Walfang: Jagdsaison beginnt am Mittwoch, alle Lizenzen liegen vor

Am Mittwoch hat die westisländische Gesundheitsbehörde eine zeitlich befristete Betriebsgenehmigung für das Walfangunternehmen Hvalur hf. ausgestellt. Die Verlängerung der am 1. Mai abgelaufenen Genehmigung gilt bis zum 12. Juli und wurde auf der Grundlage des Grundsatzes der Verhältnismäßigkeit gewährt.
Die diesjährige Jagdsaison beginnt am kommenden Mittwoch.

Tauziehen um Erlaubnis
Am 3. Juni 2022 hatte Hvalur hf. – das einzige Unternehmen in Island, welches kommerziellen Walfang betreibt – bei der Gesundheitsbehörde eine neue Betriebserlaubnis für die Walfangstation an Land beantragt, sowie eine befristete Verlängerung, die bis zum 1. Mai 2023 galt, während die dauerhafte Genehmigung in Arbeit war.  Ein Vorschlag für die dauerhafte Lizenz war am 12. Mai veröffentlicht worden, dort konnten bis zum 9. Juni auch Einwände erhoben werden. Eine Fülle solcher Einwände ist bei der Behörde eingegangen, ihre Bearbeitung ist noch im Gange.
Da die dauerhafte Erlaubnis ausstand, die Saison aber Mitte Juni bginnt, hatte Hvalur-Chef Kristján Loftsson um eine befristete Erlaubnis ersucht, und diese war am Montag und Mittwoch beim zuständigen Ausschuss zur Sprache gekommen.
Im Sitzungsprotokoll heisst es, dass der Ausschuss dem Gesetz zufolge berechtigt ist, den Gültigkeitszeitraum einer Betriebserlaubnis zu verlängern, während eine neue in Arbeit ist. Im letzten Jahr hatte der Ausschuss die befristete Erlaubnis bis zum 1. Mai verlängert, das sind neun Monate, weil man davon ausgegangen war, dass innerhalb dieser Zeit eine dauerhafte Erlaubnis ausgestellt werden kann.

Mängel auf dem Betriebsgelände behoben
“Während des Bearbeitungszeitraums wurden von der Gesundheitsinspektion verschiedene Verbesserungen im Zusammenhang mit der aktuellen Betriebserlaubnis gefordert, insbesondere im Hinblick auf die Vermeidung von Umweltverschmutzung. Nach den Informationen, die der Ausschuss erhalten hat, hat Hvalur daran gearbeitet, diese Mängel zu beheben, wobei die Verbesserungen entweder abgeschlossen sind oder sich in einem fortgeschrittenen Stadium befinden.“
Hvalur hf. will Informationen zufolge diese Verbesserungen bis zum 19. Juni abschliessen. Der Ausschuss hat daher entschieden, die befristete Betriebserlaubnis noch einmal zu verlängern: „Unter Verweis auf den Verhältnismäßigkeitsgrundsatz des Verwaltungsrechts ist der Ausschuss der Ansicht, dass die Voraussetzungen für eine vorübergehende Verlängerung der Betriebsgenehmigung von Hvalur bis zur Erteilung einer neuen Genehmigung gegeben sind, jedoch niemals länger als bis zum 12. Juli 2023, wenn die gesetzliche Höchstverlängerung erreicht ist.“

Jagdsaison beginnt am Mittwoch
Fiskifréttir berichtete gestern dass der Beginn der Walfangsaison von der Zerteilstation im Hvalfjörður bestätigt worden sei.
Nach Angaben von Betriebsleiter Gunnlaugur Fjólar Gunnlaugsson beginne die Jagd auf Finnwale am kommenden Mittwoch. Alle benötigten Genehmigungen für die Jagd und für die Verarbeitung an Land lägen vor.

