Zehn Papageitaucher auf dem Weg in britischen Robbenschutzpark

Zehn Papageitaucher von den Westmännerinseln sind per Flugzeug ausser Landes gebracht worden und leben jetzt zusammen mit Seehunden in einem britischen Tierpark. Damit sind zum ersten Mal Exemplare der bunten Vögel regelrecht exportiert worden, berichtet Vísir.

Auswilderung verletzter Vögel nicht möglich
Auf den Westmännerinseln kümmert sich der Seetierpark Sea Life Trust unter anderem um verletzte Papageitaucher. Allerdings war das Gehege zuletzt so voll gewesen, dass eine Lösung her musste, zumal die Jungvogelsaison vor der Tür steht, wo immer wieder verletzte Vögel abgegeben werden. Zehn Papageitaucher aus dem Bestand wurden für den Transport nach Cornwall ausgewählt.
Tiergartenleiterin Þóra Gísladóttir bestätigt, dass der Transport keine kleine Angelegenheit gewesen ist. „Die werden von Island, den Westmännerinseln nach England in ein kleines Dorf im Süden gebracht. Wir hatten zuletzt 15 Papageitaucher, aber alle, die bei uns leben, können nicht auswildert werden. Die sind alle irgendwie krank und viele haben Augenverletzungen,“ erklärt Þóra. Wegen der bevorstehenden Jungvogelsaison musste Platz geschaffen werden.
„Der Robbenschutzpark, mit dem wir viel zusammenarbeiten, hat sich bereit erklärt, die Vögel aufzunehmen.“ Þóra zeigt sich zufrieden mit der Wahl, denn den Vögel gehe es ganz offenbar sehr gut in dem Tierpark in Cornwall.

Jagd auf gefährdete Vögel
Auf den Westmännerinseln werden Papageitaucher einer alten Tradition folgend immer noch gejagt. Die Jagdsaison erstreckt sich dem Gesetz nach vom 1. Jujli bis 15. August, im letzten Jahr war die Jagd allerdings nur vom 1. bis 15. August gestattet worden. Jäger waren angehalten worden, Rücksicht auf den Bestand zu nehmen, ausschliesslich für sich selbst zu fangen und keinesfalls mehr als 100 Vögel zu töten.
Das Naturbüro Südisland hatte im vergangenen Jahr empfohlen die Vogeljagd auszusetzen. In einem Schreiben hatte es gehiessen, der Umwert- und Planungsausschuss haben die Jagd jeodch beschränkt erlaubt. Das Naturbüro wies auf den Bestandsrückgang von 70% seit 1995 hin und bezeichnete die Papageitaucherjagd als nicht nachhaltig. Bei der IUCN ist der Papageitaucher in der roten Rubrik als “vulnerable” (gefährdet) zu finden.
In früheren Zeiten waren Seevögel wie der Papageitaucher oder Alkenvögel eine willkommene Abwechslung der oftmals eintönigen und kargen Kost. Heute gelten Papageitaucher in Restaurants als Delikatesse.

Frischwasserleitung nach Heimaey beschädigt

Die Wasserleitung vom Festland zu der bewohnten Westmännerinsel Heimaey ist am vergangenen Freitag beschädigt worden. Auf einem Abschnitt von 50 Metern leckt es an zwei Stellen aus der Wasserleitung. Der Schaden ereignete sich im östlichen Teil des Hafens am Heimaklettur, als sich der Anker eines Fangschiffes in der Leitung verfing, die gleich neben dem Unterseestromkabel liegt. Taucher hatten das Leck fotografiert. Die Bilder sind an den ausländischen Hersteller der Wasserleitung geschickt worden, mit der Bitte um Reparaturvorschläge. Der Vorfall wurde als sehr ernst bezeichnet.

Die 15,5 Kilometer lange Unterwasserleitung kann 110 Liter Wasser pro Sekunde transportieren und versorgt den Ort mit Trinkwasser, ausserdem wird die Wärmepumpe zur Beheizung der Gebäude damit betrieben. Der Energiekonzern HS Orka betreibt die Leitung und Wasserversorgung, die Leitung selbst befindet sich jedoch im Besitz der Gemeinde.

