Reykjanes: Jederzeit ist ein zusätzlicher Lavastrom möglich

Volcanic eruption on Reykjanes peninsula

Islands Zivilschutz ist darauf vorbereitet, dass sich jederzeit ein weiterer Vulkanausbruch auf der Halbinsel Reykjanes ereignen kann. Die Magmaansammlung und der Druck haben Werte erreicht, die zuvor eine Magmaintrusion ermöglicht hatten und in einem Ausbruch geendet waren, berichtet RÚV. Víðir Reynisson, der Leiter des Zivilschutzes, erklärte, man lebe nun in einer Zeit grosser Wachsamkeit.

Bereitschaft und Wachsamkeit erhöht
Die Bereitschaft der Einsatzkräfte ist aufgrund der Gefahr eines Vulkanausbruchs erhöht, unter dem Svartsengi-Gebiet haben sich nämlich wieder sechs Millionen Kubikmeter Magma angesammelt. Auch der Druck ist gestiegen. Diese Werte liegen nahe an der Untergrenze, von der angenommen wird, dass sie zu einem Ausbruch führt.
Benedikt Ófeigsson, Experte für Naturkatastrophen beim isländischen Wetterdienst, sagte am Mittag, dass in der Nähe der noch aktiven Eruption ein neuer Ausbruch beginnen könnte. Auch die Wetterbehörde hatte heute auf ihrer Webseite geschrieben, die Wahrscheinlichkeit eines weiteren Magma-Ausbruchs nehme in den kommenden Tagen oder Wochen zu, obwohl der Ausbruch noch andauere. Die ganze Lage sei noch ungewisser als zuvor.
Immer noch handle es sich um eine Fortsetzung der Ereignisse vom letzten Oktober, als sich Magma ansammelte und an die Oberfläche gelangte. Dieses Spiel hat sich ein paar mal wiederholt, jetzt allerdings hat sich das Blatt gewendet, denn aus dem Krater sprudelt es immer noch, während der nächste Ausbruch schon bevorsteht.

Verschiedene Szenarien für einen Ausbruch
Nach Angaben der Vulkangruppe Südisland gibt es mehrere Szenarien:
– die Magma kann in die Kraterreihe Sundhnjúksgígaröð laufen, wie die letzten sechs Male
– durch die Magmaintrusion können sich neue Spalten zwischen den Bergen Stóra-Skógfell und Hagafells öffnen, oder der bestehende Krater vergrössert sich, mit vermehrter Lavaförderung in kurzer Zeit und ohne Vorwarnung.
– wenn die Magmaintrusion damit endet, dass sich an einem anderen Ort eine Spalte öffnet, dann darf mit Erdbeben, Verwerfungen und Druckveränderungen in den Bohrlöchern des Kraftwerks gerechnet werden.
– statt einer Intrusion kann Magma sich auch in den bestehenden Ausbruch einbringen, der dann wieder stärker wird, bis ein neues Gleichgewicht zwischen nachfliessender Magma und ausströmender Lava erreicht ist.

Arbeit an Schutzwällen läuft Tag und Nacht
Die Einsatzkräfte sind daher alarmiert und auf alles vorbereitet, zumal sich die letzten Ausbrüche ohne lange Vorwarnzeiten ereigneten. Víðir erklärt, es spiele keine Rolle, ob ein möglicher Ausbruch am gleichen Ort passiere, oder anderswo, man sei vorbereitet und jederzeit in der Lage, Evakuierungen und andere Schutzmassnahmen vorzunehmen.
Die Schutzwälle rund um den Küstenort Grindavík würden sich neusten Modellen zufolge auch weiterhin bewähren und einen Lavastrom ablenken. Immer noch wird an ihnen gebaut, rund um die Uhr und sieben Tage die Woche, um Lücken auszubessern und Wälle zu verlängern.

Kratertouristen begeben sich in Lebensgefahr
Auch die Evakuierungspläne für die Blaue Lagune stehen, und mehr als einmal ist das Touristenbad wegen Gasgefahr geräumt worden. Mehr Sorgen macht Víðir sich allerdings um Touristen, die zum Krater wandern wollen.

Alle, die sich von Grindavík aus auf den Weg machen, wandern einem möglichen Lavastrom entgegen, falls der Ausbruch losgeht. Und dann kann Lava erschreckend schnell unterwegs sein. Der Zivilschutz warnt daher eindringlich davor, den Krater und das Lavafeld aufzusuchen.

