Reykjanes: Vulkanausbruch offiziell beendet, Warten auf den nächsten Ausbruch

Geldingadalir Reykjanes eruption

Die Eruption in der Kraterreihe Sundhnúkagígarröð nördlich von Grindavík gilt seit heute offiziell als beendet. Gestern Abend hatten Fachleute des isländischen Zivilschutzes das Eruptionsgebeit überflogen und keinerlei Hinweise auf vulkanische Aktivität in dem zuletzt nur noch schwach aktiven Krater gefunden. Auch der vulkanische Tremor war gestern zurückgegangen. In der Nacht konnte kein Glühen von frischer Lava entdeckt werden. Die isländische Wetterbehörde sieht den Ausbruch daher als beendet an.

Drittlängster Ausbruch des 21. Jh.
Der Ausbruch hatte am 16. März begonnen und 54 Tage angedauert. Er war damit der drittlängste Ausbruch in diesem Jahrhundert, nur die Eruptionen in den Geldingadalir im Jahr 2021 und in der nordisländischen Holuhraun im Jahr 2014-15 hatten länger angedauert.
Allerdings sind die Fachleute sich auch einig, dass ein neuer Ausbruch der Reykjanesserie unmittelbar bevorsteht. Die Magmasammlung unter Svartsengi wächst nämlich weiter, und die 13 Millionen Kubikmeter Magma, die sich bereits in der unterirdischen Kammer angesammelt haben, übersteigen die Magmamenge vor den letzten drei Ausbrüchen. Auch das Land hebt sich stetig weiter, und Bebenschwärme weisen auf steigende Spannung hin, die sich nun nicht mehr an die Oberfläche entladen kann.

Neuer Ausbruch wahrscheinlich
Am wahrscheinlichsten halten Experten eine erneute Magmaintrusion in die alte Kraterreihe Sundhnúkagígaröð sowie eine Eruption entlang dieser Spalte, auch wenn die Magma theoretisch an jedem anderen Ort hervorbrechen kann.
Die Behörden warnen davor, dass sich ein solcher Ausbruch mit entsprechender Gasentwicklung jederzeit und ohne Vorwarnung ereignen kann. Beim letzten Ausbruch war der Lavastrom so schnell unterwegs, dass für Lavatouristen ein Entkommen unmöglich gewesen wäre.

Alle Besucher sind daher aufgefordert, sich mit äusserster Vorsicht in der Region zu bewegen. Für den Küstenort Grindavík und das umliegende Gelände gilt weiterhin die derzeit aktuelle Risikobewertung.

 

Reykjanes: Jederzeit ist ein zusätzlicher Lavastrom möglich

Volcanic eruption on Reykjanes peninsula

Islands Zivilschutz ist darauf vorbereitet, dass sich jederzeit ein weiterer Vulkanausbruch auf der Halbinsel Reykjanes ereignen kann. Die Magmaansammlung und der Druck haben Werte erreicht, die zuvor eine Magmaintrusion ermöglicht hatten und in einem Ausbruch geendet waren, berichtet RÚV. Víðir Reynisson, der Leiter des Zivilschutzes, erklärte, man lebe nun in einer Zeit grosser Wachsamkeit.

Bereitschaft und Wachsamkeit erhöht
Die Bereitschaft der Einsatzkräfte ist aufgrund der Gefahr eines Vulkanausbruchs erhöht, unter dem Svartsengi-Gebiet haben sich nämlich wieder sechs Millionen Kubikmeter Magma angesammelt. Auch der Druck ist gestiegen. Diese Werte liegen nahe an der Untergrenze, von der angenommen wird, dass sie zu einem Ausbruch führt.
Benedikt Ófeigsson, Experte für Naturkatastrophen beim isländischen Wetterdienst, sagte am Mittag, dass in der Nähe der noch aktiven Eruption ein neuer Ausbruch beginnen könnte. Auch die Wetterbehörde hatte heute auf ihrer Webseite geschrieben, die Wahrscheinlichkeit eines weiteren Magma-Ausbruchs nehme in den kommenden Tagen oder Wochen zu, obwohl der Ausbruch noch andauere. Die ganze Lage sei noch ungewisser als zuvor.
Immer noch handle es sich um eine Fortsetzung der Ereignisse vom letzten Oktober, als sich Magma ansammelte und an die Oberfläche gelangte. Dieses Spiel hat sich ein paar mal wiederholt, jetzt allerdings hat sich das Blatt gewendet, denn aus dem Krater sprudelt es immer noch, während der nächste Ausbruch schon bevorsteht.