Erst in diesem Sommer hatte der Staat eine Willensbekundung unterzeichnet, nach der man sich an der Finanzierung einer zweiten Wasserleitung beteiligen wolle. Die beschädigte Wasserleitung stammt aus dem Jahr 2008 und war ohnehin reparaturbedürftig. In der Erklärung aus dem Juli hatte es unter anderem gehiessen, dass die Gemeinde der Westmännerinseln und der Zivilschutz der isländischen Polizei darauf aufmerksam gemacht hätten, dass es zu einem Notstand kommen könne, falls die Wasserleitung zur Insel berste.
RÚV berichtet dass es wetterbedingt nicht möglich war, weitere Unterwasserfotos aufzunehmen, die vom ausländischen Hersteller angefordert wurden. Mit einem Schadensgutachten daher wird nicht vor Freitag gerechnet.

Der Wasserdruck nach Heimaey ist nicht beeinträchtigt, weil mit Überdruck gepumpt wird. Meerwasser kann RÚV zufolge nicht in die im Meeresboden verlegte Leitung eindringen. Einmal pro Jahr wird der Zustand der Wasserleitung überprüft, in diesem Sommer hatte man sie auf weitere 15 Jahre für tauglich befunden.
Bürgermeisterin Íris Róbertsdóttir sagte RÚV gegenüber, die Verhandlungen um den Kauf einer neuen Wasserleitung seien weit gediehen, aber noch nicht in trockenen Tüchern. Nach einer Unterschrift müsse man weitere 18 Monate warten, bis man die Leitung verlegen könne. Die Verlegungsarbeiten können nur in den Sommermonaten durchgeführt werden.

Þjóðhátíð: Zum Volksfest mit 139 Jahre altem Segelboot

Die wohl ungewöhnlichste Reise zum Volksfest Þjóðhátið auf den Westmännerinseln haben 18 Skipper auf einem 139 Jahre alten Segelboot hinter sich gebracht: Kári Jakobssen auf Vogi auf der färöischen Insel Suðurey segelte mit Skippern im Alter zwischen 25 und 86 Jahren durch den Nordatlantik, um auf Heimaey mit Isländern zu singen und zu feiern, berichtet mbl.is.

„Der Jüngste an Bord ist 25 Jahre alt, der älteste ist 86. Die meisten an Bord sind im Pensionsalter,“ erzählt Kári, der selbst 77 Jahre zählt und in Begleitung seines 55 jährigen Sohnes und 25 jährigen Enkels reist.
„Ich bin oft auf die Westmännerinseln gereist, weil ich meine Frau dort kennengelernt habe. Zum ersten Mal bin ich 1962 dorthin gereist, dann 1965 als Fischer und blieb bis zum Oktober. Ein Jahr später kam ich wieder als Fischer und lernte meine Frau kennen und wir lebten fünf Jahre lang dort, bevor wir auf die Färöerinseln umzogen.“

‘Johanna’ segelt zum dritten Mal nach Heimaey
Nicht zum ersten Mal segelt er auf dem Segelboot ‘Jóhanna’ auf die Inseln, schon in den Jahren 2013 und 2019 war er mit diesem alten Schiff zum Volksfest gesegelt. Aber in dieses Mal hatte er mehr Leute an Bord, und manche von ihnen waren noch nie auf die Westmännerinseln gekommen. Als sie hörten, wieviel Spass man dort beim Volksfest haben kann, hätten sie sich für die Mitfahrt angemeldet, erzählt Kári. Denn, so sagt er, die Leute von den Färöerinseln würden so gerne bei den sogenannten ‘brekkusöngur’, dem Gesang in den Grashügeln, zuhören und andere Besucher in den weissen Zelten treffen, und man sei dort immer gerngesehener Gast.

