2500 Tonnen Walfleisch nach Japan exportiert

Im vergangenen Monat sind 2500 Tonnen Walfleisch von Island nach Japan verschifft worden, berichte Heimildin. Diese Fracht ist der erste Walfleischtransport seit dem Jahr 2018, als 1500 Tonnen auf die Reise gingen. Das einzige isländische Walfangunternehmen Hvalur hf. hatte im vergangenen Jahr nach dreijähriger Pause die Jagd wieder aufgenommen, 148 Finnwale aus der Quote waren getötet und in der Anlegestation im Hvalfjörður zerteilt worden.

Die Information über den Export fand Heimildin auf der Webseite des Statistischen Amtes, Exportdaten gab es bei den isländischen Zollbehörden. Das Ministerium für Fischerei, Landwirtschaft und Lebensmittel verfügte nach eigenen Angaben über keinerlei Daten. Dort gebe man ab diesem Jahr nur Zertifikate heraus, die bestätigen, dass ausschliesslich freigegebene Walarten gejagt wurden, hiess es auf Anfrage.

Nach Angaben der Zollbehörden werden Daten zu Import und Export im Dezember 2022 erst einen Monat später veröffentlicht. Man könne aber auch vor der Veröffentlichung bestätigen, dass im Dezember Walfleisch exportiert worden sei, per Schiff, registrierter Empfänger der Fracht sei Japan gewesen. Weitere Informationen liegen nicht vor, ausser dass das Nettogewicht der nicht näher bezeichneten Fracht 2,576,351 Tonnen betragen habe.

Walfang seit 2022 unter strenger Beobachtung
Im Jahr 2019 hatte Hvalur hf vom damaligen Fischereiminister eine Verlängerung der Jagdlizenz um fünf Jahre erhalten. Trotz der dreijährigen Pause hielt Hvalur-Geschäftsführer Kristján Loftsson es in einem Interview im Herbst für selbstverständlich, dass auch 2023 zur Jagd ausgelaufen werde.

Das fand im vergangenen Jahr nicht jeder so selbstverständlich. Die Ministerin für Fischerei, Landwirtschaft und Lebensmittel, Svandís Svavarsdóttir, hatte Anfang 2022 geschrieben, es müsse erst mal bewiesen werden, dass eine Verlängerung der Jagdlizenz nach 2023 wirtschaftlich berechtigt sei. In historischem Zusammenhang habe der Walfang negative Auswirkungen auf Export und Reputation des Landes gezeigt. Die lange Fangpause sei möglicherweise auf ein defizitäres Geschäft zurückzuführen.

Im letzten Sommer fand sich der umstrittene Wirtschaftszweig in den Schlagzeilen wieder, als wiederholt Wale an Land gezogen wurden, die offenbar nicht beim ersten Harpunenschuss getötet worden waren. Manche Kadaver trugen bis zu vier Harpunen im Leib. Es hatte auch Bildokumente von tragenden Walkühen gegeben, denen an Land der Embryo aus dem Leib geschnitten wurde.
Ein Ergebnis der eigens geschaffenen ministeriellen Arbeitsgruppe war ein strengeres Reglement, nach dem sich unter anderem stets eine behördliche Kontrollperson an Bord befinden muss, die die Einhaltung des Tierschutzgesetz überwacht.

 

Waljagd: Erlegter Wal musste viermal beschossen werden

Das Walfangschiff Hvalur 8 hat gestern zwei erlegte Wale in der Zerteilstation im Hvalfjörður angelandet, wobei einer von ihnen, ein Bulle, vier Harpunen in seinem Körper trug. Das bedeutet, dass er viermal beschossen werden musste, bis er verendete.

Entsprechende Fotos der Anlandung lieferte die Walschutzorganisation Hard to Port. Arne Feuerhahn von Hard to Port sagte Kjarninn gegenüber, der Wal habe einen langen Todeskampf hinter sich. Einer Studie der Fischereibehörde aus dem Jahr 2014 (in englischer Sprache verfasst) zufolge dauert nur das Nachladen der Harpunen um die acht Minuten, bevor man dann möglicherweise merkt, dass der Schuss nicht sitzt und das Tier immer noch lebt. In der genannten Studie waren 50 Wale verfolgt worden, 42 von ihnen starben gleich nach dem Einschuss, acht von ihnen kämpften bis zu 20 Minuten lang mit dem Tod. In diesem Sommer hatte Hard to Port von gleich mehreren Fällen Beweisfotos geliefert, wo Wale mehrfach beschossen werden mussten, weil der erste Schuss nicht sass.
Drei Harpunen sind auf Feuerhahns aktuellen Fotos deutlich zu sehen, die vierte kam bei der Zerteilung des Kadavers zum Vorschein. Zwei der Sprengladungen waren nicht explodiert und mussten entschäft werden, Feuerhahn berichtet von verärgerten Arbeitern.

