CO2-Import: Landvernd will Carbfix-Betrieb als Bergbau deklarieren

CarbFix Hellisheiðarvirkjun

Das Unternehmen Carbfix hat mit seiner innovativen Methode, Kohlendioxid in Gestein zu binden, weltweit für Aufmerksamkeit gesorgt. Seit 2012 ist Carbfix bereits auf der Hellisheiði in Betrieb, seither hatte man nach Wegen gesucht, die Methode auch für die Gasemissionen der isländischen Schwerindustrie zu nutzen. Daraus entstand 2019 das Projekt Coda Terminal, ein CO2-Hafen für Containerschiffe aus dem Ausland, der 2026 in Betrieb gehen soll, berichtet RÚV.

Islands Umweltorganisation Landvernd betrachtet diese Entwicklung kritisch. “Wir sehen Anlass zur Prüfung, ob dieses Projekt von Carbfix, Coda Terminal, als Bergbau deklariert werden muss,” sagte Auður Önnu Magnúsdóttir, die Geschäftsführerin von Landvernd. Vor allem das geplante Schiffsterminal in Straumsvík, wo CO2-Lieferungen angelandet und gelagert werden sollen, ist ihr ein Dorn im Auge.
Die mit der Genehmigungsarbeit betraute Kommunalverwaltung in Hafnarfjörður wartet derzeit auf ein Umweltgutachten zu dem Projekt. Sollte eine Genehmigung erteilt werden, ist damit zu rechnen, dass Coda Terminal 75 Milliarden Liter Wasser benötigen wird, um drei Millionen Tonnen Kohlendioxyd zu binden.

Schadstoffimport, damit Betrieb sich lohnt
Auður wundert sich, dass man Umweltverschmutzung in Form des Klimaschädlings CO2 in speziell ausgestatteten Schiffen importiert und in isländischem Gestein der Halbinsel Reykjanes binden will. Von Seiten Carbfix hiess es, die Umweltverschmutzung werde regelmässig importiert, und zwar in Form von fossilen Brennstoffen, aber es fehle eine Methode, diese Verschmutzung auf verantwortliche Weise zu binden, wie Coda Terminal dies vorhabe.
Der springende Punkt liegt darin, dass Carbfix nicht nur CO2 der isländischen Schwerindustrie in der Lava rund um Straumsvík binden, sondern zusätzlich drei Millionen Tonnen CO2 aus Europa importieren will, weil sich der Betrieb nämlich sonst nicht lohnt. “Es gibt in Island einfach nicht genug CO2 für den Betrieb,” gab Pressesprecher Ólafur Teitur Guðnason auf Anfrage von RÚV an.
Denn obwohl Islands CO2-Ausstoss nicht gerade gering ist, gibt es keine Technologie, mit der das klimaschädliche Gas aus der Luft eingefangen werden könnte. Und da lag für die Unternehmensleitung nahe, den Betrieb durch Import des Schadstoffes zu gewährleisten.

Wasserverbrauch übersteigt Hauptstadtverbrauch
Der geschätzte Wasserbedarf von 75 Milliarden Litern Frischwasser zur Kohlenstoffbindung liegt um die Hälfte höher als der Wasserverbrauch sämtlicher Hauptstadtbewohner, zur Zeit sind das pro Kopf etwa 2500 Liter pro Sekunde. In Island wird zum individuellen Wasserverbrauch auch die Beheizung von Häusern, Schwimmbädern, öffentlichen Gebäuden, Gewächshäusern u.ä. gezählt.
Dass diese Wassermengen ausgerechnet in Straumsvík aus der Erde geholt werden, rief beim isländischen Naturkundeinstitut und bei der Energiebehörde Besorgnis hervor. In einem Gutachten für die Planungsbehörde hatten sie auf das sensible Gebiet verwiesen, in dem der umfangreiche Betrieb aktiv werden will.
Dort sollen nämlich in unmittelbarer Nähe des Aluminiumwerkes acht zusätzliche Wasserlöcher gebohrt werden. Es soll sich jedoch nicht um das gleiche Wasser handeln, welches die Hauptstadtbewohner aus ihren Leitungen erhalten, sondern zusätzliches Wasser, welches ohnehin ins Meer laufe. Die Wissenschaftler bei Carbfix betonen, es werde kein Trinkwasser für die CO2-Bindung verwendet.

