Strassenbau in den Westfjorden: aus Asphaltbrösel wird wieder Schotterpiste

Der Vestfjarðavegur Nr. 60, die Strasse die durch die Dalir und die Region Reykhólarsveit führt, ist in einem so schlechten Zustand, dass die isländische Strassenverwaltung entschieden hat, den Asphalt streckenweise abzutragen und eine Schotterpiste zu glätten. Der Gebietsleiter der Behörde sagte RÚV, im Frühling bestehe für zahlreiche weitere Strassen die Gefahr, dass sie unbefahrbar würden.

Asphalt zerbröselt mit dem Tauwetter
Die alten Strassen können den steigenden Schwerlastverkehr von und in die Westfjorde nicht bewältigen. Pálmi Þór Sævarsson meint, für eine solche Massnahme müsse die Strasse schon wirklich schlecht aussehen. „Das ist natürlich eine absolute Notlösung. Der Zustand hat sich so verschlechtert, dass dort tiefe Löcher entstanden und der Asphalt zerbröselt ist. Dann lösen sich grosse Brocken, die für den Verkehr sehr gefährlich sind.“ Diese Strassenschäden seien in kurzer Zeit entstanden. „Es hatte dort lange Frost geherrscht, und dann gab es ein paar Mal plötzliches Tauwetter. Da hat sich das völlig zerlegt.“
Eine Asphaltdecke kann nicht vor dem Sommer verlegt werden. Derzeit schaut sich die Behörde den Strassenzustand von der Brattabrekka zur Brücke über den Þorskafjörður an. „Das bereitet uns grosse Sorgen, wie es dort weitergeht. Das sind ja nicht die einzigen Abschnitte, die so schlecht aussehen.“ Bis zum Sommer vergehe noch einige Zeit, in der es abwechselnd gefriere und taue, das stelle für viele Strassen in den Westfjorden ein Problem dar.

16 LKW-Transporte mit Lachs pro Tag
Das Strassennetz in Islands äusserstem Nordwesten ist durch die verstreuten Einzelhöfe riesig, aber für den Individualverkehr früherer Zeiten konzipiert, ganz anders als sich die heutige Verkehrssituation darstellt. „Das sind alte Strassen, die da in grossem Stil Schwerlastverkehr bewältigen müssen. Wir schaffen das gar nicht, die so instandzuhalten, wie wir müssten,“ sagt Pálmi. Die Kosten für die Auffüllung der Schlaglöcher hätten sich in den letzten Jahren verfünffacht, zusammen mit der erhöhten Arbeitsbelastung.

Auch das Geld vom Staat reiche bei weitem nicht aus, wenn durch die Schwerlasstschäden gleich soviele Strassenabschnitte auf einmal zerstört würden. „Als ich hier vor acht Jahren bei der Strassenverwaltung angefangen habe,“ erzählt Pálmi, „da fuhren hier nur ganz wenige Autos. Jetzt sind das rund 16 LKW pro Tag, wenn zum Beispiel die Lachse geschlachtet werden.“

Kaputter Asphalt auf Snæfellsnes
Als klar wurde, wie der Strassenzustand aussieht, setzte die Behörde eine Maximalbelastung von 10 Tonnen fest. Damit können die Transporteure nun weniger Ladung aufnehmen. In den Dalir wurde die Achslast auf sieben Tonnen verringert, damit kam der Weg für kaum noch einen Transport in Frage. Die Transporteure wichen auf andere Strassen aus, wie durchs Djúpið, oder den Innstrandavegur, oder sie nahmen die Fähre Baldur über den Breiðafjörður nach Stykkishólmur.
Für den Schwerlastverkehr wurden dazu die Fährenabfahrten erhöht. Aber rund um Stykkishólmur sieht es auf den Strassen auch nicht besser aus, sagt Pálmi. „Die ersten Kilometer aus Stykkishólmur heraus sind kaputt. Auf Snæfellsnes in Richtung Borgarnes ist die Strasse in schlechtem Zustand und müsste ausgebessert werden.“