Tierschutzbeauftragter soll an Bord die Tötung filmen
Die zuständige Ministerin für Fischerei Landwirtschaft und Lebensmittel, Svandís Svavarsdóttir, hatte Kjarninn gegenüber kürzlich angegeben, es sei vollkommen klar, dass wenn eine Branche, die auf Tierhaltung oder Jagd basiere, das Töten der Tiere nicht auf humane Art und Weise durchführen könne, sie “keine Zukunft in der modernen Gesellschaft” habe.
Eine von ihr vorgelegte Bestimmungsänderung sieht vor, dass der Kapitän eines Walfängers einen Mann aus der Mannschaft als Tierschutzbeauftragten ernennen muss, der nach einem absolvierten Kursus Jagd und Tötung sämtlicher Wale filmisch dokumentieren muss. Das Filmmaterial geht zur Überprüfung an die Veterinäraufsichtsbehörde. Ab dem kommenden Jahr soll sich dann ein Amtstierarzt an Bord befinden.
Sowohl das Walfangunternehmen Hvalur ehf als auch die Interessenverbände der Seeleute hatten sich scharf gegen diesen Plan ausgesprochen und argumentiert, dass es für eine solche Bestimmung keine rechliche Grundlage gebe und man keiner Privatperson eine Verantwortung aufbürden könne, die eigentlich eine Behörde zu tragen hat.

Kontrollmechanismen in Planung
In der vergangenen Woche hatte es zu den Vorkommnisse des Sommers ein Treffen der Behörden gegeben. Auf Nachfrage von Kjarninn hatte die Leiterin der Veterinäraufsichtsbehörde, Sigurborg Daðadóttir, angegeben, MAST prüfe, ob und wie offizielle Personen “noch strenger” kontrollieren könnten, ob die Tierschutzgesetze beim Töten der Wale befolgt würden.
Dem Gesetz zufolge muss MAST die Jagd auf wilde Tiere nicht kontrollieren, sie ist lediglich zuständig für das Tierwohl, und in Bezug auf die Jagd muss sie kontrollieren, dass Tiere so rasch und schmerzlos wie möglich getötet werden. Jägern widerum ist es dem Tierschutzgesetz nach verboten, einem erlegten Wildtier unnötige Verstümmelungen und Qualen zuzufügen.
Von der Walschutzorganisation Hard to Port verlautete, die Jagd auf einen Wal, der viermal beschossen werden muss, bevor er verendet, stehe in klarem Gegensatz zu diesem Gesetz.

“Dieser neue und gruselige Vorfall zeigt doch, wie wichtig es ist, diese Jagd dort auf hoher See mitzuverfolgen, wo sie auch stattfindet. Wenn Hvalur ehf grundsätzliche Richtlinien des Tierschutzes bei der Jagd nicht einhalten kann, was sie ja offenbar nicht können, dann sollten sie auch keine Lizenz zum Walfang bekommen,” sagte Arne Feuerhahn von Hard to Port.

Hvalur hf. erlegt trächtige Walkuh

In einem der beiden gestern erlegten Wale fanden sich zwei Harpunen in Körper, berichtet Kjarninn. Bei dem erlegten Tier handelte es sich um eine Kuh, die ein ungeborenes Kalb im Leib trug. Die eine Sprengladung war in der Flosse gelandet und nicht explodiert, die andere hatte ihren Weg in den Unterleib des Wals gefunden. Der Geschäftsführer der Walschutzorganisation Hard to Port, Arne Feuerhahn, glaubt, der Wal habe vor seinem Tod zweifellos stark gelitten.