Heissgeliebtes Volksfest
Das Volksfest Þjóðhátíð findet an diesem Wochenende, dem Kaufmannswochenende, in Heimaey auf den Westmännerinseln statt.  Jedes Jahr machen sich tausende „Festlandsisländer“ auf den Weg zum Hafen nach Landeyjar, um mit der Fähre auf die Insel zu fahren und dort in der Naturbühne Herjólfsdalur zu zelten und Live-Musik zu hören. Für viele Isländer ist dieses Volksfest, das gemeinsame Singen am Samstagabend und das nächtliche Feuerwerk ein Höhpunkt ihres Sommers.

Das erste Volksfest war im Jahr 1874 auf Heimaey abgehalten worden, um die 1000-Jahrfeier der Besiedelung zu begehen – und die Tatsache, dass Island seine erste Verfassung vom dänischen König erhalten hatte. Seit 1901 ist das Fest ein alljährliches Ereignis. In den Anfangsjahren spielten sportliche Wettkämpfe noch eine grosse Rolle, wie das Rudern oder die isländische Kampfsportart Glíma. Selbst im Jahr 1973, als der Vulkan auf Heimaey ausbrach und das Herjólfsdalur unter Asche begrub, wurde ein kleines Fest abgehalten, diesmal an anderem Ort und vor allem für die Einsatzkräfte, die die Insel von der Asche reinigten. Manche Riten haben sich bis auf den heutigen Tag gehalten, wie etwa die gemeinschaftliche Verkleidung von Besuchergruppen, und natürlich die jährliche Hymne, die in diesem Jahr von Emmsje Gauti komponiert und gesungen wurde.

Verkehrsbehinderungen möglich
Die Fähre nach Heimaey ist oft Wochen vorher schon ausgebucht, und das Busunternehmen Strætó bietet Extrafahrten von Reykjavík zum Hafen. An den An- und Abreisetagen muss am Festland mit erhöhtem Verkehrsaufkommen und Alkoholkontrollen gerechnet werden.
Für alle, die nicht vor Ort sein können, gibt es einen Livestream.

 

Neue Wasserleitung für Westmännerinseln mit staatlichem Zuschuss

Gestern haben Staat und die Kommune der Westmännerinseln eine Absichtserklärung unterzeichnet, nach der der Staatshaushalt sich an der Verlegung einer neuen Wasserleitung auf die Inseln finanziell beteiligt. Bislang gibt es nur eine Wasserleitung, die Frischwasser vom Festland nach Heimaey pumpt. Doch ist die in die Jahre gekommen und reparaturbedürftig. Nun steht die Verlegung einer neuen Leitung an, um die Sicherheit der Inselbewohner zu gewährleisten.

Bürgermeisterin Íris Róbertsdóttir sagt, die staatliche Unterstützung habe eine grosse Bedeutung. “Das ist eine Zivilschutzoperation. Das ist ein grosser Schritt, eine neue Wasserleitung zu verlegen und den Leuten auf den Westmännerinseln entgegenzukommen.” Dabei gehe es darum, sicherzustellen, dass es auf der Insel nicht zu einer Notlage der öffentlichen Sicherheit komme.
Auf den Westmännerinseln gibt es kein Trinkwasser, das für die Versorgung der Bevölkerung genutzt werden kann, das gesamte Wasser muss vom Festland herübergepumpt werden.

Der Staat will bis zu 80% der Kosten tragen, die die veranschlagte Gesamtsumme von 1,2 Mrd. ISK übersteigen, jedoch nicht mehr als 800 Mio. ISK. Dieser staatliche Zuschuss war seit etwa einem Jahr geprüft worden. Infrastrukturminister Sigurður Ingi Jóhannsson sagte RÚV gegenüber: “Natürlich sind die Gemeinden für die Wasserversorgung von Bewohnern und Unternehmen verantwortlich, aber am Ende wird dann der Staat mit einer Unterstützung von etwa 80% der Mehrkosten dazukommen.”