Lachsfabriken brauchen Islands Strassen
Die Lebensmittelhersteller in den Westfjorden, allen voran die grossen Lachszuchtfabriken, benötigen das Strassennetz, um ihre Waren zum Verbraucher bringen zu können. Aber natürlich müssen auch Lebensmittel wie Milchprodukte, Obst und Gemüse, sowie Waren des täglichen Bedarfs von Reykjavík aus in die Westfjorde transportiert werden, weil das isländische Warenversorgungsnetz im Hauptstadtbereich zentralisiert ist. So reisen etwa Milchprodukte der Molkerei Arna aus Bolungarvík nach Reykjavík und von dort aus zurück in die Supermärkte von Ísafjörður und Bolungarvík.
Linda Gunnlaugsdóttir vom Fischzuchtunternehmen Arnarlax in den Westfjorden kritisiert, der Strassenzustand verursache Zusatzkosten, zusätzliche Reparaturen und Unfallgefahren.
Pálmi findet es schlimm, die nötige Dienstleistung nicht für die erbringen zu können, die die Strassen benutzen müssten. „Es ist wirklich traurig, dass wir bei diesem Aufbau, der im ganzen Land stattfindet, sowohl in den Westfjorden als auch in Snæfellsnes, nicht mithalten können.“

Zuchtlachs: Polizei ermittelt wegen entkommener Fische in den Westfjorden

aquaculture farm iceland

Die Lebensmittel- und Veterinaraufsichtsbehörde MAST hat im Fall der mutmasslichen Fischflucht beim Lachszuchtkonzern Arctic Sea Farm eine polizeiliche Ermittlung angefordert. Dem Unternehmen wird ein Verstoss gegen die Fischzuchtbestimmungen zur Last gelegt.
Konkret geht es um aus dem offenen Meeresgehege entwichene Zuchtlachse im Kvígindisdalur im Patreksfjörður, nachdem dort im Sommer zwei Löcher in den Netzen festgestellt worden waren. Angler hatten in bekannten Lachsflüssen im Westen und Norden Dutzende von Zuchtlachsen an der Angel gehabt. Eine Zählung im Meeresgehege ergab, dass dort von 73.000 Zuchtlachsen 3500 Exemplare fehlten.
“Gemäss Art. 22 des Fischzuchtgesetzes drohen Vorstandsmitgliedern und Geschäftsführern des Lizenzinhabers Geldstrafen oder eine Haft von bis zu zwei Jahren, wenn es sich um einen schweren Verstoss handelt, wenn Zuchtfische aus einer Zuchtanlage entweichen, wo die Ausrüstung für die Fischfarm aufgrund vorsätzlicher oder fahrlässiger Handlungen oder Unterlassungen zu wünschen übrig lässt,“ heisst es in einer Mitteilung von MAST.
Die Polizeidirektion in den Westfjorden ermittelt in der Angelegenheit, MAST zufolge erteilt das Büro derzeit keine weiteren Informationen.

Taucher durchkämmen Flüsse
Derweil befinden sich im Fluss Ísafjarðará zwei norwegische Taucher, die dort nach Zuchtlachsen suchen und sie per Harpune töten. RÚV berichtet, die Taucher seien von einem norwegischen Unternehmen geschickt worden. In Norwegen durchkämme man jedes Jahr mehr als 100 Flüsse auf diese Weise, um sie von Zuchtlachsen zu reinigen. Die Problematik von entwichenen Zuchtlachsen in die Wildnis, die von den vor allem norwegischen Lachszuchtkonzernen in Island lange vehement bestritten worden war, ist im Mutterland der Konzerne also wohl bekannt.
MAST hatte im Sommer zahlreiche aus westfirdischen Flüssen geangelte Lachse genetisch bestimmt und in den allermeisten Fällen Zuchtlachse gefunden.

Keine weiteren Lizenzen
Gestern hatte die isländische Regierung angekündigt, vorerst keine weiteren Lizenzen für meeresgestützte Lachszucht auszugeben, nachdem die Industrie in den vergangenen Jahren stark angewachsen war. Der Exportwert von Zuchtlachs hatte im Jahr 2014 bei 1,4 Mrd ISK gelegen, letztes Jahr waren er auf 40,5 Mrd ISK gestiegen. Gleichzeitig ist der Export von Zuchtlachs um das 26-fache gestiegen, von 1.460 Tonnen auf 38.840 Tonnen.
Grösster Kunde für den industriell hergestellten Speisefisch aus isländischen Gewässern war im letzten Jahr die USA mit einem Gegenwert von rund 9,4 Mrd ISK. Auf Platz zwei folgten die Niederlande mit 7,3 Mrd ISK, gefolgt von Polen, Dänemark, Frankreich und Grossbritannien.
Die Zahl der Beschäftigten in der Lachszuht hat sich in Island von 309 Personen im Jahr 2014 auf 685 im Jahr 2022 erhöht.