Erdbeben auf Reykjanes: weitere Vulkane erwacht?

bláfjöll ski area iceland

Am gerade vergangenen Wochenende hatte ein Erdbebenschwarm die Bergkette Brennisteinsfjöll südöstlich von Reykjavík und nordwestlich des Skigebietes Bláfjöll erschüttert. Die stärksten Beben wurden mit über M3 aufgezeichnet. Die Brennisteinsfjöll sind eines der fünf aktiven Hauptvulkansysteme auf der Halbinsel Reykjanes, berichtet RÚV.

Erdbeben in diesem Gebiet sind keine Seltenheit und bedeutend nicht zwingend, dass dort ein Vulkan erwacht, sagte der Geophysiker Halldór Geirsson vom Geowissenschaftlichen Institut der Universität Islands. Die Aktivität auf der Halbinsel könne sich jedoch zwischen Vulkanen bewegen, das habe die Geschichte gezeigt.

„Im geohistorischen Sinne neigen diese Systeme dazu, alle zu ähnlichen Zeiten vulkanische Aktivität an den Tag zu legen“, erklärte Halldór. „Wir hatten in den letzten Jahren am Fagradalsfjall und in Svartsengi Vulkanausbrüche, daher besteht eine gewisse Chance, dass die anderen Systeme zum Leben erwachen.“
Sollte es zu einem Ausbruch kommen, käme ein solcher höchstwahrscheinlich als Lavaausbruch, wie schon bei den Ausbrüchen der letzten Jahre auf der Halbinsel. Auf einer geohistorischen Karte ist zu sehen, dass aus den vulkanischen Systemen der Brennisteinsfjöll und Krýsuvík einst Lava in Richtung der Hauptstadt geflossen ist.

Eruptionen in dieser Gegend könnten auftreten, müssten sich aber nicht zwingend in der aktuellen Periode vulkanischer Aktivität ereignen, so Halldór. Er hält es aber für wichtig, beizeiten darüber nachzudenken, wie man auf solche Ereignisse reagieren kann.

Blaue Lagune nach Erdbeben geschlossen

The Blue Lagoon

Die Blaue Lagune ist heute bis zum 16. November geschlossen worden. Die bei Touristen beliebte Badeanstalt hatte sich bis zuletzt Kritik gefallen lassen müssen, weil sie im Gebiet eines möglichen Vulkanausbruchs liegt und weiterhin in Vollbetrieb war.
Heftige Erdbeben hatten das Gebiet in der vergangenen Nacht erschüttert, in Fortsetzung eines Erdbebenschwarms, der Ende Oktober eingesetzt hatte. Derzeit formiert sich eine unterirdische Magmaintrusion westlich der Lagune, es gibt jedoch keine Anzeichen dafür, dass ein Vulkanausbruch unmittelbar bevorsteht.

Bebentätigkeit in Reykjanes verstärkt sich
Mehr als 10 Erdbeben mit einer Stärke von M3 und mehr waren in der letzten Nacht nahe der Lagune aufgezeichnet worden, das stärkste von ihnen lag bei M5 und war damit das heftigste seit dem 24. Oktober. Das Beben konnte bis Selfoss im Süden und Dalabyggð im Westen der Insel verspürt werden. Die Magma befindet sich in einer Tiefe von vier bis fünf Kilometern unter der Erdoberfläche der Halbinsel, und zwar westlich der Blauen Lagune und des Berges Þorbjörn. Dort hat sich in den vergangenen Wochen auch die Erde um einige Zentimeter angehoben. Wie schon bei den letzten vulkanischen Ereignissen in 2021 und 2022 sind auf der Strasse nach Grindavík Sprünge im Asphalt festgestellt worden, seitens der Strassenverwaltung hiess es, diese Sprünge weckten weder Besorgnis noch würden sie die Verkehrssicherheit beeinträchtigen.

Lagune schliesst nachdem Gäste abreisten
In einer Mitteilung der Blauen Lagune wurde eine Störung des Urlaubserlebnisses der Gäste während der vergangenen Nacht, sowie die Dauerbelastung der Angestellten als Grund für die Schliessung angegeben.
Vikurfréttir berichtet, in der vergangenen Nacht habe man Fahrzeuge für 40 Gäste angefordert. Nach Angaben eines Taxifahrers seien Gäste verängstigt gewesen. Die Erschütterungen des Erdbebens hätten für Steinschlag auf dem zwischen Lavawänden gelegenen Weg zur Hoteleingangstür gesorgt.