Im vergangenen Jahr hatte Hvalur hf. insgesamt 148 Finnwale erbeutet. Videos von Tierschutzbeauftragten der Veterinäraufsichtsbehörde MAST hatten vor zwei Monaten ans Licht gebracht, dass rund ein Drittel aller Wale mehrfach harpuniert werden muss und der Todeskampf der Meeressäuger bis zu zwei Stunden dauert.
Die Jagdlizenz des Unternehmens gilt noch für dieses Jahr, dann läuft sie aus. Die zuständige Ministerin für Fischerei, Landwirtschaft und Lebensmittel, Svandís Svavarsdóttir, hatte angegeben, sie verfüge nach Information ihrer Juristen im Ministerium über keine rechtliche Handhabe, die Lizenz aufgrund der dokumentierten Tierquälereien widerrufen. Ihre Weigerung hatte öffentlichen Protest im In- und Ausland hervorgerufen. Bei Petitionen waren über 250.000 Unterschriften zusammengekommen.
Gestern berichtete Vísir, dass sich die Sea Shepard, das Schiff des Walfanggegners Paul Watson, auf dem Weg nach Island befinde.

Walfang: Verlustgeschäft, aber Dividende in Aussicht

Das Walfangunternehmen Hvalur hf. hat im vergangenen Jahr 900 Millionen ISK Gewinn gemacht, und zwar durch Investition in andere Unternehmen. In der Walfangbranche fuhr Hvalur hf. auch weiterhin Verluste ein, berichtet Heimildin. Das zeigt die Jahresbilanz für die Zeit zwischen dem 1. Oktober 2021 bis 30. September 2022.

Die Kosten für den Betrieb der Fangschiffe, die Zerteilanlage im Hvalfjörður und den Export der Produkte beliefen sich auf 2.363 Mio ISK, die Kosten für die Gefrierlagerung im Hvalfjörður auf 202 Mio ISK, und die Einnahmen aus dem Verkauf des Walfleisch beliefen sich auf 44 Mio ISK im gleichen Zeitraum. Trotz des Exports wuchsen die Vorräte des Unternehmens um den Gegenwert von 2,260 Mio ISK. Daher ist davon auszugehen, dass ein Grossteil des im letzten Jahr verarbeiteten Walfleischs in den Gefrierhäusern verschwunden ist.

Im genannten Bilanzzeitraum erbeutete Hvalur 148 Finnwale. Der Sommer 2022 war der erste seit 2018, in dem das Unternehmen wieder zur Jagd in See gestochen war. Ausführungen der Jahresbilanz zufolge hatte man in den drei Pausejahren aus den Vorräten verkauft. Nach der Jagd im letzten Jahr stieg der Wert der Vorräte hingegen um die vorgenannten 2,260 Mio ISK.

Kräftige Dividendenausschüttung  vorgeschlagen
Die Unternehmensleitung hat nun vorgeschlagen, eine Milliarde ISK als Dividende an die Aktionäre auszuschütten. Grösster Aktionnär bei Hvalur hf. ist Geschäftsführer Kristján Loftsson mit 28 Prozent Eigneranteil. Kristjáns Schwester Birna hält über die gemeinsame Holdinggesellschaft der Geschwister, der Fischereikapitalgesellschaft Venus hf., einen Anteil von 21 Prozent.
Bislang ist nicht klar, ob das Unternehmen eine neue Lizenz für die Waljagd erhält, die für diesen Sommer noch gültige Lizenz läuft nach der Saison aus. Überwachungsvideos der Veterinäraufsichtsbehörde MAST hatten kürzlich zutage geführt, dass etwa die Hälfte der erbeuteten Wale nicht sofort verendet und dass manche auch nach mehrfacher Harpunierung einen stundenlangen Todeskampf erleiden müssen.

Heimildin hatte sich im Parlament nach der Stimmung in Sachen Walfanglizenz erkundigt. Dabei hatten sich 40 Prozent der Abgeordneten gegen eine Weiterführung des kommerziellen Walfangs ausgesprochen, und 13 Prozent waren dafür gewesen.

