Zukunft des Walfangs nach Ministerwechsel fraglich

Ein Gewerkschaftsboss hat heute angegeben, es sei eine „totale Blamage“, wenn die Unabhängigkeit- und die Fortschrittspartei es nicht schafften, nach der gestrigen Umbesetzung der Ministerien den Walfang zu sichern. Im Jahr 2019 hatte die damals frisch eingesetzte Ministerin für Fischerei und Landwirtschaft sich gegen den Walfang ausgesprochen und sowohl auf Nachhaltigkeit bestanden als auch das potentielle Risiko für die isländische Tourismusindustrie hervorgehoben.

Blamage, wenn Walfang jetzt nicht in Gang käme
In einem Interview mit dem Morgunblaðið hatte der Vorsitzende der Gewerkschaft von Akranes, Vilhjálmur Birgisson, es als Blamage für die Parteien bezeichnet, wenn sich jetzt herausstelle, dass sie nach dem Ministerwechsel den Walfang nicht garantieren könnten.
Vilhjálmur drückte seine tiefe Sorge darüber aus, dass die neue Ministerin für Fischerei und Landwirtschaft, Bjarkey Olsen Gunnarsdóttir, in die Fussstapfen ihrer Vorgängerin Svandís Svavarsdóttir treten und dem einzigen Walfangunternehmen im Land die Erneuerung der Fangliznez verweigern könnte.

„Meinen Informationen zufolge hat Hvalur ehf. im Januar einen Antrag auf Lizenzerneuerung an das Ministerium geschickt. Das Ministerium brauchte eineinhalb Monate für eine Antwort und verlangte allerlei Erklärungen. Hvalur hat vor Ostern geantwortet und immer noch keine Antwort darauf, ob in diesem Sommer der Walfang erlaubt sein wird, oder nicht,“ erklärte Vilhjálmur.
Er ist der festen Überzeugung, dass die Unabhängigkeitspartei und die Fortschrittspartei, die sich beide laut aufgeregt hatten und Unterstützung versprochen hatten, als Svandís im vergangenen Sommer den Walfang aus Tierschutzgründen aussetzte, den Walfang im neuen Koalitionsvertrag sicherstellen. „Wenn nicht, dann wäre das eine totale Blamage für die Fortschrittspartei und die Unabhängigkeitspartei,“ gab Vilhjálmur an.

Vísir schreibt, der Abgeordnete der Unabhängigkeitspartei, Jón Gunnarsson, sei ebenfalls zuversichtlich, dass die neue Ministerin den Walfang erlauben werde.

Bjarkeys unzweideutige Haltung in 2019
Ministerin Bjarkey Olsen Gunnarsdóttir hat sich zu dem Thema allerdings gestern nicht geäussert und nur angegeben, sie müsse erst noch in ihr Amt eingeführt werden und ihre neuen Mitarbeiter treffen.
In einem anderen Artikel schreibt Vísir, dass Bjarkey im Februar 2019 ihre Haltung unmissverständlich dargelegt habe. Damals hatte sie gesagt, die Entscheidung des damaligen Fischereiministers Kristján Þór Júlíusson von der Unabhängigkeitspartei, den Walfang wieder zu beginnen, habe „sie enttäuscht“.
„Es gibt kaum Anhaltspunkte dafür, dass der Walfang jemals wieder seinen früheren Status in der Wirtschaft erreichen wird, und noch geringer ist die Chance, dass solche Aktivitäten von internationalen Umweltorganisationen anerkannt werden.“ sagte Bjarkey damals.
“Meiner Meinung nach sollte die Grundvoraussetzung für die Nutzung natürlicher Ressourcen auf Nachhaltigkeit basieren, wie die Regierung immer wieder betont hat. Solange es keine absehbaren Märkte für Walfleisch gibt, kann man davon ausgehen, dass die Praxis nicht nachhaltig sein wird. Wir sollten nicht riskieren, eine unserer wichtigsten Industrien, nämlich den Tourismus, zu gefährden. Wir können uns das nicht leisten“, wird Bjarkey 2019 zitiert.

Geldstrafe: MAST verhängt 2650 Euro für langen Todeskampf eines Finnwals

Im September letzten Jahres vergingen 29 Minuten zwischen dem ersten und dem zweiten Harpunengeschoss aus der Kanone der Hvalur 8-Walfänger auf den ersten erbeuteten Finnwal der Saison. Das bedeutet, dass dieser Wal mehr als 30 Minuten brauchte, um zu sterben. Die isländische Veterinäraufsichtsbehörde (MAST) hat dem Walfangunternehmen Hvalur hf. heute eine Geldstrafe von 400.000 ISK (2,650 EUR) wegen Verletzung des Tierschutzgesetzes auferlegt, berichtet Heimildin. “Der Walfangverordnung zufolge muss ein Zweitschuss unverzüglich erfolgen, wenn das Tier nicht nach dem ersten Schuss verendet.”

Neue Lizenz über 10 Jahre beantragt
“Wir haben auf dem Video gesehen, dass 29 Minuten vergehen zwischen dem ersten Schuss auf das Tier, bis zum Abfeuern des zweiten Schusses. Das ist diese Verzögerung des Zweitschusses, die wir als sehr schwerwiegend betrachten,” hatte MAST-Direktorin Hrönn Ólina Jörundsdóttir im September in einem Gespräch mit Heimildin angegeben. MAST stoppte die Waljagd des Schiffes Hvalur 8 am 14. September. Als Grund wurde dieser Verstoss gegen das Tierschutzgesetz während der Jagd auf Finnwale angegeben.

