Walfang: Verlustgeschäft, aber Dividende in Aussicht

Das Walfangunternehmen Hvalur hf. hat im vergangenen Jahr 900 Millionen ISK Gewinn gemacht, und zwar durch Investition in andere Unternehmen. In der Walfangbranche fuhr Hvalur hf. auch weiterhin Verluste ein, berichtet Heimildin. Das zeigt die Jahresbilanz für die Zeit zwischen dem 1. Oktober 2021 bis 30. September 2022.

Die Kosten für den Betrieb der Fangschiffe, die Zerteilanlage im Hvalfjörður und den Export der Produkte beliefen sich auf 2.363 Mio ISK, die Kosten für die Gefrierlagerung im Hvalfjörður auf 202 Mio ISK, und die Einnahmen aus dem Verkauf des Walfleisch beliefen sich auf 44 Mio ISK im gleichen Zeitraum. Trotz des Exports wuchsen die Vorräte des Unternehmens um den Gegenwert von 2,260 Mio ISK. Daher ist davon auszugehen, dass ein Grossteil des im letzten Jahr verarbeiteten Walfleischs in den Gefrierhäusern verschwunden ist.

Im genannten Bilanzzeitraum erbeutete Hvalur 148 Finnwale. Der Sommer 2022 war der erste seit 2018, in dem das Unternehmen wieder zur Jagd in See gestochen war. Ausführungen der Jahresbilanz zufolge hatte man in den drei Pausejahren aus den Vorräten verkauft. Nach der Jagd im letzten Jahr stieg der Wert der Vorräte hingegen um die vorgenannten 2,260 Mio ISK.

Kräftige Dividendenausschüttung  vorgeschlagen
Die Unternehmensleitung hat nun vorgeschlagen, eine Milliarde ISK als Dividende an die Aktionäre auszuschütten. Grösster Aktionnär bei Hvalur hf. ist Geschäftsführer Kristján Loftsson mit 28 Prozent Eigneranteil. Kristjáns Schwester Birna hält über die gemeinsame Holdinggesellschaft der Geschwister, der Fischereikapitalgesellschaft Venus hf., einen Anteil von 21 Prozent.
Bislang ist nicht klar, ob das Unternehmen eine neue Lizenz für die Waljagd erhält, die für diesen Sommer noch gültige Lizenz läuft nach der Saison aus. Überwachungsvideos der Veterinäraufsichtsbehörde MAST hatten kürzlich zutage geführt, dass etwa die Hälfte der erbeuteten Wale nicht sofort verendet und dass manche auch nach mehrfacher Harpunierung einen stundenlangen Todeskampf erleiden müssen.

Heimildin hatte sich im Parlament nach der Stimmung in Sachen Walfanglizenz erkundigt. Dabei hatten sich 40 Prozent der Abgeordneten gegen eine Weiterführung des kommerziellen Walfangs ausgesprochen, und 13 Prozent waren dafür gewesen.

Walfang: Hvalur hf. erhält 2. Fristverlängerung wegen leckem Öltank

Die Gesundheitsbehörde in Westisland hat dem Walfangunternehmen Hvalur hf. eine Fristverlängerung bis nächstes Jahr erteilt, um einen auf blankem Erdboden stehenden Öltank gemäß der Verordnung zur Verhütung von Ölverschmutzungen korrekt aufzustellen. Die Fristverlängerung wurde erteilt, obwohl das Unternehmen ein Jahr Zeit gehabt hatte, um die geforderten Nachbesserungen vorzunehmen, berichtet RÚV.

Vor einem Jahr war der nicht vorschriftsmässig aufgestellte Öltank bereits moniert worden. Einem Brief der Gesundheitsbehörde an das Ministerium für Umwelt und Klima zufolge ist die Frist ein weiteres Mal verlängert worden, und zwar bis Juni 2024. Gesetzliche Bestimmungen erfordern eine Betonplatte mit Schutzvorrichtung, um den Tank ohne Verschmutzungsgefahr befüllen zu können.
Hvalur hf. hingegen gab an, so der Brief des Gesundheitsamtes, man prüfe andere Wege für eine zufriedenstellende Verschmutzungsprävention, da das Giessen einer Betonplatte “eine teure und umfangreiche Unternehmung” darstelle. Am Hungertuch nagt man bei Hvalur hf. jedoch nicht, im letzten Jahr hatte Hvalur-Chef Kristján Loftsson RÚV gegenüber einen Umsatz von 3,5 Mrd ISK erwähnt.
Die Entscheidung der Gesundheitsbehörde, die Frist noch einmal zu verlängern, war am Donnerstag den 1. Juni getroffen worden.