Emmsjé Gauti veröffentlicht Þjóðhátið-Song 2023

National Festival

Der isländische Musiker Emmsjé Gauti ist auserkoren worden, das diesjährige Lied für das Nationalfest Þjóðhátíð auf den Westmännerinseln zu komponieren. Das Lied, Þúsund hjörtu (1000 Herzen), wurde heute mit dem dazugehörigen Musikvideo veröffentlicht.
“Manchmal sind da Dinge, die einfach funktionieren, und in diesen Fällen solltest du nicht zuviel rummachen, sondern einfach – sie mehr von dir selbst machen,” meinte Gauti Þeyr Másson, der unter den Namen Emmsjé Gauti bekannt geworden ist, Vísir in einem Interview.

“Ich denke, jeder, der mit diesem Projekt betraut wird, will da etwas anderes schaffen, aber es gibt da bestimmte Formeln.” erklärt er. Die Arbeit an dem Lied habe ihm viel Spass gemacht. “Wir haben einen nationalen Song komponiert, der ganz in unserem Stil gehalten ist.”
Text und Musik stammen von Emmsjé Gauti, produziert wurde das Lied von Þormóður Eiríksson. Als Co-Autor zeichnet Jón Ragnar Jónsson verantwortlich. Die drei Chöre im Song setzen sich aus dem Männerchor der Westmännerinseln, dem Frauenchor der Westmännerinseln und dem Chor Fjallabræður zusammen.
Das Volksfest auf den Westmännerinseln wird seit dem Jahr 1874 gefeiert, im Andenken an die Besiedlung Islands. Jedes Jahr kommen tausende auf die Insel und feiern die ganze Nacht im Talkessel der Vulkaninsel.

Schlechte Fährbedingungen für Herjólfur

Herjólfur ferry

Die Westmänner-Fähre Herjólfur hat in diesem Jahr nur an wenigen Tagen den Hafen Landeyjarhöfn anlaufen können. Im Januar waren es 34 Fahrten gewesen, im Vorjahr war sie zum Vergleich 286 Mal von dort auf die Insel gefahren. Fachleute prüfen, wie man die Bedingungen im Hafenbecken verbessern und die Zahl der fährtauglichen Tage erhöhen kann. Ausserdem wird ein staatlicher Zusschuss für die Flugverbindung zur Insel geprüft.
Diese Informationen gehen aus der Antwort von Infrastrukturminister Sigurður Ingi Jóhannsson auf die Anfrage einer Abgeordneten der Volkspartei hervor.
Vor dem Bau des Hafens im Jahr 2008 hatte die Fähre zwischen Heimaey und Þorlákshöfn verkehrt, und diese Route wird auch weiter genutzt, wenn Landeyjarhöfn unzugänglich ist.

Viel Sand und ungünstige Brandung
Dem Schreiben zufolge sei die neue Herjólfur in 2021 fast immer nach Fahrplan auf der Route Landeyjarhöfn verkehrt, oder in 90 Prozent aller Fälle. Das Baggerschiff seit seit Ende März dabei, den Sand aus dem Hafenbecken abzubaggern und benötige noch einige Tage, um die Zufahrtsrinne mit ausreichender Tiefe zu versehen. In den ersten drei Monaten diesen Jahres sei die Meeresbrandung ungünstig ausgefallen, es habe die Hälfte der Zeit Wellen von drei Metern gegeben. Das Baggerschiff kann jedoch seine Arbeit nicht ausüben, wenn die Wellenhöhe über 1,5 Metern misst. Auch die Fähre kann bei hoher Sandbelastung den Hafen nur bei Flut und Wellen unter drei Metern anlaufen. Dennoch sei die Ausnutzung des Hafens in den vergangenen drei Jahren besser gewesen als vorher.
In den vergangenen zwei Jahren hatte das Infrastrukturministerium auch einen Mindestflugverkehr auf die Insel bezuschusst. Wegen der Hafensperrung seien Zusatzflüge gewährt worden, weitere Massnahmen befinden sich in Arbeit.