Walfang: Keine gesetzliche Grundlage für Entzug der Jagdlizenz

Die isländische Ministerin für Fischerei, Landwirtschaft und Lebensmittel hat heute morgen bei einer parlamentarischen Ausschussitzung bekräftigt, ihre Hände seien bei der Entscheidung gebunden, den Walfang in diesem Sommer zu verhindern. Es gebe keine gesetzliche Grundlage, die gültige Jagdlizenz einzuziehen. Für eine Lizenzerneuerung, die mit Ende diesen Sommers ausläuft, sei noch keine Entscheidung getroffen worden, es sei aber klar, dass man das Walfanggesetz generell prüfen müsse, berichtet Vísir.

Fanglizenz scheint unantastbar
Der parlamentarische Wirtschaftsausschuss hatte Ministerin Svandís Svavarsdóttir zu einem Gespräch über die Ergebnisse der letztjährigen Aufsichtsführung  bei der Waljagd gebeten. Die staatlichen Inspekteure an Bord der Walfangschiffe hatten per Videoaufnahmen offengelegt, dass jeder vierte Wal mehr als einmal harpuniert werden musste. Ausserdem kämpften Wale bis zu zwei Stunden gegen den Tod an, obwohl das isländische Tierschutzgesetz darauf abzielt, unnötige Qualen verhindern. Mehrere Wale hatten ein Saugkalb bei sich, elf erlegte Walkühe waren trächtig.
Das Unternehmen Hvalur hf. hält für diese Saison noch eine Lizenz für die Jagd auf Finnwale. Seit Bekanntwerden der Videos war die Ministerin immer wieder aufgefordert worden, diese Lizenz zu widerrufen, doch Svandís besteht darauf, dass dies nicht in Frage komme. Vor dem Ausschuss begründete sie ihre Entscheidung dahingehend, dass für den Widerruf eine rechtliche Grundlage fehle. Rechtlichen Bestimmungen zufolge könne eine solche Lizenz nur widerrufen werden, wenn bei der ursprünglichen Erteilung Fehler aufgetreten seien, oder wenn der Widerruf für das Unternehmen keinen wirtschaftlichen Schaden mit sich bringe. Keine der beiden Bedingungen seien in diesem Fall erfüllt.  Außerdem beinhaltet das Walfanggesetz aus dem Jahr 1949 keine Bestimmungen zum Widerruf von Fanglizenzen.

Walfanggesetz ist “Kind seiner Zeit”
Die Ministerin sieht es aber als gegeben, dass das Walfanggesetz “ein Kind seiner Zeit sei” und im Widerspruch zu guter und moderner Gesetzgebung stehe, und daher auf den Prüfstand gehöre. Eine Einschätzung möglicher Schadensersatzforderungen, die Hvalur bei Lizenzentzug dem Staat in Rechnung stellen würde, sei nicht vorgenommen worden. Allerdings prüfe ihr Ministerium derzeit die Auswirkungen des Walfangs auf Klima, Ökosystem und Wirtschaft, um eine solidere Grundlage für Entscheidungen zur Zukunft des Walfangs zu schaffen.
In der Studie der Veterinäraufsichtsbehörde hatte es gehiessen, dass bei der Jagd auf Finnwale die besten bekannten Tötungsmethoden zum Einsatz kämen. In diesem Zusammenhang verwies sie auf den Fachrat zum Tierwohl, der einschätzen soll, ob es generell möglich wäre, solche Jagden im Geiste des Tierwohls überhaupt durchzuführen. Svandís gab an, es sei wichtig, dass dieser Prozess abgeschlossen werde, bevor ihr Ministerium in irgendeiner Weise interveniere. Die Isländer müssten sich dann mit der Frage auseinandersetzen, ob der Walfang mit ihren Werten und ihrer Identität vereinbar sei.