Naturschutzbund klagt und legt Berufung ein
Árni Finnsson, der Vorsitzende des isländischen Naturschutzbundes, sagte, es sei nicht hinnehmbar, dass das Unternehmen gegen geltende Vorschriften verstößt. „Wir werden auf jeden Fall gegen diese Frist Berufung einlegen. „Der Betrieb dieses Unternehmens entspricht in keinster Weise den Gesundheitsvorschriften“, erklärte Árni.

In der vergangenen Woche war bekannt geworden, dass die Lebensmittel- und Veterinäraufsichtsbehörde MAST Walfleischproben untersucht und eine grenzwertüberschreitende Keimbelastung gefunden hat. Die während der Sommermonate erlegten Wale werden im Hvalur-Betrieb gleich nach Anlandung unter freiem Himmel zerteilt.
Der Naturschutzbund hat zuvor auch verlangt, dass MAST die Betriebserlaubnis von Hvalur hf. widerruft. Ausserdem hat die Naturschutzorganisation eine Anzeige gegen die Praktiken des Unternehmens eingereicht, und zwar bei der Polizei und der EFTA-Aufsichtsbehörde. Letztere Institution hatte wissen lassen, dass der Fall beschleunigt behandelt werde.

EFTA-Regulierungsbehörde untersucht Walfang in Island

pollution, whaling, whale, whaling ships, Hvalfjörður

Die EFTA-Regulierungsbehörde (ESA), die überwacht, ob Bestimmungen aus dem europäischen Wirtschaftsraum in den EFTA-Staaten Island, Norwegen und Liechtenstein eingehalten werden, will den Walfang vor der isländischen Küste näher untersuchen. Der isländische Naturschutzbund verlangt von der Veterinäraufsichtsbehörde MAST, die Jagdlizenz des Walfangunternehmens einzuziehen und hat das Unternehmen bei der Polizei angezeigt, berichtet RÚV.

Im Jahr 2021 hatte MAST dem Unternehmen eine unbefristete Genehmigung für die Zerteilung, Tiefgefrierung und Lagerung der Walprodukte erteilt. Diese Genehmigung ist abhängig davon, ob das Unternehmen die rechtlichen Erfordernisse erfüllt. Der isländische Naturschutzbund verlangt, dass diese Genehmigung widerrufen wird. Katrín Oddsdóttir, die Anwältin des Naturschutzbundes, sagte RÚV, der geforderte Widerruf basiere auf der Überzeugung, dass Hvalur hf. während der Verarbeitung der erlegten Wale eben nicht die Gesetze und Bestimmungen befolgt.
“Wir haben Berichte von verschiedenen Quellen verlangt, und es stellt sich heraus, dass die Dinge in vieler Hinsicht nicht laufen wie sie sollten, sowohl was die Jagd angeht als auch die Verarbeitung der Produkte etwa.”

Walfleischproben bakteriell belastet
RÚV zufolge hatte die westisländische Gesundheitsbehörde bereits im letzten Jahr eine unzureichende Verschmutzungsprävention in der Walschlachtungsanlage angemahnt. Dabei ging es um einen fehlerhaft aufgestellten Öltank und eine ungeschützte Frischwasserquelle.
“Auch die Hygiene in der Anlage selbst scheint nicht gerade vom besten zu sein, wie einem Report von MAST zu entnehmen ist,” gab Katrín an. Die erlegten Wale werden mit Behördenerlaubnis unter freiem Himmel zerteilt. Bei von MAST genommenen Fleischproben wurde eine den Grenzwert überschreitende Bakterienbelastung gefunden. “Was natürlich sehr ernst ist, hier geht es um Lebensmittelsicherheit …. und das ist der Grund, warum wir den Fall an die EFTA-Regulierungsbehörde gemeldet haben.”

ESA untersucht isländischen Walfang
Von der ESA verlautete heute, dass man die Tätigkeit des Walfangunterehmens unter die Lupe nehmen werde. Katrín sagte RÚV, sie hoffe, dass es noch vor Beginn der Jagdsaison Mitte Juni ein Ergebnis gebe. “Wir hoffen natürlich, dass wir da Hilfe von ausserhalb bekommen, um auf die Absurdität des Walfangs in der Moderne hinzuweisen.”
Katrín zufolge habe eine “administrative Coabhängigkeit” in Island bislang einen Widerruf der Jagdlizenz verhindert. “Es gibt da eine Tendenz bei den Behörden, über Verstösse und Dinge, die nicht nach den Bestimmungen laufen, einfach mal hinwegzusehen. Bei Bestimmungen zu Trinkwasser oder Verschmutzungsprävention wird die Sache aber richtig ernst.” RÚV zufolge hat der Naturschutzbund das Walfangunternehmen Hvalur hf bei der Polizei angezeigt.