Verschiedene Szenarien für einen Ausbruch
Nach Angaben der Vulkangruppe Südisland gibt es mehrere Szenarien:
– die Magma kann in die Kraterreihe Sundhnjúksgígaröð laufen, wie die letzten sechs Male
– durch die Magmaintrusion können sich neue Spalten zwischen den Bergen Stóra-Skógfell und Hagafells öffnen, oder der bestehende Krater vergrössert sich, mit vermehrter Lavaförderung in kurzer Zeit und ohne Vorwarnung.
– wenn die Magmaintrusion damit endet, dass sich an einem anderen Ort eine Spalte öffnet, dann darf mit Erdbeben, Verwerfungen und Druckveränderungen in den Bohrlöchern des Kraftwerks gerechnet werden.
– statt einer Intrusion kann Magma sich auch in den bestehenden Ausbruch einbringen, der dann wieder stärker wird, bis ein neues Gleichgewicht zwischen nachfliessender Magma und ausströmender Lava erreicht ist.

Arbeit an Schutzwällen läuft Tag und Nacht
Die Einsatzkräfte sind daher alarmiert und auf alles vorbereitet, zumal sich die letzten Ausbrüche ohne lange Vorwarnzeiten ereigneten. Víðir erklärt, es spiele keine Rolle, ob ein möglicher Ausbruch am gleichen Ort passiere, oder anderswo, man sei vorbereitet und jederzeit in der Lage, Evakuierungen und andere Schutzmassnahmen vorzunehmen.
Die Schutzwälle rund um den Küstenort Grindavík würden sich neusten Modellen zufolge auch weiterhin bewähren und einen Lavastrom ablenken. Immer noch wird an ihnen gebaut, rund um die Uhr und sieben Tage die Woche, um Lücken auszubessern und Wälle zu verlängern.

Kratertouristen begeben sich in Lebensgefahr
Auch die Evakuierungspläne für die Blaue Lagune stehen, und mehr als einmal ist das Touristenbad wegen Gasgefahr geräumt worden. Mehr Sorgen macht Víðir sich allerdings um Touristen, die zum Krater wandern wollen.

Alle, die sich von Grindavík aus auf den Weg machen, wandern einem möglichen Lavastrom entgegen, falls der Ausbruch losgeht. Und dann kann Lava erschreckend schnell unterwegs sein. Der Zivilschutz warnt daher eindringlich davor, den Krater und das Lavafeld aufzusuchen.

Reykjanes: Alarmstufe gesenkt, Journalisten erhalten mehr Zutritt

Gestern hat die isländische Landespolizei in Abstimmung mit der Polizeidirektion Suðurnes entschieden, die Alarmstufe für die vom Vulkanausbruch betroffene Region herabzustufen. Der Ausbruch zwischen Hagafell und Stóra-Skógfell ist jetzt in der Alarmstufe, und nicht mehr in der Notfallstufe.

Notfallstufe war falsch ausgelegt worden
Die Notfallstufe war am Tag des Ausbruchs, am 16. März, ausgerufen worden. Seither ist die Lage relativ stabil, und nach Angaben von Zivilschutz und den Vulkanexperten beim isländischen Wetterdienst liegen für die Region auch keine nennenswerten seismischen Aktivitäten vor. Am Ausbruchsort selbst besteht weiterhin die Gefahr von Flächenbränden, und zwar dort wo Lavaströme auf trockene Vegetation treffen, und auch die Luftverschmutzung auf der Halbinsel kann bei ungünstigen Wetterverhältnissen erheblich sein.

Ausländische Medien hatten die „Notfallstufe“ misinterpretiert und ihren Lesern suggeriert, dass in Island der Notstand herrsche, was sich offenbar negativ auf Buchungen im Tourismus auswirkte. Die jeweilige Stufe gilt jedoch stets für eine ausgewählte Region, in diesem Fall das vom Vulkanausbruch betroffene Gebiet. Sie betrifft vor allem die Zusammenarbeit von Behörden und Einsatzkräften und versetzt diese in die Lage, durch Beschränkungen, Sperrungen und Evakuierungen Sicherheit für die Bevölkerung zu schaffen.

Keine Touristen am Krater
Gestern hatte der Polizeichef von Suðurnes allerdings auch angekündigt, dass Touristen in naher Zukunft keinen Zutritt zum Ausbruchsgebiet am Sundhnúkur erhalten werden. Das Interesse ist dennoch gross, und bislang hatten Ausbruchslustige nur Hubschrauberflüge buchen können. Alle anderen, die sich zu Fuss in das gesperrte Gebiet aufgemacht hatten, sind von Einsatzkräften zurückgeschickt worden. Seit 19 Tagen quillt Lava aus immerhin noch zwei Kratern, und wenig deutet darauf hin, dass der Ausbruch zuende gehen könnte.