Elf trächtige Walkühe in 2018 erlegt
Gleich nachdem der Finnwal an Land gezogen worden war, habe man die Harpune entfernt und den Wal aufgeschnitten, heisst es in einer Presemitteilung von Hard to Port. Auf Verlangen zweier Inspektoren, wurde auch der Uterus des Wals eröffnet, und dort kam ein etwa ein Meter langer Embry zum Vorschein. Hard to Port gibt an, dass man den Embryo sofort entfernt habe, wohl um zu verhindern, dass noch mehr Fotos an die Öffentlichkeit gelangen.
Nicht zum ersten Mal hat das Walfangunternehmen Hvalur hf. einen trächtigen Wal erlegt. In der Fangsaison 2018 ist dies mindestens elfmal vorgekommen. “Das ist sehr wahrscheinlich, dass trächtige Walkühe erlegt werden,” erklärt die Meeresbiologin Edda Elísa­bet Magn­ús­dótt­ir. “Die sind dann in der Halbzeit ihrer Trächtigkeit, oder länger, wenn sie erlegt werden.”
Ein Finnwal bringt alle zwei bis drei Jahre ein Kalb zur Welt. Im Dezember paaren sich die Wale, elf Monate später kommt das Kalb zur Welt und säugt etwa sechs Monate bei seiner Mutter.
Das Gesetz zur Waljagd verbietet die Jagd und Tötung von Walkälbern, von säugenden Kälbern, und von Walkühen mit einem säugenden Kalb. Nicht verboten ist die Jagd auf trächtige Walkühe. Edda Elísabet sagt, es gebe bei der Jagd keine Möglichkeit, das Geschlecht oder Alter eines Tieres auszumachen.

Details über Tötung liegen dem Ministerium nicht vor
Islands Ministerin für Fischerei und Landwirtschaft, Svandís Svavarsdóttir, hatte gestern Abend auf die Frage nach den zwei nicht-detonierten Sprengladungen geantwortet, ihrer Ansicht nach sei es klar, dass wenn ein Wirtschaftszweig, der auf Tierhaltung oder Jagd basiert, keine humane Tötung der Tiere gewährleisten könne, dieser keine Zukunft in der Gesellschaft habe.
Die humane Tötung bei der Jagd erfahre nicht genügend Gewicht, wohingehend die Tötung in den Schlachthäusern klaren Regeln folge: die Tiere müssen so rasch und schmerzlos wie nur irgend möglich getötet werden. “Zur Tötung der Wale liegen jedoch keine Informationen vor, ob sie human ist oder nicht.” sagte Svandís.
Bei der Jagd könne man niemals eine Tötung beim ersten Schuss garantieren, egal ob es sich um einen Wal, einen Vogel oder ein Rentier handle. Für die Waljagd gebe es die klare Regel, dass bei einem nicht sitzenden Schuss der Wal ans Schiff gezogen und mit einem Schuss ins Gehirn getötet werden müsse.
“Weder das Ministerium noch Behörden verfügen über Informationen, ob dies auch passiert. Das muss geändert werden.”

MAST muss Gesetzesverstösse zur Anzeige bringen
Svandís gab an, aus dem Grund die Jagdbestimmungen geändert und im Beratungsportal der Regierung vorgelegt zu haben, nach denen zukünftig ein Mitglied aus der Mannschaft zum Tierschutzbeauftragten ernannt werde und Jagd und Tötung eines Wals filmisch dokumentieren müsse. Diese Videos sollen dann von einem kontrollführenden Tierarzt bei MAST auf Verstösse hin geprüft werden. Bei einem Verstoss gegen das Gesetz liegt es in den Händen der Veterinäraufsichtsbehörde, den Fall bei der Polizei zur Anzeige zu bringen.

“Ich glaube, wir haben genügend Beweismaterial gesammelt,” schreibt Hard to Port in seinem Facebookbeitrag zu dem Vorfall. “Es gibt keinen Zweifel, dass die Jagd auf diese grossen Meeressäuger gegen Gesetze und Bestimmungen zum Tierschutz verstossen. Unser Bildmaterial spricht für sich selbst, und wir sind bereit, es auf Verlangen den verantwortlichen Behörden zu übergeben.”

Drei Wale mit nicht detonierter Sprengladung dokumentiert

Am 4. Juli diesen Jahres lief das Walfangschiff Hvalur 9 in den Hafen der Zerteilstation im Hvalfjörður ein, mit zwei erlegten Finnwalen, die man längs des Schiffs vertäut hatte. Die Wale waren am Vortag erlegt worden, wo sie getötet wurden, ist jedoch nicht bekannt, denn das Walfangunternehmen Hvalur hf. kommt in den Genuss einer Ausnahmegenehmigung: die Walfangschiffe fahren unter dem Radar, ihr Aufenthaltsort auf hoher See ist nicht einsehbar.
Als das eine tote Tier an Land gezogen wird, um mit Messern, Sägen und schwerem Gerät zerteilt zu werden, gelingt Tierschützern hinter dem Zaun des Betriebs ein folgenschwerer Schnappschnuss: in dem Wal steckt nämlich eine nicht-detonierte Harpune, berichtet Kjarninn.

