Stein mit eingeritztem Schiff älteste bildliche Darstellung in Island

Viking ship carving stone Stöð archaeology

Archäologen in Island haben einen Sandstein gefunden, in den ein Wikingerschiff eingeritzt ist. Dieser Stein könnte die älteste bildliche Darstellung sein, die je in Island gefunden wurde. Der Stein wurde am Ausgrabungsort Stöð im Stöðvarfjörður in einem Langhaus gefunden, das möglicherweise noch vor der Besiedelung errichtet worden sein könnte, berichtet RÚV.

Reich bestücktes Langhaus
Die ersten Erkundungsgrabungen in Stöð waren im Jahr 2015 unternommen worden. Seitdem sind Archäologen jeden Sommer an den Ort zurückgekehrt, um an der Freilegung eines Langhauses aus der Besiedlungszeit zu arbeiten. “Das Langhaus gehört zu den grössten, die je in Island gefunden wurden, es misst 31,4 Meter. In Skandinavien waren nur die Häuser der Anführer länger als 28 Meter. Es ist auch das am reichsten bestückte Langhaus, das in Island je ausgegraben wurde. Wir haben 92 Perlen und 29 Silbergegenstände gefunden, darunter römische Münzen und Münzen aus dem Mittleren Osten.” hatte der Archäologe Bjarni F. Einarsson Iceland Review im Jahr 2020 erklärt.

Ältestes Gebäude von vor der Besiedlung
Doch die Geschichte von Stöð geht noch weiter, denn unter dem Langhaus aus der Siedlerzeit fanden Archäologen dann ein noch älteres Langhaus, welches auf das Jahr 800 n.Chr. zurückdatiert wird, also 75 Jahre vor der offiziellen Besiedelung des Landes. Hier fehlten interessanterweise jegliche Hinweise auf Tierknochen. Doch nicht etwa weil die Bewohner frühe Vegetarier waren, sondern ganz im Gegenteil: “Meine Theorie ist dass das ältere Langhaus ein saisonales Jagdcamp war, betrieben durch einen norwegischen Häuptling, der Reisen nach Island ausstattete, um Werte zu sammeln und sie übers Meer nach Norwegen zu bringen.” erklärte Bjarni. Einer dieser Werte könnte Elfenbein von Walrössern gewesen sein: im Jahr 2019 konnten Untersuchungen und C14-Datierungen bestätigen, dass es in Island einmal eine heute ausgestorbene nordatlantische Walrossart gegeben hat.

Erster in Island gefundener geritzter Stein
Der kleine, aber bemerkenswerte Sandstein mit dem eingeritzten Wikingerschiff unter vollen Segeln war in den Wänden des älteren Langhaus gefunden worden. Solche in Knochen, Holz und Stein eingeritzten Schiffszeichnungen sind recht häufige Funde in den nordischen Ländern, doch dies war der erste Fund in Island und sehr wahrscheinlich die älteste bildliche Darstellung, die je auf der Insel aufgetaucht ist.
In diesem Frühjahr hatten die Archäologen ein grösseres Gebiet in Stöð per Geoskop untersucht und Hinweise auf noch mehr bauliche Strukturen und Bootsgräber gefunden. Viel ist nicht bekannt über die frühe Besiedelung des Landes, aber die Anzahl von in Stöð gefundenen Perlen, Münzen und Silber weisen auf einen bemerkenswerten Reichtum und Handel hin.

Walross Thor legte Pause in Breiðdalsvík ein

Das Walross, das sich gestern auf einer Schwimmbrücke in Breiðdalsvík niedergelassen hatte, ist offenbar berühmt. Er heisst Thor und war unter anderem in Grossbritannien mehrfach an Land gegangen. Heute morgen hat Thor seine Reise fortgesetzt, berichtet RÚV.
Ein Follower der Birding Iceland Seite, der Brite Dan Jervis, hatte das Walross an seinen Flossen identifiziert. Um den Jahreswechsel herum hatte Thor sich in Scarborough aufgehalten und nicht mal vom Silvesterfeuerwerk stören lassen. Im November 2022 war er in Holland gesehen worden, und auch an der französischen Küste hatte man Thor beobachtet.
Nach Dan Jervis’ Identifizierung bestätigten auch der britische Taucherverband und der Tierschutzverband, dass es sich um das gleiche Walross handelt. Zuletzt war er in Grossbritannien am 3. Januar in Blyth gesehen worden. Nun seien die Briten überaus erfreut, von Thor in Island zu wissen, hiess es bei der BBC.