Hvalur hf. hatte Ende Januar einen Brief an das Ministerium für Fischerei und Landwirtschaft geschickt, in dem um Erneuerung der Fanglizenz für Finnwale ersucht wurde. Der Geschäftsführer des Unternehmens, Kristján Loftsson, sah es als “richtig und normal” an, dass die neue Lizenz auf fünf Jahre ausgestellt werde und sich automatisch zum Jahresende erneuere, “oder aber dass die Lizenz für mindestens 10 Jahre” ausgestellt werde. Damit sei eine “normale Vorhersehbarkeit” im Betrieb von Hvalur gewährleistet.

Weitere Strafen wegen Tierwohlvergehen
Hvalur war nicht das einzige Unternehmen, das heute zur Kasse gebeten wurde. „Ein Schlachthof in Südwestisland erhielt eine Strafe über 160.000 ISK (1070 EUR) dafür dass ein Schwein mit gebrochenem Bein ein ganzes Wochenende in der Halle liegen gelassen wurde, bevor es geschlachtet wurde.” Das Schwein hatte sich das Bein während des Transportes gebrochen und hätte daher sofort nach der Ankunft geschlachtet werden müssen.
Ein anderer Schlachthof im Südland muss 145.000 ISK (970 EUR) zahlen, weil es ein Schwein aus Versehen vor der Schlachtung nicht betäubt hatte und bei lebendigem Leibe hat ausbluten lassen.
Im Sommer 2023 waren auf drei Höfen im Westen des Landes Rinder für insgesamt acht Wochen im Stall gehalten worden, obwohl das Tierschutzgesetz Weidegang vorsieht. Die Höfe müssen zwischen 350.000 und 540.000 ISK (2340-3610 EUR)  Strafe zahlen. Die Höhe der Summe bemisst sich unter anderem an der Zahl der eingesperrten Rinder.

 

Walfang: Hvalur hf. erhebt Klage auf Schadensersatz

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Islands einziges kommerzielles Walfangunternehmen Hvalur hf. fordert, dass der isländische Staat den Mitarbeitern des Unternehmens für die Zeit, in der vergangenen Sommer das Walfangverbot gültig war, entgangene Löhne zahlt. Dies geht aus einer Klageschrift hervor, die Hvalur an die Staatsanwaltschaft geschickt hat, berichtet RÚV.

Entgangene Löhne und Schadensersatz
In der Klageschrift heißt es, dass das Unternehmen aufgrund der Entscheidung von Fischereministerin Svandís Svavarsdóttir, den Walfang vorübergehend zu verbieten, erhebliche Einkommens- und finanzielle Verluste erlitten habe.
Die Forderung wurde an die Staatsanwaltschaft weitergeleitet, nachdem der parlamentarische Ombudsmann zu dem Schluss gekommen war, dass die Entscheidung der Ministerin über die vorübergehende Aussetzung des Walfangs im Sommer 2023 keine hinreichend klare Gesetzesgrundlage gehabt habe.
Das Verbot war am 20. Juni 2023 in Kraft getreten und hatte bis zum 1. September 2023 gegolten.

In der Klageschrift beschwert Hvalur hf. sich beim Ombudsmann über die Vorbereitung und Einführung der Verordnung, die dazu führte, dass die Jagd auf Wale im Sommer 2023 nicht hatte beginnen können. Aufgrund des finanziellen Verlustes, der dem Unternehmen durch den Fall entstanden sei,  habe das Unternehmen einen Schadensersatzanspruch gegenüber der isländischen Regierung.

Aussergerichtliche Schätzung
Man könne jedoch die Ausgaben abziehen, die in der Zwangspause eingespart wurden, wie etwa Arbeitskosten und andere variable Kosten.
Hvalur hf. führt den Standpunkt der Gewerkschaft von Akranes an, wonach die Mitarbeiter für die Zeit der Zwangspause dennoch Lohnansprüche an das Unternehmen hätten. Gleiches hatte zuvor auch der Verband der Schiffskapitäne verlauten lassen.
Hvalur hf. sei daher der Auffassung, dass die isländische Regierung den Mitarbeitern des Unternehmens und den Anteilseignern entsprechend ihres Einkommensverlustes eine Entschädigung zahlen sollte. Das Unternehmen schlägt für die Berechnung der Summe eine aussergerichtliche Schätzung vor, die jedoch weder für das Unternehmen noch für die isländische Regierung bindend sei.

Niemand in Island hält derzeit Lizenz zum Walfang

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Zur Zeit hält niemand in Island eine Lizenz für den Walfang, berichtet Heimildin. Der Walfang war in isländischen Gewässern mit Unterbrechungen seit dem 17. Jh. praktiziert worden. Wer Wale jagen und töten will, benötigt dafür eine spezielle Erlaubnis des Ministeriums für Fischerei, Landwirtschaft und Lebensmittel.
Bislang ist kein Antrag auf eine solche Lizenz eingegangen, liess das Ministerium auf eine Anfrage von Heimildin wissen. Im Jahr 2019 hatte das Walfangunternehmen Hvalur hf. eine Jagdlizenz des Ministeriums erhalten, dem damals Kristján Þór Júlíusson von der Unabhängigkeitspartei als Minister vorstand. Die Lizenz galt fünf Jahre und war zum Jahresende 2023 ausgelaufen. Da keine Erneuerung beantragt worden ist, gibt es derzeit niemanden auf der Insel, der Wale jagen darf.