Versandungsproblematik war bekannt
Die Diskussion um Landeyjarhöfn ist so alt wie der Hafen selber. Die kürzere Fährzeit (30 Minuten statt 3 Stunden von Þorlákshöfn) wurde jedoch teuer erkauft, denn das Hafenbecken in der Mündung des Gletscherflusses Markarfljót versandt beinahe schneller als gebaggert werden kann. Hinzu kommt vor der Küste häufig heftiger Wellengang aus Ost, der die Fähre ungünstig von der Seite erwischt, während sie es von Þorlákshöfn aus mit den Wellen von vorne aufnimmt.
Stundin berichtete vor drei Jahren, die Versandungsproblematik sei vor dem Bau bekannt gewesen, zwei dänische Wissenschaftler hätten in ihrem Gutachten darauf hingewiesen. Ihre Warnungen seien jedoch vom Hafenbauunternehmen ignoriert worden, und seitdem hat Island einen teuren Hafen, der nur manchmal in Betrieb ist.

Gute Brutsaison für Islands Papageitaucher

In der diesjährigen Brutsaison ist eine hohe Zahl von Papageitaucherküken gezählt worden. Am augenfälligsten ist der Brutboom auf den Westmännerinseln, wo die Küken ihr Gewicht haben verdoppeln können. Unter anderem gibt es in diesem Jahr mehr Futter für die bunten Vögel, sagte der Ornithologe Erpur Snær Hansen in einem Gespräch mit Iceland Review.

Fünffach höhere Überlebenschance für schwerere Küken
“Die Brutsaison ist im ganzen Land sehr gut verlaufen, und es ist schön zu sehen, wieviele Küken es gibt,” sagt Erpur. Auf den Westmännerinseln leben fast 40 Prozent aller isländischen Papageitaucher. In den vergangenen 15 Jahren war die Zahl der Vogelart um 44 Prozent zurückgegangen. “Eine starke Brutsaison hat da grosse Auswirkungen, wenn es zuvor viele schwierige Jahre gegeben hat. Auf den Westmännerinseln gibt es dieses Jahr um die 700.000 Papageitaucherküken, von denen die allermeisten überleben werden.”

Besonders erfreut ist er über das Gewicht der Küken. Papageitaucherküken können zu Beginn der Brutsaison 200 bis 250 Gramm wiegen. In diesem Jahr wurde das erste Küken mit 359 Gramm gewogen, das schwerste brachte rekordverdächtige 429 Gramm auf die Waage. Gewicht kann der alles entscheidende Faktor beim Überleben sein, erklart Erpur. Ein 350 Gramm schweres Küken hat viel mehr Chancen, seinen ersten Winter zu überleben als ein 250 Gramm schweres Küken. Diese Küken dürften also ihren ersten Winter fast alle überleben.

Einer der Gründe für den guten Zustand der Jungvögel ist der bessere Zugang zu Futter. “Es gibt Sandaal und auch eine Menge nordischen Krills,” erklärt Erpur. In den Jahren seit 2005 hatte es vor allem entlang der Südküste nur wenig Sandaal gegeben, auch wenn der nordische Krill die Jungvögelzahlen seit 2017 wieder hatte ansteigen lassen.
Krill und Sandaal fressen Plankton, welches aus der Algenblüte im Frühjahr stammt. Vor der Südküste setzt die Algenblüte seit etwa 15 Jahren später als sonst ein. “Um das Jahr 2005 begann die Alge zwei Wochen später mit der Blüte als gewöhnlich. Wir wissen noch nicht, warum das so war, aber in diesem Jahr begann die Blüte früher und zu einer Zeit, die wir als normal bezeichnen würden. Das scheint ausgesprochen positive Auswirkungen auf den Sandaal zu haben.”

Kleine Temperaturunterschiede, grosse Auswirkungen
Auch die Meerestemperatur spielt eine Rolle. Erpur erklärt, dass sie an der Südküste in den vergangenen 35 Jahren zwischen warmen und kalten Perioden gewechselt hat. Zur Zeit befindet sich das Meer in einer Wämeperiode, die 1996 begann. Der Papageitaucherbestand entwickelt sich besser in kälteren Perioden, auch wenn nicht die Temperatur selbst der ausschlaggebende Faktor ist.
“Während der kalten Periode gibt es mehr Meerestiere in isländischen Gewässern, es gibt mehr Nährstoffe im Meer, die Fische werden grösser und insgesamt gibt es mehr Futter. Wir sehen, dass es während dieser Perioden, wo das Meer kälter ist, viel mehr Papageitaucherküken gibt.”