Thor hatte sich gestern morgen nach neun Uhr in Breiðdalsvík auf einer Schwimmbrücke niedergelassen. Der Hafenmeister hatte ihm einige Fische hingeworfen, doch zeigte das Walross keinen Appetit. Es wirkte vielmehr müde, was nach dem langen Schwimmweg von England nach Breiðdalsvík nicht verwunderlich ist, von Blyth sind das nämlich 1360 Kilometer.
Aufgrund seiner Runzeln hielten viele das Tier für uralt, aber die BBC bestätigte, dass Thor zwischen drei und fünf Jahre alt sei, also noch ein Jungspund. Walrösser können bis zu 40 Jahre alt werden.

An Besuchern störte er sich nur, wenn sie ihm zu nahe kamen, auch eine Drohne über seinem Kopf ärgerte ihn, und es war offensichtlich, dass er seine Ruhe haben und einfach nur ein bisschen schlafen wollte.
Heute am frühen Morgen hat Thor seinen Pausenplatz auf der Schwimmbrücke aufgegeben und ist möglicherweise auf dem Weg zu einen Artgenossen, die sich weiter nördlich in polaren Breitengraden aufhalten.

Walross Wally aus Höfn als irischer Bootsbesucher identifiziert

Wally the walrus Höfn

Das Walross, was in der Sonntagnacht im Hafen von Höfn im Hornafjörður aufgetaucht war, ist inzwischen als Wally identifiziert worden, ein Walross, welches zuletzt in West Cork in Irland gesichtet wurde. Der junge Bulle hat damit eine ziemlich lange Reise hinter sich gebracht: 5000 Kilometer insgesamt. Er war auch in Spanien, Wales und den Scilly Inseln beobachtet worden.

Identifiziert hatte ihn die Seehundrettungsorganisation Seal Rescue Ireland an den Narben an seinen Flossen. Zwischen der letzten Sichtung in Cork und seinem Auftauchen in Island lagen 22 Tage. Bei Seal Rescue herrscht grosse Freude, dass es Nachrichten von Wally gibt: “Wir sind überglücklich, dass er nicht nur lebt und wohlauf ist, aber auch auf seinem Weg nach Hause in die Arktis.” heisst es in einem Facebookbeitrag.

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Die Freude gilt sicher auch der Tatsache, dass kleine Boote nun wieder sicher sind – Wally Walross war nämlich bekannt dafür, in allen Häfen, die er besuchte, mindestens zwei Boote beim Versuch an Bord zu klettern zum Kentern zu bringen. Hier gibt es ein Video dazu. Die BBC berichtet, in Crookhaven stehe nun ein Ponton bereit, den man Wally anbieten wolle, falls er sich wieder blicken lasse.

Doch Wally befindet sich ja auf Reisen in Island. Gestern Abend war er wieder in Höfn aufgetaucht und hatte soviele Besucher angelockt dass die Behörden die Brücke absperren mussten, damit das Tier Ruhe fand. Angebotene Fische hatte er dankend angenommen. Auf Booten ist Wally allerdings bisher noch nicht gesehen worden.

Island hat keine eigene Walrosspopulation, die Meeressäuger tauchen allerdings alle paar Jahre mal hier auf und sind meist auf dem Weg von Grönland nach Süden.

 

Ausgrabung im Stöðvarfjörður könnte Besiedlungsgeschichte neuschreiben

Stöð Stövarfjörður Viking Age excavation

Die Ausgrabung einer Wikingersiedlung in Ostisland wirft ein klareres Licht auf die Besiedlungsgeschichte des Landes, auch in Bezug auf saisonale Siedlungen, reichausgestattete Langhäuser und die Walrossjagd lange bevor die Insel dauerhaft besiedelt wurde. In der Ausgrabungsstätte Stöð im Stöðvarfjörður wurden Hinweise gefunden, die auf ein Betreten der Insel Jahrzehnte vor dem bislang angenommenen Besiedlungsdatum 874 v.Chr. hindeuten.