Streit über Verhältnismässigkeit
Die Jagdsaison beginnt üblicherweise im Juni und dauert bis Mitte oder Ende September. Im vergangenen Jahr hatte Ministerin Svandís Svavarsdóttir den Jagdbeginn einen Tag vor Auslaufen der Flotte gestoppt, nachdem der Fachrat für Tierschutz die Jagd für nicht mit dem Tierschutzgesetz vereinbar gehalten hatte. Der Fachrat hatte sein Urteil auf Videodokumentationen der Veterinäraufsichtsbehörde aus dem Jahr 2022 gestützt, in der stundenlange Todeskämpfe von angeschossenen Walen zu sehen gewesen waren.
Der Walfang war dann ab dem 1. September wieder gestattet, aber unter neuem Reglement mit verschärften Bedingungen. Die Saison endete am 30. September, in dem Monat erlegten die Waljäger 24 Finnwale.

Vor dem Wochenende hatte der parlamentarische Ombudsmann seine Einschätzung zu der Angelegenheit veröffentlicht. Demnach habe die Ministerin keine Verhältnismässigkeit walten lassen, und für das Aussetzen der Lizenz habe es an einer ausreichend klaren gesetzliche Grundlage gefehlt.
Ob das Ministerium einen Antrag auf Ausstellung der Jagdlizenz stattgeben würde, falls ein solcher eingehen sollte, ist ungewiss. Die Ministerin hatte im Gespräch mit Heimildin gesagt, das uralte Walfanggesetz müsse modernisiert werden und in Harmonie mit Gesellschaft und Tierschutz gestaltet werden.

Walfangverbot in der Mache
Andernorts wird an einem endgültigen Verbot gearbeitet. Auf Initiative des Abgeordneten der Piraten, Andrés Ingi Jónsson, und anderen Parlamentariern war ein Gesetzentwurf zum Verbot des Walfangs entstanden. Der Entwurf war Ende September an den parlamentarichen Wirtschaftsausschuss gesendet worden, wo er sich immer noch in Bearbeitung befindet.
Auf die Frage, ob sie diesen Gesetzentwurf unterstütze, antwortete die Ministerin, sie müsse ihn erst mal studieren.

Seinerzeit waren um die 3500 Kommentare zu dem Entwurf eingelangen, der grösste Teil kam aus dem Ausland. Ob der Entwurf jedoch zum Gesetz wird, ist fraglich. Denn auch wenn Abgeordnete aus vier Parteien (Piraten, Sozialdemokraten, Reformpartei und Volkspartei, sowie einige wenige Linksgrüne) möglicherweise dafür stimmen könnten, würde dem Entwurf eine Stimme aus den Parteien fehlen, die den Walfang schon immer unterstützen: Unabhängigkeitspartei, Fortschrittspartei oder Zentrumspartei.
Ohne ein endgültiges Verbot könnte ein williger Walfänger bei der amtierenden Ministerin oder einem nächsten Amtskollegen um eine Lizenz zum Walfang ersuchen.

 

Walfang: Ministerin wird des Gesetzbruchs beschuldigt, Rücktrittsforderungen

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Der Ombudsmann im isländischen Parlament hat in seinem heute erschienenen Gutachten mangelnde Verhältnismässigkeit und das Fehlen einer klaren gesetzlichen Grundlage kritisiert, als die Ministerin für Fischerei und Landwirtschaft im Juni letzten Jahres den Beginn der Walfangsaison aussetzte, berichtet Heimildin. Ministerin Svandís Svavarsdóttir kommentierte, sie nehme die Ergebnisse sehr ernst und wolle sich für eine Änderung des Walfanggesetzes einsetzen. An Rücktritt denke sie aber nicht.

Walfang am Vorabend der Saison ausgesetzt
Im vergangenen Jahr hatte Svandís am 30. Juni, einen Tag vor Auslaufen der Fangflotte, die Lizenz des einzigen kommerziellen Walfängers bis Ende August auf Eis gelegt, weil nach Ansicht des Fachrates für Tierwohl die praktizierten Fangmethoden nicht mit dem isländischen Tierschutzgesetz vereinbar seien. Der Fachrat stützte seine Ansicht auf Videodokumentationen der Veterinäraufsichtsbehörde (MAST) aus der Fangsaison 2022, in denen stundenlange Todeskämpfe von angeschossenen Walen zu sehen waren.
Am 1. September war dann eine neue Walfangverordnung mit verschärften Bestimmungen in Kraft getreten, und Hvalur hf. hatte noch zwei Wochen unter Behördenaufsicht lang Wale töten können. Hvalur hf. hatte sich nach Ende der Saison mit einer Beschwerde an den Ombudsmann gewendet, der prüfen sollte, ob die Ministerin hier das Gesetz gebeugt habe.

Gesetzliche Grundlage nicht hinreichend klar
Der Ombudsmann hielt in seinem heute veröffentlichten Schreiben fest, dass die per Erlass verfügte Aussetzung des Walfangs einer hinreichend klaren Gesetzesgrundlage entbehre, und dass der Erlass nicht den Anforderungen der Verhältnismäßigkeit entsprochen habe. Für das Ministerium gab der Ombudsmann allerdings keine konkreten Empfehlungen für Verbesserungen, ausser der, seine Anmerkungen für die Zukunft im Auge zu behalten.