Neuste Forschungen, die diese warmen und kalten Zyklen bis in das Jahr 1880 untersucht haben, zeigen auf, dass selbst kleinste Veränderungen der Meerestemperatur grosse Auswirkungen auf die Brutsaison der Papageitaucher hat. “Wir sehen, dass bei der jährlichen Durchschnittstemperatur von 7 Grad nur ein einziger Grad weniger oder mehr ausreicht, um den Kükenbestand der Papageitaucher um 55 Prozent sinken zu lassen. Und das passiert eigentlich bei allen isländischen Seevögeln.”

Auch wenn der Papageitaucher immer noch gefährdet ist, hat er sich doch in den vergangenen Jahren erholen können. “Das hängt vor allem davon ab, wie es auf den Westmännerinseln läuft, wo der Bestand die grösste Fluktuation gezeigt hat. Wir hatten jetzt ein paar gute Jahre, aber jetzt müssen wir mal abwarten, ob sich das weiter fortsetzt.”

Belugawale geniessen ersten Schwimmausflug im Meer

Beluga whales Little White & Little Grey take their first swim in their Beluga Whale Sanctuary home in Iceland

Die beiden Belugawale Little Grey und Little White, die im letzten Jahr aus China auf die Westmännerinseln umgezogen waren, haben erste Schwimmzüge in ihrem neuen Meerwasserbassin in Klettsvík unternommen. Die Erkundungstour erfolgte unter den wachsamen Augen ihrer Pfleger und war Teil eines schrittweisen Freilassungsprogramms, welches unter dem Namen “Kleine Schritte” läuft.

Die beiden Schwestertiere sind in Gefangenschaft aufgewachsen und können daher nicht ganz in die Wildnis entlassen werden. Vor ihrer Ankunft in Island im letzten Jahr hatten sie im Zementbecken eines Shanghaier Vergnügungspark ihr Dasein gefristet. Bei ihrem Umzug nach Island reisten die beiden Wale mit dem Flugzeug, Lastwagen und mit Fährschiffen, und aus der ganzen Aktion ist nun auch eine TV-Dokumentation entstanden, die im Oktober auf ITV gezeigt wird.

“Wir sind erfreut, dass Little Grey und Little White die Bucht nun erkunden und sich an ihre neue, natürliche und stimulierende Umgebung gewöhnen,” sagte Cathy Williamson vom Wal- und Delphinschutz, einer der vielen Organisationen hinter der Schaffung des Reservats.
“Wir stellen nicht nur für Little Grey und Little White ein spannendes Zuhause, wir freuen uns auch darauf, andere Belugawale aufzunehmen und fördern die Entwicklung von Reservaten in anderen Teilen der Welt. Wir hoffen dadurch, dass viele der mehr als 3500 Wale und Delphine, die für Shows und Schwimprogramme in Gefangenschaft gehalten werden, in solche Reservate gebracht werden können, um ein natürlicheres Leben zu führen, oder auf eine Entlassung in die Wildnis vorbereitet werden können.”

Auf der langen Reise von Little Grey und Little White hatte es so manche Herausforderung gegeben: vor dem Transport mussten die beiden Wale etwa ein strenges Übungsprogramm durchlaufen, um sie an die Bedingungen in ihrem zukünftigen Zuhause zu gewöhnen. Seit ihrer Ankunft in Island hatten sie zur Eingewöhnung in den Becken des Reservates gelebt. Im August waren sie in Meerwasserbecken in der Bucht umgezogen, ein weiterer Schritt auf dem Weg in ihr endgültiges neues Zuhause, wo sie nun angekommen sind.

Im Video sieht man die beiden Schwestern in der Bucht Klettsvík und die Ausmasse der neuen Wal-Heimat.