Am morgigen Samstag fndet in Reykjavík eine Antiwalfangveranstaltung statt, bei der unter anderem die Sängerin Björk auf der Bühne zu sehen sein wird. Die Initiatoren verlangen von der Regierung, den Walfang sofort zu verbieten.

 

Björk nimmt an Anti-Walfang-Protest statt

whaling Hvalur hf

Die isländische Musikerin Björk wird an einem Anti-Walfang-Protest am 3. Juni in Reykjavík teilnehmen. Die Organisatioren des Protestes drängen Islands Regierung darauf, dem Walfang sofort Einhalt zu gebieten.

Einer Pressemeldung ist zu entnehmen dass Björk bei der Protestveranstaltung auf dem Hjartatorg in der Innenstadt einen Bühnenauftritt haben wird. Nicht nur sie, auf die Musiker Högni und JFDR wollen auftreten, ausserdem soll es Ansprachen der Schauspielerinnen Hera Hilmars und Kristín Vala Ragnarsdóttir geben, sowie Wortmeldungen der Ungir umhverfissinnar (der junge Umweltverband) und des Nordic Youth Biodiversity Network. Die beiden Verbände werden einen Rechtsstreit gegen die isländische Regierung ankündigen, sollte der Walfang nicht sofort verboten werden.

280.000 Unterschriften gegen den Walfang
Während der Veranstaltung wollen die Initiatoren zwei Petitionen herumgehen lassen, die eine ist isländisch, die andere international. Beide Petitionen werden dann in der kommenden Woche Islands Ministerin für Fischerei, Landwirtschaft und Lebensmittel, sowie der Premierministerin überreicht. Bislang sind der Pressemeldung zufolge bereits 100.000 Unterschriften auf change.org eingegangen. Die isländische Petition ist von fast 180.000 Personen unterzeichnet worden.

Die Veranstaltung beginnt um 14 Uhr am Alten Hafen, wo sich die Teilnehmer am Walbeobachtungsschiff Fífill versammeln, und von dort aus zum Hjartatorg wandern, “im Geist der Wanderungen, die Finnwale jedes Jahr von den Azoren an Island vorbei nach Svalbard unternehmen.”
Nach der Wanderung findet die eigentliche Veranstaltung zwischen 15 und 19 Uhr unter Moderation des Comedystars Saga Garðarsdóttir statt. Ausserdem wird es einen Kunstworkshop für Kinder geben, die dort ihre eigenen Flaggen malen können.
Musikalisch begleitet wird die Veranstaltung unter anderem von Björk, Guðmundur Arnalds, und Juanma b2b.

Keine rechtliche Handhabe, den Walfang zu stoppen
Anfang Mai hatte Ministerin Svandís Svavarsdóttir angegeben, es sei rechtlich nicht möglich, den diesjährigen Walfang zu stoppen. Dies trotz einer Studie, die zweifelsfrei zeigt, dass die Fangpraktiken nicht mit dem isländischen Tierschutzgesetz in Einklang zu bringen sind, weil Wale teilweise einen mehrstündigen Todeskampf erleiden. Die diesjährige Jagdsaison beginnt Mitte Juni. Sie ist die letzte unter noch bestehender Lizenz, für die Saison 2024 und folgende muss eine neue Lizenz ausgegeben werden. Zur Ausgabe einer neuen Lizenz hatten sowohl die zuständige Ministerin als auch Islands Premierministerin Katrín Jakobsdóttir sich zuletzt ausgesprochen vage geäussert.
Islands einziges Walfangunternehmen Hvalur hf hatte angekündigt, zwei Tötungsmethoden entwickelt zu haben, mit denen Wale effektiver getötet werden können. Dabei arbeite man mit künstlicher Intelligenz, und mit Stromschlag durch die Harpune.