Rechnungshof monierte das Fehlen von Kontrolle
In einem Bericht des nationalen Rechnungshofes zu Jahresbeginn waren Verwaltung und Kontrolle in der Lachszucht als schwach und fehlerhaft moniert worden. Geänderte Bestimmungen seien nicht befolgt worden, dafür sei die Branche unkontrolliert gewachsen, und der Aufbau von meeresgestützen Zuchtbecken sei beinahe diskussionslos und ohne Reaktion der Politik vonstatten gegangen. Unternehmen hätten Zuchtgewässer langfristig gratis zur Verfügung gestellt bekommen, und Zuchtbecken seien zu dicht an Schifffahrtsrouten und entlang von Telekommunikations- und Stromkabeln aufgesetzt worden.
In den Westfjorden verfügen die Lachskonzerne über Lizenzen für die Zucht von 53.000 Tonnen Lachs, in den Ostfjorden sind es 43.800 Tonnen.

Seuchen und Fischsterben
Auch Krankheiten tauchten in den letzten Jahren auf, nachdem der isländishe Zuchtlachs lange als ausgesprochen gesund und parasitenfrei vermarktet worden war. Im letzten Jahr hatten im Berufjörður und im Reyðarfjörður alle Lachse in den Becken geschlachtet werden müssen, weil sich dort die infektiöse Fischanämie ISA ausgebreitet hatte. An dieser Virusinfektion erkrankte Fische sind für den menschlichen Verzehr nicht geeignet. MAST hatte seinerzeit behauptet, an ISA leidender Zuchtfisch sei durchaus essbar. Das Virus kann im Meerwasser überleben und sich auf andere Bestände übertragen.
Der Fachtierarzt für Fischkrankheiten bei MAST, Gísli Jónsson, gab an, in Norwegen seien aus den Abfällen Düngemittel hergestellt worden.
Im Februar 2020 waren in den Westfjorden 500 Tonnen Lachs verendet, vermutlich starben die Fische wetterbedingt.

Die Fischereiministerin plant einen Gesetzentwurf, der die Lachszucht gründlich auf den Prüfstand stellt. Schon im vergangenen Winter waren deswegen zahlreiche Anträge auf Produktionsstätten im Osten des Landes auf Eis gelegt worden. Im piktoresken Fährhafen Seyðisfjörður hatte sich ein Grossteil der lokalen Bevölkerung gegen Lachszuchtanlangen im Fjord ausgesprochen.

 

Westfjorde: Drei Tage im eingeschneiten Auto festgesessen

Zwei Isländer um die 30 sind gestern abend von der Bergrettung aus Hólmavík in den Westfjorden vor dem Erfrieren bewahrt worden, als sie auf der Kollafjarðarheiði an dem kleinen Geländewagen (jeppling) vorbeikamen. Die beiden Männer waren seit drei Tagen vermisst worden, berichtet Vísir.

Die Polizeidirektion in den Westfjorden hatte gestern eine Mitteilung bekommen, dass Leute auf dem Weg von Reykjavík in den Nordteil der Westfjorde nicht am Ziel angekommen seien, seit Freitag hatte es von ihnen auch keine Nachricht mehr gegeben, und man wusste nicht, wo auf der Strecke sie sich befanden.
Daher wurde die Suchaktion zunächst in Ringstrassennähe begonnen, und zwar von Bjarkarlundur nach Flókalundur, aber auch auf der Dynjandisheiði, Þorskafjarðaheiði und schliesslich der Kollafjarðarheiði. An der Suche beteiligten sich Rettungsteams aus Patreksfjörður, Tálknafjörður, Bíldudalur, Þingeyri und Hólmavík, dazu der Hubschrauber der Küstenwache, und Polizeimannschaft aus Patreksfjörður, Hólmavík und Ísafjörður.

Auto nicht verlassen kann Leben retten
Gegen 21 Uhr gestern Abend kam dann die erlösende Meldung der Hólmavíker Bergretter, dass die beiden Männer in ihrem Fahrzeug auf der Kollafjarðarheiði gefunden wurden, unverletzt zwar, aber ausgekühlt und erschöpft. Sie wurden sofort in ärztliche Behandlung gebracht. In der Region herrschte gestern Abend sehr schlechtes Wetter, und es gab keine Mobilfunkverbindung.
Der Kraftstofftank war leer, sagte Sigurður Árni Viljálmsson von den Hólmavíker Rettern. Die beiden hätten zwar genügend warme Kleidung dabei gehabt, aber nicht genug Essen. Ein Autofenster war zerbrochen, sodass es im Fahrzeug sehr kalt war. Den Weg über die Kollafjarðarheiði hätten die beiden genommen, weil google maps sie dorthin geschickt hätte. An der Bergstrasse steht kein Warnschild oder ähnliches.