Vor zwei Tagen hatte das Reiseunternehmen Reykjavík Excursions alle Transfers zur Blauen Lagune eingestellt, um die Sicherheit von Mitarbeitern und Kunden zu gewährleisten. Zu dem Zeitpunkt war die Lagune noch geöffnet, obwohl es aus der Öffentlichkeit und auch von der Polizeidirektion Suðurnes an Kritik nicht mangelte.

 

Reykjanes: Transfer zur Blauen Lagune wird ausgesetzt

The Blue Lagoon

Das Reiseunternehmen Reykjavík Excursions (Kynnisferðir) hat seinen Transportservice zur Blauen Lagune wegen der Gefahr eines Vulkanausbruchs in unmittelbarer Nähe des Bades eingestellt. Die Blaue Lagune selbst bleibt geöffnet, eine Entscheidung, die der Chef der Polizeidirektion von Suðurnes, Úlfar Lúðviksson, in einem Interview mit RÚV gestern abend als „unverantwortlich“ bezeichnete. Justizministerin Guðrun Hafsteinnsdóttir gab mbl.is gegenüber heute an, Úlfar habe das Recht, die Lagune im Ernstfall räumen zu lassen. Zur Zeit gilt für das Gebiet noch die Ungewissheitsstufe.
In einer Tiefe von nur vier bis fünf Kilometern unter der Oberfläche der Halbinsel Reykjanes westlich von Blauer Lagune und dem Berg Þorbjörn sammelt sich Magma in stattlicher Menge an. Zwar bebt die Erde dort, und sie hebt sich auch, eine vulkanische Unruhe wurde allerdings bislang nicht festgestellt.

Infrastruktur bedroht
Die letzten drei Ausbrüche zeigten ähnliche Vorzeichen, mit einem grossen Unterschied: wichtige Infrastruktur war damals zu keinem Zeitpunkt bedroht. Das ist nun anders. Diesmal ist vor allem das Erdwärmekraftwerk Svartsengi bedroht, und damit die gleich nebenan liegende Blaue Lagune, die vom Wasser des Kraftwerks gespeist wird, aber auch der Fischerort Grindavík an der Südküste muss um seine Sicherheit fürchten. Experten meinen, Lava aus einem Ausbruch in dieser Region könnte weitaus dünnflüssiger sein und damit ein höheres Tempo vorlegen als in den vorangegangenen Eruptionen. Das bedeutet auch, dass die Evakuierungszeit begrenzt ist.
Vorgestern waren vorsorglich Evakuierungspläne in drei Sprachen veröffentlicht worden, und für morgen ist eine Bewohnerversammlung in Grindavík angekündigt.

Sicherheit von Mitarbeitern und Kunden im Fokus
„Wie jeder andere auch versuchen wir zu verstehen, was die Wissenschaftler sagen, und wie der Takt der seismischen Aktivität aussieht,“ sagte der Geschäftsführer von Reykjavík Excursions, Björn Ragnarsson Vísir gegenüber gestern, nachdem bekannt geworden war, dass das Unternehmen den Bustransport zur Lagune einstellt. „Wir investieren eine Menge in die Sichereit unserer Mitarbeiter und Kunden, und haben heute die Entscheidung auf Grundlage unseres Interesse als Unternehmen getroffen.“ Auf der Webseite kann man also in den kommenden Tagen keinen Bustransfer zur Lagune buchen, das ist erst ab dem 19. November wieder möglich. Auf der Seite sieht man auch ein Banner mit Warnhinweisen zur vulkanischen Lage, sowie der Hinweis, dass Reisende über safetravel stets aktuell für die Lage informiert werden.
Auch auf der Facebookseite des Unternehmens ist vermerkt, dass der Transport aufgrund der vulkanischen Unruhe ab gestern Mittag ausgesetzt ist.