Polizeichef Úlfur Lúðvíksson gab Vísir gegenüber an: „Wie es im Moment aussieht, können wir keine weiteren Aufgaben übernehmen. Das muss bis zum Frühjahr warten.“ Man sei vollauf damit beschäftigt, Unwillkommene aus Grindavík fernzuhalten. Würde man Besuchern erlauben, den Vulkanausbruch zu besuchen, hätte man die Besucher auch in Grindavík stehen. Dort lauern jedoch gefährliche Erdspalten, und den Anwohnern war dringend abgeraten worden, in ihre Heimatstadt zurückzukehren. Der Ort muss jedoch bewacht werden, unter anderem weil es in den vergangenen Wochen mehrere Diebstähle gegeben hatte.

Úlfur hofft, dass der Vulkanausbruch bald zuende geht. „Das würde uns helfen.“

Journalistenverband erklagt Zutrittsgenehmigung
Islands Journalistenverband hatte sich mit dem Zutrittsverbot nicht zufrieden gegeben und geklagt. Heute nun wurde eine Einigung zwischen dem Verband und dem Justizministerium erzielt. Einer Erklärung zufolge herrsche Konsens darüber, dass Journalisten eine wichtige Überwachungs- und Informationsrolle spielen, und dass für die Einschränkung ihrer Meinungsfreiheit gute Gründe vorliegen müssten. Aufgrund des Zivilschutzgesetzes verfüge die Regierung über Befugnisse, um im Krisenfall schnell und gezielt reagieren zu können, wie etwa den Zugang zu bestimmten Bereichen einzuschränken. Die Beschränkungen, die die Regierung Journalisten in einer Gefahrensituation möglicherweise auferlegen muss, sollten in der Regel nicht größer sein als die, die anderen Einsatzkräften aus Sicherheitsgründen auferlegt werden.

 

 

Erdbeben an der Askja

Askja, Viti, Öskjuvatn, volcano

Gestern Morgen hat sich im Vulkan Askja im Norden Islands eine Erdbebenserie mit Ursprung nordwestlich der Bergkette Dyngjufjöll ereignet. Das stärkste Beben wurde gegen 10.40 Uhr mit einer Stärke von M3,5 aufgezeichnet.

Der Vulkanologe Ármann Hösk­ulds­son kommentierte, die Zeit bis zum nächsten Ausbruch der Askja habe sich lange hingezogen, und nun gebe es klare Hinweise auf Vorgänge, die mit einem Ausbruch enden würden. „Das kann gar nicht anders enden,“ sagt Ármann. „Wir warten natürlich schon lange auf sie. Sie hat sich eigentlich schon seit 2012 ausgedehnt, denn damals hat sie mitten im Winter das Eis geschmolzen, was eigentlich nicht möglich ist, ausser du erhitzt das Wasser.“

Leichte Magma endet explosiv
Auch im Winter 2023 hatten steigende Temperaturen an der Askja Fachleuten Rätsel aufgegeben. Im letzten Sommer hatte sich das Gebiet rund um die Askja angehoben, und man war auf allerlei gefasst gewesen, dann verlangsamte der Prozess sich und kam schliesslich im Herbst zum Stillstand.
Die Briten betreiben ein dichtes und exaktes Messgerätenetz in der Region und hatten schon seit einigen Jahren darauf hingewiesen, dass sich unter der Askja Magma befindet, die leichter sei als andere Magma. Wenn diese Magma sich nach oben in Bewegung setzt, endet dies mit einer explosiven Eruption, ob gross oder klein, das sei unmöglich zu sagen, so Ármann.

Ungewöhnlicher Vulkan
Eins der drei Messgeräte zeigt keine Landhebung an, was Wissenschaftlern trotz der Tatsache, dass es in Askjas Geschichte schon mehrfach Landhebungen- und senkungen ohne folgenden Ausbruch gegeben hat, Kopfzerbrechen bereitete. Doch das findet Ármann nun weniger merkwürdig, immerhin handle es sich bei der Askja auch um einen ungewöhnlichen Vulkan.

„Weil es da diese riesige Spalte gibt, die die Caldera bildet, da sieht man natürlich andere Dinge, je nachdem, ob man sich innerhalb der Caldera befindet, oder ausserhalb. Und besser macht es die Lage nicht, dass wir da oben einen ganzen See in der Caldera haben, und am Boden des Sees gibt es keine Messgeräte. Wir wissen also eigentlich nicht, was sich dort am Boden der Askja tut.“

Öskjuvatn erstreckt sich über 11 Quadratkilometer, die Caldera misst  45 Quadratkilometer.