“Für die Verhältnisse haben die Leute das einzig richtige getan und das Fahrzeug nicht verlassen. Man kann gut und gerne davon ausgehen, dass dies der Hauptgrund dafür ist, dass die Sache so glimpflich ausging,” gab die Polizei in einer Mitteilung an.
Úlfar Örn Hjartarson, der stellvertretende Leiter des Hólmavíker Rettungsteams Dagrenning, sagte, der kleine Geländewagen der beiden Reykjavíker hätte sich im Schnee festgefahren.
Die Bergstrasse Kollafjarðarheiði (F66) liegt zwischen dem Kollafjörður in Barðastrandasýsla und Ísafjörður im Ísafjarðardjúp. Bei der Strasse handelt es sich um eine Piste, die ausschliesslich während des Sommers mit geeigneten Geländefahrzeugen befahrbar ist.

Lawinenabgang vor Súðavík, Strassen gesperrt

Avalanche in Iceland February 2014.

Die Strasse nach Súðavík in den Westfjorden hatte gestern Abend nach Lawinenabgang gesperrt werden müssen.
Bragi Þór Thoroddsen, der Gemeindedirektor im Súðavíkurhreppur, sagt, die Sperrungen hätten grosse Auswirkungen auf Einwohner und andere, was Berufstätigkeit wie Wohnen angehe. Wegen der Sperrung hatten gestern Abend 25 Personen in Súðavík übernachten müssen.

Mit der covid-bedingt geltenden Versammlungsregel von derzeit 10 Personen war es nicht so einfach, die 25 Gestrandeten in Súðavík unterzubringen. “Wir sind nicht besonders vorbereitet für so etwas, da haben wir halt die Sporthalle geöffnet, alle Lagerkammern ausgeräumt und Matratzen ausgelegt und Leute zusammengetrommelt,” erzählt Bragi.
Seiner Ansicht nach ist die Gefahr an dem Hang allgegenwärtig, und die Bürger wollten so schnell wie möglich einen Tunnel haben. “Das ist nur eine Frage der Zeit, wann jemand durch eine Lawine zu Schaden kommt, und darauf wollen wir nicht warten,” sagte Bragi RÚV gegenüber. Ein junger Mann aus Súðavík hatte gestern Abend beschrieben, wie mehrere Fahrzeuge im Schnee festsassen, bevor die Strasse gesperrt wurde, und wie gefährlich er es empfunden hatte, anderen zu helfen, während über ihm am Hang rutschender Schnee lauerte. Er selbst war zuvor einer Lawine nur knapp entkommen.

Zur Zeit sind die meisten Strassen zwischen den Orten der Westfjorde unbefahrbar, und die beiden gefährlichen Strassenabschnitte Súðavíkurhlíð und Eyrarhlíð zwischen Ísafjörður und dem Hnífsdalur sind gesperrt. Heute Abend soll es mit steigenden Temperaturen im Breiðafjörður und den Westfjorden regnen, dann steigen die Flusspegel an und es besteht die Gefahr von Schlammlawinen. Für den gesamten Norden und die Westfjorde gilt daher die gelbe Warnstufe.

Tunnel ist geplant, aber ohne Zeitplan
Der Januar sei für die Leute von Súðavík immer schwer, denn vor 25 Jahren hatte eine schwere Lawine dort viele Menschenleben gekostet. Ein Tunnel zwischen dem Álftarfjörður und dem Skutulsfjörður stehe zwar auf dem Strassenbauplan, aber ohne Zeitvorgabe, und offenbar interessiere die Politik sich nicht für das Problem, obwohl es sich hier um einen Abschnitt der Ringstrasse handle.

Vor zwei Jahren hatte die Strasse nach Súðavík in den ersten drei Monaten ganze 40 Mal gesperrt werden müssen, mit Konsequenzen für Anwohner und Pendler, die nicht zur Arbeit fahren konnten, und Warentransport gab es auch nicht. Stattdessen sassen die Leute jedesmal zuhause fest.
Damals hatte Bragi angegeben, die Lage bedrohte die Sicherheit der Bürger. Es sei vorgekommen, dass erkrankte Personen mit dem Schiff von Súðavík nach Ísafjörður gebracht werden müssen, weil die Strasse gesperrt war. “Ich weiss, dass Leute das immer wieder als Gefahr aus dem Berghang empfunden haben, entweder wegen der Schneelawinen oder wegen Steinschlags. Das ist das ganze Jahr über gefährlich. Ehrlich gesagt finden es viele unangenehm, an diesem Hang vorbei zu fahren.” hatte Bragi gesagt.