Tierwohl beim Walfang immer fraglicher
Die Frage nach dem Tierwohl beim Walfang – wie lange ein Wal leiden muss bis er durch die Detonation des Sprengstoffs in seinem Leib den Verletzungen erliegt – steht damit wieder im Vordergrund der umstrittenen Unternehmung. Die Harpune samt Sprengsatz war schnell entfernt und der Sprengsatz entschärft. Der Vorgang wurde jedoch von der Walschutzorganisation Hard to Port auf Bild gebannt.
Die Leitende Amtstierärztin der Veterinäraufsichtsbehörde MAST, Sigurborg Daðadóttir, bestätigte Kjarninn gegenüber, die Angelegenheit sei so verlaufen wie Hard to Port sie beschreibe. “Den Informationen des Amtstierarztes vor Ort zufolge, der sich jeden einzelnen Wal anschaut, der an Land gezogen wird, hat dieser Schuss bei der Jagd auf diesen Wal nicht getroffen,” sagt Sigurborg. “Die Sprengladung traf auf Knochen, auf den Schädel, wie man auf dem Foto sieht, und deswegen explodierte sie nicht. Die Sprengladung muss in weiches Gewebe treffen, damit sie detoniert.”
Hard to Port hatte die Fotos an Kjarninn geschickt, das Magazin hatte sie an die Veterinäraufsichtsbehörde und das Amt für Fischerei mit einer Bitte um Kommentierung weitergeleitet. Beiden Behörden obliegt die Kontrolle beim Fang.
Der Wal war durch den misslungenen Schuss nur verletzt worden. Sigurborg sagt, die Zeit des Todeskampfes habe sich um die Zeit verlängert, die es dauere, eine weitere Harpune mit Sprengsatz abzufeuern. Das kann bis zu acht Minuten dauern. Es gibt keine Informationen darüber, wie lange dieser betreffende Wal um sein Leben hat kämpfen müssen.

Todeskampf dauert bis zu 15 Minuten
Einer Studie aus dem Jahr 2015 zufolge, die zunächst nicht veröffentlicht worden war, kann der Todeskampf eines Wals bis zu 15 Minuten andauern. Kjarninn schreibt, das sei etwa die Zeit, die ein Fahrzeug in erlaubtem Tempo von Litla Kaffistofa nach Hveragerði benötigt. Der Studie zufolge starben 42 Wale (84 Prozent) gleich nach dem Schuss. Acht starben nicht sofort und mussten erneut geschossen werden. Der längste bei der Studie beobachtete Todeskampf hatte 15 Minuten gedauert.
Die Waljäger hatten alle vor Beginn der Saison einen Kurs zum Töten von Walen besuchen müssen. Dort war ihnen empfohlen worden, auf den Leib des Tieres zu zielen, wo sich alle lebenswichtigen Organe befinden. Bei der Studie von 2014/15 waren die acht Wale an anderen Körperstellen getroffen worden und hatten erneut beschossen werden müssen.
Aktuell gültigen Bestimmungen zufolge muss der Wal mit einer Sprengladung namens Hvalgranat99 erlegt werden und das in kürzest möglicher Zeit. Im Tierschutzgesetz ist Artikel 27 speziell der Jagd gewidmet, wonach durch Jäger erlegte Tiere so wenig wie möglich leiden sollen. Verboten ist es, den Tieren zusätzliche Schmerzen durch Verstümmelungen zuzufügen.

Am gestrigen 17. Juli konnte die Walschutzorganisation Hard to Port erneut fotografisch nachweisen, dass ein erlegter Wal zweimal geschossen wurde. Das an Land gezogene Tier wies einen Durchschuss unterhalb der Flosse auf, die Sprengladung hatte den Wal offensichtlich nur in die Speckschicht getroffen und war kurz darauf wieder aus dem Körper ausgetreten, ohne zu detonieren.
Für die diesjährige Jagdsaison sind damit innerhalb von drei Wochen drei Wale dokumentiert, die zur Tötung zweifach geschossen werden mussten.