Tephra bis in die Westfjorde und Polen
Der Hauptvulkan Askja ist bis zum schweren Ausbruch im Jahr 1875 unbekannt gewesen. Am 29. März schleuderte eine subplinianische Eruption eine zerstörerische Wolke aus Tephra und Asche über die Insel und vergiftete bis in die Westfjorde Weideland und Vieh. Die Aschewolke schaffte es bis nach Schweden, Deutschland und Polen. In der Folge fand eine der grössten Auswandererwellen in der isländischen Geschichte statt. Die am weitesten gereiste Tephra aus der Askja wurde in Rumänien gefunden und stammte aus einem Ausbruch von vor 11000 Jahren. In den Jahren 1921 bis 1930 hatten sich rund neun Lavaausbrüche an der Askja ereignet. Zum letzten Mal war Lava im Jahr 1961 an die Erdoberfläche gestiegen. Erdbeben in der Herðubreið und an der Bergkette Upptyppingar weisen darauf hin, dass sich das gesamte Gebiet in Bewegung befindet.

Die Askja und ihr Umland gehört zu den beliebtesten touristischen Gebieten im Nordteil des zentralen Hochlands. Im vergangenen Sommer hatten Experten Sorge über die Tatsache geäussert, dass es im Fall einer Eruption keinen Fluchtweg aus der Caldera gibt, und auch keine normale Mobilfunkverbindung.

Reykjanes: Ausbruch verliert an Kraft, hohe Gasbelastung in der Region

Blue Lagoon, bláa lónið

Der Vulkanausbruch an den Sundhjúksgígar hat ein wenig an Kraft verloren, berichtet RÚV. Nach Ansicht eines Geologen beim isländischen Wetterdienst könnte sich die Zahl der aktiven Krater verringert haben.

„Da sind jetzt noch einige Schlote aktiv, aber möglicherweise haben ein oder zwei Krater in der vergangenen Nacht aufgehört zu fördern, und vielleicht vier Schlote zeigen noch Aktivität,” erklärte der Geologe Einar Bessi Gestsson. „Nach den ersten 24 Stunden, die viel heftiger verliefen, blieb der Ausbruch recht stabil. Es ist schwierig, solch kleine Veränderungen, die bei der Eruption aufgetreten sein könnten, visuell zu beurteilen, aber heute Abend gibt es ein paar klare Hinweise dafür, dass die Aktivität in den Kratern ein wenig zurückgegangen ist.“
Die weitere Entwicklung sei jedoch schwierig vorherzusehen. Oft sei dies der langsame Anfang vom Ende eines Ausbruchs, man könne da nur abwarten.

Hohe Gasbelastung in der Region
Am Wochenende war in Grindavík und Hafnir eine starke Gasbelastung gemessen worden. Für Einar ist das kein Wunder, weil Grindavík viel näher an der Ausbruchsstelle liegt als seinerzeit beim Fagradalsfjall. Heute ist es relativ windstill, damit verbleibt das Gas in der Region. Am Nachmittag frischt der Wind dann aus östlicher Richtung auf und trägt das Gas vor allem nach Svartsengi und Grindavík.
Die Blaue Lagune hatte in der vergangenen Woche angekündigt, heute möglicherweise wieder öffnen zu wollen. Am Freitag war allerdings ein Mitarbeiter der Badeanlage mit einer Gasvergiftung ins Krankenhaus eingeliefert worden.

Badebetrieb nicht vertretbar
Am Samstag hatte die Polizeidirektion Suðurnes bekanntgegeben, es sei kaum vertretbar, den Betrieb in der Blauen Lagune aufrechtzuerhalten. Nach Einschätzung des Polizeileiters bestehe unter den gegenwärtigen Bedingungen eine Gefahr durch Lavaströme und Gasverschmutzung in Grindavík und in Svartsengi. Man überwache sowohl den Lavastrom, der die Küstenstrasse bedroht, als auch die Gasbelastung, die die Gesundheit von Menschen im gekennzeichneten Gefahrenbereich gefährden kann. Die Blaue Lagune befindet sich gleich neben dem Erdwärmekraftwerk Svartsengi und wird vom Kraftwerkswasser gespeist.
Der Vorfall in der Blauen Lagune wird inzwischen polizeilich untersucht. Auch die Arbeitsaufsicht ist eingeschaltet worden.