MAST bezieht Stellung
In einer Anfrage des Magazins Heimildin erklärte die Veterinärin für Wildtiere, Þóra Jónasdóttir, die Überwachungsergebnisse verstiessen klar gegen das Gesetz zum Tierwohl aus dem Jahr 2013, in den Bestimmungen zur Jagd auf wilde Tiere werde verlangt dass das Tier mit “geringstmöglichen Schmerzen” und “in so kurzer Zeit wie möglich” getötet werde. Ein zeitlicher Rahmen für diese Tötungsdauer sei im Gesetz jedoch nicht vorgegeben. Für die Veterinäraufsichtsbehörde seien die dokumentierten Tötungsergebnisse “untragbar”.

Zurückhaltende Antworten
Die Abgeordnete der Reformpartei, Hanna Katrín Friðriksson, fragte, ob etwas gegen eine Einschränkung des Walfangs spreche, etwa durch einen noch enger gesteckten zeitlichen Rahmen für die Jagdsaison. Momentan findet die Jagd von Juni bis September statt. Die Ministerin antwortete nicht direkt. Der Walfang werde als Ganzes untersucht, aber jeder Schritt müsste sorgfältig abgewogen werden. Auch bei der Frage, ob für die Fangsaison im kommenden Jahr eine Lizenz ausgegeben werde, hielt die Ministerin sich zurück. „Diese Entscheidung nicht nicht gefallen.“ sagte sie.

Hollywoodstar teilt Antiwalfangseite
Derweil regt sich im Ausland Widerstand. Der Hollywood-Schauspieler Jason Momoa hatte auf seiner Instagramseite einen Beitrag der Seite @last_whaling_station geteilt und zur Unterzeichnung einer Petition aufgerufen, berichtet Vísir. Inzwischen haben fast 40.000 follower auf seinen Beitrag reagiert.

Walfang: Crewmitglieder klagen wegen Überwachungsvideo

Zwei Besatzungsmitglieder eines Walfangschiffes, das für das isländische Walfangunternehmen Hvalur hf. unterwegs ist, haben die isländische Veterinäraufsichtsbehörde MAST und die Fischereibehörde verklagt, berichtet RÚV. Die beiden sehen ihr Recht auf Datenschutz und Persönlichkeitsrecht durch die Videoaufnahmen an Bord im letzten Sommer verletzt.

Diese Videoaufnahmen waren Teil des Überwachungspaketes, welches die Regierung für die Fangsaison 2022 angeordnet hatte. Demnach filmte ein Mitarbeiter der Fischereiehörde an Bord den gesamten Jagdvorgang, die Aufnahmen wurden dann später von Experten untersucht. Die beiden Kläger sind in dem Video erkennbar und glauben, ihr Persönlichkeitsrecht werde verletzt. Weder Videos noch Einzelheiten der Studie sind bislang veröffentlicht worden.

Die Überwachungstätigkeit der letzten Saison hatte jedoch zutage gefördert, dass die Praktiken des Walfangs nicht den isländischen Tierschutzrichtlinien entsprechen. Die zuständige Ministerin, Svandís Svavarsdóttir, hatte die Daten als “schockierend” bezeichnet und eine Neubewertung des Walfangs gefordert.
Hvalur hf hält für dieses Jahr noch eine Jagdlizenz. Die Ministerin hatte angedeutet, dass die Regierung nach diesem Jahr keine weiteren Lizenzen ausgeben werde.

Sind Wale durch Walbeobachtungsboote gestresst? Ein Forschungsprojekt im Skjálfandi

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Ein Wissenschaftlerteam arbeitet derzeit daran, die Auswirkungen von Schiffen, vor allem Walbeobachtungsboote oder -schiffe, auf Wale zu untersuchen. Die Untersuchungen im Skjálfandi bei Húsavík werden durch Experten des Walschutzvereins Whale Wise unternommen, berichtet mbl.is.
Dazu werden mit Dronen Tröpfchen aus der Fontäne des Wals aufgefangen, wenn ein Schiff in der Nähe ist, und eine Vergleichsprobe, wenn sich das Schiff entfernt hat. Beide Proben werden von der Drone sofort zum Schiff gebracht.