Fünf vulkanische Systeme
Island befindet sich auf der Riftzone zweier tektonischer Platten, der Eurasischen und der Amerikanischen Platte. Die Zone verläuft von Südwesten nach Nordosten quer durch die Insel, und vereinfacht gesagt verursacht die Bewegung dieser Erdplatten jene vulkanische und seismische Aktivität, die wir momentan verspüren. Auf der Halbinsel Reykjanes befinden sich fünf separate vulkanische Systeme. Die Magma, die sich derzeit am Berg Þorbjörn sammelt, gehört zum Eldvörp-Svartsengi-System.
Auf der Halbinsel hat es immer wieder Perioden von seismischer Aktivität gegeben, die 600 bis 800 Jahre andauerten, sowie Perioden vulkanischer Aktivität, die eine Zeitspanne von 400 bis 500 Jahren hatten. Die Eruptionen der letzten Jahr weisen darauf hin, dass eine Phase der vulkanischen Aktivität auf der Halbinsel eingesetzt hat.

 

Reykjanes: Landhebung nahe der Blauen Lagune hat eingesetzt

Grindavík - Þorbjörn

Neusten Daten der Erdbebenabteilung beim Wetterdienst deuten darauf hin, dass gestern bei Svartsengi in der Nähe der Blauen Lagune eine Landhebung eingesetzt hat. Bislang gibt es keine Anzeichen dafür, dass sich Magma der Erdoberfläche nähert, aber Bewegungen in den Erdspalten der Region könnten am Ende dazu führen, dass sie weiter nach oben dringt, berichtet RÚV.

Die Landhebung konnte in GPS- und Satellitendaten nachgewiesen werden. Schon in 2020 und 2022 hatte in diesem Gebiet, nordwestlich des Berges Þorbjörn, eine Landhebung stattgefunden, nun zum fünften Mal, und diesmal offenbar rascher als zuvor. Zwar gibt es bislang keine Hinweise auf Magmabewegungen, doch das kann sich schnell ändern, etwa wenn Erdbeben die Lage in den vielen Erdspalten verändern.

Am Donnerstag war berichtet worden, dass sich unter dem Fagradalsfjall eine Magma-Intrusion bilden könnte. Der Vulkanologe Ármann Höskuldsson sagte RÚV gegenüber, dies könne darauf hindeuten, dass die Magma sich näher an der Eldvörp befinde und in die Kruste vordringe, wie es am Fagradalsfjall der Fall gewesen sei. Morgen Abend soll es neue Daten zur Tiefe und Grösse der möglichen Intrusion geben.
Seit dem 25. Oktober waren in der Region nördlich um Grindavík um die 7000 Erdbeben aufgezeichnet worden. Die Intensität der Beben hat etwas nachgelassen, die Serie selbst hält jedoch noch an.

Die Eldvörp ist eine zehn Kilometer lange Spaltenreihe, die sich vier Kilometer südwestlich der Blauen Lagune befindet. Sie gilt eine Art kleinere Ausgabe der Lakagígar, und ist im 13. Jahrhundert während der Reykjanesfeuer entstanden. Hier findet man ein Video des Umweltschützers und Fotografen Ellert Grétarsson über die 800 Jahre alte Kraterreihe.

Erneut seismische Unruhe auf der Halbinsel Reykjanes

Keilir

Auf der Halbinsel Reykjanes gibt es seit gestern Mittag wieder eine erhebliche Erdbebenaktivität. Das heftigste Erdbeben wurde mit einer Stärke von 3,9 nördlich von Grindavík aufgezeichnet, weitere Beben der Stärke zwei und drei folgten. Letzte Nacht gegen 23 Uhr bebte die Erde auch im Vulkan Bárðarbunga, dort wurden 4,9 aufgezeichnet.

Einar Hjörleifsson, der diensthabende Spezialist für Naturkatastrophen in der Erdbebenabteilung beim isländischen Wetterdienst, sagte RÚV heute morgen, die seismische Aktivität auf der Halbinsel habe sich nach Mitternacht verstärkt. Er sehe keine Anzeichen für vulkanische Unruhe, allerdings überwache man die Lage engmaschig.

