprüft werden, und es bleibt eine Menge Arbeit an vielen dieser Orte, und ich habe keinen Grund zur Annahme – oder es ist eigentlich ausgeschlossen – dass an all diesen Orten Windräder aufgestellt werden, die im derzeitigen Rahmenprogramm als mögliche Standorte genannt wurden.”

3. und 4. Energiepaket
Island hatte im Jahr 1992 den EU-Vertrag zur Zusammenarbeit unterzeichnet, und seither insgesamt drei EU-Energierahmenverträge. Die Unterzeichnung des letzten, Energiepaket 3, war in der Bevölkerung bereits kritsiert worden, viele Menschen befürchteten, dass dies den Weg in ähnlich rapide steigende Strompreise wie in Norwegen bereiten würde.
Mit Unterzeichnung des vierten Energiepaketes würde Island am EU-Energiemarkt aktiv teilnehmen und grüne Energie auf den Kontinent liefern, wo man sich vertraglich verpflichtet hat, 40 % erneuerbare Energie zu nutzen, um das Pariser Abkommen erfüllen zu können. Eine Infrastruktur für solche Lieferungen – Seekabel auf den Kontinent u.ä. – ist noch nicht vorhanden. Kritiker sehen einen Ausverkauf voraus, sowie massiv steigende Strompreise für die Inselbewohner.
Bislang ist das 4. Energiepaket im Parlament noch nicht zur Sprache gekommen.

 

Linksgrüner schlägt Atomkraftwerk vor, um Debatte anzuheizen

Auf der Gemeinderatssitzung im ostisländischen Múlaþing ist gestern Abend der Vorschlag, die Möglichkeit eines Atomkraftwerk in der Gemeinde zu prüfen, mit sechs zu fünf Enthaltungen abgeschmettert worden. Die Idee stammte vom Gemeinderatsvertreter der Linksgrünen, Helgi Hlynur Ásgrímsson, und auch wenn sie sich vollkommen übertrieben anhöre, so gebe es da einen ernsten Hintergrund. Er habe vor allem eine Diskussion zu den Ideen für Windradparks im Land anzetteln wollen, berichtet Vísir.
“Ich wollte die Dinge in einen grösseren Zusammenhang bringen. Diese Windparkpläne, die es da gibt, die sind doch vollkommen irre. Da wird über unglaubliche Mengen und überall im Land geredet. Ich wollte daher die Frage aufwerfen, ob es nicht sinnvoller wäre, die Möglichkeit zu prüfen, ein Atomkraftwerk zu bauen, anstelle von tausenden von Windrädern, die den Leuten sehr unsichere Energie liefern würden.” erklärte Helgi Hlynur.
Sein Wunsch ging in Erfüllung, Helgi bekam seine Debatte im Gemeinderat. Am Ende wurde sein Vorschlag von der Ratsmehrhet abgelehnt, die Opposition enthielt sich der Stimme.

Wndparks sind “irre Ideen”
In den vergangenen Jahren habe die Gemeinde, so Helgi, mögliche Standorte für Windparks innerhalb der Gemeindegrenze prüfen lassen. Um die fünf Mio. ISK seien in diese Gutachten geflossen.
“Das sind irre Ideen, die es da gibt. Ich wollte eine Diskussion anstossen.” meint der Linksgrüne.
Die Energiedebatte sei in letzter Zeit machohaft und einzig nach Kriterien der ausländischen Konzerne geführt worden, welche Möglichkeiten witterten, in grossem Stil Windparks auf der Insel zu betreiben.

Wasserkraft wäre im Zugzwang
In Anbetracht des derzeitigen Strompreises in Island sollte allen klar sein, dass diese Rechnung wirtschaftlich nicht aufgehe.
“Und wie soll diese Verwindradung dann in Bezug auf das isländische Stromnetz funktionieren? Soll Landsvirkjun die Einspeisung in das Stromnetz für die ausländischen Unternehmen ausgleichen? Soll Landsvirkjun die Produktionskapazität seiner Wasserkraftwerke erhöhen, damit es möglich wird, die Produktion bei viel Wind zu reduzieren und bei Windstille zu erhöhen, und dafür Hunderte von Milliarden ausgeben? Oder ist etwa ein Kabel nach Europa geplant?“ sagte Helgu Hlynur in seiner Rede vor dem Gemeinderat.

Am Ende einigte man sich darauf, dass die Möglichkeit eines Atomkraftwerkes in Múlaþing nicht geprüft werde, denn niemand habe Interesse an solch einem Betrieb in der Gemeinde. Der Vorschlag wurde mit sechs Nein-Stimmen zu fünf Enthaltungen abgelehnt.