Der Ombudsmann pflichtet dem Ministerium insofern bei, als dass Erwägungen zum Tierwohl durchaus berücksichtigt werden können, wenn Vorschriften auf der Grundlage des Walfanggesetzes festgelegt werden. Er weist jedoch darauf hin, dass bei der Ratifizierung der Walfanggesetze im Jahr 1949 vor allem Schutz und Erhalt des Walbestandes, also die wirtschaftliche Nutzung der Meeressäuger, im Vordergrund gestanden hätten. Trotz eines verstärkten Fokus auf Tierschutz, u.a. bei der Internationalen Walfangkommission, ist das Gesetz von 1949 jedoch nicht geändert worden, Tierwohl wird dort mit keinem Wort erwähnt. Das Ministerium befasst sich nun mit einer Überprüfung des Walfanggesetzes, heisst es auf der Webseite der Regierung.

Ministerin will nicht zurücktreten
In einem Interview am Abend sagte Svandís, nach dem Gutachten des Fachrats im Juni habe es für sie als Minister, der Verantwortung für das Tierwohl trägt, keine andere Wahl gegeben, als die Fangsaison auszusetzen und zu prüfen, ob die Jagdmethoden verbessert werden können.  Sie nehme die Angelegenheit sehr ernst, verweist aber darauf, dass der Ombudsmann in seinem Schreiben zwar das Fehlen einer klaren gesetzlichen Grundlage bemängele, nicht aber dass er sie des Gesetzbruches bezichtige. Heimildin gegenüber gab sie an: „Ich finde, die Hinweise des Ombudsmannes unterstreichen nur, dass das kein modernes Gesetz ist, aus dem Jahr 1949. Das muss man modernisieren, und es muss gesellschaftlich und unter dem Gesichtspunkt des Tierwohls angegangen werden.“
An Rücktritt denkt die Ministerin nicht.

Parteiübergreifende Rücktrittsforderungen
Ein Rücktritt wird allerdings inzwischen parteiübergreifend gefordert. Nicht nur die dem Walfang nahestehende Unabhängigkeitspartei, auch die Volkspartei forderte den Rücktritt der Ministerin, und mancher begründet seinen Wunsch mit dem Hinweis auf den ehemaligen Finanzminister Bjarni Benediktsson, der aufgrund persönlicher Verstrickungen in den Verkauf der Íslandsbanki im Herbst zurückgetreten war.

Auch die Piratenpartei verlangt, dass Svandís von ihrem Posten weicht, und das obwohl die Piraten eines mit der Ministerin gemeinsam haben, so der Abgeordnete Gísli Rafn Ólafsson, der auch einen Sitz im parlamentarischen Wirtschaftsausschuss hält: den Walfang in Island ein für alle Mal abzuschaffen. Die Piraten haben dem Parlament dazu im Herbst einen entsprechenden Gesetzentwurf vorgelegt, der inzwischen von gut 3500 Personen und Parteien kommentiert worden ist, in der Geschichte des Beratungsportals samráðsgátt ein Rekord. Die meisten Einsendungen kamen aus dem Ausland und unterstützen den Entwurf.  Gísli Rafn kritisiert die Entscheidung vom Juni in letzter Minute als schlechte Verwaltungsarbeit, stattdessen hätte die Ministerin schon viel früher Position beziehen müssen.

Uraltes Walfanggesetz ändern
Harsche Kritik kommt auch von den Sozialdemokraten.
Man sei nicht für den Walfang bei der Sozialdemokratischen Allianz, so der Abgeordnete Jóhann Páll Jóhannsson, aber man lebe in einem Rechtsstaat, wo es wichtig sei, Macht korrekt einzusetzen, die Spielregeln zu beachten und in Bezug auf die Beschäftigung im Lande Verhältnismäßigkeit walten zu lassen. Wenn das Walfanggesetz uralt sei, dann liege es im Verantwortungsbereich der Ministerin, sich für Änderungen am Gesetz einzusetzen, und nicht Gesetze zu brechen.

Zum ersten Mal wird Tierschutz erwähnt
Katrín Oddsdóttir, die Juristin des isländischen Naturschutzbundes, gab Vísir gegenüber zu bedenken, ein Gutes habe das Schreiben des Ombudsmannes, denn er sage eigentlich, dass Svandís recht daran getan habe, bei ihrer Entscheidung den Tierschutz zu berücksichtigen. „Das ist die Verbindung, auf die wir alle sehr gewartet haben, dass sie von einer unabhängigen Partei bestätigt wird.“ In der Regel, so Katrín, gehe es bei solchen Gesetzen nur um die Rechte der Jäger. Sie findet Svandís Entscheidung richtig, die Umsetzung derselben sei jedoch mangelhaft gewesen.

Behörden dokumentierten Tierschutzverletzungen
In Island hatte zuletzt nur noch ein Unternehmen eine Lizenz für den kommerziellen Walfang gehalten. Das Unternehmen Hvalur hf. setzt für seine Jagd zwei Schiffe ein und beschäftigt rund 150 Mitarbeiter an Bord und in der Zerteilstation im Hvalfjörður. Die Fangquote für Finnwale liegt bei 150 Tieren und kann von Saison zu Saison verlagert werden.
Vor zwei Jahren hatte die Meeresschutzorganisation Hard to Port erstmals Fotos von der Schlachtung veröffentlicht, in der Folge gab es Hinweise auf Verletzungen des Tierschutzes bei der Jagd, worauf das Ministerium die Behörden anwies, alle Jagden filmisch zu dokumentieren. Dabei stellte sich heraus, dass zahlreiche Wale nicht etwa beim ersten Schuss verendeten, sondern teilweise stundenlang mit dem Tode rangen.
Am 31.12.2023 war die Fanglizenz von Hvalur hf. ausgelaufen, eine neue Lizenz muss beim Ministerium für Fischerei und Landwirtschaft beantragt werden. Im Winter 2022 hatte Ministerin Svandís Svavarsdóttir in einer Kolumne des Morgunblaðið den Walfang als nicht mehr zeitgemäss bezeichnet.