Emissions- und Schadensprognosen fehlen
Das Naturkundeinstitut fordert, dass im Umweltgutachten ganz genau aufgeführt wird, wieviel CO2 bei der Annahme am Hafen und beim Pumpen ins Gestein in Atmosphäre und ins Meer entweichen. Auch eine mögliche Auswirkung des für die geothermale Region typischen mineralischen Meerwassers (70% Salzgehalt, 30% Frischwasser, reich an Silikaten, Algen und Mineralien) auf die CO2-Bindung, eine potentielle Ausgasung ins Meer und eine damit verbundene Versauerung des Meeres bei Straumsvík müssten in Betracht gezogen werden. Die Versauerung von Küstengewässern hätte negative Auswirkungen auf die Meeresfauna, weil es den Stoffwechsel verlangsamt und und dem Immunsystem schadet.
Bei Carbfix hiess es dazu, mehr als 95% des CO2 versteinere innerhalb von zwei Jahren. Danach sei die Gaseinlagerung dauerhaft und gefahrlos.

Das Projekt stellt nicht einmal einen Pluspunkt in der grünen Klimabilanz der Insel dar, denn bislang konnte international nicht geklärt werden, ob und wie die Emission bei den Isländern oder den Herkunftsländern zu Buche schlägt.

Auður Önnu kritisiert nicht nur den Umstand, dass hier ein Schadstoff ins Land geholt wird, von der man selbst genug habe, sondern auch dass eine unter Naturschutz stehende Landschaft dafür verschandelt wird. Denn in Straumsvík muss ja ein neuer Hafen gebaut werden.
Da man noch gar nicht wisse, wie die Lava langfristig auf die Versteinerung reagiere oder ob Kohlendioxyd ins Grundwasser gelange, verlangt sie neben einer langsameren Gangart auch dass die Tätigkeit als Bergbau deklariert wird. Das ganze sei ein Experiment mit der isländischen Natur.
Carbfix hingegen verweist auf Bestimmungen der Umweltbehörde zur Lagerung von CO2, zu Aufsichtsführung, sowie auf die Tatsache, dass eine Wasserentnahme durch die Energiebehörde genehmigt werden muss. Mit einem Umweltgutachten ist frühestens im Mai zu rechnen.

 

Rekordwasserverbrauch durch Weihnachtsbad der Isländer

Mit einem zeitlich begrenzten Druckabfall beim heissen Wasser könnten die Hauptstadtbewohner morgen zu rechnen haben, wenn sich ein Grossteil der Reykjavíker ins traditionelle Weihnachtsbad begibt.
Sól­rún Kristjáns­dótt­ir, die Geschäftsführerin der Reykjavíker Wasserwerke Veitur, sagte mbl.is gegenüber, es gebe genügend heisses Wasser, sie rate den Leuten aber, nicht alle zur selben Zeit, am späten Nachmittag, ins Bad zu gehen, sondern auch morgens und mittags.
“Wir sehen Höchstverbrauchswerte, einen Tag nach dem anderen, die wir noch nie bei Veitur zuvor gesehen haben. Noch nie zuvor waren soviele Häuser an das Heissassersystem während einer Kälteperiode angeschlossen wie zur Zeit. Das war eine sehr langandauernde Frostperiode, die längste, die wir in diesem Jahrhundert erlebt haben,” erklärt Sólrún.
Eine grosse Herausforderung an das Wassersystem sei da entstanden, mit der man aber durchaus fertig werde. Oberste Priorität habe die Beheizung der Häuser und das Weihnachtsbad.

Rekordliterzahl und neuer Rekord
Der letzte Rekord im Heisswasserverbrauch liegt noch gar nicht so weit zurück, erst in der vergangenen Woche wurde er mit 18.400 Kubikmetern pro Stunde gemessen. Für morgen werden mehr als 19.000 Kubikmeter pro Stunde veranschlagt.
“Wir sind da angelangt, dass viele Heisswasserversorger im ganzen Land an ihre Grenzen stossen. Wir wissen, dass dort Chancen liegen, besser mit der Resource umzugehen, die wir gefördert haben,” mahnt die Wasserwerksleiterin.
In der vergangenen Woche hatten sogar die Reykjavíker Schwimmbäder schliessen müssen, nachdem im Hellisheiði Kraftwerk ein Schaden aufgetreten war, durch den kein heisses Wasser gefördert werden konnte.