Windräder sollen in Island Strom für Grossbritannien produzieren

Ein ausländischer Investor will südöstlich von Island Meereswindparks mit einem Produktionsvolumen von 10 Gigawatt errichten, berichtet mbl.is. Die dort produzierte Windenergie soll dann per Seekabel nach Grossbritannien transportiert werden. Zu den Risiken von Windparks im Meer und ihren Auswirkungen auf die Meeresfauna gibt es in Island bislang keine Forschungen.

Mbl.is berichtet, dass norwegische Fischereiunternehmen in Norwegen Einwände gegen solche Projekte erhoben haben, und auch das norwegische Marineforschungsinstitut hat sich gegen die Errichtung von Windrädern in Laichgebieten ausgesprochen.
Beim isländischen Marineforschungsinstitut ist der Aktenordner zum Thema Lärmbelästigung für die Meerestiere allerdings leer, vielmehr verweist man dort auf Studien der Norweger und darauf, dass viele der Auswirkungen ja eher lokal zu finden seien.
Man sei der Ansicht, dass Windparks im Meer keine negativen Auswirkungen auf Fischbestände oder Merresäugetiere hätten, weil es darauf ankomme, wo der Windpark errichtet werde, wie gross das Bauprojekt ausfalle und welche Fischbestände man in dem Zusammenhang betrachte. In einigen Fälle sei es auch zu positiven Auswirkungen gekommen, wenn nämlich von Menschenhand geschaffene Strukturen Lebensräume für Arten schaffen, die man für optimal halten würde.
In einer Antwort von Hafro auf die Anfrage von mbl.is heisst es, dass Entscheidungen über den Bau von Windparks im Meer jedoch die Störungen und Auswirkungen berücksichtigen müssten, die solche Projekte verursachen können. Besonderes Augenmerk müsse den Migrationsrouten von Vögeln, Walen und Fischen geschenkt werden, sowie den Lebensräumen von Meereslebewesen und den Laichplätzen kommerziell genutzter Fischbestände.
Einem Aufbau von Windparks in isländischen Gewässern sollte daher eine Prüfung darüber vorausgehen, welche Auswirkungen sie auf Umwelt und Lebewesen haben würden, also ein Umweltgutachten, aber das sei ja für alle Bauvorhaben in dieser Grössenordnung notwendig.

Bislang interessieren sich noch nicht viele Unternehmen für die Errichtung von Windparks im Meer rund um Island. In diesem Fall handelt es sich um das Unternehmen Hecate Independant Power (HIP), die im Besitz der amerikanischen Hecate LLC und der britischen Independant Power Corporation (PLC) steht.

Sollte aus den Plänen etwas werden, dann will HIP zunächst mit der Errichtung von je 85 Windrädern in zwei Parks etwa 40 Kilometer vor der Südküste Islands beginnen und dort 2000 Megawatt produzieren. Der Strom fliesst per Seekabel nach Grossbritannien. Das Gesamtproduktionsvolumen des Projektes soll am Ende dann 10 Gigawatt betragen.

Neue interaktive Kraftwerkskarte veröffentlicht

Eine neue und aktualisierte Version der isländischen Naturkarte ist heute Mittag vom isländischen Umweltschutzbund Landvernd offiziell vorgestellt worden.

In einer Mitteilung von Landvernd heisst es, dass die Nachfrage in- und ausländischer Energieunternehmen nach den Energievorkommen des Landes so gross ist wie nie zuvor. Darüber hinaus wird in vielen Teilen des Landes daraufhingearbeitet, grosse Vorhaben für den Bau von Windparks durchzudrücken. Windparks stellten eine neue Bedrohung für die isländische Tierwelt, Natur und Umwelt dar, derer die Öffentlichkeit sich unbedingt bewusst sein müsse.

Die Naturkarte ist eine interaktive Karte, in der man einzigartige Regionen in Island findet, die wegen Kraftwerksplänen gefährdet sind. Die Karte zeigt Pläne für Wasserkraftwerke, Erdwärmekraftwerke und Windparks. Sie basiert auf dem isländischen Rahmenplan für Energiegewinnung und auf amtlichen Daten zu in Betrieb befindlichen Kraftwerken sowie weiteren Kraftwerksplänen. Auf der Karte kann man unter anderem Projekte sehen, die sich laut Rahmenenergieplan in der Nutzungskategorie, Wartekategorie und in der Schutzkategorie befinden.

Ausserdem sind alle grösseren Kraftwerke zu sehen, die bereits Energie produzieren. Es gibt zu jedem einzelnen Kraftwerk Fotos, Videos und Textbeiträge (auf isländisch) mit Informationen zu den jeweiligen Kraftwerken, die umliegende Natur, Planungsstand und mehr, sodass die Landsleute besser verstehen, um was es da eigentlich geht.
Die Karte soll fortwährend mit Daten ergänzt werden, die auch aus der Bevölkerung entgegen genommen werden, wie Landvernd schreibt.