 

Pilotprojekt könnte Westfjorde auch im Winter öffnen

Zwischen Januar und März soll es auf dem Strandavegur, der durch die Gemeinde Árneshreppur in den Westfjorden führt, einen Winterdienst geben. Dazu meldete die Regierung am Donnerstag, dass der Schnee wenn möglich zweimal die Woche geräumt werden soll. Dieses Pilotprojekt ist eine Zusammenarbeit des isländischen Regionalentwicklungsinstitutes, der Lokalabteilung des Institutes in den Westfjorden und der Gemeinde selbst und gehört zur Initiative der Zerbrechlichen Siedlungen, welche sich zum Ziel gesetzt hat, von der Abwanderung gefährdete ländliche Regionen im Land zu stärken.

Strandavegur ist eine 80 Kilometer lange Küstenstrecke, die vom Bjarnafjörður in den Norðurfjörður führt. Ein grosser Teil der Strasse befindet sich in einem Gebiet, wo im Winter häufig Lawinen abgehen. Da sich die Strasse ohnehin nicht in gutem Zustand befindet, kann sie im Winter oft nicht geräumt oder gar offengehalten werden. Damit ist sie jedoch umso gefährlicher für alle, die diese Strasse fahren müssen, und zwar bei jedem noch so schlechtem Wetter.

Sollte sich das Pilotprojekt als erfolgreich herausstellen, könnte dies weitreichende Auswirkungen auf den Fremdenverkehr in den Westfjorden haben, denn so könnte die bei Touristen ausgesprochen beliebte Region auch im Winter zugänglich gemacht werden. Bei Lonely Planet etwa rangieren die isländischen Westfjorde unter den Top Ten der Orte, die man in 2022 gesehen haben muss.

Die Schneepflüge werden von Einheimischen und der isländischen Strassenverwaltung betrieben, wobei der Fahrplan nur durchgeführt werden soll, wenn es kein Lawinenrisiko gibt und wenn die Wetterbedingungen niemanden in Gefahr bringen. Finanziert wird der Testlauf von der Strassenverwaltung, die damit auch prüfen will, ob ein Räumdienst durch alle Wintermonate hindurch machbar ist, und wie man einen solchen Service langfristig umsetzten könnte.

 

Eisbär von Hornstrandir erweist sich als Fehlalarm

Die Küstenwache hat in der vergangenen Nacht die entlegene Region Hornstrandir in den nördlichen Westfjorden nach einem Eisbären abgesucht, nachdem bei der Polizei der Hinweis einer Wanderergruppe in Hlöðuvík eingegangen war, dass sich dort Spuren eines unbekannten Tieres fänden.
Nach Informationen der Polizei von Ísafjörður ging es bei diesen Spuren um einen grossen Kothaufen.

Eisbären gelangen in der Regel über das Meereseis nach Island. Zur Zeit gibt es kein Meereseis, doch vor etwa 14 Tagen hatte sich das Eis in unmittelbarer Küstennähe von Hornstrandir befunden.
Gegen vier Uhr heute morgen wurde die Suche schliesslich abgebrochen, nachdem man vom Flugzeug aus keine Spuren des Tieres hatte finden können. Inzwischen ist die Kotprobe untersucht worden. Aller Wahrscheinlichkeit nach handelt es dabei um Herbivorenkot, möglicherweise von einen Schwan.
Dennoch sollten Wanderer in dem Gebiet stets Vorsicht walten lassen.

Zuletzt kamen Eisbären 2011 und 2016 an Land
Im Jahr 2011 war in Rekavík in den nördlichen Westfjorden ein Eisbär geschossen worden. Wie der zuständige Polizist im Video erklärte, sei die Jagd in dem bergigen Gelände sehr schwierig gewesen. Man habe zunächst einen Fang in Betracht gezogen, doch sei das Risiko zu gross gewesen, ihn ins Wasser zu verlieren, von wo aus er hätte nach Bolungarvík gelangen können. Damals hatte die Umweltbehörde mitgeteilt, einem Expertengutachten zufolge werde jeder Eisbär der sich nach Island verirrt, aus Sicherheitsgründen abgeschossen.