Walbeobachtung hat sich in den vergangenen Jahren steigender Beliebtheit erfreut, viele Touristen kommen nach Island vor allem um die Wale zu sehen. Im Jahr 2020 hatte es pandemiebedingt eine Pause im Geschäft gegeben, doch 2019 waren mindestens 360.000 Besucher auf Walbeobachtungsschiffe unterwegs gewesen, ein gutes Drittel davon im Skjálfandi.
Ältere Untersuchungen hatten ergeben, dass die Wale durch Schiffe nur wenig gestört würden. Damals war das Verhalten der Wale im Faxaflói untersucht worden.

Die Forschungsarbeit von Whale Wise ist die erste ihrer Art in isländischen Gewässern, sie war zuvor allerdings schon in anderen Weltregionen durchgeführt worden. “Aus den Proben können wir die Hormone der Wale analysieren, wie etwa Cortisol, ein Stresshormon, und so können wir messen, wie gestresst die Wale sind,” erklärt Tom Grove, Mitbegründer von Whale Wise und Doktorand an der Universität Edinborg im einem Interview mit AFP.
Insgesamt hat Whale Wise seit 2018 im Skjálfandi 59 Proben gesammelt. Mindestens 50 sind notwendig, um ein signifikantes Ergebnis zu erzielen. Grove hofft auf etwa 100 Proben.

Fragliche Rolle der Marine bei Strandung von Walen

Beached whale by the Reykjavík coast

In den vergangenen zwei Jahren ist eine rekordbrechende Zahl an Walen an den Küsten Islands gestrandet und verendet, berichtet Vísir. Der Parlamentsabgeordnete Andrés Ingi Jónsson wollte wissen, ob die Vorfälle in Zusammenhang mit der erhöhten U-Bootaktivität in isländischen Gewässern stehen, insbesondere was die Nutzung von Sonarwellen betrifft.

Auch wenn derzeit in der Region eine internationale Untersuchung der Todesfälle läuft, so hatte es sich als schwierig erwiesen, Informationen zu militärischen Aktivitäten zu erhalten, welche das Verhalten der Wale beeinflussen.

Im vergangenen Jahrzehnt sind rund 400 Wale an den Küsten der Insel gestrandet. Von diesen 400 strandeten allein in den vergangenen zwei Jahren 200 Tiere. Andrés Ingi hatte bereits im September darauf hingewiesen und wollte wissen, ob die Schallwellen der U-Boote und Kriegsschiffe hinter dem Anstieg der Todefälle stecken könnten.

Er wollte auch wissen ob die Verwendung von Sonobojen, die zum Aufspüren von feindlichen U-Booten abgeschossen werden, dazu führt, dass die Wale die Orientierung verlieren.

Andrés Ingis Anfrage wurde in einer Mitteilung des Ministeriums für Fischerei und Landwirtschaft angesprochen, in welcher es heisst “eine multinationale Studie untersucht derzeit die ungewöhnliche Zahl von gestrandeten Entenwalen und Schnabelwalen im Jahr 2018 an den Stränden vieler Länder im Nordatlantik, darunter auch in Island. Die Gegenwart von Kriegsschiffen und marinen Truppenübungen, die im Sommer 2018 stattfanden werden in der Beziehung mit berücksichtigt. Es hat sich jedoch als schwierig herausgestellt, Informationen von den militärischen Behörden zu erhalten.”

In der Mitteilung hiess es auch, dass bislang in Island keine Untersuchungen zur Auswirkung von solchem Schiffsverkehr stattgefunden haben, der starke Schallwellen verwendet.