In einem Interview mit Vísir im September hatte Benedikt Gunnar Ófeigsson von der Erdbebenabteilung erklärt, dass sich auf der Halbinsel das Land erneut hebe und dass man in den kommenden Monaten mit einem weiteren Vulkanausbruch dort rechnen müsse. Dabei sei dies das erste Mal, dass sich die Landhebung so früh nach dem Ende des letzten Ausbruchs zeige. Der Vulkanausbruch am Litli Hrútur hatte am 10. Juli begonnen und nur einen Monat angedauert. Wissenschaftler sind sich einig, dass auf der Halbinsel eine neue vulkanische Ära eingesetzt hat und dass die Region in naher Zukunt mit häufigen Ausbrüchen rechnen kann.
Auch in der Bárðarbunga hat es gestern gebebt, in dem aktiven Stratovulkan unter dem Eis des Vatnajökull wurde in der letzten Nacht ein Beben der Stärke 4,9 aufgezeichnet. Beben in dieser Stärke seien für die Region nicht ungewöhnlich. Eine Stunde später bebte es erneut mit einer Stärke von 2,2.

 

Reykjanes: Vulkanausbruch hat begonnen

Nach tagelangem Warten hat die vulkanische Eruption um 16.40 Uhr am Litla Hrútur auf der Halbinsel Reykjanes eingesetzt, gibt der isländische Wetterdienst bekannt. Zu Beginn war die erste Spalte, aus der Lava hochspritzte, 200 Meter lang, aus zwei kleineren Spalten quoll dann Lava im Ost- und Nordosthang des Litla Hrútur. Alle Spalten weisen nach Nordost in Richtung Keilir. Die Lava fliesst in eine Senke und von dort aus in nordöstlicher Richtung.

Mitarbeiter der Abteilung für Vulkane und Erdbeben beim isländischen Wetterdienst sind vor Ort und haben mit Messungen begonnen. In den Kommunen Reykjanesbær, Vogar, Vatnsleysa und im Hauptstadtbereich muss wegen des Südwindes heute Abend und Nacht mit Gasaufkommen gerechnet werden.

Tagelanges Vorspiel
Am Samstagmorgen hatte es an der alten Ausbruchsstelle am Fagradalsfjall einen Tremor gegeben. Am Samstagabend ereignete sich am Driffell um 22.23 Uhr ein heftiges Erdbeben der Stärke 5,2 das im ganzen Land zu spüren gewesen war. Dieses Beben hatte möglicherweise Auwirkungen auf das Grundwasser im Borgarfjörður, dort wurde eine Trübung des Wassers festgestellt.
Heute Mittag um 14 Uhr wurde wieder ein Tremor im alten Ausbruchsgebiet aufgezeichnet. Um 16.30 Uhr setzte der Tremor erneut ein, kurz darauf riss die Erdoberfläche auf und die Magma bahnte sich ihren Weg nach oben.

Grösserer Ausbruch als letztes Jahr
Der Geologe Magnús Tumi Guðmundsson gab RÚV gegenüber an, der Ausbruch ereigne sich an einer günstigen Stelle, die Spalten zeigten in Richtung Keilir, die Lava fliesse nach Süden, wo sie erst nach vielen Kilometern irgendwas gefährden könnte. Nach einem Erkundungsflug über das Gelände sagte er, der Ausbruch sei mindestens zehnmal stärker als der erste zu Beginn, und zwei- bis viermal grösser als der im letzten Jahr. Dichter Qualm liege über dem Gebiet, und die Lava breite sich schnell aus. Es handle sich hier um ein grösseres Ereignis. Wenn die Lava in der Menge und dem Tempo weiterfliesse, erreiche sie die Meradalir, wo die alte Lavadecke liegt. Nicht nur der Qualm, auch die Gasbelastung sei weitaus stärker als im letzten Jahr, und sie stelle auch die grösste Gefahr dar.

Gefahrenstufe und Sperrungen
Die Behörden haben die Gefahrenstufe ausgerufen und warnen dringend davor, das Ausbruchsgebiet zu betreten, zumindest solange bis die Wissenschaftler ihre Messungen beendet haben.
Einige Strassen und Wege sind gesperrt worden, und die Polizei hat alle Hände voll damit zu tun, Vulkanlustige von der Wanderung abzuhalten. Der Ausbruch ist nicht leicht zugänglich und der Weg sehr weit. Ausserdem können sich jederzeit weitere Spalten öffnen.
Autofahrer werden gebeten, ihr Fahrzeug nicht einfach am Strassenrand abzustellen oder gar mitten auf der Strasse anzuhalten, weil sie den Ausbruch anschauen wollen.

Hier findet man alle bislang verfügbaren Webcams.