Der letzte Eisbär in Island ist 2016 in Hvalnes auf der Halbinsel Skagi an Land gegangen. Damals hatten die Bewohner die Polizei alarmiert. Wie Rósa Rut Þórisdóttir in ihrer Chronik Hvítabirnir a Íslandi schreibt, hatte sich das Ehepaar auf einem Ausritt befunden, als der Bär sie bemerkte und verfolgte. Es gelang, die draussen spielenden Kinder, Schafe und Pferde in Sicherheit zu bringen, kurz darauf konnte der Bär mit einem Schuss getötet werden. Rósa zufolge hatte sich auch ein zeltender Tourist in unmittelbarer Nähe des Bären befunden. Der Eisbär von Hvalnes hatte seinen Weg mit Treibholz nach Island gefunden. Eine Obduktion ergab schweren Trichinenbefall.
Auch damals war der erste Gedanken gewesen, den Bären zu fangen und nach Grönland zurück zu bringen, doch die grönländische Regierung hatte aus Seuchenschutzgründen keine Genehmigung dafür erteilt.

VesturVerk pausiert mit Kraftwerksplänen in den Westfjorden

Strandir wilderness

Das Energieunternehmen VesturVerk will sich aufgrund veränderter Marktbedingungen zeitlich befristet aus seinen Aktivitäten zurückziehen, berichtet RÚV. Das Büro von VesturVerk in Ísafjörður wurde geschlossen, die beiden dort beschäftigten Mitarbeiter sind entlassen worden.

Jóhann Snorri Sigurbergsson, der Leiter der Wirtschaftsentwicklungsabteilung der HS Orka, die die Aktienmehrheit an VesturVerk hält, bestätigte dies in einem Gespräch mit RÚV. Jóhann sagte, dass man weiterhin Kraftwerksoptionen untersuche, darunter auch das umstrittene Hvalárvirkjun, und dass man weiterhin mit den Planungsbehörden in der Region zusammenarbeite.

Gunnar Gaukur Magnússon, der Geschäftsführer bei VesturVerk, wird am 1. August von seinem Posten zurücktreten, aber weiterhin im Vorstand sitzen.

Jóhann zufolge haben sich die Bedingungen am Markt in den vergangenen Monaten stark verändert, daher habe man entschieden, sich zeitweise aus dem Betrieb zurückzuziehen. Er weist jedoch darauf hin, dass man vom Bau des Hvalárvirkjun nicht abrücken werde, auch wenn sich das Projekt möglicherweise verzögere.

Der Jurtenkrieg in Strandir

Ein bemerkenswerter Kleinkrieg trägt sich dieser Tage in der abgelegenen Region Strandir in den Westfjorden zu.

Dort entsteht in der Gemarkung Seljanes, die sich im Besitz von sieben Landeigentümern befindet, eine 30 Quadratmeter grosse Jurte, in der in diesem Sommer Veranstaltungen und Kurse rund um die isländische Volkskultur stattfinden sollen. Im Herbst soll die Jurte dann wieder abgebaut werden.

Initiatorin und Veranstalterin ist Elin Agla Briem, eine alleinerziehende, besitzlose Mutter in Saisonarbeit, wie Stundin schreibt, und Volkskulturbäuerin, die für das Sommerprojekt Fördergelder unter anderem von der Initiative Brotthættir byggðar (Zerbrechliche Siedlungen) erhalten hat.

Elin hatte die Erlaubnis für den Bau der Jurte auf einem Holzrahmen von all jenen Landeigentümern eingeholt, die vor Ort leben. Die Jurte hinterlässt so gut wie keine Spuren der Bautätigkeit.

Ich habe alles gegeben, um das Material zu kaufen und das Projekt auf den Weg zu bringen,” sagt sie. Das Zelt soll den Betrieb der Volkskulturwirtschaft und eine Volkskulturschule beherbergen, sowie das Leben an sich pflegen. “Das ist seit vielen Jahren mein Traum gewesen, in Árneshreppur solch ein Zelt zu errichten,” erklärt Elin.

Einer jedoch ist gegen das Zelt, und macht der Volkskulturbäuerin nun die Hölle heiss. Der in Reykjavík ansässige pensionierte Kellner Gísli Baldur Jónsson ist nämlich einer der sieben Landeigentümer der Gemarkung Seljanes zwischen dem Ófeigsfjörður und dem Ingólfsfjörður in Strandir, und er hat mit Jurten und Volkskultur absolut nichts am Hut, stattdessen hat er Elin Agla in einem Brief mit Massnahmen gedroht, die sie “Millionen” kosten würden. Überdies sei sein Land in Seljanes von jeglichem Müll wie kaputten Autos, Maschinen und Schrott der Bewohner von Dranga zu reinigen.