In einer Antwort auf die Mitteilung hatte Andrés Ingi eine Anfrage an das Aussenministerium übersendet, in welcher er zu wissen verlangt, wie oft in den vergangenen fünf Jahren Flugzeuge vom Flughafen in Keflavík abgehoben haben, um U-Boote zu suchen, und wieviele Sonobojen solche Flugzeuge durchschnittlich einsetzen. Andrés fragte auch nach Frequenz, Volumen und typische Dauer der Schallwellen, die bei solchen Einsätzen zum Einsatz kommen, und ob die Auswirkung auf das marine Leben, vor allem der Wale, eigentlich erforscht sei.

Die U-Bootbekämpfung aus der Luft läuft so, dass das Flugzeug dicht über der Wasseroberfläche fliegt und die Bojen abschiesst, die Sonarwellen von sich geben, ähnlich wie Wale im Ozean navigieren.” schreibt Andrés. “Es könnte daher also durchaus sein, dass sie Auswirkungen auf die Wale haben, die nämlich die Orientierung verlieren und an Land schwimmen.”

Andrés Ingi drückte sein Verständis dafür aus, dass manche militärische Information geheimgehalten werden müssen, dennoch “die fundamentale Frage muss etwas sein, das die Regierung beantworten möchte. Tatsache ist, dass die Marine im ganzen Land lärmverbreitende Bojen abschiesst, welche Wale an Land treiben könnten.”

50 tote Pilotwale aufgefunden

beached whales

Am vergangenen Donnerstag sind am Strand Löngufjörur auf der Halbinsel Snæfellsnes 50 tote Pilotwale aufgefunden worden, berichtete RÚV. Eine Grupe amerikanischer Touristen, die mit dem Hubschrauber auf einem Aussichtsflug unterwegs waren, hatte die Wale entdeckt, eine von ihnen, die Touristin Greta Carlson, nahm ein Video des erschreckendes Bildes auf und meldete den Vorfall auch den Behörden in Stykkishólmur.

Sie habe noch nie etwas derartiges gesehen, sagte Greta. Einige der Kadaver wiesen Schnittspuren und andere Verwundungen auf. Sie sagt, sie habe ihre Entdeckung dokumentieren wollen, Videomaterial und Fotos könnten in Zukunft möglicherweise ähnliche Unfälle verhindern.

Die Marinebiologin Edda Elísabet Magnúsdóttur sieht eine ganze Reihe von Gründen dafür, dass eine Walgruppe in ein für sie gefährliches Gewässer schwimmt.

Pilotwale, so sagt sie, seien Herdentiere mit starken sozialen Bindungen, die Mitglieder nicht einfach sich selbst überlassen.

In der Region gebe es jedoch auch starke Tiden und Strömungen, was es den Walen erschwert habe, ihren Weg aufs Meer zu machen. Pilotwale nutzen Sonar zur Orientierung, doch diese Kommunikation sei in dem Gebiet begrenzt. Das könne dazu geführt haben, dass die Wale mit der Ebbe gestrandet seien.

Morgen wollen sich Marineforscher auf den Weg nach Löngufjörur machen, um die gestrandeten Wale zu vermessen und Proben zu entnehmen. Wie Gísli Einarsson vom Meeresforschungsinstitut sagt, sei dies eine einmalige Gelegenheit, viele Proben von zahlreichen Walen in kurzer Zeit nehmen zu können. Auch das Penismuseum in Reykjavík soll bei der Gelegenheit bedacht werden.

Entfernt werden sollen die Kadaver jedoch nicht, das haben die Landbesitzer des Strandabschnittes beschlossen. Man will der Natur ihren Lauf lassen. Ein Vertreter der Umweltbehörde befand, dass sich die Kadaver an einem wenig frequentierten Strandabschnitt befänden und keine Geruchsbelästigung darstellen würden. Morgen soll die Lage jedoch erneut geprüft werden.