„Bei sich ändernder Windrichtung kann es kaum als vertretbar betrachtet werden, den Betrieb in der Blauen Lagune aufrechtzuerhalten, während der Ausbruch noch andauert, und dies gilt auch für andere Aktivitäten, die sich innerhalb der Risikobewertungskarte des Wetterdienstes befinden,“ heisst es in der Mitteilung der Polizeidirektion. Auch Personen, die in Grindavík zu tun haben, wird angeraten, sich über die Gefahrenzonen zu informieren und sich dort nicht aufzuhalten, weil dies lebensgefährlich sein kann.

Reykjanes: Ausbruch könnte Monate andauern

Die Lava aus der Kraterreihe Sundhnjúkargígaröð hat sich vor dem nördlichen Schutzwall, der den Ort Grindavík umgibt, so hoch aufgetürmt, dass Experten gestern befürchteten, sie könne den Wall überwinden, und dann ungehindert auf den Ort zufliessen. Bislang war von der lavafördernden Spalte für Grindavík keine unmittelbare Gefahr ausgegangen, und es stand Bewohnern und Unternehmen frei, den Ort zu nutzen. Doch inzwischen strömt sogar ein Lavafluss an der Oberfläche und unter der erstarrten Kruste nach Süden.

Lava ergiesst sich in Grube
Schätzungen zufolge betrug der durchschnittliche Lavafluss zwischen dem 17. und 20. März etwa 14,5 Kubikmeter pro Sekunde. Experten des Instituts für Naturwissenschaften und Landesvermessung haben gestern das Gebiet überflogen. Demnach bedeckt die Lava eine Fläche von 5,58 Quadratkilometern, das Volumen liegt bei fast 21 Millionen Kubikmetern.

Gestern Abend floss die Lava dann jedoch überraschend nördlich des Erdwalles vorbei und schoss in Richtung Sandgrube, aus der die Strassenarbeiter das Material für die Schutzwälle entnehmen.
In der Melhólsnáma waren Arbeiter beschäftigt, sie hatten sich rechtzeitiug in Sicherheit bringen können, bevor sich Lava in die Grube ergoss. Auch in Richtung Suðurstrandavegur hatte sich ein Lavastrom ergossen, er schaffte es jedoch nicht bis auf die Strasse. Heute wurde damit begonnen, die Schutzwälle an sensiblen Stellen zu erhöhen.

Hohe Gasbelastung
Die Gasbelastung in der Region ist gestern erheblich gewesen, RÚV hatte eine Liveschaltung aussetzen müssen. Vorgestern war ein Mitarbeiter der Blauen Lagune ins Krankenhaus gebracht worden, nachdem er giftigem Vulkangas ausgesetzt gewesen war. Das Touristenbad ist seit Beginn des Ausbruchs gesperrt, aber Beschäftigte befanden sich vor Ort.
Heute kommt der Wind aus Nord/Nordwest und weht das Gas nach Süden und Südwesten.

Ausbruch könnte Monate dauern
Gestern Abend hatte der Geophysiker Benedikt Ófeigsson den Verdacht bestätigt, dass die Magma sich nicht mehr in der Kammer unter dem Svartsengigebiet ansammelt, sondern direkt hochsteigt und durch die Schlote an die Erdoberfläche gelangt. Eine Landhebung werde man dann erst wieder verzeichnen, wenn der Ausbruch aufhört.
Nach einem Überflug sei man zu dem Schluss gekommen, dass dieser Ausbruch tatsächlich mit dem am Fagradalsfjall vergleichbar sei, mit einem fulminanten Beginn, und dann gleichmässiger Lavaförderung, die Wochen, wenn nicht sogar Monate andauern könne, sagte Benedikt.

Reykjanes: Ausbruch verlangsamt, Strasse weiterhin in Gefahr

Der Lavaausbruch, der am Samstagabend südwestlich des Stóra-Skógfell auf der Halbinsel Reykjanes losgegangen war, ist auf rund fünf Prozent seiner ursprünglichen Kraft zurückgegangen, berichtet RÚV. Zwei Lavaströme hatten sich in verschiedene Richtungen bewegt, der eine hatte den Grindavíkurvegur überrollt und war vor dem Schutzwall nördlich von Grindavík erstarrt, der zweite fliesst derzeit langsam an der Ostkante entlang. Befürchtungen, letzterer könne den Suðurstrandavegur überrollen und danach das Meer erreichen, haben sich bislang nicht bestätigt, die Gefahr besteht jedoch weiterhin.

Nur noch zwei Schlote fördern Lava
Gestern Abend noch hatten sich Mitarbeiter der Strassenverwaltung auf den Weg zum Nesvegur gemacht, der zu dem Zeitpunkt einzigen Verbindungsstrasse zum evakuierten Küstenort Grindavík, um zu prüfen, ob dort Ausbesserungen vorgenommen werden müssen. Nesvegur war während der schweren Erdbeben im November letzten Jahres in Mitleidenschaft gezogen worden, nun hatte es Hinweise darauf gegeben, dass die Strasse abgesunken sei.