Tierschutzbeauftragter an Bord muss filmen
Im Januar hatte die Ministerin für Fischerei, Landwirtschaft und Lebensmittel, Svandís Svavarsdóttir, in einem Artikel im Morgeunblaðið geschrieben, unverändert spreche nur wenig dafür, die Waljagd nach dem Jahr 2024 noch zu erlauben. Bis dahin müsse ein wirtschaftlicher Nutzen nachgewiesen werden, um die Lizenz zu erneuern. Anfang Juni hatte sie die Bestimmungen dahingehend geändert, dass an Bord der Walfänger demnächst ein aus der Mannschaft aufgestellter Tierschutzbeauftragter die Jagd und das Töten der Wale filmisch dokumentieren muss, diese Videos sollen dann an die Veterinäraufsichtsbehörde gehen. Ab der kommenden Saison hat sich auch ein Amtstierarzt an Bord zu befinden.

Sævar Guðmundsson, Abteilungsleiter der Küsteninspektion beim Amt für Fischerei, sagte Kjarninn gegenüber, der Walschütze müsse einen Kursus mit den genannten Waffen absolvieren, um die Wale sachgerecht töten zu dürfen. Die Vorgänge vom 4. Juli kommentierte er dahingehend, dass seine Behörde sämtliche Meldungen überprüfe und bei Verstössen den Kapitän und die Reederei befrage. Solche Verstösse seien jedoch gegenüber der Fischereibehörde nicht meldepflichtig. Die Aufsicht in Bezug auf das Tierwohl führe die Veterinäraufsichtsbehörde.

 

Neue Regel sieht vor, dass jeder Walfang filmisch dokumentiert werden muss

Islands Ministerin für Fischerei, Landwirtschaft und Lebensmittel, Svandís Svavarsdóttir, hat vorgestern eine Anpassung der Walfangbestimmungen vorgelegt, welche sicherstellen soll, dass die Wale beim Töten nicht unnötig leiden. Demnach muss der gesamte Prozess von Tötung bis Anlandung filmisch dokumentiert werden. Der Ratgeber des Internationalen Tierschutzbundes und des Verbands der Walbeobachter glaubt, diese Anpassung könnte der Anfang vom Ende des Walfangs sein.

Wale seien nicht nur die grössten Tiere auf Erden, sondern hätten auch ein hochentwickeltes Nervensystem und könnten daher spüren und leiden, erklärte die Ministerin gestern in einem Radiointerview. „Es ist sehr wichtig, dass das Töten von Walen ähnlich erfolgt wie bei anderen Tieren, die Leiden verspüren können. Dem Gesetz nach dürfen wir bei den Walen keine anderen Bedingungen stellen als bei anderen Tieren. Deshalb werden ich zwei Dinge tun, ohne ein Gesetz ändern zu müssen, und ohne durch das Parlament zu müssen, mit allem was dazugehört.“

Svandís’ Regelanpassung sieht vor, dass zukünftig verpflichtend auf jedem Walfangschiff ein Besatzungsmitglied als Tierschutzbeauftragter ernannt werden muss, der bei einem Kursus bei der Veterinäraufsichtsbehörde lernt, welche Punkte beim Töten eines Wals beachtet werden müssen. Dieser Tierschutzbeauftragte an Bord muss dann das gesamte Prozedere jeder einzelnen Waljagd vom Harpunieren bis zur Anlandung in der westisländischen Zerteilstation filmisch dokumentieren. Die Videos werden anschliessend von einem Amtstierarzt bei MAST ausgewertet.

Gleiche Bedingungen für Schlachthaus und Walfänger
„Damit erhalten wir einen besseren Überblick darüber, wie das eigentlich abläuft und ob das Tierschutzgesetz greift.“ erklärte Svandís. „Ab kommenden Sommer will ich noch einen Schritt weiter gehen und einen Amtstierarzt an Bord haben, der das Prozedere mitverfolgt. Damit werden für den Walfang die gleichen Ansprüche erfüllt wie für die Schlachtung von Rindern oder Schafen – dass ihr Todestag so kurz und schmerzlos wie nur irgend möglich ausfällt.“
Zusätzlich zu diesen Massnahmen prüfe man die wirtschaftlichen Faktoren, um herauszufinden, ob sich die Waljagd volkswirtschaftlich lohnt, und ob es zu rechtfertigen sei, die oben genannte Regeländerung auch nach Ende 2023 aufrecht zu erhalten. Die derzeitige Jagdlizenz für das Unternehmen Hvalur eh. ist bis 2023 gültig. Sie habe die Regeländerung nicht im Kabinett besprochen, gab Svandís im Interview mit RÚV an, weil es sich einfach nur um die praktische Anwendung einer bereits vorhandenen Bestimmung handle, die über ihren Schreibtisch als Ministerin für Fischerei gehe.