 

Walfang: Antrag auf Ausnahmegenehmigung

whale, hvalur, hvalaskoðun, whale watching

Das Walfangunternehmen Hvalur hf. hat beim Umweltminister eine Ausnahmegenehmigung beantragt, um termingerecht mit der Verarbeitung von erlegten Walen zu beginnen, obwohl eine Betriebslizenz dafür noch nicht vorliegt. Inspektoren der Gesundheitsbehörden hatten einen nicht fachgerecht aufgestellten  Öltank auf dem Betriebsgelände moniert. Der Leiter der Gesundheitsbehörde hält es allerdings für unwahrscheinlich dass die Lizenzausgabe an diesem Öltank scheitert.
Die Betriebslizenz des Walfangunternehmens umfasst nicht nur den Fang auf hoher See, sondern auch die Zerteilung der erlegten Wale an Land. Sie wird von den Gesundheitsbehörden des Westlandes ausgegeben und war am 1. Mai ausgelaufen. Das Unternehmen hatte eine Erneuerung beantragt, die von den Gesundheitsbehörden veröffentlicht worden war.

Gegen diesen Antrag kann man bis 9. Juni Einspruch erheben. Die Behörden müssen alle Einsprüche bearbeiten, bevor die neue Lizenz vergeben wird. Behördenleiter Þorsteinn Narfason gab an, die Bearbeitungszeit hänge von der Zahl der Einsprüche ab. Er schätze ein bis zwei Wochen, die Angelegenheit geniesse Vorrang, um die Lizenz ausgeben zu können, damit der Betrieb nicht aufgehalten werde. Er sei sich bewusst, dass nicht alle mit dem Geschäft des Walfangunternehmens einverstanden seien und gehe davon aus, dass da so einiges an Einsprüchen eingehen werde.
Hvalur hf. hatte seinen Antrag auf Ausnahmegenehmigung an Umweltminister Guðlaugur Þór Þórðarsson gerichtet. Die Verarbeitung der ersten erlegten Wale beginne normalerweise am 15. Juni, doch sei nun ungewiss, ob die Lizenz vor Saisonbeginn vorliege.

Umweltbedenken behindern nicht Lizenzvergabe
Die Gesundheitsbehörde hatte im letzten Jahr bei ihrem Kontrollbesuch unter anderem einen nicht korrekt aufgestellten Öltank moniert. Die Lizenz sollte erst bei Vorhandensein der geforderten Betonplatte erteilt werden. Bislang sind die Forderungen nicht erfüllt worden, doch Þorsteinn meint, es sei unwahrscheinlich dass dieser Umstand die Lizenvergabe behindere.
“Das ist ja nun mal so, dass nicht alles, worum die Gesundheitsbehörde bittet, auch gemacht wird, manchmal muss man noch mal daran erinnern, und wir arbeiten ja verwaltungsrechtlich an diesen Verbesserungen. Wenn die Verbesserungen dann nicht durchgeführt wurden, bekommt der Betreffende eine automatische Email aus dem Kontrollsystem, wo er daran erinnert wird, dass was fällig ist, und wir bitten dann um Aufklärung.“ Die Frist laufe am 9. Juni ab, aber das Unternehmen könne natürlich um Fristverlängerung bitten.

Nicht nur der Öltank war den Inspektoren negativ aufgefallen, auch eine ungeschützter Trinkwasserspeicher wurde moniert. Das Wasser werde vor der Nutzung gefiltert und bestrahlt, um eine Gefahr zu mindern. Alle Wasserproben seien jedoch unauffällig gewesen. Þorsteinn weiss, dass nicht alles auf einmal ausgebessert werden kann, seine Behörde befinde sich auf einem bestimmten Kurs, wähle aber den leichtesten Weg.

Walfang: Keine gesetzliche Grundlage für Entzug der Jagdlizenz

Die isländische Ministerin für Fischerei, Landwirtschaft und Lebensmittel hat heute morgen bei einer parlamentarischen Ausschussitzung bekräftigt, ihre Hände seien bei der Entscheidung gebunden, den Walfang in diesem Sommer zu verhindern. Es gebe keine gesetzliche Grundlage, die gültige Jagdlizenz einzuziehen. Für eine Lizenzerneuerung, die mit Ende diesen Sommers ausläuft, sei noch keine Entscheidung getroffen worden, es sei aber klar, dass man das Walfanggesetz generell prüfen müsse, berichtet Vísir.