Heute Morgen sind von der einstmals drei Kilometer langen lavafördernden Spalte nur noch zwei bis drei Schlote übriggeblieben, aus denen Lava hervorquillt. Der Geophysiker Magnús Tumi Guðmundsson sagte RÚV am Morgen, der Ausbruch verlaufe offenbar nach dem gleichen Muster wie die vorherigen. Die Bewohner der Region müssten sich damit abfinden, dass solche Ausbrüche dort vorkämen, die Erdgeschichte Islands habe gezeigt, dass derartige Serien zwischen 10 und 30 Jahren andauern können. Effusive Ausbrüche seien längst nicht so gefährlich wie explosive Ausbrüche aus Hauptvulkanen, da spiele vor allem die Fliessrichtung der Lava eine Rolle, und inwiefern sie Infrastrukturen bedrohten.
Er bestätigte dass die Magma stets aus der gleichen Spalte in der Erdkruste emporsteige, und sich erst weiter oben den einfachsten Weg an die Erdoberfläche suche.

Neue Magmasammlung hat begonnen
Kristín Jónsdóttir, die Fachbereichsleiterin für Vulkane beim isländischen Wetterdienst, sagte Vísir am Morgen, es gebe Hinweise darauf dass sich unter dem Svartsengi-Gebiet erneut Magma ansammle. Sie rechne damit, dass der aktuelle Ausbruch innerhalb der nächsten Tage beendet sei.
Diesmal befinde sich der unterirdische Intrusionsgang an ungeeignetem Ort, er liege südlicher als bei den vorausgegangenen Ausbrüche und fliesse damit vom Gelände gefördert nach Westen in Richtung Kraftwerk und Grindavík und nach Süden in Richtung Strasse und Meer. Beides bedroht Infrastrukturen mehr als zuvor.

Zur Zeit steht die Lava rund 100 Meter vom Suðurstrandavegur entfernt. Fachleute haben an der Kante einen Lavasee identifiziert, wenn die Kante bricht, muss damit gerechnet werden, dass eine Flutwelle aus Lava mit grosser Geschwindigkeit die Strasse erreicht. Das Gelände ist aus Sicherheitsgründen weiträumig abgesperrt worden. RÚV berichtet, dass für heute wegen schlechter Sicht kein Überflug des Gebietes geplant ist.

Gasbelastung ist möglich
Die Vulkangruppe Südisland wies gestern Abend darauf hin, dass die Schwefeldioxidverschmutzung durch den Ausbruch die stärkste seit 2021 ist, unter anderem weil die Lavamenge zu Beginn des Ausbruchs rund 1000 Kubikmeter pro Sekunde betragen habe (im Februar waren es nur 600 m3/sek gewesen). Zur Zeit befinde sich die Gaswolke über dem Meer, wo die Schwefelverbindungen mit der feuchten Luft reagieren. Wenn die Wolke dort einige Tage verbleibt und dann an Land geweht wird, kann sich schwefelsäurehaltiger blauer Dunst bilden, wie etwa nach dem Ausbruch am Litla Hrútur im vergangenen Sommer. Vulkantouristen sollten sich der Gefahr bewusst sein und auch der frischen Lava nicht nahekommen.

Notfallstufe falsch interpretiert
In Tourismusgruppen auf Facebook war kritisiert worden, dass die Notfallstufe des Zivilschutzes, die am Samstagabend routinemässig ausgerufen worden war, international falsch interpretiert worden sei. Englischsprachige Medien seien schnell dabei, Island als gefährlichen Ort darzustellen, was sich negativ auf den Tourismus auswirke.
Die Notfallstufe des Zivilschutzes gilt in diesem Fall ausschliesslich für die vom Ausbruch betroffene Region. Sie betrifft Kommunikation und Priorisierung bei den mit Projekten betrauten Einsatzkräften. Einsätze auf dieser Ebene zeichnen sich durch sofortige Maßnahmen zur lebensrettenden Hilfe sowie durch Bemühungen aus, weiteren Schaden zu verhindern. Sie betrifft schwere Unfälle etwa in der Luft- und Schifffahrt, Seuchen, und Naturkatastrophen, bei denen die Gesundheit der Bevölkerung bedroht sein kann.