 

Walfänger übergibt keine Logbücher

Das Fischereiamt hat für die Jahre 2014, 2015 und 2018 bislang keine Logbücher von den Kapitänen der isländischen Walfangschiffe erhalten, obwohl sie mehrfach angefordert worden waren, berichtet Vísir.

Wie Eyþór Björnsson sagt, besitze sein Amt leider keine rechtliche Handhabe, das Walfangunternehmen zur Herausgabe der Dokumente zu zwingen.

Als Hvalur ehf. im Jahr 2014 die Genehmigung zum Walfang erhielt, wurde diese Genehmigung mit der klaren Vorgabe erteilt, dass jeder Kapitän ein Logbuch über das Ausmass der Jagdaktivitäten zu führen habe. Damit wollte das Amt in der für die Lizenz geltenden Periode, 2014 bis 2018, die Praktiken von Hvalur ehf. besser kontrollieren können.

In der Zeit erlegte Hvalur ehf. 436 Finnwale, ohne ein einziges Dokument vorgelegt zu haben.

Eyþór Björnsson sagt, man habe mit den Anwälten des Unternehmens in Verbindung gestanden, in der Hoffung, auf diesem Wege an die Logbücher zu kommen, doch ohne Erfolg.

Das der Regierung unterstellte Büro hatte zuvor schon einmal einem Trawler wegen Vertragsbruch die Lizenz entzogen, doch die Walfangschiffe unterstehen anderen Gesetzen.

Wir können nur um die Daten bitten,” sagt Eyþór. “Wir können die nicht zwingen, die Daten abzugeben, und wir können die Lizenz nicht widerrufen.”

Fischerei- und Landwirtschaftsminister Kristján Þór Júlíusson hatte die Fanglizenz erst kürzlich bis zum Jahr 2023 ausgestellt. Er hatte Hvalur ehf auch von der ursprünglich geltenden Verpflichtung enthoben, die erbeuteten Wale unter einem Dach auszunehmen, sie werden weiterhin unter freiem Himmel zerschnitten.

Walfänger lässt Regeln zu seinen Gunsten ändern

Die im vergangenen Jahr erfolgten Änderungen im Walfangreglement, die Fischereiminister Kristján Þór Júlíusson vorgenommen hatte, haben offenbar ein Vorspiel gehabt. Wie Vísir berichtet, hatte der Eigentümer von Islands einzigen Walfangunternehmen, Hvalur ehf. am 15. Mai 2018 eine Email an den Minister geschickt und Veränderungen im Regelwerk zur Verarbeitung von Walfleisch gefordert. Drei Monate später änderte der Minister genau diese Regeln, schreibt Vísir.

Hallo Kristján Þór, leider muss ich dir mit dem Folgenden auf die Nerven gehen,” beginnt salopp die Email des Oberwalfängers. Er schreibt weiter, dass die Regeln zur Verarbeitung von Walfleisch angepasst werden müssten und legt eine Kopie der Regeln vor, in die er Änderungen mit roter Schrift angefügt hat.

Wie Kjarninn schreibt, habe Kristján Loftsson als Begründung angegeben, es sei sinnlos, um eine Fanglizenz zu ersuchen, wenn die Regeln nicht geändert würden.

Die Änderungen, die der Minister drei Monate später am Regelwerk vornimmt, entsprechen denen in den Walfängers Vorschlägen.

Im Jahr 2009 war eine Regel in Kraft getreten, nach der Wale so schnell wie möglich nach Anlandung in geschlossenen Räumen oder zumindest auf einem überdachten Platz zerteilt werden müssen. Doch Vísir zufolge hat sich Hvalur ehf. nie an diese Regel gehalten. In der Walfangstation im Hvalfjörður nördlich von Reykjavík werden Wale immer noch an Land gezogen und unter freiem Himmel am Kai gleich neben dem Schiff zerlegt. Der Minister hatte die Forderung nach einem überdachten Schlachtort im letzten Jahr aus dem Regelwerk entfernt.