Der Brief war auch an die Bezirksleitung, den Bauausschuss und den Bauamtsvertreter gegangen. In einem weiterem Brief drohte er Elin Agla mit ernsten rechtlichen Schritten und einem Abrisstrupp.

Jurtengegner Gísli Baldur hat sich den Schrieb an die Behörden von der Tochter von Pétur Guðmundsson im Ófeigsfjörður und deren Ehemann bezeugen lassen. Jener Pétur Guðmundsson hatte es im vergangenen Jahr in die Medien geschafft, nachdem er die Wasserrechte auf seinem Land an die Betreiber des umstrittenen Wasserkraftwerks Hvalárvirkjun verkauft hatte.

Gísli Baldur zufolge sei die Hälfte der Landeigentümer gegen die Jurte.

Elin Agla kann jedoch die Erlaubnis von Sveinn Kristjánsson stellvertretend für alle Landeigentümer der Gemarkung vorweisen.

Die eine Hälfte der Landbesitzer (die Leute von Dranga) will zudem das Gebiet nördlich und westlich der Drangaskörð unter Naturschutz stellen, damit dem Kraftwerksbau ein Riegel vorgeschoben wird. Die andere Hälfte unterstützt den Kraftwerksbau – auch der 81-jährige Reykjavíker Gísli Baldur, dessen Grossvater in der Region geboren wurde und dessen Vater als Kind die Sommer dort verbrachte. Er selber, Gísli, sei “immer hin und wieder” vor Ort.

Mit dem Kraftwerksbau und den dazugehörigen Trassenbauarbeiten habe er kein Problem. Nördlich und westlich von Seljanes müssen die Wege in den Ingólfsfjörður verbreitert und aufgeschüttet werden, damit die Bagger sich ihren Weg in eine Region bahnen können, wo zur Zeit niemand ganzjährig lebt.

Er sei vor 40 Jahren dahin gefahren und habe sich das [Kraftwerksgebiet] angeschaut, sagt Gísli. Er habe keine Sorge, dass Wasserfälle zerstört werden und verschwinden, wie es im Umweltgutachten angemerkt wird.

Vor einigen Tagen hatte sich, wie Stundin berichtet, ein Einwohner der Gemeinde vor den Bagger gestellt und es geschafft, dass die Denkmalbehörde die Trassenbauarbeiten offiziell stoppte, weil völlig unklar war, ob sich auf der anvisierten Strecke nicht vielleicht unentdeckte archäologische Stätten befinden.

Währenddessen baut Volkskulturbäuerin Elin Agla unverdrossen weiter an ihrer Jurte, die, wenn sie im Herbst abgebaut wird, keinerlei Spuren in der Natur hinterlassen wird. Viele freiwillige Helfer sind nach Seljanes geeilt, denn am 12. Juli soll das Kursprogramm für isländische Volkskultur beginnen.

Der Schneepflugfahrer von der Hrafnseyraheiði

Wenn dereinst der Tunnel Dýrafjarðargöng die Hochlandstrasse Hrafnseyrarheiði in den Westfjorden abgelöst hat, bin ich weg hier und reise,” sagt der Mann, der die abgelegene Strasse 46 Jahre lang vom Schnee befreit hat. Gestern startete er seinen Schneepflug zum alljährlichen Schneereinemachen, berichtet RÚV.

Gunnar Gísli Sigurðsson ist der Frühjahrsbote auf der tiefverschneiten Heiði, seit dem Jahr 1973 fährt er das Räumfahrzeug in den Tiefschnee.

“Ja vielleicht ein oder zwei Jahre mal nicht,” überlegt er. Und dann wurde die Heiði nicht geöffnet? “Doch doch, da ist es halt von selbst getaut,” meint er lapidar.

Der Weg über die Hrafnseyrarheiði trennt die südlichen von den nördlichen Westfjorde und wird im Winter nicht geräumt. Er ist offiziell per Schild gesperrt, was manche Touristen freilich nicht davon abhält, trotzdem weiterzufahren. Erst kürzlich mussten zwei mit ihrem Mietwagen aus dem Tiefschnee befreit werden. Um den 20. März herum beginnt hier der Winterdienst, und in manchem Jahr lag noch viel mehr Schnee als jetzt.