Schon zuvor war angedacht worden, die Versorgung von Grosskunden wie etwa Schwimmbäder zu kappen, wenn die Nachfrage nach heissem Wasser eine bestimmte Grenze übersteige. Mit einem solchen Fall ist morgen nicht zu rechnen, sagt Sólrún.
Es könnte jedoch zu einem zeitlich begrenzten Druckabfall komme. Das wirke sich nicht auf die Beheizung der Häuser aus, oder dass es kein Wasser in der Dusche gebe. Einen erneuten Schaden im Hellisheiði Kraftwerk könne man weitgehend ausschliessen.

 

Heisses Wasser könnte im Winter Mangelware werden

Die Betriebsleiterin des Reykjavíker Wasserversorgers Veitna befürchtet eine Einschränkung der Heisswasserversorgung für die Bewohner der Hauptstadt, falls der kommende Winter sehr kalt ausfalle. Sólrún Kristjánsdóttir sagte RÚV gegenüber, die Versorgung mit heissem Wasser stosse im ganzen Land an ihre Grenzen. Gleichzeitig könnte sich der Bedarf im Hauptstadtbereich in den nächsten 40 Jahren verdoppeln.
„Eigentlich sind wir vielerorts im Lande schon an dem Punkt angekommen, an dem die installierten Leitungen den in den kommenden Jahren zu erwartenden Mehrbedarf nicht mehr bewältigen können,“ erklärte Sólrún.
Auch die Wasserversorger in Selfoss und im Nordland hätten mit dem Problem zu kämpfen. Bei Samorka heisst es, der Heisswasserverbrauch steige von Jahr zu Jahr, was sich unter anderem durch den Bevölkerungszuwachs und die hohe Touristenzahl erklären lässt. Oft wohnen auch weniger Personen in grösseren Häusern als früher.

Wassersparen in Aussicht gestellt
Für den Hauptstadtbereich sehe man bei der Nachfrage nach heissem Wasser zur Zeit ein Wachstum von 2,4% pro Jahr, damit werde sich die Nachfrage bis 2060 verdoppelt haben. Eine echte Lösung für das Problem sei bislang nicht in Sicht.
Ausser natürlich, neue Kraftwerke in Geothermiegebieten zu errichten und die vorhandenen besser zu nutzen. Und natürlich, Haushalte und Unternehmen zu ermuntern, besser mit der Resource Wasser umzugehen. Die Energiewende sei beim heissen Wasser noch lange nicht vollzogen.

Von den Verbesserungsideen, so Sólrún, habe man einiges wegen des Ukrainekriegs vor dem Winter nicht mehr umsetzen können. Es könnte also durchaus sein, dass Hauptstadtbewohner und Unternehmen an sehr kalten Tagen aufgefordert werden, Wasser zu sparen, da gehe es vor allen Dingen darum, den heissen Pott nicht zu füllen und die Heizung herunterzudrehen.

Schon in den vergangenen Jahren hatten kleinere Gemeinden in extremen Kälteperioden darum gebeten, den privaten Heisswasserverbrauch einzuschränken, teilweise waren auch öffentliche Schwimmbäder vorübergehend geschlossen worden, weil es nicht genügend heisses Wasser gab.

E.coli Fund im Borgarfjörður – Wasser soll abgekocht werden

Im Trinkwasser des Wasserversorgers Grábrókarveita ist eine Verschmutzung mit E.coli und anderen Colibakterien festgestellt worden, berichtet RÚV. Das Trinkwassergebiet umfasst die Stadt Borganes, Bifröst, Varmaland, sowie zahlreiche Sommerhäuser und einige Häuser im Borgarfjörður.

Wie RÚV schreibt, ist dies die erste Verschmutzung dort, seit die Trinkwasserrentnahmestelle im Jahr 2007 in Betrieb genommen wurde. In dem Gebiet leben 2500 Menschen, hinzu kommen Touristen in Kurzaufenthalten.

Wassernutzer in diesem Gebiet werden dazu angehalten, ihr Trinkwasser mehrere Minuten lang sprudelnd kochen zu lassen, bevor sie es für den Verzehr nutzen.

Vor allem Kinder, ältere Menschen und solche mit geschwächtem Immunsystem sind durch die Colibakterien gefährdet.

Am kommenden Mittwoch soll ein neues Klärgerät an der Trinkwasserentnahmestelle in Betrieb genommen werden, welches für mehr Sicherheit bei der Trinkwasserqualität sorgen soll. Mindestens so lange muss das Trinkwasser in der Region abgekocht werden.

Seit letzter Woche ist das Trinkwasser täglich kontrolliert worden, hieraus entstand der Verdacht auf die Verseuchung. Die gestrige Wasserprobe bestätigte dann den Verdacht auf die bakterielle Verseuchung.