 

Walfang: Erbeutete Walkuh trug grossen Embryo im Leib

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Ein vier Meter langer Walembryo ist heute morgen nach Angaben eines Augenzeugen aus dem Leib einer erbeuteten Walkuh geschnitten worden, berichtet Heimildin.
Das Walfangschiff Hvalur 9 war mit zwei gestern erlegten Walen im Schlepp in den Hvalfjörður eingelaufen. Bei dem ersten zerteilten Wal handelte es sich um einen Bullen, der zweite Wal war ein grosses weibliches Tier. Als man sich daran machte, den Leib des Wals zu öffnen, stellte sich heraus dass die Walkuh ein ungeborenes Kalb trug. Der Embryo war mit geschätzten vier Metern ziemlich gross. Neugeborene Finnwalkälber messen meist um die fünf bis sechs Meter.

Embryo könnte noch gelebt haben
Arne Feuerhahn, der Geschäftsführer der Meersschutzorganisation Hard to Port war Augenzeuge des Vorfalls am Morgen und hat Heimildin gegenüber sein Erlebnis geschildert. Er sagt, die Mitarbeiter von Hvalur hf hätten mit der Zerteilung des Wales begonnen, und als sie ein grosses Stück aus dem Leib herausgeschnitten hätten, öffneten sie die Bauchhöhle mit einem grossen Walschneider, und dannach sei alles sehr schnell gegangen: “Eigentlich ist das Kalb aus dem Leib seiner Mutter herausgerutscht,” sagt Arne Feuerhahn.
Die Mitarbeiter hätten rasch reagiert, sie hätten das Walkalb mit Haken aufgespiesst und weggeschafft, “daher konnten wir nicht mehr Fotos machen.” Immerhin drei sehr aussagekräftige Aufnahmen sind ihm gelungen, die keinen Zweifel an dem Vorfall lassen.
“Ich hab ja Vergleichbares schon des öfteren gesehen, aber das hier, das war anders,” sagt Arne. “Das war fast so … als ob das Kalb aus dem Leib seiner Mutter herausgeschnitten wurde …. als ob es da noch lebte. Ich bin nach diesem Vorfall doch etwas erschlagen, um ehrlich zu sein. Eigentlich fehlen mir die Worte.”

Tragende Walkühe machen grösseren Teil der Beute aus
Nicht zum ersten Mal ist hier eine tragende Walkuh erbeutet worden. Im vergangenen Sommer waren elf tragende Walkühe getötet worden, in der Saison 2018 waren es ähnlich viele gewesen.
Im Aufsichtsbericht der Veterinäraufsichtsbehörde MAST zum Tierwohl von Walen bei der Jagd durch Hvalur hf im vergangenen Sommer hatte es gehiessen, das der grössere Teil der erbeuteten Tiere weiblichen Geschlechts gewesen seien. Den Grund dafür kenne man nicht, es könne sich um einen Zufall handeln. Daten von Hvalur hf. zufolge waren 62% der erbeuteten Finnwale im vergangenen Sommer weibliche Tiere gewesen.
“Wenn der Anteil der weiblichen Tiere höher ist als der männlichen Tiere, könnte es auch wahrscheinlicher sein, dass eine tragende Kuh oder eine Kuh mit saugendem Kalb erbeutet wird “. Die Expertin für Meerestiere und Verhaltensforscherin Edda Elísabet Magnúsdóttir hatte im vergangenen Jahr in einem Interview mit Kjarninn gesagt, um diese Jahreszeit sei die Chance, eine tragende Walkuh zu erbeuten weitaus höher. “Die haben ihre Tragezeit zur Hälfte herum, oder länger, wenn die gejagt werden.”
Das erklärt sich dadurch, dass sie nur alle zwei bis drei Jahre ein Kalb bekommen. Die Paarungszeit ist im Dezember, und meist kommen die Kälber im November nach einer elfmonatigen Tragezeit zur Welt. Danach trinkt das Kalb sechs bis acht Monate bei der Mutter, bevor sie es entwöhnt. Im vergangenen Jahr hatte Hvalur hf eine Walkuh mit Milch erbeutet. Das mutterlose Kalb ist vermutlich verhungert.
Dem Gesetz zum Walfang zufolge ist es verboten, Walkälber, saugende Kälber, sowie Walkühe mit saugendem Kalb zu jagen. Nicht verboten ist es dem derzeitig gültgen Bestimmungen zufolge hingegen, eine tragende Walkuh zu töten. Edda Elísabet erklärt, bei ausgewachsenen Tieren sei es nicht möglich, Geschlecht oder Alter zu bestimmen.

Moralisch nicht zu rechtfertigen
“Wir wissen von 17 Finnwalen, die in dieser Jagdsaison getötet worden sind,” gab Katrín Oddsdóttir, die Anwältin des isländischen Naturschutzbundes an. “Ein Wal ist versunken, als die Fangleine riss, damit war der Tod diesen Tieres vollkommen sinnlos.”
Die oben genannte Walkuh war tragend, und “der Embryo scheint sehr gross gewesen zu sein, damit ist klar dass das unter das Gesetz zum Tierwohl fällt,” sagte Katrín Heimildin gegenüber. “Soetwas ist moralisch nicht zu rechtfertigen.”
Ein weiterer Wal habe sich eine halbe Stunde quälen müssen, bevor er getötet wurde. Ein weiterer sei mehr als einmal harpuniert worden, und die Treffer lagen ausserhalb des in den neuen Bestimmungen von Fischereiministerin definierten Zielgebietes.
“Die Regierung muss jetzt ihren Job machen. Meiner Ansicht nach ist die Zeit gekommen dass MAST seine Befugnis nutzt und diese Branche stoppt, die so ganz offensichtlich gegen Tierschutzgesetze und Bestimmungen verstösst.”