Könnte der Anfang vom Ende sein
Sigursteinn Másson, der Ratgeber des internationalen Tierschutzbundes und des Verbandes der Walbeobachter in Island begrüsst die Initiative der Ministerin. Seiner Ansicht nach wird dies dazu führen, dass die Jagd auf Grosswale bald der Vergangenheit angehören wird. Noch besser wäre allerdings gewesen, wenn der Amtstierarzt schon jetzt an Bord der Walfänger gehen müsse.
“Aber das ist ganz klar ein Schritt in die richtige Richtung. Es ist sehr wichtig, dass dort die ganze Zeit gefilmt werden muss, während der Jagd und bis der Wal in der Zerteilstation an Land gezogen wird.” Ein Seemann aus der Mannschaft sei nur mit den Videoaufnahmen befasst. Die Veterinäraufsichtsbehörde müsse sich darum kümmere, dass dies mit soviel Anstand wie möglich passiere.

Neue Regelung liefert handfeste Beweise
Sigursteinn kritisierte das Festhalten an der Jagd auf Finnwale, die er für unwirtschaftlich hält und weist auf Untersuchungen auf Norwegen hin, wonach der Todeskampf eines Finnwals bis zu 25 Minuten dauern kann, nachdem die Harpune mit vier Kilogramm Sprengstoff im Wal gelandet ist. “Das ist natürlich absolut unbefriedigend.”
Im Jahr 2014 hatte die Fischereibehörde eine Studie zur Länge des Todeskampfes von Finnwalen für das Ministerium für Fischerei angefertigt. Nach dieser Studie dauerte der Todeskampf von acht (aus 50) Walen zwischen sechs und 15 Minuten, weil nachgeschossen werden musste. Die Ergebnisse der Studie hatten damals keine Konsequenz gehabt.
Die Leiterin der Veterinäraufsichtsbehörde, Sigurborg Daðadóttir, sagte RÚV gegenüber, es gebe keine Hinweise darauf, dass in Island beim Walfang das Tierschutzgesetz nicht befolgt werde. Allerdings sei es bislang schwierig gewesen, einen Beweis abzuliefern, dass man sich an das Gesetz halte. Die neuen Regeln schafften genau da Abhilfe.

Waljagd: 14 Wale in 12 Tagen erlegt

In den 12 Tagen der diesjährigen Waljagdsaison hat die Reederei Hvalur hf. bislang mit ihren beiden Fangschiffen 14 Wale zur Zerteilung an Land gebracht, berichtet Vísir. Vier weitere Finnwale sind bereits getötet und längs des Schiffes befestigt, die Schiffe befinden sich auf dem Weg zur Zerteilungsstation im Hvalfjörður. Die Hvalur 9 wird für den Abend erwartet, Hvalur 8 in der Nacht.

Nach Informationen von Vísir wurden die Wale alle im gleichen Gebiet erlegt, in der Bucht Faxaflói, um die 180 Seemeilen von der Küste entfernt. Von dort aus sind es 18 Stunden Fahrt mit dem toten Wal im Schlepp in den Hvalfjörður.
Die Jagdsaison hatte nach mehrjähriger Pause am 22. Juni beginnen, und gleich am nächsten Tag war der erste Wal erlegt worden.
Der grösste bislang erlegte Wal hatte eine Länge von 21 Metern. Die meisten sind zwischen 19 und 20 Metern lang, der kleinste mass um die 18 Meter.

Walfang bringt Geld in die Gemeinschaft
Vilhjálmur Birgisson, der Vorsitzende der Gewerkschaft in Akranes, hatte kürzlich in einem Kommentar auf Vísir geschrieben, dass in der letzten Jagdsaison im Sommer 2018 der Durchschnittslohn für die Arbeit in der Zerteilstation im Hvalfjörður bei etwa einer Million ISK (7178 EUR) gelegen habe. Er behauptete, dass sich um die Jobs dort gerissen werde, weil man gutes Geld verdienen könne. Deshalb sei er sehr froh, dass die Waljagd in isländischen Gewässern nun wieder betrieben werde, weil sie sehr positive Auswirkungen auf die Gemeinschaft in Akranes und Umgebung habe.
In der Zerteilstation sind 120 Mann beschäftigt, zur See fahren auf den beiden Schiffen Hvalur 8 und Hvalur 9 etwa 30 Seeleute.