Fanglizenz scheint unantastbar
Der parlamentarische Wirtschaftsausschuss hatte Ministerin Svandís Svavarsdóttir zu einem Gespräch über die Ergebnisse der letztjährigen Aufsichtsführung  bei der Waljagd gebeten. Die staatlichen Inspekteure an Bord der Walfangschiffe hatten per Videoaufnahmen offengelegt, dass jeder vierte Wal mehr als einmal harpuniert werden musste. Ausserdem kämpften Wale bis zu zwei Stunden gegen den Tod an, obwohl das isländische Tierschutzgesetz darauf abzielt, unnötige Qualen verhindern. Mehrere Wale hatten ein Saugkalb bei sich, elf erlegte Walkühe waren trächtig.
Das Unternehmen Hvalur hf. hält für diese Saison noch eine Lizenz für die Jagd auf Finnwale. Seit Bekanntwerden der Videos war die Ministerin immer wieder aufgefordert worden, diese Lizenz zu widerrufen, doch Svandís besteht darauf, dass dies nicht in Frage komme. Vor dem Ausschuss begründete sie ihre Entscheidung dahingehend, dass für den Widerruf eine rechtliche Grundlage fehle. Rechtlichen Bestimmungen zufolge könne eine solche Lizenz nur widerrufen werden, wenn bei der ursprünglichen Erteilung Fehler aufgetreten seien, oder wenn der Widerruf für das Unternehmen keinen wirtschaftlichen Schaden mit sich bringe. Keine der beiden Bedingungen seien in diesem Fall erfüllt.  Außerdem beinhaltet das Walfanggesetz aus dem Jahr 1949 keine Bestimmungen zum Widerruf von Fanglizenzen.

Walfanggesetz ist “Kind seiner Zeit”
Die Ministerin sieht es aber als gegeben, dass das Walfanggesetz “ein Kind seiner Zeit sei” und im Widerspruch zu guter und moderner Gesetzgebung stehe, und daher auf den Prüfstand gehöre. Eine Einschätzung möglicher Schadensersatzforderungen, die Hvalur bei Lizenzentzug dem Staat in Rechnung stellen würde, sei nicht vorgenommen worden. Allerdings prüfe ihr Ministerium derzeit die Auswirkungen des Walfangs auf Klima, Ökosystem und Wirtschaft, um eine solidere Grundlage für Entscheidungen zur Zukunft des Walfangs zu schaffen.
In der Studie der Veterinäraufsichtsbehörde hatte es gehiessen, dass bei der Jagd auf Finnwale die besten bekannten Tötungsmethoden zum Einsatz kämen. In diesem Zusammenhang verwies sie auf den Fachrat zum Tierwohl, der einschätzen soll, ob es generell möglich wäre, solche Jagden im Geiste des Tierwohls überhaupt durchzuführen. Svandís gab an, es sei wichtig, dass dieser Prozess abgeschlossen werde, bevor ihr Ministerium in irgendeiner Weise interveniere. Die Isländer müssten sich dann mit der Frage auseinandersetzen, ob der Walfang mit ihren Werten und ihrer Identität vereinbar sei.

MAST bezieht Stellung
In einer Anfrage des Magazins Heimildin erklärte die Veterinärin für Wildtiere, Þóra Jónasdóttir, die Überwachungsergebnisse verstiessen klar gegen das Gesetz zum Tierwohl aus dem Jahr 2013, in den Bestimmungen zur Jagd auf wilde Tiere werde verlangt dass das Tier mit “geringstmöglichen Schmerzen” und “in so kurzer Zeit wie möglich” getötet werde. Ein zeitlicher Rahmen für diese Tötungsdauer sei im Gesetz jedoch nicht vorgegeben. Für die Veterinäraufsichtsbehörde seien die dokumentierten Tötungsergebnisse “untragbar”.

Zurückhaltende Antworten
Die Abgeordnete der Reformpartei, Hanna Katrín Friðriksson, fragte, ob etwas gegen eine Einschränkung des Walfangs spreche, etwa durch einen noch enger gesteckten zeitlichen Rahmen für die Jagdsaison. Momentan findet die Jagd von Juni bis September statt. Die Ministerin antwortete nicht direkt. Der Walfang werde als Ganzes untersucht, aber jeder Schritt müsste sorgfältig abgewogen werden. Auch bei der Frage, ob für die Fangsaison im kommenden Jahr eine Lizenz ausgegeben werde, hielt die Ministerin sich zurück. „Diese Entscheidung nicht nicht gefallen.“ sagte sie.

Hollywoodstar teilt Antiwalfangseite
Derweil regt sich im Ausland Widerstand. Der Hollywood-Schauspieler Jason Momoa hatte auf seiner Instagramseite einen Beitrag der Seite @last_whaling_station geteilt und zur Unterzeichnung einer Petition aufgerufen, berichtet Vísir. Inzwischen haben fast 40.000 follower auf seinen Beitrag reagiert.