Westmännerinseln wurden durch COVID-19 kalt erwischt

Bewohner der Westmännerinseln sagen, die dort grassierende Gruppeninfektion mit COVID-19 habe die Leute so richtig kalt erwischt. Alle kennen jemanden, der sich mit dem Sars-COV2 Virus angesteckt hat. Auf den Westmännerinseln war das Zusammenkommen einen Monat lang auf 10 Personen beschränkt gewesen, und nach Aussage der Bürgermeisterin wurde die Anweisung befolgt.

Etwa 19 Prozent aller Bewohner der Westmännerinseln sind zu irgendeinem Zeitpunkt der Epidemie entweder in Quarantäne oder in Isolierung gewesen.
“Das hat die Leute kalt erwischt,” sagt Sigurbjörg Sæunn Guðmundsdóttir. “Von jetzt auf gleich wurden so viele Leute zur gleichen Zeit krank. Da gab es hier in der Stadt zeitgleich viele Ansteckungsfälle.” Jeder würde jemanden kennen, der krank geworden ist, da sich ja alle kennen.
“Wir stehen einander so nahe. Wir laden uns oft gegenseitig zum Essen ein und sowas. Deswegen glaube ich, dass sich das so schnell ausgebreitet hat.” sagt auch Óskar Örn Ólafsson.

Die Zusammenkunftsbeschränkung auf maximal 10 Personen galt auf den Inseln für insgesamt vier Wochen, in der letzten Woche war die Zahl auf 20 Personen erhöht worden.
Man könne die reiheitsbeschneidung kaum besser umsetzen. “Die Leute haben sich fast immer an die Empfehlungen gehalten,” bestätigt die Leiterin der Inselpolizei, Páley Bergþórsdóttir RÚV gegenüber. “Wir haben einige Meldungen erhalten, dass Leute die Quarantäneregeln und andere Gebote brechen. Aber das passierte nur in wenigen Fällen und oft war es dann doch ein Missverständnis.”
Insgesamt laufe das alles hervorragend, auch die Kinder hätten alte Spiele neu entdeckt, die sie mit ihren Geschwistern spielten. Etwas Gutes habe die Lage so ja doch.

“Aber das hat uns schon auch so richtig zu Boden geschlagen,” findet Íris Róbertsdóttir, die Bürgermeisterin der Inseln.
Erlingur Bjarni Einarsson hat die Krankheit als Schock erlebt. “Man sah das den Leuten an, wie sie sich in Acht nahmen. Man trifft Leute und die machen einen Bogen um dich. Und das ist nicht weil du schlecht riechst,” sagt er.
Auch auf den Westmännerinseln hatte das Genforschungsinstitut eine Reihentestung durchgeführt und fast 100 Infektionsfälle festgestellt.

Strombetriebener Fährverkehr nach Heimaey

Herjólfur ferry

Die Fähre Herjólfur, die die Westmännerinseln mit dem Hafen Landeyjarhöfn auf dem Festland verbindet, ist heute morgen zum ersten Mal nur mit Strom betrieben worden, berichtet RÚV.

Vor einem Jahr hatte die Regierung 830 Mio. ISK bereitgestellt, um leistungsstärkere Batterien und Verbindungsausrüstung für die Ladestation zu finanzieren, damit der Fährverkehr zwischen Heimaey und dem Festland zukünftig ausschliesslich per Strom betrieben werden kann.

Das lief unglaublich gut. Wir sind die anderen drei Fahrten von den Westmännerinseln heute auch nur mit Strom gefahren. Da wir in Landeyjarhöfn nicht laden können, mussten wir für die Rückfahrt den Dieselmotor in Betrieb nehmen. Das verspricht Gutes, und gute Dinge passieren eben langsam,” äusserte sich Kapitän Sigmar Logi Hinriksson begeistert.

Der Wechsel von Diesel auf Strom bringe nur geringe Veränderungen für den Schiffsführer und die Passagiere mit sich.

Das ist natürlich sehr bequem, wenn keine Maschine läuft. Da gab es immer so eine Vibration, wenn auch sehr gering. Mit dem Strom ist auch das verschwunden. Das ist ein Vorteil,” findet der Kapitän.