 

Reykjanes: Ausbruch verlangsamt, Schutzwälle halten

lava, hraun, eruption, eldgos

Der Vulkanausbruch von gestern Abend hat sich verlangsamt. Zwischen Stóra-Skógfell und Hagafell war entlang der alten Kraterreihe Sundhnjúkargígaröð die Erde auf drei Kilometern Länge aufgebrochen und hatte grosse Mengen an Lava gefördert. Der Lavastrom hatte sich in zwei Zungen geteilt, die eine floss nach Westen in Richtung Grundavíkurvegur und Kraftwerk Svartsengi, die andere Lavazunge floss geradewegs nach Süden und bedroht derzeit den Suðurstrandavegur zwischen Grindavík und Þorlákshöfn.

Grosse Ähnlichkeit mit Februarausbruch
In einer Extrasendung der Nachrichten bei RÚV hiess es, Bauunternehmen hätten die ganze Nacht daran gearbeitet, bekannte Lücken in den Lavaschutzwällen zu schliessen, um den Lavastrom umzuleiten. Auch der Hof Hraun vor den Toren von Grindavík sei in der Nacht mit einem Schutzwall versehen worden. Am Zipfel der Ostzunge hat sich nämlich ein Lavasee gebildet. Sollte die Kante aufbrechen, kann die Lava dort mit grossem Tempo herausschiessen, und geradwegs nach Süden abfliessen.

Die Vulkanologin Kristín Jónsdóttir erklärte, der Ausbruch zeige starke Ähnlichkeit mit dem letzten Ausbruch vom 8. Februar: er begann ohne lange Vorwarnung aufgrund des unterirdischen Spannungsverlustes recht heftig und verebbte dann. Der grösste Unterschied sei in der Lage der Spalte zu finden, die ziehe sich jetzt weiter nach Süden und komme hinter die Wasserscheide der Region zu liegen. Damit sei die neue Fliessrichtung der Lava vorgegeben: nach Süden, zum Suðurstrandavegur, zum Hof Hraun und zum Meer.

Gefahr von Gasentwicklung
Kristín erklärt, aus den vorhandenen Lavaseen, mehrere an der Zahl, könnten regelrechte Flutwellen hervorwellen, die dann mit sehr hohem Tempo vorwärtsschiessen. Sollte die Lava es dadurch bis ins Meer schaffen, zeige Erfahrung aus Hawaii, dass dann giftige Chlorgase freigesetzt werden. Auch eine explosiver Verlauf mit Aschefreisetzung ist dann möglich. Für diesen Fall seien Warnungen vorgesehen. Sie betonte, das Gelände sei Gefahrengebiet.
Das ganze Spaltensystem der Region sei inzwischen auseinander gefallen, damit habe die sich in der Kammer ansammelnde Magma freie Bahn. Man kenne jetzt die Magmamenge, ab der ein Ausbruch wahrscheinlich werde, und bislang sei alles immer nach dem gleichen Muster abgelaufen. Auch diesmal gehe man davon aus, dass es sich um ein kurzes Ereignis handle.

Gute Vorbereitung auf alle Eventualitäten
Zivilschutzleiter Víðir Reynisson gab an, die westliche Lava befinde sich rund 100 Meter von wichtigen Leitungen entfernt, im Süden seien es nur noch 450 Meter. Für alle Ereignisse gebe es einen Massnahmenplan, man sei gut vorbereitet und warte nun ab, was wo passiere. Die aufgetürmten Lavaschutzwälle hätten ihren Zweck in der vergangenen Nacht einmal mehr unter Beweis gestellt.

Wasserzuleitungen und die Hauptwasserleitung aus dem Kraftwerk nach Grindavík seien beim letzten Ausbruch mit neuen Lavaströmen im Hinterkopf entsprechend verlegt und geschützt worden, und bezüglich der Glasfaserkabel entlang des Suðurstrandavegur wisse man jetzt schon, dass sie im Fall eines Lavaüberstroms verloren seien. Ersatzkommunikationswege für die Einsatzkräfte seien daher bereitgestellt.
Gegen Mittag berichtet RÚV, dass sich der Lavasee entleere. Bis zum Meer sind es rund 1000 Meter.

Reykjanes: Neuer Vulkanausbruch am Skógfell

volcano, 16.3.24, Reykjanes eruption, eldgos

Um 20.23 Uhr hat ein weiterer Vulkanausbruch, der vierte seit Dezember 2023, auf der Halbinsel Reykjanes eingesetzt, diesmal zwischen den Bergen Skógfell und Sýlingarfell.
In einer Mitteilung des isländischen Wetterdienstes heisst es, dass gegen 19.00 Uhr eine kurze Erdbebenserie zwischen den beiden Bergzügen eingesetzt habe. Die Beben, rund 80 an der Zahl, hätten sich verstärkt, dann sei auch schon die Erde aufgebrochen. Es habe zuvor auch eine Veränderung in der Landschaft gegeben, die auf den Beginn eines Magmaeinschusses hinweise.
Kurz darauf war auf den Webcams eine hohe Lavafontäne zu sehen. Der Zivilschutz hat die Notfallstufe ausgerufen.
In einem Facebookbeitrag der Vulkangruppe Südisland heisst es, die Erdspalte verlängere sich nach Süden. Ein Hubschrauber der Küstenwache hat sich auf den Weg gemacht, um den Ausbruch genauer zu lokalisieren und sich einen Überblick über die Stromrichtung der Lava zu verschaffen.