 

Reykjanes: Besuchermassen, ein erster Verletzter, und Warten auf den Ausbruch

Die freiwillige Rettungstruppe Þornbjörn in Grindavík ist heute um 12.45 Uhr ausgerückt, um eine Frau zu retten, die sich im Erdbebengebiet zwischen den Bergen Keilir und Fagradalsfjall verletzt hat. Der Einsatz dauerte bis 14 Uhr. Vísir berichtet, dass sehr viele Touristen in dem Gebiet unterwegs seien. Die Behörden fordern alle auf, sich mit Vorsicht in dem Gelände zu bewegen.

Sechs freiwillige Retter, sowie Rettungssanitäter und Polizei mussten die Wanderin aus dem Lavafeld holen. Nach Angaben von Guðni Oddgeirsson sei sie nicht schwer verletzt gewesen und habe sitzend abtransportiert werden können.
Bislang ist das potentielle Ausbruchsgebiet nicht gesperrt, und sehr viele Touristen schauen sich dort um. Gesperrt wird erst, wenn der Vulkan ausgebrochen ist.
“Wenn wir den Publikumsverkehr hier regeln würden, dann würden wir nichts anderes tun,” meint Guðni. “Hier sind seit dem ersten Ausbruch 2021 viele Leute gewesen, und jeden Tag haben immer zwischen 30 und 50 Autos hier gestanden, ganz gleich, wie das Wetter war.” Er gehe davon aus dass sich sehr viele Menschen in dem Gelände befinden, weil das Wetter so gut sei.

Warn-SMS aufs Handy
Alle, die das Gelände betreten, erhalten vom isländischen Zivilschutz austomatisch eine Warn-SMS aufs Mobiltelefon.
“Das ist eine Warnung, dass etwas losgehen kann, und dass Erdbeben Steine aus den Hängen lösen können. Die Leute werden also gebeten, sich nicht unter steilen Hängen aufzuhalten, und sich in Acht zu ehmen, wenn da was losgeht. Es herrscht
auch kein Wind, und da kann sich Gas in den Senken sammeln. Das ist in der ganzen Sache jetzt das gefährlichste.”

Warten auf den Ausbruch
Alle warten natürlich gespannt, dass der Ausbruch beginnt, doch vorerst scheint Ruhe eingekehrt zu sein. Die Bebentätigkeit ist zurückgegangen und in den neusten Daten gibt es keine Veränderungen, so die Expertin für Naturkatastrophen, Elísabet Pálmadóttir. “Unsere Interpretation ist, dass das dicht unter der Oberfläche angekommen ist.” Allerdings liegt der Ort, wo die Magma vermutet wird, um die zwei Kilometer von der nächsten GPS-Station entfernt. Es gebe also nur zwei Alternativen: entweder sitzt die Magma dicht unter der Erdoberfläche, oder sie hat sich verlangsamt.

Ihre Kollegin Lovísa Mjöll Guðmundsdóttir erklärte gegen 15 Uhr, jetzt sei eine grosse Anzahl an Kleinstbeben, die kaum aufgezeichnet werden können, aufgetreten, was darauf hindeuten könnte, dass die Magma mit der obersten Erdschicht kämpfe. Man könne nichts anderes tun als warten, wie schon die vergangenen Tage. Zivilschutz und Wissenschaftler befänden sich in Alarmbereitschaft.

 

Reykjanes: Seismische Aktivität wie vor dem Ausbruch 2022

Meradalir

Neusten Daten zufolge sammelt sich Magma in weniger als einem Kilometer Tiefe zwischen den Bergen Keilir und Fagradalsfjall auf der Halbinsel Reykjanes. Der Magmafluss wurde als “erheblich” bezeichnet. Es gebe inzwischen starke Anzeichen dafür, dass ein Vulkanausbruch unmittelbar bevorstehen könnte, sagte ein Experte für Naturkatatrophen RÚV gegenüber.

Die seismische Aktivität in dem Gebiet zwischen Keilir und Fagradalsfjall geht weiter zurück. Lovísa Mjöll Guðmundsdóttir, eine Expertin für Naturkatastrophen beim isländischen Wetterdienst, vergleicht die Aktivität mit der vom letzten Jahr kurz vor dem Ausbruch.
“Die seismische Aktivität lässt weiter nach, und die Magma hat sich in einer Tiefe von einem Kilometer angesammelt. Falls die Magma die Oberfläche erreicht, dann können wir das in den kommenden Stunden oder Tagen erwarten. Wir sind in Habachtstellung und überwachen sämtliche verfügbaren Daten sehr sorgfältig.”