Finnwale sind nach dem Blauwal die zweitgrössten Tiere der Erde. Der Finnwal ist ein Migrant, der sich im Frühjahr nach Norden aufmacht und zum Herbst hin wieder in wärmere Gewässer schwimmt. Im Meer rund um Island befinden sich die Hauptnahrungsgründe der Finnwale im Nordatlantik.
Die Walfangsaison von Hvalur hf hatte Anfang September begonnen, nachdem die Fischereiministerin das im Juni verhängte Fangverbot aufgehoben hatte. Die Walfangschiffe kamen sogleich mit reicher Beute heim, doch dauerte es nicht lange, bis MAST eins der Schiffe wegen tierschutzwidrigen Vorkommnissen stilllegte. Einer der Wale hatte, wie oben erwähnt, eine halbe Stunde mit dem Tod gekämpft, bevor ein zweiter Schuss ihn tötete. Hvalur-Geschäftsführer Kristján Loftsson schob den Vorfall auf technische Probleme.
Inzwischen sind beide Walfänger wieder mit Beute in den Hafen eingefahren – einer von ihnen mit der oben genannten tragenden Kuh.
Die Fangsaison läuft noch bis zum Monatsende.
Walfang ist gleich zu Beginn der parlamentarischen Saison Thema im Plenum gewesen, doch weit war man mit der Debatte über ein von der Opposition vorgeschlagenen Gesetzentwurf zum Verbot des Walfangs nicht gekommen, denn die Abgeordneten konnten sich nicht einigen, in welchem Ausschuss die Frage ihren Platz haben sollte.

 

Hvalur-Chef verteidigt misslungenen Tötungsfall

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In einem Interview mit dem Abendmagazin Kastljós hat Hvalur-Geschäftsführer Kristján Loftsson einen Vorfall verteidigt, der in der vergangenen Woche zur Stillegung eines seiner beiden Walfangschiffe geführt hatte. Kristján zufolge trug ein mechanisches Versagen Schuld an dem Fehlschuss. Gleichzeitig warf er der Veterinäraufsichtsbehörde (MAST) fehlende Erfahrung und Fehler in der Vorgehensweise vor.

Der Vorfall am 7. September war durch einen Haken verursacht worden, der sich in der Seilwinde verfangen hatte. Dadurch sei der harpunierte Wal am Leben geblieben und habe an den Haken gehangen, und die Besatzung habe weder den Wal heranziehen noch den Haken lösen können. Man habe die Situation nicht anders lösen können, so Kristján. Der angeschossene Wal hatte 30 Minuten mit dem Tod gekämpft, bevor der zweite Schuss zu seinem Tode führte.
Kristján kritisierte auch das Video, das der Aufsichtsführende der Fischereibehörde im Auftrag von MAST von der Jagd aufgenommen hatte. Der Vorfall sei mit Zoom aufgenommen worden, was die tatsächliche Entfernung zwischen Wal und Schiff verfälscht habe. Der Wal sei für eine sofortige Tötung viel zu weit weg gewesen, womit die im Video zu sehenden Aktivitäten nicht die Realtität wiedergäben. Der ganze Vorfall sei falsch interpretiert worden und diene dazu, die gesamte Fischereibranche rufzuschädigen.

Seiner Ansicht nach fehle es bei MAST an Personen mit einem breiten Verständnis für die Fischerei, und das Kollegium bei MAST bestehe  sicher zu 70% aus Büroangestellten und Veterinären und sei eine “Stempelelite”. Ausserdem habe MAST vor der Enscheidung, das Walfangschiff stillzulegen, keine Rücksprache mit der Fischereibehörde gehalten und damit die eigene Regeln missachtet.
Der Vorfall sein ein Unfall gewesen, und überall könnten solche Unglücksfälle passieren. Wenn man mit einem anderen Auto zusammenstosse, verliere man doch auch nicht seinen Führerschein auf Lebenszeit, findet Islands einziger Waljäger.

Auf die Frage, wie er die Chancen für eine Aufhebung des Jagdverbotes für die Hvalur 8 einschätze antwortete Kristján Loftsson, er habe keine Lust, in die Gehirne von MAST-Mitarbeitern hineinzuschauen. Und selbstverständlich werde er eine neue Jagdlizenz beantragen, sobald die alte ausläuft (zum Jahresende). Bislang habe sein Unternehmen 15 Wale erbeutet, das sind etwa 10% der diesjährigen Quote von 160 Finnwalen. Die werde man aber kaum ausschöpfen können. Er gab im Interview finanzielle Verluste zu, verweigerte jedoch die Nennung einer Summe.

Am Nachmittag berichtet Vísir, dass MAST dem Unternehmen in Aussicht gestellt habe, mit der Hvalur 8 wieder auf Jagd zu gehen, wenn zwei Bedingungen erfüllt würden:
Der Schütze müsse auf hoher See eine Schiessübung erfolgreich bestehen, um zu beweisen, dass er mit der Harpune umgehen kann. Ausserdem müssen die Verfahrensregeln unter Berücksichtigung der Einwände beider Regulierungsbehörden, Fischereibehörde und MAST, aktualisiert werden. Die Änderungen sollen von beiden Behörden genehmigt und den Besatzungen der beiden Walfangschiffe angemessen mitgeteilt werden.
Sobald diese Forderungen erfüllt sind, darf die Hvalur 8 wieder zur Jagd auslaufen.