Walfang: Isländischer Naturschutzbund meldet Jagdlizenz an EFTA

whale, hvalur, hvalaskoðun, whale watching

Der isländische Naturschutzbund hat die Jagdlizenz für das Walfangunternehmen Hvalur hf an die Aufsichtsbehörde der EFTA gemeldet. Die Anwältin des Naturschutzbundes ist der Ansicht, dass diese Lizenz gegen geltende Bestimmungen in Europa verstösst und hofft auf eine schnelle Reaktion.
Hvalur hf hält für diese Saison noch eine gültige Jagdlizenz. Die Ministerin für Fischerei, Landwirtschaft und Lebensmittel, Svandís Svavarsdóttir, hatte geäussert, es müsse schon viel passieren, damit diese Lizenz nach der Saison erneuert werde. Die derzeitige Jagdlizenz war im Jahr 2019 vom damaligen Minister Kristján Þór Júlíusson ausgestellt worden. Nachdem vor zwei Wochen brisante Fakten aus den Jagden im letzten Sommer veröffentlicht worden waren, hatte die Ministerin angegeben, ein sofortiger Lizenzentzug sei nicht möglich.

Klage wegen Tatenlosigkeit der Regierung
Nun also soll die EFTA prüfen, ob diese Jagdlizenz europäischen Bestimmungen entspricht. Mit der Meldung protestiert der Naturschutzbund gegen die Tatenlosigkeit der Regierung, die diese Jagd weiter erlaubt, obwohl Daten für eine Verletzung des Tierschutzgesetzes vorliegen, gab die Anwältin des Naturschutzbundes, Védís Eva Guðmundsdóttir, Vísir gegenüber an. Man gehe davon aus, dass die Lizenzerteilung nicht den europäischen Bestimmungen zu Tierwohl und Lebensmittelsicherheit entspreche.
“Ausserdem kommt Island seinen Verpflichtungen aus dem Pariser Abkommen und der EES-Gesetzgebung zur Kohlenstoffemission nicht nach. Wir halten es für offensichtlich, dass mit dieser Jagderlaubnis sowohl Tierwohl als auch Lebensmittelsicherheit und Klimaverpflichtungen gefährdet sind.” Man habe bei der ESA um eine beschleunigte Bearbeitung gebeten, da die Waljagd in wenigen Wochen beginnen soll. “Wenn die Ministerin nicht reagiert, hoffen wir dass die Aufsichtsbehörde der EFTA, die auch Aufsicht über Island führt, schnell reagiert,” so Védís.

Die Walfanglizenz ist damit die zweite der ESA vorliegenden Tierschutzklagen aus Island. Erst in der vergangenen Woche war im Ministerium ein Schreiben eingegangen, wonach die isländische Regierung mit ihrem Regelwerk zur Blutgewinnung aus tragenden Stuten gegen die Richtlinie der EFTA zum Schutz von für wissenschaftliche Zwecke genutzte Tiere verstösst. Im Fall der Blutstuten hat Island zwei Monate Zeit, um auf den Brief zu reagieren.

Irischer Premier spricht Walfang an
Der Walfang war auch beim gerade vergangenen Europagipfel in Reykjavík in einem Gespräch zwischen dem irischen Premierminister Leo Vardakar und Premierministerin Katrín Jakobsdóttir thematisiert worden. Vardakar hatte auf die kürzlich veröffentlichte Studie zum langen Todeskampf von Walen hingewiesen, und dass die Ergebnisse Aufsehen und Entsetzen hervorgerufen hätten. Er habe die Waljagd nicht kritisiert, sondern nur angesprochen. Katrín Jakobsdóttir habe ihm gesagt, es sei noch unklar, ob es für die kommenden Jahre eine neue Jagdlizenz geben werden, doch sollte das der Fall sein, dann könnte die Lizenz strengere Voraussetzungen in Bezug auf das Tierwohl enthalten als bisher.
Hvalur-Chef Kristján Loftsson hatte kürzlich wissen lassen, dass sein Unternehmen an neuen Tötungsmethoden arbeite, mit denen die Jagd effizienter werde. Unter anderem teste man eine zusätzlich mit Strom geladene Harpune.

Vardakar zufolge sei die Irische See eine Art Schutzzone für Wale, und dort sei die Zahl der Wale und Delphine in den vergangenen Jahren gestiegen. Dies sei wichtig für den Tourismus und die Biodiversität. Man wolle anderen Ländern nicht vorschreiben, wie sich sich zu verhalten hätten, so Vardakar, man wolle über Zusammenarbeit reden, immerhin teile man das Meer miteinander, damit sei die Biodiversität ein Diskussionsthema für alle.