Das ist ja nur ein Teil dessen, was hier mal gemessen wurde. Einmal wurden 22 Meter Schnee gemessen,” erinnert sich der Schneepflugfahrer an Schneewände der Vergangenheit. Dann braucht er eine Woche bis zehn Tage, um die Strasse zu räumen.

Dieses Jahr wird vermutlich das vorletzte Mal sein, dass Gunnar die Strasse im Frühjahr öffnet, denn der Dýrafjarðartunnel soll die Hochstrasse ablösen. Im Herbst 2020 will man den Tunnel einweihen. Und was passiert dann?

Das gehen wir mal ruhig an, und so. Dann reise ich, und so,” lächelt Gunnar.

Natürlich gibt es Pläne, die Strasse im Verkehrsnetz zu halten, und ganz ausgeschlossen ist ein Winterdienst auch weiterhin nicht.

Wir hoffen, dass dies eine Sommerstrasse wird, die wir Anfang Juni räumen, und dann wird das eine Ringstrasse und eine Verbindung nach Hrafnseyri,” verrät Guðmundur Björgvinsson, der Leiter der Strassenverwaltung in Ísafjörður.

Gunnar Gísli hat die Tücken dieser Hochlandstrasse auch am eigenen Leib zu spüren bekommen. “Ich bin zweimal hier mit meinem Pflug vom Weg abgekommen,” sagt er und zeigt auf einen steilen Abhang. Offensichtlich ist alles gut gegangen. “Ich bin ja noch da.” Die Unfälle hielten ihn nicht davon ab, weiterzumachen.

Ob er diese Heiði eigentlich mag? “Tja ich weiss nicht, ich glaube schon.”

Im Nachrichtenlink gibt es ein Video mit beeindruckenden Aufnahmen der abgelegenen Strasse.

Island soll die Insel Vigur in den Westfjorden kaufen

Die Gemeindeleitung des Ísafjarðardjúp wünscht sich, dass der isländische Umweltminister und die Regierung sich daran geben, die Insel Vigur im Ísafjarðardjúp zu kaufen und sie damit für die Öffentlichkeit zugänglich erhalten, berichtet RÚV.

Die Insel war im vergangenen Frühjahr in den Verkauf gesetzt worden, international hatte war Angebot auf grosses Interesse gestossen. Davíð Ólafsson von der Immobilienforma Borg sagt, alleine im Januar habe er 30 Anfragen aus dem Ausland erhalten, viele davon aus den USA.

Wie er sagt, fragten die Interessenten auch nach einem Hubschrauberlandeplatz auf der Insel Vigur und in den Hornstrandir.

Einem neuen Gesetz zufolge ist es für Hubschrauber nicht mehr erlaubt, im Naturschutzreservat Hornstrandir zu landen.

In einem Schreiben des Bürgermeisteramtes heisst es, angesichts des grossen ausländischen Kaufinteresses und der hohen Wahrscheinlichkeit, dass die Insel nach einem Verkauf für die Öffentlichkeit gesperrt werde, fordere die Gemeindeleitung die isländische Regierung auf, Vigur käuflich zu erwerben und damit auch weiterhin den öffentlichen Zugang zu dieser Naturperle im Ísafjarðardjúp zu garantieren. In den vergangenen Jahrzehnten war auf der Insel Vigur Fremdenverkehr aufgebaut worden, damit hatten Isländer wie ausländische Besucher die Möglichkeit erhalten, Natur und Geschichte der Insel zu erleben.

Vigur ist eine von drei Inseln im Ísafjarðardjúp, und eine der beiden bewohnten Inseln. Auf der Insel gibt es ein Seevogelreservat, die dort brütenden Gryllteisten geniessen internationalen Schutz. Auch Papageitaucher und Eiderenten brüten auf der Insel.

Des weiteren gibt es auf Vigur die älteste Windmühle Islands, aus dem Jahr 1860 zu besichtigen, sowie das älteste Boot des Landes.

In diesem Filmbeitrag aus dem Jahr 2012 kann man Vigur und auch die alte Windmühle sehen. Schon damals waren die meisten Besucher Ausländer, die per Schiff oder Kreuzfahrtschiff die Insel besuchten. Inselbewohner Sævar Baldursson merkt in dem Filmbeitrag an, dass auch wenn er damit gut klarkäme, es doch ganz schön einsam im Winter sei, wenn die Familie auf dem Festland sei, um zur Schule und zur Arbeit zu gehen.