 

Walfang: Hvalur 8 wegen Tierschutzverletzung stillgelegt

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Die isländische Veterinäraufsichtsbehörde MAST hat den Betrieb des Walfangschiffes Hvalur 8 vorübergehend stillgelegt, weil bei der Jagd auf Finnwale die Tierschutzbestimmungen nicht eingehalten worden sind. Die Stilllegung bleibt solange bestehen, bis korrigierende Massnahmen von MAST und der Fischereibehörde abgenommen worden sind, berichtet Vísir.

Einer Pressemitteilung von MAST zufolge hatte das Überwachungsvideo der aufsichtsführenden Person zutagegefördert, dass bei der ersten Jagdfahrt am 7. September der erste Harpunenschuss aus der Hvalur 8 ausserhalb des markierten Zielbereichs traf und das Tier nicht sofort tötete, wie es die neuen Walfangverordnung vorschreibt. Der notwendige Zweitschuss wurde erst nach 30 Minuten abgegeben, worauf der Wal nach wenigen Minuten verendete.
Die 30 Minuten Todeskampf zwischen den beiden Schüssen stellen eine Verletzung von Tierschutzrichtlinien und Fischereibestimmungen dar, schreibt MAST. Die Stilllegung des Walfangschiffes wird erst dann aufgehoben, wenn Hvalur hf die Behörden mit Korrektivmassnahmen überzeugen kann.

Der Vorfall trug sich, wie gesagt, vor einer Woche zu. Auch der zweite erbeutete Wal trug zwei Harpunen im Körper, zum Hergang wurde bislang nichts veröffentlicht. Trotz des Gesetzverstosses konnte das Unternehmen jedoch weitere 13 Wale erbeuten, bevor heute zumindest eins der beiden Fangschiff stillgelegt wurde.

Neue Verordnung ist wirksames Werkzeug
Valgerður Arnadóttir, die Sprecherin der Walschutzorganisation Hvalavinir, sagte Heimildin gegenüber, sie finde es eigenartig, dass nicht der gesamte Fangbetrieb des Unternehmens stillgelegt wird, sondern nur eins der beiden Schiffe. Allerdings habe die neue Verordnung den Behörden jetzt Werkzeug an die Hand gegeben, was es für Kristján Loftsson schwer machen würde, seine Jagdsaison wie geplant zu beenden. Mit der nächsten “Abweichung” ist auch bei der Hvalur 9 Schluss, die Saison ohnehin fast zuende, das Wetter wird nicht besser, und die Jagdlizenz läuft zum Jahresende aus. Fischereiministerin Svandís Svavarsdóttir hatte schon mehrfach angedeutet, dass es mit ihr eine Lizenzverlängerung nicht geben werde.

Drei weitere Wale auf dem Weg
Derzeit befinden sich beide Schiffe mit heute geschossenen Walen auf dem Weg in den Hafen von Hafnarfjörður. Die seit Mittag stillgelegte Hvalur 8 wird in der Nacht mit einem Finnwal im Schlepp am Kai erwartet, der vor dem Mittag geschossen worden sein soll, die Hvalur 9 läuft morgen früh mit zwei Walen ein.
Damit sind seit letzter Woche 14 Finnwale erbeutet worden. Die ersten drei Wale waren gleich am 7. September geschossen worden, die nächsten vier am vergangenen Sonntag, und weitere vier am Dienstag. Erst heute reagierte die Veterinäraufsichtsbehörde. Man habe nicht schneller arbeiten können, gab Behördenleiterin Hrönn Jörundsdóttir Heimildin gegenüber an.
Wie es mit der Hvalur 9 weitergeht, entscheidet erst mal das Wetter, sie wird voerst nicht auslaufen können, weil für Samstag sehr schlechtes Wetter aus Südost erwartet wird.

Zwei Finnwale mit mehreren Harpunen im Leib angelandet

Der erste Wal der diesjährigen Jagdsaison, der am Morgen angelandet worden war, trug eine Harpune im oder am Kopf und eine weitere in der Seite. Kurz darauf lief die Hvalur 9 mit zwei Walen im Schlepptau ein, einer von ihnen wurde um die Mittagszeit angelandet und zeigte ebenfalls Wunden von zwei Harpunen, was bedeutet, dass auch dieses Tier nicht beim ersten Schuss verendet ist, berichtet Heimildin. Die Harpune hatte erneut geladen und abgeschossen werden müssen.

Jagdmethoden nicht gebessert
Der dritte Finnwal befindet sich noch im Wasser und wird erst angelandet, wenn die zwei anderen an Land zerteilt worden sind. Die Zerteilung passiert unter freiem Himmel, nachdem der ehemalige Fischereiminister dem Unternehmen Hvalur hf. seinerzeit eine verlängerte Ausnahmegenehmigung erteilt hatte, ansonsten hätte man nämlich wie alle anderen fleischverarbeitenden Betriebe eine Halle für die Schlachtung errichten müssen.
“Damit ist klar und für mich überhaupt nicht überraschend, dass sich die Jagdmethoden von Hvalur hf. in keinster Weise gebessert haben,” kommentierte Arne Feuerhahn, der Geschäftsführer der Meeresschutzorganisation Hard to Port, die den zweite Sommer in Folge die Geschehnisse in der Zerteilstation verfolgt und bildlich dokumentiert.

