Birnir und Emília sind beliebteste Vornamen in 2023

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Birnir ist der beliebteste Jungenname des Jahres 2023 gewesen. Bei den Mädchen führt Emília die Liste an. Diese Daten zum Beliebtheitsgrad von Vornamen hat heute das Statistische Amt veröffentlicht.

Neugeborene erst mal namenlos
Insgesamt 30 Kinder haben im vergangenen Jahr den Namen Birnir erhalten, auf Platz zwei und drei lagen Emil und Elmar, dann folgen Jón und Óliver.
Bei den Mädchen erfreute sich in 2023 Emíla grosser Beliebtheit, gefolgt von Sara, Sóley, Embla, und Aþena (Athena).
In Island folgt die Namenskultur anderen Traditionen. Neugeborene erhalten nicht gleich nach der Geburt einen Vornamen, sondern erst bei ihrer Taufe oder bei einer nicht-religiösen Zeremonie im Alter von etwa zwei Monaten. Viele Eltern halten den geplanten Namen sogar bis zur Taufe geheim. Dem Gesetz nach muss ein Kind spätestens nach sechs Monaten auf einen Vornamen registriert sein, sonst droht den Eltern oder dem Vormund eine Geldstrafe. Auch heute noch werden Kinder oft nach ihren Grosseltern benannt, doch zeigen die Einträge beim Statistischen Amt, dass sich Namenstrends mit der Zeit ändern.

Namensausschuss entscheidet
In früheren Zeiten kümmerte sich der Priester darum, dass der Täufling einen gesellschaftlich akzeptablen Namen erhielt. Heute ist es Sache des Namensausschusses, der alle Namensanträge auf den Tisch bekommt und nach festgesetzten Regeln neue Namen zulässt oder ablehnt, überdies pflegt der Ausschuss eine Liste aller bewilligten Namen, aus der man wählen kann.
Die Existenz dieses Ausschusses ist in den vergangenen Jahren immer wieder Gegenstand der öffentlichen Kritik gewesen, unter anderem hatte die damalige Justizministerin Áslaug Arna Sigurbjörnsdóttir seine Abschaffung gefordert.

Anders als in Deutschland sind in Island traditionelle Vornamen immer noch voll im Trend. Die beiden beliebtesten Namen in Island sind Anna (6,272 Personen) und Jón (5,599 Personen), gefolgt von Guðrún (4,923 Personen), Sigurður (4,445) und Guðmundur (4,208).

Isländische Vornamen haben kein Geschlecht mehr

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In Island müssen Vornamen im nationalen Namensregister nicht mehr länger als “weiblich” oder “männlich” unterschieden werden, berichtet RÚV. Das bedeutet, dass nun jeder irgendeinen Namen aus dem Register benutzen kann, ganz gleich, welches Geschlecht er hat. Die neue Regelung stellt eine grosse Veränderung in der isländischen Namenstradition dar.

Zuvor hatte die Regelung gegelten “Mädchen sollen Mädchennamen tragen, und Jungen solllen Jungennamen tragen.”

Der Wegfall der Geschlechtsbindung eines Vornamens ist Teil des Gesetzes zur Geschlechterautonomie, welches das Parlament in der vergangenen Woche verabschiedet hat. Es gilt für Eltern, die ihrem Kind einen Namen geben wollen, und auch für Erwachsene, die ihren Vornamen ändern möchten.

Des weiteren gibt das neue Gesetz einer Person das Recht, ihr offizielles Geschlecht passend zu ihrer gelebten Realität zu ändern, und sich als weder männlich noch weiblich (dann als “x” in Dokumenten) zu registrieren.

Zuvor war es nicht möglich gewesen, einen Namen an Jungen und Mädchen zu vergeben, ausser in seltenen Fällen, wo ein Präzendenzfall vorlag. Wenn etwa eine Frau einen Namen tragen wollte, der als männlich registriert war, musste sie eine Petition mit der Bitte um Erlaubnis an den isländischen Namensausschuss übersenden.

Ein derartiger Fall gelangte im Jahr 2013 in die Medien, als die damals 15-jährige Blær Bjarkardóttir Rúnarsdóttir vom Staat darüber informiert wurde, dass sie ihren Namen ändern müsse, weil Blær nur für Jungen zulässig sei. Ihre Mutter, Björk Eiðsdóttir, hatte ihre Tochter Blær genannt und berief sich auf belegten Gebrauch des Namens für Mädchen, doch der Ausschuss hatte den Namen nicht erlaubt. Sämtliche Papiere des Mädchens liefen auf “Stúlka” (Mädchen). Björk und Blær klagten gegen den Staat und verlangten, dass das Mädchen das Recht erhalte, seinen Namen weiter zu tragen. Blær gewann den Prozess noch im selben Jahr.

Im vergangenen Jahr gab es einen ähnlichen Fall, als der Namensausschuss einer Vierjährigen das Recht verweigerte, den Namen “Alex” zu tragen. Nach Ansicht des Ausschusses ist “Alex” als Jungenname registriert.

Am 18. März wurde die Entscheidung revidiert, da Fälle vorgelegt werden konnten, in denen Alex als Mädchenname duchgegangen war.

Das neue Gesetz zur Geschlechterautonomie erlaubt Personen, die sich als geschlechtsneutral (“x”) registriert haben, geschlechtsneutrale Familiennamen zu benutzen, anstatt der in Island gebräuchlichen Tradition, Jemandes Sohn oder Tochter zu heissen. Zur Zeit tragen Mädchen die Endung -dóttir (Tochter) und Jungen die Endung -son (Sohn), angehängt an den Namen eines Elternteils, in der Regel wird der Vorname des Vaters gewählt.

Nun gibt es die geschlechtsneutrale Version -bur, die vollkommen neutral ist. Alex Jónsdóttir war zuvor Alex, die Tochter von Jón, Alex Jónsson war der Sohn von Jón. Nach der neuen Namensregel können das Mädchen Alex wie der Junge Alex nun Alex Jónsbur heissen – das Kind von Jón.

Diese neue Regelung kann nur von Isländern angewendet werden, die sich weder als weiblich noch als männlich haben registrieren lassen. Personen die als weiblich eingetragen sind, müssen weiterhin die Endung -dóttir tragen, Personen die als männlich eingetragen sind, müssen -son als Namensendung benutzen.