Nach Angaben des Zivilschutzes sind in der vergangenen Nacht fünf bis zehn Häuser in Grindavík bewohnt gewesen. Die Evakuierung dort und in der Blauen Lagune sei nach Plan verlaufen und bereits beendet. In der Lagune hatten sich rund 700 Gäste befunden. Auch das Erdwärmekraftwerk Svartsengi ist geräumt worden.
RÚV berichtet, dass sich an der Reykjanesbraut bereits Schaulustige versammelt haben, und lange Autoschlangen stehen am Strassenrand.

Hier gibt es die Webcam vom Berg Þorbjörn aus.

update 22.00 Uhr

Nach Angaben von RÚV ist die lavafördernde Spalte drei bis vier Kilometer lang und liegt entlang der Kraterreihe Sundhnjúkargígaröð. Die Lava ist mit hohem Tempo unterwegs, in Richtung Grindavíkurvegur und den Grindavík umgebenden Schutzwällen. Über dem Erdwärmekraftwerk Svartsengi befindet sich eine dicke Rauchwolke, und auch südlich des Ausbruchs ist die Luft rauchgeschwängert. Für morgen Nachmittag wird mit einsetzendem Ostwind eine Rauchbelastung in Reykjanes, nördlich des Ausbruchs erwartet.

Hier gibt es ein Überflugvideo aus dem Hubschrauber der Küstenwache.

Reykjanes: Neue Strasse zur Lagune kurz vor Fertigstellung

Die isländische Strassenverwaltung arbeitet derzeit daran, eine neue Strasse zum Kraftwerk Svartsengi zu bauen. Das Kraftwerk und die benachbarte Blaue Lagune sind von einem Schutzwall umringt, die Zufahrt, die in das geschützte Gebiet führte, war allerdings in der letzten Woche bei einem kurzen Lavaausbruch teilweise zerstört worden. Auch die Strasse, die den Küstenwort Grindavík mit der nördlichen Schnellstrasse verbindet, hatte schwere Schäden erlitten.

Über frischer Lava verlegt
Der Strassenbau ist wichtig, weil die Blaue Lagune für Touristen wieder geöffnet ist. Auch wenn es derzeit kaum seismische Aktivität in der Region gibt, deuten Messungen darauf hin dass sich das Land bei Svartsengi erneut hebt. Mit weiteren Lavaausbrüchen ist daher zu rechnen, Experten gehen von Ende Februar oder Anfang März aus. Man hofft, die neue Strasse in der kommenden Woche fertigstellen zu können.

Da die neue Strasse über frischer Lava zu liegen kommt, wird sie entsprechend mit Randmarkierungen, Warnsignalen und Blinklichtern ausgestattet. Die Höchstgeschwindigkeit beträgt 50 Kilometer pro Stunde. Autofahrer sind angehalten, vorsichtig zu fahren und nicht auszusteigen, weil die Strasse heiss sein könnte. Hitzesensoren zeigten gestern eine Untergrundtemperatur von 50 bis 80 Grad an, der Asphalt ist jedoch kühler.

Lavaströme unvorhersehbar
Die neue Strasse könnte im Fall eines weiteren Ausbruchs den Verkehr sowohl nach Grindavík als auch in die Lagune ermöglichen, sodass das beliebte Touristenbad nicht schliessen muss. Der letzte Ausbruch hatte sich am frühen Morgen und glücklicherweise in einiger Entfernung der Lagune ereignet und rund 150 Touristen hatten evakuiert werden müssen. Der Lavastrom hatte dann gegen Mittag unerwartet seine Richtung geändert und war auf die ungeschützte Lagunenzufahrt hingeflossen, damit war der Fluchtweg abgeschnitten.
Unvorhersehbarkeit hatte sich auch beim vorletzten Ausbruch gezeigt, als sich nicht nur ausserhalb sondern auch innerhalb des Schutzwalls Erdspalten öffneten, und in Grindavík Lava über drei Häuser geströmt war. Die Erdspalten und ein möglicher Hohlraum unter der Ortschaft Grindavík werden derzeit untersucht und mit einer speziellen Drohne kartiert.