Bei Nebel und schlechtem Wetter gejagt
Die beiden Walfangschiffe hatte sich vorgestern auf den Weg in die Fanggründe gemacht, und “trotz dichten Nebels und sehr schlechtem Wetter”, so der Leiter der Walfangstation, sei die Jagd “gut verlaufen.” Schlechte Sicht erschwere hingegen die Jagd.
Fischereiministerin Svandís Svavarsdóttir hatte den Walfang zum 1. September hin wieder erlaubt, allerdings mit strengeren Regeln, die für mehr Tierwohl bei der Jagd sorgen sollen. Die neue Verordnung überprüft die Bedingungen, die bei der Jagd vorliegen müssen, und verlangt, dass „äußere Bedingungen“ so gestaltet sein müssen, dass „die Möglichkeit einer sofortigen Tötung besteht.” Dabei seien Wellenhöhe, Wetterbedingungen und Sichtverhältnisse zu berücksichtigen.
Den Beschreibungen des Stationsleiters zufolge waren die Sichtverhältnisse jedoch schlecht gewesen.
Die Aufsichtspersonen von Fischereibehörde und Veterinäraufsichtsbehörde (MAST) können der Verordnung zufolge verlangen, dass die Arbeitsweise verbessert wird, wenn die vorgenannten Voraussetzungen nicht erfüllt werden.

Vorfallbericht innerhalb von zwei Tagen
Die MAST-Fachtierärztin Þóra Jóhanna Jónasdóttir sagte Vísir gegenüber, das Unternehmen müsse bei einem Vorfall wie diesem spätestens zwei Arbeitstage nach Ende der Fahrt einen Vorfallbericht einreichen, in dem der Vorfall beschrieben und seine möglichen Ursachen analysiert werden müssen.
Anschließend beurteile die Behörde, ob Verbesserungen erforderlich seien, bevor Hvalur erneut auslaufen darf. Þóra weist darauf hin, dass das Tierschutzgesetz es erlaubt, den Jagdbetrieb einzuschränken oder einzustellen, sollten schwerwiegende Vorfälle oder wiederholte Verstöße vorliegen, oder wenn der Betreffende festgelegte Fristen nicht einhalte.

Diesjährige Fangquote liegt bei 161 Walen
In diesem Sommer darf Hvalur hf 161 Finnwale erlegen. Im letzten Jahr waren 148 Wale erlegt worden, die Jagdsaison hatte um die 100 Tage gedauert und war am 28. September zuende gegangen.
MAST hatte schwere Einwände gegen die Jagd erhoben, unter anderem weil viele der Wale mehrfach harpuniert worden waren, weil Sprengstoffladungen nicht detoniert waren und manche Tiere einen stundenlangen Todeskampf und schlimme Qualen erleiden mussten.

Die isländische Naturschutzorganisation hat am Mittag mit einem Brief an die Veterinäraufsichtsbehörde MAST einen sofortigen Stopp des Walfangs mit der Begründung gefordert, dass einer der Wale mindestens zweimal harpuniert wurde und der Walfang bei schlechten Wetterbedingungen stattgefunden hat.

 

Walfangschiffe ausgelaufen, Inspektoren an Bord

Hvalur, whaling ship, harpoon

Islands einziges kommerzielles Walfangunternehmen, Hvalur hf., ist auf dem Weg in die Fanggründe, um dort Finnwale zu jagen. Gestern Nachmittag hatten zwei Antiwalfang-Aktivistinnen ihren 33- Stunden langen Protest in den Mastkörben der Walfangschiffe aufgegeben, die ihre Saison am 1. September hätten beginnen können, nachdem Fischereiministerin Svandís Svavarsdóttir das Fangverbot Ende letzter Woche aufgehoben hatte. Gegen die beiden Demonstrantinnen hat das Unternehmen wegen Hausfriedensbruch Anzeige erstattet.

Die Polizeiaktion gegen die beiden Frauen war von Menschenrechtsorganisationen scharf kritisiert worden, unter anderem, weil die Polizei der einen Frau den Rucksack mit Proviant, Mobiltelefon und warmer Kleideung unter Gewaltanwendung weggenommen hatte.
Der stellvertretende Leiter der Hauptstadtpolizei, Ásgeir Þór Ásgeirsson, hatte angegeben, man habe den Rucksack beschlagnahmt, um die Protestaktion abzukürzen. Die beiden Frauen hätten Nahrung und Wasser haben können, wenn sie vom Mast heruntergekommen wären.

Das Wetter draussen auf hoher See war am Wochenende sehr schlecht gewesen, und Hvalur-Chef Kristján Loftsson sah sich ohnehin gezwungen, im Hafen zu abzuwarten. Auch heute Morgen sah es nicht nach Abfahrt aus, erst gegen Abend wurden die beiden Fangschiffe Hvalur 8 und Hvalur 9 auf dem Weg aus dem Hvalfjörður beobachtet, wo sie zusätzliche Ausrüstungsgegenstände an Bord genommen hatten.
Den neuen Bestimmungen nach, die Fischereiministerin Svandís Svavarsdóttir am vergangenen Freitag veröffentlicht hatte, werden die Walfänger in ihrem Tun jetzt noch intensiver überwacht.
Elín Ragnarsdóttir, die Leiterin der Aufsicht bei der Fischereibehörde, sagte, die neuen Bestimmungen zur Überwachung des Walfangs seien “viel weitreichender und detaillierter” als zuvor. Die Aufsichtspersonen seien verpflichtet, noch viel mehr filmisch zu dokumentieren, vor allem wenn es um das Tierwohl gehe. Elín bestätigte dass die gesamte Jagdsaison auf Video aufgenommen werde.