Die beiden Schiffe Hvalur 6 und Hvalur 7 liegen im Hvalfjörður gleich neben der Zerteilstation, an der gleichen Stelle wo sie vor 11 Jahren an Land gezogen worden waren und nun vor sich hin rosten, nachdem sie viele Jahre auf dem Grund des Reykjavíker Hafens verbracht hatten. Dort hatte die Tierschutzorganisation Sea Shepards die Schiffe im Jahr 1986 als Protestaktion gegen den Walfang versenkt. Sea Shepard ist auch in diesem Jahr wieder vor Ort, unter anderem lassen die Aktivisten von jeder Schlachtung ein Livevideo auf ihrer von 155.000 Lesern abonnierten Facebookseite laufen.

Auswirkungen auf Tourismus umstritten
Hvalur hf. Chef Kristján Loftsson hatte mehrfach betont, es sei blanker Unfug, dass die wiederaufgenommene Waljagd negative Auswirkung auf den Tourismus habe, bzw irgendwen von einer Islandreise abhalte.
Der Leiter der isländischen Tourismusbehörde, Skarphéðinn Berg Steinarsson, hatte turisti.is gegenüber angegeben, sein Postfach sei jeden Tag voll von Emails, in denen gegen den Walfang protestiert wird.

Ab Juni sollen in Island wieder Wale gejagt werden

whaling Hvalur hf

Das Walfangunternehmen Hvalur hf. plant die Waljagd in diesem Sommer nach drei Jahren Pause wiederaufzunehmen, berichtet Vísir. Geschäftsführer Kristján Loftsson sagt, man wolle Finnwale jagen, die Marketingbedingungen für diese Walart seien gut. Seit 2018 hatte es keine Waljagd in Island mehr gegeben, die jetztige Lizenz läuft im kommenden Jahr aus.
Hvalur hf. will mit seinen Schiffen im Juni auslaufen und bis September kommerziell Wale jagen. Auf den Schiffen, an der Zerteilungsstation im Hvalfjörður und in der Fabrik in Hafnarfjörður sollen 150 Beschäftigte Arbeit finden. Als Hauptgrund für die dreijährige Pause gibt Kristján einen Konflikt mit der Lebensmittelaufsichtsbehörde MAST in Bezug auf die Zerteilungsstation an. Dort werden Wale immer noch unter freiem Himmel aufgebrochen. Andere Gründe für die Pause waren in älteren Interviews schlechte Vermarktungsbedingungen und COVID-19 gewesen.

Die Fangquote für Finnwale beträgt 161 Tiere, hinzu kommen 32 Tiere aus nicht genutzten Vorjahresquoten. Nach Angaben von MAST liegt eine vollständige Betriebserlaubnis für die Zerteilstation im Hvalfjörður vor, die MAST jedoch vorher noch prüfen will.
Jagdlizenzen für Wale werden in Island immer für mehrere Jahre erteilt. Fischereiministerin Svandís Svavarsdóttir sieht einem offenen Brief zufolge keine wirtschaftliche Rechtfertigung für eine Fortsetzung der Lizenz im kommenden Jahr, vielmehr schädige die Waljagd das Image des Landes. Auf eine Anfrage von Kjarninn bestätigte die Ministerin ihr zuvor erwähntes Vorhaben, noch in diesem Jahr ein Gutachten über Rentabilität und gesellschaftliche Auswirkungen der Waljagd anfertigen zu lassen.

Islands grösstes Waljagdunternehmen Hvalur hf. hatte in den vergangenen Jahren immer wieder für Schlagzeilen und Kontroversen gesorgt. Einen öffentlichen Aufschrei gab es, als das Unternehmen einen trächtigen Finnwal tötete, und im Jahr 2018 einen äusserst seltenen Hybridwal. Nachdem in 2014, 2015 und 2018 keine Logbücher eingereicht worden waren, hätte das Unternehmen beinahe seine Lizenz verloren. Ausserdem hatten drei Aktionäre und Aktivisten gegen Hvalur hf. geklagt.
Gestern hatte die Tourismusbranche Befürchtungen geäussert, Nachrichten über eine Wiederaufnahme der Waljagd auf der Insel könnten Islandreisende abschrecken.
Kjarninn zufolge hatte der Dichter Sjón auf Twitter zu Protesten aufgefordert und Walfanggegner gebeten, eine Email an das Ministerium für Fischerei und Landwirtschaft zu schicken.