Nach der von Hvalur ehf. initiierten Änderung heisst es nun, dass der Wal so schnell wie möglich nach der Anlandung mit entsprechenden Vorsichtsmassnahmen auf einer Plattform verarbeitet werden muss.

In der vergangenen Woche hatte Kristján Þór Júlíusson eine Resolution unterzeichnet, mit der Hvalur ehf. eine Fanglizenz für weitere fünf Jahre erhält.

 

Island jagt weiter Wale

Fischerei- und Landwirtschaftsminister Kristján Þór Júlíusson hat heute eine Resolution veröffentlicht, nach der die Jagd auf Finnwale und Minkwale bis zum Jahr 2023 auch weiterhin erlaubt ist, berichtet RÚV.

Die Entscheidung baue auf der Expertise des Marineforschungsinstitutes, sowie auf einer kürzlich erschienenen Studie des Wirtschaftsinstitutes der Universität Islands zur volkswirtschaftlichen Bedeutung des Walfangs. Ausserdem stütze der Minister seine Entscheidung auf ein Papier des Marineforschungsinstitutes, welches auf seinen Wunsch hin nach Erscheinen der Studie verfasst worden war.

Das Marineforschungsinstitut empfiehlt, die jährliche Fangquote von Finnwalen im Zeitraum von 2018 bis 2023 auf 161 Tiere im Fanggebiet Ostgrönland/Westisland und auf 48 Tiere im Fanggebiet Ostisland/Färöerinseln, und auf 217 Minkwale in isländischen Gewässern zu begrenzen.

Der Empfehlung liegen Statistiken der internationalen Walfangkommission IWC zugrunde.

Seit Beginn der Walzählungen im Jahr 1987 ist der isländische Finnwalbestand stetig gewachsen. Bei der letzten Zählung im Jahr 2015 wurden 37.000 Tiere geschätzt, damit habe sich der Bestand seit 1987 verdreifacht, schreibt RÚV.

Die Minkwalzahlen seien seit der Jahrtausendwende zurückgegangen. Doch geht man nicht davon aus, dass der Bestand geschrumpft sei, sondern eher, dass die Minkwale sich aufgrund von Futtermangel nach Norden verlagert haben. Die Empfehlung des Institutes nimmt auf diese Entwicklung Rücksicht.
In dem oben erwähnten Papier des Marineforschungsinstitutes wird auf eine Rote Liste des isländischen Naturkundeinstitutes vergewiesen, welche zum ersten Mal veröffentlicht worden ist. In dieser Liste geht es um isländische Säugetiere, die nach den gleichen Regeln wie gefährdete Arten in der internationalen Roten Liste behandelt werden.

In der isländischen Roten Liste wird der Finnwal als “nicht in Gefahr” geführt. Damit bestätige sich, dass der Bestand sich hierzulande in gutem Zustand befindet. Das gleiche gilt für den Minkwal, den Seiwal, den Buckelwal und kleinere Zahnwale.

In Island gibt es nur ein Unternehmen, welches Wale jagt und die gesamte Walfangquote ausschöpfen kann. Hvalur ehf. unter der Leitung von Kristján Lotftsson hatte in den vergangenen Jahren immer wieder von sich reden gemacht, unter anderem durch Schwierigkeiten beim Walfleischexport nach Japan, als weltweit Häfen dem Frachtschiff das Ankern verweigerten.

Im vergangenen Jahr hatte die Umweltorganisation Hard to Port Fotos von der Walstation im Hvalfjörður veröffentlicht, auf denen seltene Hybridwale (Blauwal/Finnwal) an Land gezogen wurden. Die Rechtmässigkeit dieser Beute blieb bei Marineexperten umstritten. Hard to Port veröffentlichte auch Fotos von ungeborenen Walkälbern, die aus den erlegten Müttern gezogen worden waren.