Eins der ältesten ausgegrabenen Langhäuser
Bjarni F. Einarsson, der Ausgrabungsleiter in Stöð, hatte seine Grabung im Jahr 2015 aufgenommen. Die Arbeiten sind noch nicht abgeschlossen, doch es gibt bereits beachtliche Erkenntnisse zur Frühgeschichte in Island.
“Zur Zeit graben wir einen wikingerzeitlichen Hof aus, der meiner Schätzung nach aus den Jahren 860 bis 870 n.Chr stammt.” Das Langhaus gehört mit 31,4 Metern zu den grössten, die in Island je gefunden wurden. “Es ist auch das reichste Langhaus was je in Island freigelegt wurde. Wir haben 92 Perlen und 29 Silberobjekte gefunden, darunter römische und arabische Münzen.” Der Perlenschatz ist doppelt so gross wie die beiden bislang gefundenen zusammen und einer der grössten Perlenschätze, die je in einer wikingerzeitlichen Stätte in Skandinavien ausgegraben worden sind.

Errichtet auf Ruinen
Vielleicht noch interessanter ist die Tatsache, dass der Hof auf den Ruinen eines noch älteren Langhauses errichtet wurde. “Es war innerhalb der zusammengefallenen Mauern einer älteren Struktur errichtet worden, die riesengross gewesen sein muss, mindestens 40 Meter lang.”

Die bislang grössten gefundenen Langhäuser in Skandinavien hatten eine Länge von 50 Metern. “Dies scheint mindestens so alt zu sein wie die ältesten Strukturen, die wir zuvor in Island ausgegraben haben. Auf der Grundlage von Radiocarbonanalyse und anderen Hinweisen schätze ich, dass diese Strukturen aus dem Jahr 800 stammen.”

Bjarni glaubt, dass das ältere Langhaus ein saisonales Jagdcamp war. Solche Camps hat es in anderen Teilen der Insel auch gegeben. “Wir haben mehrere Orte in Island gefunden, wo wir menschliche Spuren von vor dem Jahr 874 bestätigen können. Einer dieser Orte ist Aðalstræti in Reykjavík, aber auch Vogur in Hafnir [Südwestisland].”

Walrosszahn begehrte Handelsware
Saisonale Camps haben möglicherweise eine wichtige Rolle bei der Besiedlung gespielt, weil sie wertvolle Resourcen in Aussicht stellten und damit weitere Erkundungszüge und Besiedelung finanzierten. Neuere paläoökologische Untersuchungen weisen darauf hin, dass die wertvolle Resource, die die ersten Besucher nach Island zog, der Stosszahn des Walrosses gewesen ist. Walrosselfenbein war im 9. Jahrhundert in Europa ein gefragter Rohstoff, ähnlich wie der Tran und die Haut des Tieres. Vor allem wurden hohe Preise gezahlt: ein einzelner Stosszahn war soviel wert wie der Jahreslohn eines Knechtes.

Im Jahr 2019 ergab die Datierung von in Island gefundenen Walrosszähnen, dass sie zu einer bislang unbekannten Unterart des atlantischen Walross gehörten. Das isländische Walross hat offenbar über tausende von Jahren an den Stränden der Insel gelebt, mindestens seit 7000 v.Chr, und es verschwand von der Bildfläche kurz nach dem Auftauchen der Siedler.

Saisonale Jagdcamps wie das im Stöðvarfjörður waren Bjarni zufolge eine bekannte Siedlungsform der wikingerzeitlichen Expansion im Westatlantik.
“Die wikingerzeitliche Siedlung in Neufundland, in L’Anse aux Meadows, war ein Camp diesen Typs, sehr ähnlich dem in Stöð, betrieben von isländischen oder grönländischen Stammesführern. Die neusten Forschungsergebnisse zeigen eine Nutzung über einen Zeitraum von 150 Jahren, bevor der Ort aufgegeben wurde.”

Isländische Walrösser von den Wikingern ausgerottet?

In vergangenen Zeiten lebte in Island eine isländische Unterart des Walrosses, ihr Bestand wurde jedoch während der Besiedlungszeit vor 1100 Jahren vollständig ausgerottet.