Walfang: Crewmitglieder klagen wegen Überwachungsvideo

Zwei Besatzungsmitglieder eines Walfangschiffes, das für das isländische Walfangunternehmen Hvalur hf. unterwegs ist, haben die isländische Veterinäraufsichtsbehörde MAST und die Fischereibehörde verklagt, berichtet RÚV. Die beiden sehen ihr Recht auf Datenschutz und Persönlichkeitsrecht durch die Videoaufnahmen an Bord im letzten Sommer verletzt.

Diese Videoaufnahmen waren Teil des Überwachungspaketes, welches die Regierung für die Fangsaison 2022 angeordnet hatte. Demnach filmte ein Mitarbeiter der Fischereiehörde an Bord den gesamten Jagdvorgang, die Aufnahmen wurden dann später von Experten untersucht. Die beiden Kläger sind in dem Video erkennbar und glauben, ihr Persönlichkeitsrecht werde verletzt. Weder Videos noch Einzelheiten der Studie sind bislang veröffentlicht worden.

Die Überwachungstätigkeit der letzten Saison hatte jedoch zutage gefördert, dass die Praktiken des Walfangs nicht den isländischen Tierschutzrichtlinien entsprechen. Die zuständige Ministerin, Svandís Svavarsdóttir, hatte die Daten als “schockierend” bezeichnet und eine Neubewertung des Walfangs gefordert.
Hvalur hf hält für dieses Jahr noch eine Jagdlizenz. Die Ministerin hatte angedeutet, dass die Regierung nach diesem Jahr keine weiteren Lizenzen ausgeben werde.

Walfanglizenz kann nicht eingezogen werden, sagt Ministerin

Die Ministerin für Fischerei, Landwirtschaft und Lebensmitel, Svandís Svavarsdóttir, sagte RÚV gegenüber, es sei nicht möglich, die Jagd auf Wale in der diesjährigen Saison zu stoppen, obwohl im letzten Jahr gesammelte Daten einwandfrei beweisen, dass die Tötungspraktik nicht dem Tierschutzgesetz entspricht. Das einzige Walfangunternehmen im Lande, Hvalur hf., hatte angegeben, zwei Tötungsmethoden zu testen, mit denen die Jagd effizienter wird.

Die Studie war gestern von der isländischen Veterinäraufsichtsbehörde MAST in groben Zügen veröffentlicht worden, und sie zeigte auf, dass etwa ein Drittel aller erlegten Wale nicht sofort verenden. Etwa 14 Wale mussten mehr als einmal mit der Harpune beschossen werden, bei zwei Walen waren vier Schüsse notwendig. Im Durchschnitt dauerte der Todeskampf 11,5 Minuten, in einem Fall kämpfte ein Wal zwei Stunden mit dem Tod. Ein Wal wurde in den Rücken getroffen und musste über fünf Stunden lang verfolgt werden. Der Wal entkam.

Rechtliche Grundlage fehle
Die Ministerin hatte die Ergebnisse als “schockierend” bezeichnet, sie würden förmlich danach rufen, den Walfang in Island erneut zu prüfen. “Ich finde, dass diese Daten darauf hinweisen, dass diese Branche mehr ein Ding der Vergangenheit als der Zukunft ist,” sagte Svandís. Zur Zeit praktiziert nur ein Unternehmen (Hvalur hf.) den Walfang in Island. Nach Angaben der Ministerin sei es jedoch trotz der Ergebnisse nicht möglich, die ausgestellte Jagdlizenz für diese Saison einzuziehen.
“Es braucht eine rechtliche Grundlage, um diese Lizenz einzuziehen. Diese rechtliche Grundlage liegt nicht vor, soweit ich durch mein Ministerium informiert bin,” sagte Svandís. Sie hatte schon zuvor angedeutet, dass die Regierung nach der Saison 2023 keine weiteren Walfanglizenzen ausstellen werde.

Zwei neue Tötungsmethoden im Test
Hvalur-Chef Kristján Loftsson hatte insgesamt 76 Einwände gegen die im letzten Sommer angefertigten Daten erhoben und es damit geschafft, die Veröffentlichung dreimal zu verzögern. Unter anderem wies er die Annahme zurück, dass ein Wal erst dann als tot gilt wenn er sich nicht mehr bewegt. Tiere, so Kristján, könnten sich auch nach dem Tod noch bewegen.
Als Reaktion auf die gestern schliesslich eröffentlichten Ergebnisse gab Hvalur hf an, dass das Unternehmen zwei neue Methoden entwickle, mit denen die Waltötung effizienter werde.
Bei einer Methode kommt künstliche Intelligenz zum Einsatz, welche die Treffgenauigkeit der Harpunen verbessert. Die andere Methode umfasst den Einsatz von elektrischem Strom in der Harpune, der ausgelöst wird wenn der Wal durch den Harpunenschuss selbst nicht verendet.
Hvalur hf. nutzt Harpunen mit Granatenspitze, um Wale zu erlegen. Diese Harpunen sollen im Idealfall etwa einen Meter tief in den Wal eindringen und dort explodieren. Durch die Explosion werden gefederte Widerhaken in das Fleisch gefeuert. In der MAST-Studie heisst es, zwei Drittel der Tiere verendeten dadurch sofort.