Beginn der Waljagdsaison 2022 könnte Touristen abschrecken

Der Geschäftsführer des Tourismusverbandes bedauert Nachrichten über eine Wiederaufnahme der Waljagd in diesem Sommer. Die Tourismusunternehmen bekämen die negativen Auswirkungen zu spüren, sobald solche Nachrichten an die Öffentlichkeit gerieten, berichtet Vísir.
Im Morgunblaðið wird der Geschäftsführer von Hvalur ehf., Kristján Loftsson, zitiert, dass in diesem Juni wohl wieder zur Waljagd geblasen werde. Sollte das Wetter es zulassen, werde man die Meeresriesen bis in den September hinein jagen. Der ehemalige Minister für Fischerei und Landwirtschaft, Kristján Þór Júlíusson, hatte im Februar 2019 eine Jagdlizenz für Finnwale und Zwergwale ausgestellt, die bis 2023 gültig ist. Seine Amtsnachfolgerin, Svandís Svavarsdóttir, hatte jedoch angegeben, sie sehe nur wenig, was die Waljagd heutzutage noch rechtfertige. Weltweit betreiben nur drei Länder die kommerzielle Waljagd, neben Island sind dies Norwegen und Japan.

Furcht vor ausländischen Artikeln zum Walfang
In diesen Tagen versucht der isländische Tourismus nach pandemiebedingter Pause wieder in Fahrt zu kommen. Bei einer Jahreskonferenz der Branche ging es heute um Zukunftsvisionen, doch nach Worten von Geschäftsführer Jóhannes Þór Skúlason gehöre die Waljagd ganz sicher nicht dazu.
“Das ist natürlich bekannt und oft zitiert, dass die Waljagd nach Ansicht der Tourismusindustrie dem Image Islands als touristisches Ziel immensen Schaden zufügt. Da muss man nicht um den heissen Brei reden. Man muss sich nur die Artikel zur isländischen Waljagd in den ausländischen Medien anschauen, da gibt es in den grossen Zeitungen oft leidenschaftliche Beiträge.”
An die 80 Prozent aller Islandtouristen kämen, um die Natur zu erleben. Die Branche bemerke sofort, wenn Nachrichtenmagazine über die Waljagd der Isländer berichteten. Und dabei gehe es nicht einmal nur um die Walbeobachtungstouristen, die Waljagd schrecke so manchen insgesamt ab, die Insel zu besuchen.
Natur erleben und Waljagd, das passe einfach nicht zusammen, meint Jóhannes.
Zur Zeit befindet sich eins der Walfangschiffe zur Überholung auf der Werft.

Ministerin will Waljagd verbieten
Anders als ihr Vorgänger hat die neue Ministerin für Fischerei und Landwirtschaft in den sechs Monaten ihrer Amtszeit eine ganz andere Geisteshaltung in Bezug auf Tierschutz an den Tag gelegt.
In einem offenen Brief im Morgunblaðið hatte sie Anfang Februar geschrieben, es werde nach Ablauf der Lizenz ab 2024 keine Waljagd mehr geben. Vielmehr müsse erst mal bewiesen werden, dass eine Erneuerung der Jagdlizenz wirtschaftlich zu rechtfertigen sei. Die Gefahr der Rufschädigung für Island, die einer Fortführung der Waljagd unweigerlich folge, sei wesentlich, wenn auch schwer zu messen.

Auch in Bezug auf die Blutstutenwirtschaft befürchtet Svandís die Gefahr einer Rufschädigung Islands, sollte ein von ihr einberufenes Gremium zu dem Ergebnis kommen, dass weiterhin tragenden Islandstuten pro Sommer bis zu 40 Liter Blut auf teilweise brutale Weise entnommen werden darf, um daraus ein in der Schweinezucht verwendetes Hormon zu gewinnen. Das Gremium hat bis zum 1. Juni Zeit, ein Gutachten zu der international umstrittenen Industrie abzuliefern. Ausser Island betreiben nur Argentinien, Uruguay und China das einträgliche Geschäft mit dem Stutenblut.
Ähnlich wie bei der Waljagd, wo sowohl fragwürdige Tötungsmethoden als auch die Zerteilung der Kadaver unter freiem Himmel von Branchengegnern kritisiert wurden, stehen auch beim Blutgeschäft wirtschaftliche Interessen gegen Tierwohl und einzelne Artikel des Gesetzes zum Schutz der Pferde.