Ein Team internationaler Wissenschaftler hat das Rätsel um die verschwundenen Walrösser nun gelöst, berichtet RÚV. Forschungsergebnisse weisen darauf hin, dass der Walrossbestand und seine Ausrottung ein erstes denkbares Beispiel für die Übernutzung eines Meereslebewesens sein könnte.

Die Jagd auf die Tiere und der Handel mit Stosszähnen, Häuten, Fleisch und Tran gelten als hauptsächliche Verursacher für die Ausrottung des isländischen Walrosses, heisst es in einer Mitteilung des Forscherteams.

Zu Wikingerzeiten waren Walrösser beliebte Jagdbeute. Die Häute nutzte man für Kleidung und für Taue, die an den grossen Segeln der Wikingerschiffe Anwendung fanden, erklärte der Biologe Hilmar J. Malmquist vom Naturhistorischen Institut.

Der Tran war ebenfalls begehrt, er wurde sowohl als wasserfeste Abdichtung der Schiffsswand genutzt, als auch als Schutz gegen Muscheln, die sich in die Schiffswände hineinbohrten und diese zerstörten.

Die Stosszähne wurden damals Elfenbein des Nordens genannt und galten als echte Schätze. Künstlerisch begabte Menschen, Frauen wie Männer, schnitzten schöne Muster in die Zähne. “Könige erhielten Stosszähne als Geschenk, und auch ganze Schädel. Das galt als ausgesprochen bemerkenswerter Gegenstand, und das ist es bis heute.” sagt Hilmar.

Aber auch die Erderwärmung nach der kleinen Eiszeit und die grossen Vulkanausbrüche könnten am Verschwinden der Walrösser aus Island beteiligt sein, heisst es in der Mitteilung.

Hilmar zufolge nagen die globalen Veränderungen, wie etwa die Erwärmung der Erde am Bestand von Walrössern und anderen Arten. Zu der Zeit, wo das Walross in Island gelebt hatte, war es relativ warm gewesen und es hatte nur wenig Eis gegeben. Es hatten sich auch ungewöhnlich viele Vulkanausbrüche ereignet, besonders in den Regionen, wo sich die Walrösser bevorzugt aufhielten.

Die neuste These der Wissenschaftler zu Siedlungs- und Naturgeschichte vergangener Zeiten stützt sich darauf, dass die Nachfrage nach Produkten von Meerestieren und Vögeln hier in Island viel eher die treibende Kraft hinter der Landnahme war als das strenge Regime in Norwegen, oder politische Meinungsverschiedenheiten.” erklärt Hilmar. Das habe die Besiedlung weitaus mehr vorangetrieben als man bislang angenommen habe.

Das Vorkommen der Walrösser hier in Island und ihr Verschwinden hatten Wissenschaftlern lange Kopfzerbrechen verursacht.

Die neusten Forschungsergebnisse wurden in der Zeitschrift Molecular Biology and Evolution veröffentlicht. Beteiligt an dem Projekt waren Forscher aus Island, Dänemark und den Niederlanden, untersucht hatten sie Alter und Erbgut von Knochen, die vor allem im Südwesten, Westen und in den Westfjorden gefunden worden waren. Die meisten Knochen waren mit der Brandung auf der Halbinsel Snæfellsnes an den Strand gespült worden. Man hat, so heisst es in der Mitteilung des Naturhistorischen Institutes, jedoch auch Knochen in Hausfundamenten, bei Ausgrabungen und bei Hafenarbeiten gefunden.

Hier kann man in einem kurzen Film sehen, wie ein vermutlich 2000 Jahre alter Walrossschädel vermessen wird, der im Jahr 2015 in Snæfellsnes von deutschen Touristen am Strand gefunden worden war. Damals keimte zum ersten Mal der Verdacht auf, dass Walrösser einst wohl zur Fauna Island gehört haben.

Zur selben Zeit wurde auch darauf hingewiesen, dass es weitaus mehr Funde gegeben habe, die jedoch in Koffern von Touristen und Sammlern ausser Landes gereist seien.

Das Mitnehmen von solchen Funden, sei es in tierischer, pflanzlicher oder geologischer Form, ist dem isländischen Gesetz nach verboten.