Ähnliches Muster wie beim Ausbruch 2022
Bislang sei keine Verformung der Erdoberfläche beobachtet worden. “Die Erdbeben werden schwächer. Das ist sehr ähnlich wie beim Ausbruch im letzten Jahr, als die Aktivität auf diese Weise zurückging. Die Erdbeben kamen auch aus einer ähnlichen Tiefe. Wir können also erwarten, dass das in naher Zukunft passieren wird.”
Die Vorwarnzeit werde voraussichtlich sehr kurz sein, so Lovísa. Nun gehe es darum, anhand der vorliegenden Daten und Ereignisse herauszufinden, wo die Magma möglicherweise an die Oberfläche brechen könnte.
Seit Beginn des Bebenschwarms auf der Halbinsel haben sich etwa 6500 Erdbeben dort ereignet, das schwerste wurde am Dienstag mit 4,8 aufgezeichnet.
Islands Zivilschutz hatte die Ungewissheitsstufe für die Region ausgerufen, und für den Flugverkehr gilt der orangefarbene Code.
Touristen wird unbedingt davon abgeraten, das Gebiet zu betreten.
Für Interessierte steht aber die RÚV- Webcams bereit. 
Hier finden sich die Webcams des Morgunblaðið.

50% Chancen auf neuen Vulkanausbruch auf der Halbinsel Reykjanes

Geldingadalir eruption lava

Der Vulkanologe Þorvaldur Þórðarson rechnet mit einer 50/50-Chance, dass bis zum Ende des Jahres auf der Halbinsel Reykjanes ein neuer Vulkanausbruch beginnt. Dieser könnte an Land geschehen, wie in den Geldingadalir zwischen März und September 2021, oder vor der Küste im Meer. Der Ausbruch im letzten Jahr hatte nur wenig Auswirkungen auf die umliegenden Regionen gehabt, ein solcher Ausbruch kann jedoch immer die Möglichkeit von Luftverschmutzung, Aschefall oder Störungen im Flugverkehr mit sich bringen, erklärte Þorvaldur RÚV gegenüber.

Erdbebenserie auf Reykjanes
Seit vergangener Woche bebte die Erde wieder auf der Halbinsel. Der zweite Bebenschwarm begann am Sonntagmorgen, zwei Beben kamen mit einer Stärke von M3. Seitdem ist die Aktivität wieder zurückgegangen, doch Þorvaldur meint, dass die Erdbeben ein Zeichen für Magmabewegungen unter der Oberfläche sein könnten. Anzeichen für einen unmittelbar bevorstehenden Ausbruch gibt es derzeit nicht.

Auf See oder an Land?
Ausbrüche im Meer bergen andere Risiken als Eruptionen auf dem Land, erklärte der Vulkanologe. “Wenn das ein kleiner, netter Touristenausbruch ist, wie der am Fagradalsfjall, dann ist es gut, ihn an Land zu haben, aber wenn er grösser und mächtiger ausfällt, dann sieht die Lage anders aus und es gibt mehr Risiken in Bezug auf Lavafluss und Schwefelbelastung in der Atemluft.” sagte er. “Eruptionen an Land bringen viel mehr Schwefelverschmutzung mit sich als Unterwassereruptionen, die viel Dampf erzeugen, doch dieser Dampf kondensiert in der Wolke und beseitigt den Schwefel. Wenn der Ausbruch an Land stattfindet, dann haben wir nicht soviel Dampf und weitaus weniger Schwefel wird sofort beseitigt, der fällt stattdessen auf den Boden oder breitet sich aus und sorgt für Verschmutzung. Das ist der Nachteil von Ausbrüchen an Land.”

Eine Unterwassereruption könnte allerdings dennoch für ordentlichen Aschefall im Südwesten sorgen, und bis in den Hvalfjörður hinauf. Wenn solch ein Ausbruch stattfinde, könne die Magma sich auch an mehreren Stellen den Weg an die Oberfläche des Meeresbodens bahnen.
Experten hatten zuvor erklärt, der Ausbruch in den Geldingadalir markiere wahrscheinlich den Beginn einer Periode von vulkanischer Unruhe auf der Halbinsel.