Hier gibt es die Kraftwerkskarte.

 

Britisches Unternehmen will Windparks in isländischen Gewässern errichten

Das britische Unternehmen Hecate Independent Power Limited (HIP Atlantic) will Windparks vor den Küsten Süd- und Ostislands errichten, welche Grossbritannien per Seekabel mit Strom versorgen sollen. Mit dem isländischen Stromnetz sollen diese Windparks nicht verbunden werden. Das Unternehmen hat jedoch noch keinen Kontakt zu Islands Energiebehörde aufgenommen, welche das Projekt genehmigen müsste.

Einer Pressemitteilung des Unternehmens zufolge wären die Windparks um das Jahr 2025 fertiggestellt. “Entscheidend ist, dass die HIP Atlantic HVDC Übertragungskabel niemals an das isländische Übertragungsnetz anschliessen würde: die hochverfügbare Windkapazität wird ausschliesslich mit dem Vereinigten Königreich verbunden und über das nationale Netz verteilt.” heisst es in der Meldung. HIP betreibt bereits Windparks in der Irischen See und in der Nordsee.
Die Windparks in Island würden in unterschiedlichen meteorologischen Einzugsgebieten errichtet, um eine Stromversorgung zu gewährleisten, wenn die anderen Windkraftanlagen des Unternehmens mangels Wind still stehen.

Isländische Investition und 500 Arbeitsplätze
Die anfängliche Investition von isländischer Seite für die ersten 2000 MW der Pilotphase belaufen sich auf 2,9 Mio Pfund (3,3 Mio EUR) im Jahr 2021. Sie sollen dann bis 2025 auf 144 Mio. Pfund (166,6 Mio EUR) anwachsen. Das Unternehmen erwartet, dass das Projekt bis zu 500 Arbeitsplätze im Süden und Osten der Insel während der Pilotphase schaffen würde, und bis zu 15.000 Jobs in Grossbritannien.
Durchgeführt wird das Projekt durch Hecate Wind LLC, ein Tochterunternehmen des US-Unternehmens Hecate Holdings LLC, welches für die Entwicklung von erneuerbaren Energien steht. Unternehmensleiter ist Sir Tony Baldry, ein ehemaliger britischer Energieminister.

Beispielloser Plan in isländischem Hoheitsgebiet
Bislang hat es in der Geschichte keinen Fall gegeben, wo ein ausländischer Staat in isländischem Hoheitsgebiet Energie produziert und diese in sein eigenes Energienetz einspeist. Jónas Ketilsson, der Stellvertretende Leiter der isländischen Energiebehörde gab an, erst ein Unternehmen, die isländische North Tech Energy, habe in der Vergangenheit um eine Forschungslizenz ersucht, um auf dem Meer Energie zu produzieren, doch diese Lizenz sei im Jahr 2017 ausgelaufen.
“Verwaltungstechnisch kommt alles in Frage, und wir prüfen die Anträge so wie sie eingehen,” sagte Jónas dem Fréttablaðið auf die Frage, wie durchführbar solch ein Windpark in Island wäre. “Aber wir haben noch nie zuvor eine vergleichbare Anfrage erhalten. Da gäbe es allerhand zu prüfen.”

Er selbst hege Zweifel zur Wirtschaftlichkeit des von HIP angekündigten Projektes, vor allem in Anbetracht der Entfernung. “Windparks draussen auf dem Meer bergen versteckte Kosten, weil die Transportkosten an Land vom Stromverteilernetz getragen werden, und nicht vom Produzenten,” erklärt Jónas.
Das Unternehmen habe mit der isländischen Energiebehörde noch keinen Kontakt aufgenommen. Eine isländische Genehmigung ist Voraussetzung für die Durchführung des Projektes.

Seekabel nach Grossbritannien schon lange in Planung
Ein Seekabel, welches Strom von Island nach Grossbritannien transportiert, ist schon seit Jahren immer wieder Gegenstand von Verhandlungen gewesen. Zuletzt hatte im Jahr 20216 der damalige Premierminister Sigmund Davíð Gunnlaugsson mit seinem Amtskollegen David Cameron entsprechende Pläne besprochen, und der damalige Staatspräsident Ólafur Ragnar Grímsson hatte sich in Verhandlungen eingeschaltet. Auch der staatliche Energieversorger Landsvirkjun zeigte grosses Interesse an einem Seekabel, um in Island produzierten Strom im Ausland teurer verkaufen zu können. Bei diesem Seekabel würden jedoch stets isländische Unternehmen in isländischem Hoheitsgebiet als Stromproduzenten agieren.