 

MAST: Waljagd entspricht nicht den Zielen des Tierschutzgesetzes

Die isländische Veterinäraufsichtsbehörde (MAST) hat die Daten aus der Jagdkontrolle während der Walfangsaison 2022 zusammengetragen. Die per Quote geregelte Jagd auf Finnwale war im Juni letzten Jahres wieder aufgenommen worden, dabei waren 148 Wale getötet worden.  MAST sieht besonderen Anlass dafür, sämtliche Daten noch einmal im Detail zu prüfen und dann zu beurteilen ob die Jagd auf Grosswale die Ziele des Tierschutzgesetzes erfüllen kann.

Die erlegten Wale waren alle durch einen aufsichtführenden Veterinär von MAST bei der Anlandung beschaut worden. Ausserdem hatte ein Mitarbeiter der Fischereibehörde die Jagd auf 58 Wale von Bord aus für MAST mitverfolgt. Dabei stellte sich heraus, dass von 148 erlegten Walen 36 Tiere (24%) öfter als einmal beschossen wurden. Von diesen 36 Tieren wurden fünf Wale dreimal beschossen und vier Wale viermal beschossen. Ein Wal mit einer Harpune im Rücken hatte fünf Stunden lang verfolgt werden müssen, aber ohne Erfolg.

Die Kontrolle an Bord während der Jagd auf 58 Wale ergab folgende Ergebnisse:
– 35 Wale (59%) verendeten sofort, nach Definition der internationalen Walfangkommission (IWC) für wann ein Wal als erlegt und tot gilt.
– Als wahrscheinlich gilt, dass fünf krampfende Wale das Bewusstsein sofort oder sehr schnell verloren, damit ist davon auszugehen dass 67% der Wale sofort verendeten oder ihr Bewusstsein schnell oder sofort verloren.
– 14 Wale wurden öfter als einmal beschossen.
– Zwei Wale mussten viermal beschossen werden, und bei dem einen Wal dauerte die Tötung eine Stunde, beim anderen Wal zwei Stunden.
– Die durchschnittliche Dauer zwischen Schuss und Verenden dauerte bei allen Walen, die nicht sofort verendeten, etwa 11,5 Minuten.

MAST ist der Ansicht, dass im Hinblick auf die Hauptziele des Tierschutzgesetzes bei einem grossen Teil der während der Jagd erlegten Grosswale in Island die Tötung zu lange gedauert hat. Die Behörde ist jedoch auch der Auffassung, dass bei der Jagd angesichts der Bedingungen, unter denen diese Jagden durchgeführt werden, die besten bekannten Methoden angewendet wurden. Daher seien die Bestimmungen des Jagdtierschutzgesetzes nicht verletzt worden.

Als nächstes soll nun der Fachrat für Tierschutz die vorliegenden Daten zur Prüfung erhalten und beurteilen, ob die Jagd auf Grosswale überhaupt die Ziele des Tierschutzgesetzes erfüllen kann. Sollte dies der Fall sein, muss die isländische Regierung eine Verordnung über die Durchführung der Waljagd, sowie Mindestanforderugen für eine solche Jagd erlassen.

Die Veterinäraufsichtsbehörde sieht die Notwendigkeit für eine Aufsicht während der kommenden Jagdsaison. Dabei ist zu erwähnen, dass gemäss gültiger Jagdlizenz und Tierschutzgesetz die Verantwortung für eine vertretbare Tötung des Tieres stets bei der ausführenden Partei liegt.
Weitere Informationen erteilt die Leiterin der Veterinäraufsichtsbehörde, Hrönn Ólína Jörundsdóttir.

Naturschutzverbände hatten verlangt dass dem Walfangunternehmen Hvalur hf. die Jagdlizenz für die kommende Saison entzogen wird, berichtet Vísir. Unter anderem hatten sie kritisiert, wie lange es gedauert habe, die obengenannten Daten zu veröffentlichen, weil Hvalur-Chef Kristján Loftsson mehrfach und erfolgreich Einwände geäussert habe.
Die Studie selbst ist auf der Webseite von MAST nicht zu finden.